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Gerstenkorn (Hordeolum): Wieso es entsteht und was man dagegen tun kann

Lesedauer unter 7 Minuten

Redaktion

  • Natalie Tutzer (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

  • Dr. Freya Fuchs (medproduction GmbH)
  • Dr. med. Martin Waitz (Arzt, medproduction GmbH)

Ein Gerstenkorn am Auge ist oft unangenehm, aber meist harmlos. Im Verlauf kann sich am Augenlid ein gelbliches Bläschen bilden. Man spricht von einem Gerstenkorn, weil es körnig wirken kann – „hordeum“ ist Lateinisch für Gerste. Erfahren Sie mehr über Symptome, Ursachen und Behandlung der Entzündung am Auge.

Auf einen Blick:

  • Symptome: Ein Gerstenkorn äußert sich als gerötete, schmerzhafte Schwellung am oberen oder unteren Augenlid. Es kann sich ein gelbliches, mit Eiter gefülltes Bläschen bilden.
  • Ursachen & Risikofaktoren: Bakterien, meist Staphylokokken, verursachen ein Gerstenkorn. Risikofaktoren sind ein geschwächtes Immunsystem, Reizung des Auges beispielsweise durch Zigarettenrauch und chlorhaltiges Wasser sowie mangelnde Hygiene.
  • Verlauf: Erstes Anzeichen für ein Gerstenkorn ist eine druckempfindliche Stelle am Augenlid. Im Verlauf kann die Stelle anschwellen, schmerzen und ein Eiterbläschen entstehen. In der Regel öffnet und entleert sich das Bläschen nach einigen Tagen von selbst und heilt ohne Behandlung ab.
  • Diagnostik: Um ein Gerstenkorn zu diagnostizieren, stellen Augenärzte Fragen, sehen sich die betroffene Stelle an und untersuchen das Auge unter anderem mit einem Spaltlampenmikroskop.
  • Therapie: Heilt ein Gerstenkorn nicht von selbst, können antiseptische oder antibiotische Salben und Tropfen helfen. Rotlicht kann die Heilung unterstützen. Selten ist es nötig, das Bläschen mit einer Nadel zu öffnen (Stichinzision) oder Antibiotika einzunehmen.

Was ist ein Gerstenkorn?

Ein Gerstenkorn oder Hordeolum ist eine schmerzhafte bakterielle Entzündung am Auge, genauer der Liddrüsen des oberen oder unteren Augenlids.

Je nachdem von welchen Drüsen die Entzündung ausgeht, spricht man von einem inneren oder äußeren Gerstenkorn. Bei dem äußeren Gerstenkorn (medizinisch: Hordeolum externum) handelt es sich um eine Entzündung der Drüsen an der Außenseite des Lids, entweder der talgproduzierenden Zeis-Drüsen oder der schweißproduzierenden Moll-Drüsen. Beim inneren Gerstenkorn (medizinisch: Hordeolum internum) sind die Meibom-Drüsen betroffen, die Talgdrüsen am Augeninnenlid.

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Welche Symptome verursacht ein Gerstenkorn?

Typisches Anzeichen für ein Gerstenkorn ist eine plötzlich auftretende, schmerzhafte Schwellung am unteren oder oberen Augenlid, oft nah an den Wimpern. Das gesamte Augenlid kann geschwollen und gerötet sein. Gelbliche Eiterbläschen können sich bilden, die körnig wirken.

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Das Augenlid ist druckempfindlich
  • Die Stelle juckt
  • ein Fremdkörpergefühl im Auge
  • Blinzeln schmerzt
  • Das Auge tränt
  • Die Sicht ist verschwommen
  • Auf den Wimpern liegt gelbes Sekret (Eiter)
  • Das Lid ist geschwollen, spannt und wirkt hängend

Wirkt das Gerstenkorn verkapselt oder heilt nicht von allein ab, könnte es sich um ein Hagelkorn (medizinisch: Chalazion) handeln. Der Unterschied ist, dass es sich nicht um eine akute Infektion, sondern um eine anhaltende (chronische) Entzündung der Meibom-Drüsen handelt. Anders als ein Gerstenkorn ist ein Hagelkorn nicht ansteckend und schmerzt in der Regel nicht. Eine weitere Möglichkeit ist eine anhaltende (chronische) Augenlidentzündung (medizinisch: Blepharitis).

Welche Ursachen hat ein Gerstenkorn?

Ursache für die Entzündung sind Bakterien, die sich in den Talgdrüsen am Auge vermehren. In neun von zehn Fällen sind Staphylokokken ursächlich für das Gerstenkorn. Selten verursachen andere Bakterienarten wie Streptokokken oder Propionibakterien die Entzündung.

Ist ein Gerstenkorn ansteckend?

Ja, das Gerstenkorn wird von Bakterien verursacht, die bei Kontakt übertragen werden können. Neben Hautkontakt können die Bakterien etwa über gemeinsam genutzte Handtücher andere Personen im Haushalt anstecken. Deshalb ist es wichtig, sich sorgfältig und regelmäßig die Hände zu waschen, sich möglichst nicht ins Gesicht zu fassen und Handtücher nicht zu teilen.

Risikofaktoren für ein Gerstenkorn

Bei manchen Menschen bildet sich öfter ein Gerstenkorn als bei anderen. Das kann verschiedene Gründe haben:

  • ein geschwächtes Immunsystem, beispielsweise wegen Medikamenten, die die Immunabwehr drosseln, bestimmten Erkrankungen wie Diabetes mellitus und Stress
  • eine anhaltende Entzündung der Augenlider
  • Reizungen des Auges, etwa durch chlorhaltiges Wasser, Zigarettenrauch, Zugluft oder starkes Reiben
  • Ansammlung von Bakterien durch mangelnde Hygiene, etwa wenn Personen Kontaktlinsen zu lange tragen oder sie nicht sorgfältig reinigen, die Augen mit ungewaschenen Händen berühren oder Schminke nicht vollständig entfernen
Eine junge Frau schminkt sich vor ihrem Badezimmerspiegel ab um einem Gerstenkorn vorzubeugen

Auf Hygiene zu achten kann helfen, einem Gerstenkorn vorzubeugen. Dazu gehört auch, Make-up-Reste vor dem Zubettgehen vollständig zu entfernen.

Verlauf: In welchen Stadien verläuft ein Gerstenkorn?

Im Anfangsstadium kann sich das Gerstenkorn als eine druckempfindliche Stelle am oberen oder unteren Augenlid bemerkbar machen.

Nach kurzer Zeit schwillt die Stelle an und rötet sich. Das gesamte Augenlid kann geschwollen sein und sich gespannt anfühlen.

In seltenen Fällen entwickelt sich das Gerstenkorn zu einer größeren Entzündung weiter, die verkapselt wirkt (Abszess) oder ohne scharfe Begrenzung das umliegende Gewebe betrifft (Phlegmone). Doch in der Regel ist das Gerstenkorn von kurzer Dauer: Nach wenigen Tagen entleert sich das Eiterbläschen und heilt von selbst. Dafür ist es jedoch wichtig, das Gerstenkorn in Ruhe zu lassen, damit sich Bakterien nicht weiter verteilen und die Beschwerden verschlimmern können. Betroffene sollten also nicht mit den Fingern Druck auf das Gerstenkorn ausüben oder versuchen, es selbst zu öffnen.

Diagnose: Wie stellen Ärzte ein Gerstenkorn fest?

Für die Diagnose eines Gerstenkorns stellen Augenärztinnen und -ärzte zunächst Fragen, etwa wie lange die Beschwerden schon bestehen, ob sie das erste Mal auftreten oder wiederkehrend sind und ob andere Hauterkrankungen vorliegen. Anschließend untersuchen sie das Auge (Blickdiagnose): Bei der sogenannten Spaltlampenuntersuchung sehen sie sich die Augenlider, Lidkanten, die Bindehaut, die Hornhaut und den Tränenfilm mit einem speziellen Mikroskop und einer schwenkbaren Lampe genau an.

Im Einzelfall werden weitere Untersuchungen durchgeführt, um andere Erkrankungen auszuschließen oder festzustellen.

Therapie: Wie wird ein Gerstenkorn behandelt?

In der Regel heilt ein Gerstenkorn innerhalb weniger Tage von selbst.

Antiseptische oder antibiotikahaltige Salben und Augentropfen können verhindern, dass sich die Entzündung auf das andere Augenlid und die Haut ausbreitet und die Heilung beschleunigen.

Sind Salben oder Tropfen bei der Gerstenkorn-Behandlung nicht ausreichend wirksam, kann es sein, dass Ärztinnen oder Ärzte Gerstenkorn durch einen kleinen Schnitt eröffnen und den Eiter ablassen (Stichinzision). Auch die Einnahme von Antibiotika in Tablettenform ist nur in Ausnahmefällen erforderlich, etwa wenn sich die Entzündung auf die Haut ausgebreitet hat.

Behandlung mit Hausmitteln

Manche Menschen möchten eine rasche Besserung mit Hausmitteln unterstützen. Es ist jedoch Vorsicht geboten, da manche Maßnahmen die Beschwerden verschlimmern und die Behandlungsdauer verlängern können. Legen Betroffene etwa einen feucht-warmen Waschlappen auf das Auge, kann das dazu führen, dass die umliegende Haut aufweicht und die Infektion sich weiter ausbreitet.

Besser ist trockene Wärme, beispielsweise durch eine Rotlichtlampe. Sie kann dazu beitragen, dass die Entzündung schneller ihren Höhepunkt erreicht, um dann rasch abzuheilen. Dafür wird das Gerstenkorn dreimal täglich für jeweils zehn Minuten mit Rotlicht bestrahlt.

Um die bakterielle Entzündung nicht zu verschleppen, ist es sinnvoll, besonders auf Hygiene zu achten. Träger von Kontaktlinsen sollten diese nach dem Tragen sorgfältig reinigen oder gar für einige Tage auf sie verzichten, da sich unter den künstlichen Linsen Bakterien sammeln können. Regelmäßiges sorgfältiges Händewaschen verhindert, dass sich die Bakterien über die Hände verteilen und in das andere Auge gelangen.

Lässt sich das Gerstenkorn ausdrücken?
Auf keinen Fall sollten Betroffene versuchen, das Eiterbläschen selbst zu öffnen. Die Bakterien könnten tiefer in die Haut gedrückt werden, und die Entzündung verschlimmert sich womöglich.

Was kann ich tun, um einem Gerstenkorn vorzubeugen?

Sicher vorbeugen lässt sich einem Gerstenkorn nicht. Die Wahrscheinlichkeit ein Gerstenkorn zu bekommen, lässt sich jedoch durch verschiedene Maßnahmen senken:

  • auf Hygiene achten und regelmäßig sorgfältig die Hände waschen
  • sich nicht ins Gesicht oder an die Augen fassen
  • sich nicht die Augen reiben
  • Schminke abends sorgfältig entfernen
  • Kontaktlinsen wie empfohlen wechseln und reinigen
  • Kommt ein Gerstenkorn öfter wieder, kann ein Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt sinnvoll sein, um andere Ursachen abzuklären.

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