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Tetanus (Wundstarrkrampf) – Infektionen erfolgen in der Regel nach Verletzungen

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Autor

  • Birgit Frohn, Diplom-Biologin

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Tetanus ist eine sehr gefährliche, oft tödlich verlaufende Infektion mit dem Bakterium Clostridium tetani. Es befällt und schädigt die muskelsteuernden Nervenzellen und löst auf diese Weise extreme Muskelkrämpfe aus. Die Erreger gelangen über Wunden in den Körper. Daher stammt auch die Bezeichnung Wundstarrkrampf: von Wunden ausgehender Starrkrampf. In Industrienationen wie Deutschland ist Tetanus inzwischen sehr selten.

Ein kleines Mädchen spielt in einer Pfütze

Tetanus, d. h. Wundstarrkrampf, ist eine weltweit verbreitete bakteriell bedingte Infektionskrankheit. Sie geht typischerweise mit schweren Muskelkrämpfen einher und kann oftmals tödlich verlaufen.

Der Erreger ist Clostridium tetani. Die Erreger kommen natürlicherweise im Erdboden vor. Wo sich diese Bakterien ebenfalls sehr wohl fühlen, ist in den Exkrementen von Säugetieren wie insbesondere Pferden. Clostridium tetani ist ein sporenbildendes Stäbchenbakterium. Sporen sind besondere Ruheformen der Bakterien, die sich bei schlechten Lebensbedingungen bilden. Sie können jahrelang im Erdreich überleben und überstehen auch Hitze und Desinfektionsmittel. Die im Boden ohne Sauerstoff lebenden Erreger können bei Verletzungen bereits durch kleinste Wunden in den Körper eindringen. Sie bilden Giftstoffe, sogenannte Toxine, die die gefährliche Erkrankung hervorrufen.

Wo kommt Tetanus vor?

Tetanus kommt weltweit vor. Besonders häufig treten Infektionen in feuchtwarmen Ländern mit schlechter medizinischer Versorgung auf, in denen die meisten Menschen nicht oder unzureichend gegen Tetanus geimpft sind.

In Deutschland sehr selten

Aufgrund der hier weit verbreiteten Tetanusschutzimpfungen und auch infolge veränderter Lebensbedingungen ist Wundstarrkrampf in Deutschland und anderen Industrienationen mittlerweile sehr selten geworden. In den letzten Jahren wurden hierzulande jährlich weniger als 15 Erkrankungen und weniger als fünf Todesfälle verzeichnet.

Ungeachtet dieser erfreulichen Entwicklungen sollte die Vorbeugung gegen Tetanus keinesfalls vernachlässigt werden.

Welche Ursachen hat Tetanus?

Sehr gefährliche Gifte

Was Clostridium tetani so gefährlich macht, sind die beiden von ihm produzierten Giftstoffe Tetanospasmin und Tetanolysin. Sie binden sich an Nervenfasern in der Nähe ihrer Eintrittsstelle in der Haut. Von dort wandern die hochgiftigen Stoffe in den Nervenbahnen mit einer Geschwindigkeit von etwa fünf Millimetern pro Stunde in Richtung Rückenmark und Gehirn.

Tetanolysin schädigt die roten Blutkörperchen, indem es sie zum Platzen bringt. Diesem Prozess, der als Lyse bezeichnet wird, verdankt der Giftstoff auch seinen Namen. Tetanospasmin führt demgegenüber dazu, dass sich Eiweiße zwischen den Synapsen, den Bindungsstellen von Nervenzellen, und dem Rückenmark auflösen. Dadurch können Nervenimpulse aus dem Gehirn nicht mehr übertragen werden, die für die Entspannung der Muskeln sorgen. In Folge kommt es zu den typischen Symptomen von Tetanus: schwerste Muskelkrämpfe.

Wie erfolgt die Übertragung?

Die Sporen gelangen in der Regel nach Verletzungen in den Körper. Bereits harmlose Bagatellverletzungen wie kleinste während der Gartenarbeit entstandene Wunden können infolge von Verschmutzungen für die folgenschwere Infektion ausreichen. Auch Verbrennungen oder Geschwüre der Haut dienen den Erregern als Eintrittspforte.

Einmal im Körper angekommen, wandeln sich die Sporen wieder in aktive Bakterien um und bilden die eben genannten Giftstoffe.

Nicht ansteckend

Eine Übertragung der Erreger von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Tetanuspatienten sind also nicht ansteckend für andere.

Risikofaktor Gartenarbeit
Sehr häufig erfolgt die Infektion durch in die Haut eindringende Nägel, Messer oder Holzsplitter, an denen sich Erdreich befindet. Zu dem Missgeschick kommt es vielfach im Zuge von Arbeiten im Garten oder auf dem Balkon. Auch Dornen von Rosen oder anderen dornentragenden Pflanzen können gefährlich sein: Die von den Bakterien gebildeten Sporen heften sich nämlich gerne an die Dornen an.

Neugeborenen-Tetanus

Beim Neugeborenen-Tetanus (neonataler Tetanus), der insbesondere in Entwicklungsländern auftritt, erfolgt die Infektion meist über den Nabel durch keimbelasteten Schmutz. Dazu kommt es, weil in vielen Ländern zur Nabelpflege von Neugeborenen traditionelle Zubereitungen eingesetzt werden, die mit den Bakteriensporen belastete Erd- oder auch Fäkalienbestandteile enthalten.

Welche Symptome zeigt Tetanus?

Nachdem sich der Keim in einer Wunde ansiedeln konnte, vergehen in der Regel drei Tage bis drei Wochen, bis die ersten Symptome auftreten. In seltenen Fällen ist diese Inkubationszeit verkürzt oder bis zu mehreren Monaten verlängert. Eine verkürzte Inkubationszeit bedeutet, dass die Menge an den Giftstoffen der Bakterien recht hoch ist.

Umso schlimmer kann dann die Erkrankung verlaufen.

Beschwerden im Frühstadium

Als erstes kommt es zu Muskelkrämpfen im Gesicht. Davon betroffen sind vor allem die Kiefer-, Zungen- und Nackenmuskulatur. Diese Krämpfe verzerren den Gesichtsausdruck der Patienten: Sie bekommen eine Art eingefrorenes Lächeln. Zudem können die Betroffenen ihren Mund nicht mehr vollständig öffnen. Weitere typische Symptome im Anfangsstadium sind Nackensteifigkeit sowie Schluckbeschwerden.

Nach diesem Frühstadium kann die Tetanus-Erkrankung verschiedene Formen des Verlaufs nehmen.

Generalisierter Tetanus

Er ist die häufigste Ausprägung der Erkrankung. Dabei können neben den genannten Muskeln im Gesicht auch die Atem- und Kehlkopfmuskulatur von den Krämpfen betroffen sein. Das hat mitunter lebensgefährliche Atem- und Schluckstörungen zur Folge.

Im weiteren Verlauf kommt es zu starken Krämpfen in der Rücken- und Bauchmuskulatur, die überaus schmerzhaft sind und sogar manchmal zu Gelenk- oder Wirbelbrüchen führen. Durch die Muskelkrämpfe haben die Patienten oftmals einen überstreckten Rumpf bei rückwärts gebeugtem Kopf. Die Arme und Beine bleiben von diesen Muskelentgleisungen meist weitgehend ausgespart.

Beim generalisierten Tetanus können auch massive Atemprobleme auftreten: Die Atemwege verengen sich, die Lungenbläschen fallen zusammen und es kann sich eine Lungenentzündung entwickeln. Möglich sind weiterhin Blutdruckschwankungen und Durchblutungsstörungen.

Lokalisierter Tetanus

Diese Ausprägung des Tetanus kommt nur selten vor. Wie sein Name schon andeutet, beschränken sich die Krämpfe auf die Muskeln in der Nähe der Eintrittspforte der Erreger. Meist erkranken Menschen mit Teilimmunität (etwa bei zu lange zurück liegender Impfung) an dieser Form. Sie zeichnet sich in der Regel durch einen milderen Verlauf als beim generalisierten Tetanus aus.

Welche mögliche Folgeerkrankungen gibt es?

Trotz modernster intensivmedizinischer Versorgung sterben auch hierlande zehn bis 20 Prozent der Patienten. In Regionen mit einem schlechten medizinischen Standard sind die Raten noch deutlich höher. Die häufigste Todesursache sind Atem- und Herzversagen.

Unterschiede zwischen jung und alt

In Entwicklungsländern sind vor allem Neugeborene über Nabelinfektionen tetanusgefährdet. In Industrienationen sind dagegen ältere Menschen überproportional betroffen – zum einen, weil gerade Ältere öfter Impflücken aufweisen als Jüngere, zum anderen nehmen im Alter schwere Durchblutungsstörungen zu. Bei Verletzungen eingebrachte Erreger finden deshalb eher ein für ihre Vermehrung günstiges sauerstoffarmes Milieu vor.

Keine Meldepflicht
Derzeit gibt es nach dem Infektionsschutzgesetz für Tetanus keine bundesweite Meldepflicht. Einige Bundesländer wollen jedoch eine Meldepflicht einführen oder haben dies bereits getan.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Auch wenn die Krankheit bei uns inzwischen so selten ist, dass die meisten Ärzte nie einen Fall in der eigenen Praxis erleben werden, ist die Symptomatik so eindeutig, dass allein schon auf deren Grundlage die richtige Diagnose gestellt werden kann.

Zur Absicherung kann ein Nachweis von Giften des Wundstarrkrampf-Erregers aus Blut oder Wundmaterial erfolgen. Tetanus ist bei Menschen ohne oder mit unvollständigem Impfschutz wahrscheinlicher als bei regelrecht geimpften, weshalb der Impfstatus bei der Diagnosefindung immer mitberücksichtigt wird.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Ist ein Wundstarrkrampf ausgebrochen, gibt es nur noch schadensbegrenzende Behandlungsmöglichkeiten. In fast allen Fällen müssen die Patienten auf einer Intensivstation behandelt werden.

Sofort Gegengift

Um das noch ungebundene krampfauslösende, nervenschädigende Gift des Erregers unschädlich zu machen, werden den Patienten als neutralisierendes Gegengift sofort tetanusgift-spezifische Antikörper (Tetanus-Immunglobulin, HTIG) gespritzt.

Wundausräumung und Antibiotika

Die infizierte Wunde wird chirurgisch versorgt und die verunreinigten Bereiche ausgeräumt. Zudem erhält der Patient umgehend Antibiotika. Dies soll den Wundstarrkrampferreger aus dem Organismus entfernen und so den Giftnachschub unterbinden.

Künstliche Beatmung

Ist durch die Muskelkrämpfe die Atmung massiv behindert, kann eine vorübergehende künstliche Beatmung einschließlich Luftröhrenschnitt erforderlich werden.

Bereits an Nervenstrukturen gebundenes Bakteriengift wird durch all diese Maßnahmen jedoch nicht erreicht. Deshalb setzen sich die Beschwerden noch für mehrere Tage bis Wochen unvermindert fort, d. h. dem Patienten kann nur symptomatisch mit muskelkrampflösenden Medikamenten, Schmerz- und Beruhigungsmitteln geholfen werden.

Gibt es einen Schutz durch eine Impfung gegen Tetanus?

Den sichersten Schutz bietet eine Impfung durch inaktiviertes Tetanusgift.

Die Tetanus-Schutzimpfung gilt in Expertenkreisen als zuverlässig und sicher.

Wann und wie oft sollte man impfen?

Die Grundimmunisierung kann prinzipiell in jedem Alter erfolgen. Um mit möglichst wenig Injektionen so früh wie möglich umfassend geschützt zu sein, empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) die Grundimmunisierung gegen Tetanus nach dem vollendeten zweiten Lebensmonat mit einem Kombinationsimpfstoff, der vor bis zu fünf weiteren Infektionskrankheiten schützt (nämlich Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B).

Die zweite Grundimmunisierungsimpfung ist dann nach dem vollendeten dritten Lebensmonat vorgesehen, die dritte nach dem vollendeten vierten Lebensmonat und die vierte im elften bis 14. Lebensmonat. Jeweils eine Auffrischungsimpfung wird im sechsten Lebensjahr sowie zwischen dem zehnten und 18. Lebensjahr empfohlen.

Auffrischung versäumt

Hat man einmal eine Auffrischung versäumt, genügt in der Regel eine einmalige Auffrischungsimpfung, um wieder vollständig vor Tetanus geschützt zu sein. Erwachsenen wird alle zehn Jahre eine Auffrischimpfung zusammen mit Diphtherie empfohlen. Liegt die letzte Tetanusimpfung allerdings extrem lang zurück (etwa 40 Jahre oder mehr), können eventuell zwei Impfdosen im Abstand von sechs Monaten sinnvoll sein.

Bei völlig unklarem Impfstatus sollte wie bei einem ungeimpften Menschen verfahren werden, d. h. es sollte die Grundimmunisierung durchgeführt werden.

Immunprophylaxe nach Verletzung

Bei nicht bzw. unzureichend geimpften Menschen sowie Menschen mit fraglichem Impfstatus kann im Falle einer Verletzung versucht werden, die aktive Schutzimpfung schnellstmöglich nachzuholen. Bei besonders riskant anmutenden Verletzungen wie tiefen, verschmutzten Wunden, Biss-, Stich- oder Schussverletzungen werden oft zusätzlich neutralisierende Immunglobuline gegen das Bakteriengift gespritzt. Dies dient der vorbeugenden passiven Immunisierung.

Regelmäßige Auffrischungsimpfungen und ein gewissenhaft geführter Impfpass ersparen im Verletzungsfall solche Sorgen beziehungsweise Impfungen, die eigentlich nicht erforderlich sind.

Die Kosten der Impfung gegen Tetanus übernimmt selbstverständlich Ihre Barmer.

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Webcode: s000567 Letzte Aktualisierung: 08.05.2019
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