Pflegende Angehörige

Sicher unterwegs mit dem Gehstock – Hilfsmittel für ein selbstbestimmteres Leben

Lesedauer unter 5 Minuten
Zwei Senioren mit Gehstock treffen sich auf einer Parkbank

Autor/in

Norbert Kamps (Diplom-Ingenieur, unabhängiger Fachexperte und Sachverständiger für Hilfsmittelversorgung)

Qualitätssicherung

Juliane Diekmann (Diplom-Pflegewissenschaftlerin, Barmer Pflegekasse)
Inhaltsverzeichnis

Das freie Gehen zählt zu den wichtigsten Körperfunktionen. Hilfsmittel wie der Gehstock sind daher im Alltag vieler Menschen unerlässlich – auch um gefährliche Stürze zu vermeiden. Für wen sich die Gehhilfe eignet und auf was Sie bei der Auswahl achten sollten, haben wir für Sie zusammengefasst.

Jeder kennt sie: Gehhilfen wie Rollatoren Rollatoren, Gehböcke, Gehstützen und Gehstöcke. Sie gelten längst nicht mehr als stigmatisierend, sondern als selbstverständliches Hilfsmittel des täglichen Lebens. Doch während Hersteller ihre Rollatoren in vielfältigen Varianten, Designs und mit unterschiedlichsten Funktionseigenschaften und Zubehör anbieten, mit Liebe zum Detail und teils edel und elegant, genießen die „einfachen“ Gehhilfen, die Gehstöcke, oft ein Mauerblümchendasein – zu Unrecht. Denn diese Stöcke können im wahrsten Sinne des Wortes eine große Last nehmen.

Wie lassen sich Stürze mit einer Gehhilfe ganz einfach vermeiden?

Als Hand-, Geh- oder Faltstock, als Mehrfußgehilfe – oder manchmal auch ein wenig despektierlich als „Krückstock“, Spazierstock oder Wanderstock bezeichnet – weisen diese Gehhilfen je nach Konstruktion unterschiedliche Eigenschaften auf und haben doch viele Dinge gemeinsam: die Entlastung und Stützung des Körpers und somit auch den Schutz vor Stürzen. Sie werden – im Gegensatz zu Rollatoren, Gehgestellen und -böcken – mit einer Hand genutzt.

Wie kann die Gehhilfe dazu beitragen, die Selbstständigkeit herzustellen?

Gehstöcke unterschiedlicher Hersteller kompensieren mangelnde Fähigkeiten, unterstützen die Balance und statomotorische Funktionen. Sie kommen bei angeborenen oder erworbenen Funktionseinschränkungen des Stütz- und Bewegungsapparates zum Einsatz. Allesamt dienen sie insbesondere Personen mit weniger stark ausgeprägten Steh- und Geheinschränkungen, die noch mehr oder minder gut selbstständig aufstehen, stehen und gehen können, dabei aber Unterstützung und Halt benötigen. Der Gehstock ermöglicht so bei einer leichten, aber kompensierbaren Gangstörung Selbstständigkeit (ohne Hilfsperson) beim Stehen und Gehen auf den eigenen Beinen, wenn auch mit verlangsamtem Bewegungsablauf.

Doch selbst wenn die Mobilität bereits stärker eingeschränkt sein sollte und etwa Rollatoren, Scooter oder gar Rollstühle für längere Wegstrecken genutzt werden, erweisen sich Gehstöcke für kürzere Wegstrecken sowie auf engem Raum als nützlich, beispielsweise in der eigenen Wohnung, im Café oder auch auf Treppen. Einzelne Stützen sind in Wohnungen oder beim Einkaufen weniger hinderlich als beispielsweise ein Rollator und können auch auf dem Rollstuhl mitgeführt werden. Ihr Gebrauch erfordert aber mehr Balance, Kraft und Geschicklichkeit. Wichtig ist daher, dass die Funktion der Arme noch so weit gegeben ist, dass die Kräfte sicher auf die Gehhilfe übertragen werden.

Warum sollte eine Gehhilfe auf die Körpergröße einstellbar sein?

Gehstöcke gibt es aus unterschiedlichen Materialien wie Holz, Stahl, Aluminium oder seltener auch Carbon. Sie bestimmen im Wesentlichen das Gewicht des Stocks.

Alle Stöcke müssen auf die richtige Körpergröße eingestellt werden. Bei Holzstöcken wird der Schaft entsprechend vom Sanitätshaus gekürzt, Metallstöcke sind meist in Stufen höhenverstellbar.

L-Derby, Step-Derby oder Fritz-Griff: Wie findet ich den richtigen Griff?

Bei den Handgriffen unterscheidet man zwischen den vom Spazierstock bekannten Rundgriffen, den wesentlich mehr Halt bietenden rechtwinklig angeordneten Fritzgriffen, den „geschwungenen“ Derbygriffen, dem Fischergriff und den anatomischen Handgriffen.

Rundgriffe sind in der Regel weniger zu empfehlen, bieten sie doch den geringsten Halt und Komfort.

Fritz-Griff und Derbygriff entlasten durch ihre Form das Handgelenk. Sie bieten gegenüber dem Rundgriff mehr ergonomischen Halt und Komfort. Der Derbygriff ermöglicht zudem bei Nichtbenutzung das Einhängen des Stocks, zum Beispiel am Unterarm oder an Stuhllehnen.

Der Fischergriff ist anatomisch geformt und verfügt über Griffschalen. Diese bieten einen hohen ergonomischen Halt und sehr guten Komfort – ist ihre Auflagefläche doch wesentlich größer, da die gesamte Handinnenfläche zur Abstützung herangezogen wird. Auch bei längerer Verwendung ist die Nutzung des Fischer-Stocks nicht ermüdend. Durch die gleichmäßige Druckverteilung werden die Handgelenke entlastet.

Ein anatomischer Griff ist am Anfang des Handgriffs stärker ausgeprägt und unterstützt zusätzlich Daumen und Zeigefinger, sodass ein Abrutschen der Hand vom Griff wirkungsvoll verhindert wird. Bei anatomischer Anpassung müssen die Griffe der Handgröße entsprechen.

Außerdem ist – wie auch beim Fischergriff – zwischen links- und rechtshändiger Nutzung zu unterscheiden. Rund-Griff, Fritz-Griff und Derby-Griff können sowohl links als auch rechts genutzt werden. Letztendlich muss ein Austesten über die passende Griffform entscheiden. Ungeeignet sind allerdings Gehstöcke mit Knauf, da sie praktisch keine Entlastung beim Gehen bieten.

Womit sollte ein Gehstock gut gepuffert sein?

Am Fußende eines Stocks wird üblicherweise ein flexibles Laufgummi, der sogenannte Gummi- oder Stockpuffer, befestigt. Dieser Gummipuffer dämpft die beim Aufsetzen des Stocks auf einen Untergrund entstehende Schwingung, sodass Stöße in das Schulter-, Ellenbogen- und/oder Handgelenk gelindert werden. Auch verhindert der Gummipuffer ein Ausrutschen beziehungsweise ein Abgleiten des Stocks auf dem Untergrund.

Bei der Nutzung im Außenbereich unter winterlichen Verhältnissen kann der Puffer auch mit Spikes versehen sein. Da sich der Gummipuffer bei regelmäßigem Gebrauch abnutzt, ist er bei Bedarf zu ersetzen.

Geben Gehhilfen mit mehr Füßen auch mehr Sicherheit?

Mehrfuß- oder Mehrpunktgehhilfen verfügen nicht nur über einen Auflagepunkt, sondern je nach Ausführung über drei, vier oder fünf Füße, sodass die Unterstützungsfläche und damit die Standsicherheit größer ist als bei einem herkömmlichen Stock. Doch diese Produkte haben auch Nachteile: Sie sind schwerer zu handhaben, da ihr Gewicht höher ist. Die nach außen stehenden Füße können zu Stolperfallen werden. Außerdem ist etwa das Treppengehen wesentlich schwieriger, weil für eine sichere Nutzung immer alle Füße fest auf dem Boden aufgesetzt werden müssen, was auf unebenen Böden und auf Treppenstufen nicht immer möglich ist. Auch hier gilt: austesten!

Welche innovativen Funktionen gibt es aktuell bei Gehhilfen und Gehstöcken?

Vermehrt werden auch moderne Techniken bei Gehstöcken eingesetzt. Eine integrierte LED-Beleuchtung zum besseren Sehen und Gesehenwerden ist die häufigste Ergänzung im Zubehör der Hersteller.

Doch Gehstöcke können noch mehr: So kommt es bei Menschen mit Parkinson oft zum sogenannten Freezing-Syndrom – eine Bewegungsblockade, die es den Betroffenen erschwert, optisch unstrukturierte Flächen zu Fuß zu überqueren. Sie benötigen dann einen optischen Reiz, etwa ein Muster oder zweifarbige Bodenfliesen, um weitergehen zu können. Ein Anti-Freezing-Stock ist ein Handstock, der am Fußende mit einer ausklappbaren, gut sichtbaren Querleiste versehen ist. Sie kann Parkinson-Betroffenen durch Bedienung eines Mechanismus am Handgriff als jederzeit verfügbarer optischer Anhaltspunkt dabei helfen, die Bewegungsblockade zu überwinden. Bei Nichtgebrauch wird die Querleiste wieder eingeklappt.

Leicht, flexibel, platzsparend - darum sollten Gehhilfen passen wie ein guter Schuh

Gehstöcke sind großartige Helfer im Alltag: leicht, flexibel und auch auf engstem Raum nutzbar. Doch wie alle Hilfsmittel müssen sie „passen wie ein guter Schuh“, sowohl für die Dame als auch für den Herrn. Dann muss es auch nicht immer gleich ein Rollator sein.

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Quellenangaben

Webcode: a006320 Letzte Aktualisierung: 31.05.2021
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