Unfälle und Verletzungen

Die häufigsten Unfallfallen für Kinder zu Hause – und wie Sie sie beheben

Lesedauer unter 7 Minuten
Ein Junge steht in der Küche und rührt in einer Pfanne

Autor/in

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Eltern verschließen den Schrank mit den Putzmitteln und den Medikamenten immer sorgfältig. Sie sichern den Pool, damit kein Kind unbemerkt hineinstürzt und sie montieren Absperrgitter an die Treppe. Doch es lauern noch viel mehr Gefahren im Haushalt, an die man nicht unmittelbar denkt. Studien zeigen, dass Eltern einige Unfallrisiken unterschätzen. Ein Ratgeber mit Denkanstößen für potenzielle Gefahrenquellen – damit Kinder zu Hause sicher aufwachsen.

Kinderunfälle passieren meistens zu Hause

Fast alle Unfälle im Kindes- und Jugendalter passieren laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts im gewohnten Umfeld: zu Hause (43,8 Prozent), in der Schule oder in anderen Betreuungseinrichtungen (24,2 Prozent) sowie auf dem Spielplatz oder in Sporteinrichtungen (17,4 Prozent). "Mit dem wachsenden Aktionsradius von Kindern verändern sich die konkreten Umstände und Orte von Unfällen", sagt Anke-Christine Saß vom Robert Koch-Institut. Fallen Zweijährige typischerweise zu Hause von Bett oder Treppe, verunglücken Siebenjährige eher beim Toben in der Schule.

Jungen verletzen sich dabei eher als Mädchen, jüngere Kinder öfter als ältere. Am häufigsten kommt es in den eigenen vier Wänden zu Stürzen, Verbrennungen und Verbrühungen, Vergiftungen oder Verschlucken von Kleinteilen oder Lebensmitteln. Je nach Alter variieren die Verletzungsfolgen: Offene Wunden sind laut der Studie des Robert-Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS-Studie) besonders häufig bei kleineren Kindern. Später rücken Prellungen, Zerrungen und Verrenkungen in den Vordergrund. Auch die Knochenbrüche nehmen erst ab dem Schulalter zu.
Zu Hause ist es also, anders als viele meinen, gefährlicher als auf der Straße: Nur zwölf Prozent der Unfälle bei Kindern bis 5 Jahren passieren im Straßenverkehr. Die Gefahren im Haushalt unterschätzen Eltern dagegen – aus deren Sicht ist der Straßenverkehr das größte Risiko für Kinder.

Die häufigsten Unfallarten nach Alter



0-6 Monate

  • Sturzunfälle, vor allem vom Wickeltisch
  • Transportunfälle
  • Ersticken

ca. 7 Monate bis etwa 4 Jahre

  • Verschlucken von Gegenständen
  • Vergiftungen/Verätzungen (Reinigungsmittel, ätherische Öle und Lampenöle, Medikamente, Giftpflanzen)
  • Verbrühungen/Verbrennnungen (Herd, heiße Töpfe)
  • Stürze beim Treppensteigen
  • Stürze durch Lauflernhilfen
  • Elektrounfälle (Steckdosen)
  • Ertrinken (Gartenteich, Regentonne)

ab etwa 5 Jahren

  • Sport- und Freizeitunfälle, vor allem Stürze und Zusammenstöße
  • Verkehrsunfälle

Quelle: www.kindergesundheit-info.de


Die gefährlichsten Unfallorte

Die Küche

Glühende Herdplatten, kochendes Wasser, heiße Ofenscheiben, warmer Kaffee auf dem Tisch, das Innenleben von Toastern, schlecht gesicherte Kinderstühle, herumliegende Messer: Diese Liste könnte man endlos fortsetzen. In der Küche ist eben vieles heiß, scharf, spitz oder elektrisch – und damit für Kinder gefährlich. Für sie ist die Küche sogar der größte Unfallort in der Wohnung oder im Haus. Zum Verhängnis wird Kindern häufig ihre Reaktionsgeschwindigkeit: Sie ist noch deutlich langsamer als bei Erwachsenen. Daher können sie ihre Hände nicht so schnell zurückziehen, wenn etwas heiß ist, und erleiden wesentlich häufiger Verbrennungen. Außerdem ist ihre Haut noch dünner und empfindlicher.
So schaffen Sie Sicherheit:
Lassen Sie nie heißen Kaffee oder einen Teller mit kochender Suppe in Reichweite von Kindern herumstehen. Verstecken Sie Kabel von Wasserkochern – diese sollten nie auf den Fußboden hängen, sodass Kinder daran ziehen könnten. Achten Sie immer darauf, dass Ihnen kein Kind in die Beine rennen kann, wenn Sie gerade mit kochendem Wasser oder heißem Tee hantieren. Schließen Sie Elektrogeräte weg, in die Kinder hineingreifen könnten, beispielsweise Toaster. So können die Kleinen keinen Stromschlag bekommen. Moderne Küchengeräte wie ein Herd mit Induktionsplatten sind viel sicherer als ältere, da sie sich meist nicht so stark erhitzen. Kaufen Sie nur Hochstühle, die TÜV-geprüft sind und Sicherheitssiegel haben, und schnallen Sie Ihr Kind darin immer an. Verschließen Sie die Messerschublade oder legen Sie die Messer so hinein, dass Kinderhände nicht drankommen.

Das Badezimmer

Zu heißes Wasser in der Badewanne, herumliegende Tabletten und Nagelscheren, rutschende Fußmatten, Putzmittel: Im Badezimmer drohen ähnliche Gefahren durch zu heißes Wasser wie in der Küche. Hinzu kommt, dass Nässe den Boden immer wieder rutschig macht und Kinder leicht hinfallen, weil sie noch unsicher auf den Beinen sind. Häufig stehen oder liegen zudem Putzmittel oder Medikamente herum, die Kinder nicht als gefährlich oder giftig erkennen. Im Gegenteil: Für sie sind bunte Flaschen und Pillen besonders spannend.
So schaffen Sie Sicherheit:
Schließen Sie alle Medikamente in einen Schrank ein und verstecken Sie den Schlüssel. Kaufen Sie rutschfeste Badematten und eine Anti-Rutschmatte für die Badewanne. Stellen Sie eine kleine Trittleiter oder einen Hocker bereit, sodass die Kinder leichter an den Wasserhahn gelangen und nicht aus Versehen – weil sie nicht groß genug sind – das heiße Wasser aufdrehen. Messen Sie vor jedem Wannenbad das Badewasser mit einem Thermometer, auf dem angezeichnet ist, wie heiß ein Kinderbad sein darf. Nämlich höchstens 38 Grad Celsius.

Das Kinderzimmer

Stürze vom Hochbett und von der Wickelkommode, umfallende Kasperltheater, ungesicherte Steckdosen: Im Kinderzimmer ist es besonders wichtig, auf Sicherheit zu achten, denn dort verbringen die Kinder viel Zeit, mit zunehmendem Alter auch unbeaufsichtigt.
So schaffen Sie Sicherheit:
Lassen Sie Ihr Baby beim Wickeln nie aus den Augen – auch nicht für eine Sekunde. Legen Sie sich vorher alles bereit, was Sie brauchen. Verankern Sie einen Herausfallschutz am Hochbett und sprechen Sie eindringlich mit Ihren Kindern, dass sie niemals auf dem oberen Bett stehen sollen, sondern nur knien. Prüfen Sie das gesamte Kinderzimmer auf potenzielle Gefahren und suchen Sie nach Kleinteilen, die Kinder verschlucken könnten. Machen Sie diesen Rundgang im Idealfall mehrmals im Monat und entsorgen Sie dabei kaputtes Spielzeug. Herumliegende kleine Teile sollten Sie ständig aufsammeln und bis die Kinder größer sind, sicher deponieren oder wegwerfen.

Das Wohn- und Schlafzimmer

Umkippende Möbel, herausfallende Einlegeböden von Regalen, Stürze in Kakteen und vom Sofa, ungesicherte Steckdosen: Die schwersten Unfälle in den restlichen Zimmern des Hauses oder der Wohnung passieren durch umfallende Möbelstücke, die nicht oder nicht ausreichend in der Wand verankert sind. Ebenfalls ein häufig tödliches Unfallrisiko sind leicht zu öffnende Fenster.
So schaffen Sie Sicherheit:
Fixieren Sie alle schweren Möbelstücke sicher in der Wand – Kinder kommen auf die merkwürdigsten Kletterideen. Auch Regalbretter sollten nach Möglichkeit im Regal verschraubt sein. Sichern Sie Steckdosen durch Kindersicherungen. Tauschen Sie normale Fenstergriffe durch Griffe mit Kindersicherung, die Kinder nicht eigenhändig öffnen können. Verstauen Sie die Schlüssel für abschließbare Fenstergriffe sicher und überzeugen sich, dass die Kinder das Versteck nicht kennen.

Glastüren und Glastische

Eine zersplitterte Glastür, eine umgefallene Bodenvase, ein fallengelassenes Trinkglas: Glas ist ein besonders gefährlicher Werkstoff, wenn man Kinder hat. Beim Toben stoßen sie sich leicht am Glastisch, schlagen die Tür mit Glasfenster zu oder schubsen sich gegenseitig. Bricht dabei das Glas, kann es ihnen schwere Schnittverletzungen zufügen.
So schaffen Sie Sicherheit:
Entfernen Sie nach Möglichkeit alle Gegenstände aus Glas aus der Reichweite der Kinder. Sollte dies nicht möglich sein – zum Beispiel bei Möbelstücken – sichern Sie das Glas so gut es geht ab. Im Möbelhaus oder im Drogeriemarkt gibt es Eckenschützer aus Plastik für Glastische. Glastüren können Sie mit Splitterschutzfolie aus dem Baumarkt bekleben oder lustige Sticker auf das Glas kleben. So machen Sie Ihren Kindern bewusst, dass hier Vorsicht geboten ist. Erinnern Sie die Kinder immer wieder daran, die Tür nicht zu stark ins Schloss zu schlagen.

Der Balkon und die Treppe

Klettern auf der Balkonbrüstung, der Kopf steckt im Geländer fest oder es kommt sogar zu einem Sturz von der Treppe oder dem Balkon – all dies kann schwerwiegende Folgen haben. Während Kleinkinder laut KiGGS-Studie vor allem durch Stürze aus der Höhe verunglücken (38,8% der Unfälle), stürzen ältere Kinder und Jugendliche meistens in der Ebene (31,9% der Unfälle), wie zum Beispiel beim Skateboard- und Rollerfahren. Stürze aus großer Höhe enden häufig mit schwersten oder sogar tödlichen Verletzungen. Daher sollte hier alles dafür getan werden, um Treppen und Balkone abzusichern.
So schaffen Sie Sicherheit:
Für die Treppe gibt es leicht montierbare Treppenschutzgitter oder Türen. Sie können auch einen Treppenläufer an den Stufen befestigen, sodass das Kind nicht durch etwaige Zwischenräume rutschen kann. Bringen Sie Ihrem Kind außerdem bei, rückwärts die Treppe hinunter zu krabbeln. Stürzt das Kind dann, ist der Fall nicht so hart wie mit dem Kopf voraus. Kann das Kind schon laufen, sollte es sich immer am Geländer festhalten, nicht rennen und niemals am Geländer klettern. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es niemals den Kopf durch das Geländer stecken darf: Manchmal geht er noch hindurch, dann aber nicht mehr zurück. Lassen Sie deshalb Ihr Kind nicht aus den Augen, wenn Sie auf dem Balkon entspannen oder zusammen die Treppe hinuntergehen.

Gut gewappnet mit der Kindernotfall-App

Egal, ob bei kleinen Verletzungen, plötzlichen Erkrankungen oder Unfällen: Die kostenlose Kindernotfall-App unterstützt Sie dabei, zuvor erlernte Techniken und Maßnahmen aus einem Erste-Hilfe-Kurs richtig anzuwenden. Außerdem liefert die App viele weitere Funktionen, so zum Beispiel die direkt anwählbare Notrufnummer. Und über die Landkarte werden Kinder- und Jugendärzte, Notfallambulanzen und Apotheken in der Nähe angezeigt.

Hier geht's zur Kindernotfall-App

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