Eine junge Frau schreibt mit ihrer linken Hand in ein Notizbuch
Psyche

Linkshänder: Sieben erstaunliche Fakten

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Redaktion

  • Barmer Internetredaktion

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  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)

Was Justin Bieber, Lady Gaga, Scarlett Johansson und sieben ehemalige US-Präsidenten wie Barack Obama und Bill Clinton gemeinsam haben? Sie gehören zu den rund zehn Prozent, die lieber ihre linke Hand für Dinge wie Smartphone-Tippen oder Schreiben benutzen. Ein ziemlich exklusiver Club also, über den die 90 Prozent, die vor allem mit rechts hantieren, oft ziemlich wenig wissen. Weil Linkshänderinnen und Linkshänder mehr Awareness verdient haben, gibt es von uns die folgenden sieben Fakten zu diesem faszinierenden Phänomen. 

Wie viele Menschen ihr Leben mit links meistern – darüber stritten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bis vor Kurzem. Und das seit Jahrzehnten.

Denn je nach Strenge der Kriterien sprachen manche von lediglich fünf Prozent Linkshänderinnen und Linkshändern, andere von 22 Prozent und wieder andere sogar von 50 Prozent. 2020 machte das internationale Team um die Neuropsychologin Dr. Marietta Papadatou-Pastou von der Universität Athen diesen Unklarheiten vorerst ein Ende: Die Forscher analysierten in einer Metastudie die Daten von fast zweieinhalb Millionen Menschen aus rund 200 Untersuchungen – und gehen im Schnitt von einer „Sinistralität“ von 10,6 Prozent aus. Der Begriff leitet sich übrigens aus dem lateinischen Wort für „links“, „sinister“, ab. Einer von zehn Menschen in Deutschland bevorzugt also die linke Hand. Manche Studien ermittelten in Europa einen Linkshänderanteil von bis zu 15 Prozent.

Das gleiche Forscherteam, das die Anzahl der Linkshänder analysierte, fand heraus, dass etwa weitere neun Prozent der Menschen gern beide Hände benutzen. Sie kommen je nach Tätigkeit mal mit rechts, mal mit links besser klar. Dann wird der Ball etwa mit dem rechten Fuß gekickt oder eine Zeichnung mit der rechten Hand angefertigt, ein Sprint beim Laufen aber mit dem linken Fuß gestartet oder mit der linken Hand unterschrieben. Dabei gilt in der Regel: Je komplizierter die Tätigkeit, desto deutlicher kommt die bevorzugte Seite zum Vorschein.

3. Händigkeit ist eine Laune der Natur.

Platon war der Meinung, es liege an der Erziehung. Aristoteles war sich sicher, es sei angeboren. Heute weiß man: Entscheidend, welche Hand im Leben bevorzugt wird, sind verschiedene Faktoren. Die Gene machen laut Zwillingsstudien etwa einen Anteil von 25 Prozent aus. Ist etwa die Oma Linkshänderin und hantiert auch der Papa viel mit links, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Nachwuchs mit links greift, malt, schreibt.

Vier verantwortliche Genvarianten – von denen es vermutlich aber noch wesentlich mehr gibt – entdeckten britische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 2019. Sie betreffen die Leitungsbahnen zwischen den Sprachzentren. Weitere Hinweise gibt es für frühe Umweltfaktoren.

Darunter fallen zum Beispiel das Geburtsjahr, der Geburtsort und das Geburtsgewicht, die Jahreszeit am Tag der Geburt, der kulturelle Hintergrund und das Geschlecht. So neigen leichte Babys und Jungen eher zur Linkshändigkeit als schwere Babys und Mädchen. In Kulturen, in denen Linkshändigkeit besser angesehen ist als hierzulande, gibt es auch mehr Linkshänder.

Außerdem könnten Mehrlingsgeburten und ob die Mutter ihr Baby stillt einen gewissen Einfluss auf die spätere Händigkeit des Kindes haben. Einige Daten lassen vermuten, dass Linkshändigkeit möglicherweise auch vererbt wird. Jeder einzelne dieser Faktoren übt aber nur einen sehr geringen Einfluss aus.

Je nach Händigkeit ist das Gehirn etwas anders organisiert: Bei bevorzugter linker Seite verarbeitet es Sinneseindrücke mit der gegenüberliegenden Gehirnhälfte. Deshalb ist dann der rechte Teil führender, der vor allem auf Intuition, Kreativität und Wahrnehmung spezialisiert ist.

Bei Rechtshänderinnen und Rechtshändern ist es die linke Hemisphäre, die das logische Denken, die Detailwahrnehmung und die Sprachzentren beherbergt. Geht es um Dinge wie Phantasie, Kreativität und das Bauchgefühl, handeln linksdominante Menschen deshalb manchmal anders: ganzheitlicher, empathischer, bildhafter.

5. Linkshänder umzuschulen, ist schädlich.

Seit Jahrtausenden ist der Mensch davon überzeugt: Das Rechte ist gut, das Linke falsch. Das liegt unter anderem am „rechten Glauben“ der Bibel: Alles, was mit Links zu tun hat, gilt dort als böse. So wurden bis in die 1980er Jahre Kinder gezwungen, mit rechts zu schreiben, obwohl sie es lieber mit links getan hätten.

Nach wie vor hantieren manche Kleinkinder entgegen ihrer Veranlagung: Sie gucken sich die allgegenwärtige Rechtshändigkeit von ihrer Umwelt ab. Und wenn der Löffel immer rechts vom Teller liegt und der Stift immer in die rechte Hand gegeben wird, essen und malen sie auch eher mit rechts.

Das ist nicht gut, denn: Der dominante Teil des Gehirns bleibt dominant, wird aber durch die Umorientierung eingeschränkt. Das ist ein massiver Eingriff ins Gehirn – weshalb Umschulungen in Deutschland heute sogar als Körperverletzung gelten: Die andere Hemisphäre muss dadurch mehr Aufgaben übernehmen und ist deshalb schnell überlastet. Gravierende Folgen einer Umschulung von Linkshändern auf rechts können sein:

  • Sprach-, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
  • Schreib- und Leseprobleme
  • Schulabbruch
  • Beeinträchtigung der Feinmotorik
  • Minderwertigkeitsgefühle
  • Unsicherheit
  • Stress

6. Linkshändigkeit ist stigmatisiert.

Sicher, es gibt Scheren, Messer und anderes Equipment für Linkshänderinnen und Linkshänder. Doch bei Geldbörsen, technischen Geräten und vielen anderen Alltagsgegenständen müssen sich linksdominante Menschen an die rechtshändige Welt anpassen. Trotzdem wurden Linkshänder früher noch wesentlich gravierender gebrandmarkt: Im alten Rom galten linkshändige Sklavinnen und Sklaven als „beschädigt“ und weniger wert.

Im frühen Japan durfte sich ein Mann scheiden lassen, wenn er entdeckte, dass seine Frau Linkshänderin war. Und noch heute können in einem Stamm Ghanas Menschen , die die linke Hand bevorzugen, nicht König oder Königin werden, weil Linkshändigkeit als unrein gilt. In Europa ist zum Glück klar: Linkshändigkeit ist „eine Normvariante der biologischen Entwicklung, die im Alltags- und Arbeitsleben zu berücksichtigen ist“.

So steht es jedenfalls in der Leitlinie „Händigkeit“ der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin und der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft. Weil die Akzeptanz der Linkshändigkeit in den vergangenen Jahren immer größer wurde, ist manchen Wissenschaftlern zufolge auch der Anteil der Linkshänder mittlerweile gestiegen: auf bis zu 20 Prozent.

7. Linkshänder haben einen Wettbewerbsvorteil beim Sport.

Linksdominante Menschen sind intelligenter und kreativer? Stimmt leider nicht – welche Hand bevorzugt wird, hat mit der Intelligenz nichts zu tun. Doch im Sport haben Linkshänder einen Vorteil – zumindest in Duellen, bei denen es um Schnelligkeit geht: Laut einer Studie des Sportwissenschaftlers Florian Loffing von der Uni Oldenburg besetzen beim Tischtennis, Baseball und Cricket übermäßig viele Linkshänder die Weltspitze.

Vermutlich liegt das am Gegenüber: Er oder sie sind auf die blitzschnellen und spiegelverkehrten Bewegungen nicht eingestellt, weil sie naturgemäß seltener mit Linkshänderinnen und Linkshändern trainieren. Unter sehr hohem Zeitdruck macht sich die schlechtere Vorbereitung dann einmal mehr bemerkbar.

Es könnte zudem sein, dass Menschen mit einer Links-Präferenz neurophysiologisch schneller auf Reize reagieren und beide Seiten harmonischer koordinieren können, wodurch sich der Rechts-Links-Unterschied für sie eher ausgleicht. Nicht der schlechteste Vorteil …

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