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Hühneraugen (Clavus) kann entgegengewirkt werden

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Redaktion

  • Dr. Lilian Sperlich (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

  • Dr. Freya Fuchs (medproduction GmbH)
  • Dr. med. Martin Waitz (Arzt, medproduction GmbH)

Hühneraugen entstehen an den Füßen, meist an Zehen und Fußsohlen. Durch dauerhaften Druck oder Reibung bildet sich eine verdickte Hautschicht. Bleibt der Reiz bestehen, kann sich ein Hühnerauge entwickeln, das mitunter schmerzhaft ist. Vor allem ältere Menschen sind von ihnen betroffen. Hühneraugen sind meistens ungefährlich und lassen sich in den meisten Fällen mit einfachen Mitteln behandeln.

Auf einen Blick:

  • Symptome: Hühneraugen sind runde Stellen mit verhärteter Hornhaut und glasigem Kern in der Mitte. Sie treten oft an Fußsohlen und Zehen auf.
  • Ursachen & Risikofaktoren: Permanente Reibung oder ständiger Druck auf die Haut können Hühneraugen verursachen. Risikofaktoren sind falsche Belastung, Fehlstellungen, trockene Haut und Erkrankungen wie Diabetes mellitus.
  • Verlauf: Ohne Druck und Reibung können sich Hühneraugen von selbst zurückbilden. Sie können aber auch Schmerzen verursachen und sich entzünden.
  • Diagnostik: An den typischen Stellen sind Hühneraugen meist leicht zu erkennen.
  • Therapie: Hühneraugen werden bei der professionellen Fußpflege entfernt. Kleine Bereiche können mit Cremes und Pflastern auch zu Hause behandelt werden.
  • Vorbeugung: Bequeme Schuhe, regelmäßige Fußpflege und Bäder können verhindern, dass sich erneut Hühneraugen bilden.

Was sind Hühneraugen?

Als Reaktion auf dauerhafte Reizung durch Druck und Reibung verdickt sich die Haut als Schutzmechanismus. Es bildet sich eine verhärtete Stelle (Schwiele), die sich zu einem Hühnerauge weiterentwickeln kann. Das gilt für die Haut an Händen und Füßen, insbesondere an Stellen über den Knochen, an denen die Haut besonders dünn ist. Dort befindet sich nur wenig Unterhautfettgewebe und bildet kein zusätzliches Schutzpolster. Gut zu wissen: Hühneraugen sind nicht ansteckend.

Der Begriff Hühnerauge leitet sich davon ab, dass die Bereiche kreisrund sind und sich in der Mitte ein glasiger Kern befindet, sie dadurch an das Auge eines Huhns erinnern. Hühneraugen werden auch als Clavus bezeichnet, was im Lateinischen für „Nagel“ steht.

Welche Symptome verursachen Hühneraugen?

Ein Hühnerauge ist leicht vorgewölbt, und die Hornhaut gelblich-beige. Der Bereich um das Hühnerauge kann gerötet sein. An den Zehenrücken und Fußsohlen, den am häufigsten betroffenen Stellen, wird das Hühnerauge auch als „hartes Hühnerauge“ bezeichnet. Wenn Hühneraugen zwischen den Zehen vorkommen, sind sie aufgrund von Feuchtigkeit weißlich und weicher. Hühneraugen können sich auch unter den Nägeln der Zehen bilden.

Hühneraugen verursachen häufig bei Belastung Schmerzen, etwa beim Gehen und Stehen. Besonders der mittlere Bereich des Hühnerauges ist schmerzempfindlich.

Ursachen: Warum und wodurch bilden sich Hühneraugen?

Wenn dauerhaft oder wiederholt Druck und Reibung auf die Haut ausgeübt werden, teilen sich die Zellen der obersten Hautschicht häufiger, und die Haut wird an dieser Stelle dicker. Auch enthält sie dort mehr Hornsubstanz (Keratin), es bildet sich also vermehrt Hornhaut. Es entsteht eine verhornte Druckstelle, eine sogenannte Schwiele – eine verdickte und verhärtete Stelle der Haut.

An Stellen, an denen die Haut nur dünn über einem Knochen liegt, bilden sich leicht Druckstellen und damit auch Hühneraugen. Das ist weniger an Bauch und Oberschenkeln der Fall, sondern stärker an Händen und Füßen. An den Händen und Fingern können Hühneraugen durch das häufige Benutzen von Werkzeug entstehen, beim Sport beispielsweise durch Hanteln. Gleiches gilt für das Spielen eines Musikinstruments.

Schlecht passende, drückende Schuhe aus einem steifen Material wie Leder begünstigen, dass sich Hühneraugen an den Füßen bilden.

Welche Risikofaktoren begünstigen die Bildung von Hühneraugen?

Hühneraugen können durch falsche oder ungleichmäßige Belastung der Füße entstehen. Bei Gelenkerkrankungen und Fußfehlstellungen wie Senk- und Spreizfuß sowie dem „Ballenzeh“ (Hallux valgus) ist das häufig der Fall. Auch bei anderen Fehlstellungen der Zehen, bei denen diese aneinander oder an den Schuhen reiben, bilden sich vermehrt Schwielen und Hühneraugen.

Bei trockener Haut an den Füßen kann Reibung schnell Druckstellen hervorrufen. Bei Gefühlsstörungen in den Beinen und Füßen, die beispielsweise bei Menschen mit Diabetes (interner Link: neuer Artikel zu Diabetes Typ 2) auftreten können, fallen Druckstellen nicht sofort auf. Besondere Aufmerksamkeit und regelmäßig Fußpflege sind hier wichtig.

Verlauf: Wie entwickeln sich Hühneraugen weiter?

Lässt der Reiz beispielsweise wegen bequemerer Schuhe nach, kann sich ein Hühnerauge langsam von selbst zurückbilden.

Durch weiteren Druck und Reibung auf ein Hühnerauge kann es sich hingegen weiter verhornen. Bildet sich mehr Hornmasse, drückt sie stärker auf das umliegende Gewebe. Der Hornkegel in der Mitte des Hühnerauges vergrößert sich, wächst in die Tiefe und drückt nun wie ein Dorn auf die darunterliegenden Hautschichten. Neben Schmerzen können Hühneraugen auch eine chronische, also dauerhafte Entzündung auslösen.

Wachsen Blutgefäße oder Nerven in den Rand des Hühnerauges hinein, kann das die Schmerzen verstärken.

Sind Fußfehlstellungen die Ursache, können sich Hühneraugen nach ihrer Entfernung erneut an derselben Stelle bilden.

Diagnostik: Wie werden Hühneraugen festgestellt?

Ein Hühnerauge ist meist gut zu erkennen – besonders wenn die Hautveränderung an einer typischen Stelle am Fuß vorkommt, die häufig Druck oder Reibung ausgesetzt ist.

Ist nicht eindeutig zu erkennen, um welche Hautveränderung es sich handelt, kann die Hautärztin oder der Hautarzt eine Probe entnehmen und untersuchen.

Es ist möglich, dass ein Hühnerauge mit einer Warze verwechselt wird. Beide lassen sich aber gut voneinander unterscheiden: Hühneraugen haben einen glasigen Kern in der Mitte, der den sogenannten Dornwarzen fehlt. Dafür sind diese meist mit bräunlichen Punkten versehen.

Therapie: Wie lassen sich Hühneraugen behandeln?

Lassen Druck und Reibung nach, kann ein Hühnerauge oder die verhornte Stelle kleiner werden und verschwinden. Dafür ist es wichtig, die Belastung zu reduzieren. Es ist hilfreich, drückende Schuhe zu meiden und gegen bequemere auszutauschen.

Ringförmige Pflaster, die auf die Hühneraugen geklebt werden, helfen kurzfristig, die Stelle zu entlasten. Schuheinlagen können Fehlstellungen der Zehen und Füße korrigieren und damit falsche Belastungen lindern.

Erleichterung durch orthopädische Einlagen und Hilfsmittel
Wir sorgen dafür, dass Sie im Falle des Falles Erleichterung durch orthopädische Einlagen finden. Unsere zahlreichen Vertragspartner beraten Sie gerne hierzu.  Zudem übernimmt die Barmer die Kosten für vertragsärztlich verordnete Heilmittel wie z. B. Podologie.

Insgesamt ist es wichtig, die Beschwerden zu beheben und zu verhindern, dass sich neue Hühneraugen bilden. Geschulte Fachkräfte für Fußpflege (Podologinnen und Podologen) helfen bei der Behandlung von Hühneraugen und der vorbeugenden Pflege.

Kann ich Hühneraugen selbst entfernen?

Bevor kleine, flache Hühneraugen entfernt werden, muss der permanente Reiz beseitigt werden. Ist das der Fall, gibt es Folgendes zu beachten:

  • Fußbäder helfen, Hornhaut und Hühneraugen aufzuweichen.
  • Mit einem Bimsstein kann das Hühnerauge vorsichtig abgetragen werden. Wichtig: keine scharfen Messer, Hobel oder Ähnliches benutzen! Es besteht Verletzungsgefahr und es kann eine Eintrittspforte für Keime entstehen.
  • Hornhaut lässt sich mit Cremes, Tinkturen und speziellen Hühneraugenpflastern, die Harnstoff (Urea) oder Salicylsäure enthalten, aufweichen und lösen. Diese Mittel zur Behandlung von Hornhaut (Keratolytika) sind nicht rezeptpflichtig. Bei der Anwendung ist es wichtig, nur betroffene Hautstellen und nicht die gesunde Haut zu behandeln. Menschen mit Diabetes sollten nicht auf diese Mittel zurückgreifen.

Wann sollte ich ärztlichen Rat einholen?

Eine Ärztin oder ein Arzt sollte zurate gezogen werden, wenn

  • ein Hühnerauge mit einfachen Mitteln nicht zu entfernen ist,
  • die Haut entzündet ist,
  • Gehen und Stehen sehr schmerzhaft sind, 
  • Komplikationen auftreten.

Erste Anlaufstellen bei Beschwerden sind Hausarztpraxen. Eine Hautärztin oder ein Hautarzt (Fachbereich Dermatologie) kann ebenfalls helfen.

Für Menschen mit Diabetes hat die Fußgesundheit eine besondere Bedeutung. Schlechte Durchblutung und eine geschwächte Immunabwehr begünstigen Fußpilz und Nagelpilz. Hinzu kommen ein erhöhtes Risiko für Verletzungen an den Füßen und eine schlechtere Wundheilung. Druckstellen, Schwielen und Hühneraugen sollten ärztlich kontrolliert werden. Auf eine Behandlung mit Hausmitteln wie Tinkturen oder Hühneraugenpflastern sollten Menschen mit Diabetes verzichten, eine Podologin oder ein Podologe hilft weiter.

Ausführliche Informationen bietet die Broschüre „Das diabetischen Fußsyndrom“.

Vorbeugung: Was kann ich selbst tun, damit keine Hühneraugen entstehen?

  • Oft sind schlecht passende Schuhe der Grund, dass sich Hühneraugen bilden – es hilft, bequeme Schuhe zum Wechseln parat zu haben, wenn andere Schuhe etwa mit hohen Absätzen drücken.
  • Auch Socken und Strümpfe sollten nicht zu stark an den Füßen reiben.
  • Mit Bimsstein und Hornhautfeilen kann Hornhaut vorsichtig abgetragen werden.
  • Barfuß zu laufen, entspannt die Füße.
  • Bei Fehlstellungen des Fußes helfen Einlagen. Beratung und individuelle Lösungen gibt es bei der Orthopädieschuhtechnik und im Sanitätshaus.
  • Professionelle Fußpflege kann unterstützend wirken.
  • Bei Diabetes sind regelmäßige eigene Kontrollen der Füße und medizinische Fußpflege wichtig.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) informiert ausführlich darüber, was bei Hühneraugen hilft.

Auf der Seite des Deutschen Verbands für Podologie und beim Verband Deutsche Podologen finden Interessierte Therapeutinnen und Therapeuten für professionelle Fußpflege in ihrer Nähe.

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