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Mund- und Rachenkrebs

Lesedauer unter 9 Minuten
Abbildung der Anatomie einer Mundhöhle

Autor/in

Natalie Tutzer (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Zu den häufigsten Ausprägungen von Mund- und Rachenkrebs gehört der Mundhöhlenkrebs (Mundhöhlenkarzinom), der meistens an Zunge oder Mundboden auftritt. In Deutschland erkranken jährlich etwa 10.000 Menschen neu an bösartigen Tumoren an Mund- und Rachen, drei von vier von diesen sind Männer. Symptome wie weiße Verfärbungen in der Mundhöhle sollten ärztlich abgeklärt werden, wenn sie länger als 14 Tage bestehen. Dies kann dabei helfen, Tumoren früh zu erkennen und zu behandeln. 

Tumoren im Mund- und Rachenraum bestehen aus Krebszellen, die sich schneller teilen als normale Zellen und in gesundes Körpergewebe einwachsen und es dadurch verdrängen. Einzelne Krebszellen können sich vom Tumor ablösen und in andere Bereiche von Mundhöhle, Kiefer oder Halslymphknoten streuen. Dadurch können sich neue Tumoren (Metastasen) bilden.

Frühe Formen von Mundhöhlenkrebs kann man manchmal an nicht heilenden Wunden, Wucherungen oder weißlich-verfärbten Stellen im Mund erkennen. Rachenkrebs äußert sich meist durch Schluckbeschwerden. Andauernde Heiserkeit kann auch ein Symptom für Kehlkopfkrebs sein. Später können die an Größe zunehmenden Geschwulste zu Problemen beim Atmen, Schlucken oder sogar dem Sprechen führen. Die Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren wie der Lage, Größe und Ausbreitung des Tumors ab.

Die überwiegende Mehrheit von Mundhöhlenkarzinomen geht von der Schleimhaut (Plattenepithel) im Mund aus. Es können mehrere Stellen in Mund und Rachen gleichzeitig betroffen sein. Sehr selten wachsen Tumoren an den kleinen Speicheldrüsen (Adenokarzinom) oder Muskeln wie den Wangenmuskeln.

Der Mund- und Rachenkrebs wird häufig zusammengefasst und zählt zu den Kopf-Hals-Karzinomen, zu denen außerdem Tumoren an der Nase, den Nasennebenhöhlen, der Schilddrüse, der Speiseröhre oder am Kehlkopf gehören. Auf diese Krebsarten geht dieser Beitrag nicht ein.

Warnzeichen sollten ernst genommen werden: Denn je früher Krebs in Mund und Rachen erkannt wird, desto größer die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung. Kleine Verletzungen in der Mundschleimhaut entstehen schnell und heilen meist innerhalb weniger Tage wieder ab. Sollten solche Wunden (Ulcus), weißliche Schwielen und Verfärbungen (Leukoplakie) oder Heiserkeit jedoch länger als zwei Wochen anhalten, sollten sie ärztlich abgeklärt werden. Reduzierter Alkoholgenuss - insbesondere hochprozentiger Getränke - und der Verzicht auf das Rauchen helfen dabei, Mund-Rachen-Krebs vorzubeugen.

Symptome für Mund- und Rachenkrebs

Symptome von Mundhöhlenkrebs können sich je nach betroffenem Bereich unterscheiden. Zu ihnen zählen

  • Vermehrter Speichelfluss
  • Weißliche oder rötliche Verfärbungen und Schwellungen in Mund oder Rachen
  • Beschwerden beim Schlucken, Atmen, Kauen und Sprechen
  • Mundgeruch
  • geschwollene Lymphknoten
  • unklare Blutungen
  • Taubheitsgefühl an Zunge, Zähnen oder Lippe
  • Veränderung des Zahnschlusses (der Kontakt zwischen den Zähnen des Oberkiefers und des Unterkiefers bei geschlossenem Mund fühlt sich ungewohnt an).

Zu den Rachenkrebs-Symptomen können außerdem zählen:

  • Halskratzen oder Halsschmerzen, die in Ohren ausstrahlen können
  • Das Gefühl, einen „Kloß“ im Hals zu haben
  • Heiserkeit

Diese Beschwerden müssen nicht gleich Grund zur Sorge sein: Sie können auch harmlose Ursachen haben. Treten sie jedoch für länger als zwei Wochen auf, sollten Sie sie ärztlich abklären lassen, um auf Nummer Sicher zu gehen.

Risikofaktoren von Mund- und Rachenkrebs

Es gibt einige Einflüsse, die das Risiko erhöhen, an Mund- und Rachenkrebs zu erkranken. Zu den wichtigsten gehört starker Alkoholkonsum, insbesondere von hochprozentigen Getränken, in Verbindung mit regelmäßigem Rauchen. Vier von fünf Menschen mit Mundhöhlenkrebs sind Raucher.

Auch eine Infektion mit Humanen Papilloma-Viren (HPV), welche oft mit Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht wird, kann die Ursache von Mundhöhlenkarzinomen oder Rachenkrebs sein.

Der berufliche Umgang mit bestimmten Schadstoffen wie Asbest oder chrom- und nickelhaltigen Farben und Lacken kann die Entstehung von Mund- und Rachenkarzinomen begünstigen.

Weitere Risikofaktoren, die bei der Entstehung von Krebs in Mund und Rachen jedoch eher zu vernachlässigen sind, beinhalten mangelhafte Mundhygiene, radioaktive Strahlung, ein geschwächtes Immunsystem oder chronische Verletzungen der Mundschleimhaut durch Zahnprothesen.
Drei von vier Menschen mit diesem Krebs sind Männer. Dies wird unter anderem auf den Lebensstil zurückgeführt, da Männer statistisch betrachtet mehr rauchen und Alkohol trinken. Die Zahl der erkrankten Frauen nimmt jedoch seit einigen Jahrzehnten zu. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 62 Jahren, für Frauen bei 66 Jahren .

Wer Krebs in Mund und Rachen vorbeugen möchte, sollte Alkohol – wenn überhaupt – in Maßen genießen und mit dem Rauchen aufhören. Das Barmer Online-Training zur Rauchentwöhnung bietet Ihnen einen spielerischen Zugang in ein rauchfreies Leben.

Diagnose – Wie wird die Diagnose gestellt?

Um Mund- oder Rachenkrebs feststellen oder ausschließen zu können, wenden Ärzte verschiedene Methoden an, die wir hier in einer kurzen Übersicht vorstellen.

Panendoskopie

Besteht Verdacht auf Mund- und Rachenkrebs, wird meist zunächst in der HNO-Praxis eine Spiegeluntersuchung durchgeführt. Die Ärztin oder der Arzt untersuchen verdächtige Stellen im Mund hierfür mit einem kleinen Spiegel. Liegt die verdächtige Stelle im Hals, wird eine Spiegelung des Rachens (Panendoskopie) durchgeführt. Hierfür wird ein Schlauch, an dessen Spitze eine kleine Kamera angebracht ist, in den Rachen eingeführt. So können Ärzte die oberen Atem- und Speisewege genau betrachten.

Anschließend können weitere sogenannte bildgebende Verfahren eingesetzt werden. Das sind Untersuchungen, die Bilder vom Körperinneren erzeugen, wie die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT). Es kann auch klassisch geröntgt werden, um Veränderungen an den Zähnen oder den Knochen zu sehen.

Biopsie

Um den Tumor genauer zu bestimmen, werden – oft ambulant – Gewebeproben davon mit einer feinen Nadel entnommen (Biopsie) und unter dem Mikroskop untersucht (Histologie). Mithilfe der Gewebeproben können auch die biologischen Eigenschaften des Tumors festgestellt und zugeordnet werden.

Neben der Bestätigung der Diagnose dient die Gewebeprobe auch dem sogenannten Grading. Hierbei analysieren Fachärzte, wie stark sich die entnommenen Tumorzellen von gesundem Gewebe unterscheiden. Je ähnlicher die Krebszellen den normalen Zellen sind, desto günstiger ist die Prognose für die Behandlung.

Das Ausbreitungsverhalten wiederum beschreibt, wie der Tumor sich im Körper ausbreitet. Davon hängt ab, ob und wie gut er operativ entfernt werden kann.

Das Staging ist die Zusammenfassung aller Untersuchungen, um den Ausbreitungsgrad festzulegen. Diese Festlegung geschieht nach der international gültigen TNM-Klassifikation (Tumor/Lymphknoten (Node)/Metastasen).

Behandlung von Karzinomen in Mund und Rachen

Die Behandlungsplanung ist vor allem von Stadium und Art des Tumors abhängig. Auch der Allgemeinzustand der Erkrankten ist von Bedeutung: Haben sie schon viel Gewicht verloren oder leiden unter Vorerkrankungen, kann das die Behandlungsmöglichkeiten einschränken.

Wenn der Tumor früh genug entdeckt wird, ist das Ziel der Behandlung, die Erkrankung zu heilen (kurative Behandlung). Fernmetastasen an anderen Organen im Körper sind bei Mund-Rachenkrebs eher selten. Sollte der Tumor jedoch bereits zu weit im Körper gestreut und Tochtergeschwülste gebildet haben, versucht das Behandlungsteam, diese möglichst lange zu kontrollieren und gleichzeitig die Lebensqualität des Betroffenen zu erhalten (palliative Behandlung).

Operation

Die Operation von Mund- und Rachenkrebs erfolgt in zwei Stufen: Im ersten Schritt soll der Tumor möglichst vollständig entfernt werden (Resektion). Dabei wird auch ein Teil von gesundem Gewebe als „Sicherheitsabstand“ sowie die Halslymphknoten entnommen, um das Risiko von Metastasen und einer Rückkehr des Tumors zu senken (Neck-Dissection). Im nächsten Schritt erfolgt, was als „kosmetische und funktionelle Rekonstruktion“ bezeichnet wird: Das Gesicht des Menschen soll nach der Operation möglichst unverändert aussehen und Sprechen, Kauen und Schlucken sollen weiterhin möglich sein. Je nach der Größe des Eingriffs können dazu manchmal auch mehrere Operationen nötig sein. Um den Krebs möglichst effektiv, gleichzeitig aber schonend und organerhaltend zu entfernen, werden moderne Methoden wie etwa die Laser-Chirurgie eingesetzt.

Strahlentherapie

Je nach Stadium der Krebserkrankung kann es nötig sein, die Operation durch eine Strahlen- oder Chemotherapie zu ergänzen. Bei einer Strahlentherapie (Radiotherapie) zerstören ionisierende Strahlen den Kern der Krebszellen. Es handelt sich dabei um energiereiche elektromagnetische Wellen, die von außen auf die Tumorregion eingestrahlt werden. Die Wirkung der Strahlentherapie beruht darauf, dass sie Zellkerne schädigt und so die Krebszellen vernichtet. Gesunde Körperzellen hingegen sind in der Lage, die Schädigung durch die Strahlung zu reparieren.

Voraussetzung für diese Therapie sind gesunde Zähne: Etwa 90 von 100 Menschen mit Mundhöhlenkrebs haben auch Zahnerkrankungen, wie zum Beispiel Karies. Eine Strahlentherapie kann Zähne und Zahnfleisch beschädigen. Bei bestehenden Entzündungen können sich die Zellen nicht gut von der Strahlentherapie erholen. Deshalb werden Zähne und Zahnfleisch vor der Operation ausführlich untersucht und falls nötig so behandelt, dass sie noch vor Beginn der Therapie abgeheilt sind. Falls nötig, werden Zahnimplantate eingesetzt. 

Chemotherapie

Bei einer Chemotherapie kommen bestimmte Medikamente, manchmal auch als Dauertherapie, zum Einsatz, die das Wachstum von sich schnell vermehrenden Zellen (wie Tumorzellen) bremsen können. Während „klassische“ Wirkstoffe der Chemotherapie die unkontrollierte Zellteilung behindern, wirken die zielgerichteten Medikamente, sogenannte Immuntherapeutika, auf besondere Eigenschaften der Krebszellen. Sie blockieren beispielsweise spezifische Botenstoffe für das Zellwachstum oder sie verhindern, dass sich neue Blutgefäße bilden und den Krebs versorgen. So können sie das Fortschreiten der Erkrankung manchmal verzögern. Vollständig zerstören und damit heilen können sie den Krebs nicht, unterstützen aber die körpereigene Abwehr auf diese Weise.

Palliativmedizinische Versorgung

Wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist, ist es die Aufgabe der Palliativmedizin, die Beschwerden des Patienten oder der Patientin zu lindern und möglichst lang eine möglichst hohe Lebensqualität zu erhalten. Ein wichtiger Aspekt ist, unnötige Untersuchungen und Behandlungen zu vermeiden. 

Erkrankte werden nicht nur medizinisch und pflegerisch begleitet, auch soziale Aspekte spielen eine wichtige Rolle. Das Palliativteam hilft dabei, kraftspende Lebensinhalte möglichst lange aufrechtzuerhalten.

Plastische Rekonstruktion

Durch ein Krebsgeschwür an Kopf oder Hals, aber auch durch dessen operative Entfernung, kann sich manchmal das Aussehen eines Menschen verändern. Dem gesamten Behandlungsteam ist klar, dass das für Patienten eine große seelische Belastung sein kann. Daher ist die plastische Rekonstruktion, also der Wiederaufbau des Bereichs nach der Entfernung des Tumors, fester Bestandteil der Behandlung.
Moderne Chirurgie hat große Fortschritte gemacht, was den Wiederaufbau von Mund, Kiefer und Gesicht nach der Entfernung eines Tumors betrifft. Die plastische Rekonstruktion zielt darauf ab, sowohl die Funktionen der betroffenen Bereiche – also die Strukturen für das Sprechen, Atmen, Kauen und Schlucken – als auch die Ästhetik, also das Aussehen des Menschen, zu bewahren oder wieder herzustellen.

Für die Rekonstruktion kann entweder Gewebe von anderen Körperstellen oder auch körperfremdes Material wie Kunststoff oder Metall verwendet werden. Dies kann im Rahmen einer oder mehrerer Operationen stattfinden. Die behandelnde Ärztin oder der Arzt erklären Patienten die Vorgehensweise und den Ablauf solcher Eingriffe zuvor genau. In den vergangenen Jahren sind schon ganze Gesichter transplantiert worden. Dies ist aber die Ausnahme bei der plastischen Rekonstruktion.

Das Gesicht ist für die meisten Menschen das Medium in die Außenwelt, durch das wir unsere Gefühle und Gedanken ausdrücken. Daher kann Krebs an Kopf und Hals seelisch sehr belastend sein. Es kann die Sorge entstehen, dass das eigene Gesicht sich durch den Krebs oder dessen operative Entfernung verändert. Diese Sorge ist verständlich und wird von vielen Menschen geteilt, die sich in ähnlichen Situationen befinden. Es kann hilfreich sein, mit Familie, Freunden oder auch mit fremden Menschen mit ähnlichen Erfahrungen darüber zu sprechen – etwa im Rahmen einer Selbsthilfegruppe.

Heilchancen für Mund- und Rachenkrebs

Wie bei allen Krebserkrankungen ist die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung umso größer, je früher sie erkannt wird. Die Lebenserwartung mit Mund- und Rachenkrebs hängt von vielen Faktoren ab, wie etwa dem Stadium und der Größe des Tumors, ob er bereits gestreut hat oder ob er durch eine HPV-Infektion verursacht wurde. Auch die allgemeine Gesundheit der Patienten beeinflusst die Heilchancen. Der Arzt oder die Ärztin sprechen mit Patienten ausführlich über die Behandlungsmöglichkeiten sowie ihre Prognose. Patienten können die Entscheidung über ihre Therapie gemeinsam mit ihren behandelnden Ärzten treffen. 

Nachbehandlung und Nachsorge

In der Nachsorge sollen Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen der Krebstherapie schnell erkannt und behandelt werden. Dabei helfen regelmäßige Arztbesuche, bei denen auch auf Anzeichen für einen möglichen Rückfall oder die Bildung von Metastasen geachtet wird.

Patienten sollen außerdem dabei unterstützt werden, mit den psychischen und sozialen Herausforderungen während und nach der Erkrankung umzugehen.

 

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Webcode: a005953 Letzte Aktualisierung: 18.11.2020
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