Coronavirus

Individuelle Entscheidung zur Corona-Impfung – sollte man sich impfen lassen?

Lesedauer unter 12 Minuten
Junge Menschen mit Mundschutz gehen durch eine Stadt

Autor/in

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin & Allergologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Seit Ende Dezember 2020 sind die Impfungen gegen SARS-CoV-2 in Deutschland angelaufen. Mittlerweile haben viele Menschen ein Impfangebot erhalten. Andere überlegen noch, ob sie sich impfen lassen sollen und welchen Impfstoff sie wählen möchten. Bei diesen Überlegungen spielen individuelle Umstände eine große Rolle: Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen, persönliche Erlebnisse, der Wunsch, Risikopatienten im Umfeld zu schützen oder nach einem baldigen Ende der Pandemie. Einige wichtige Fragen und Antworten basierend auf wissenschaftlichen Fakten, die die Entscheidung hoffentlich etwas erleichtern: 

Sollte man sich gegen COVID-19 impfen lassen?

Seit einigen Monaten werden verschiedene Impfstoffe in Impfzentren und vielen Arztpraxen verabreicht, darunter die mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna sowie die Vektor-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson. Bei allen Impfstoffen sind zwei Impfungen im Abstand von 3 bis 12 Wochen nötig, lediglich bei dem Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson genügt eine Spritze.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO werden zudem derzeit einige Dutzend weitere Impfstoffe am Menschen getestet, mehr als 150 Impfstoffe befinden sich in vorklinischen Studien. Es wird also bald noch eine viel größere Auswahl geben. Die Impfreihenfolge wurde zum 07. Juni bundesweit aufgehoben und mittlerweile ist ausreichend Impfstoff verfügbar. In vielen Orten kann man sich auch ganz ohne Termin impfen lassen.

Viele Menschen sind nach negativen Schlagzeilen, die vor allem den Impfstoff von AstraZeneca betrafen, verunsichert. Nach einer Häufung von Sinusvenenthrombosen, mehreren Todesfällen sowie einer zeitweisen Aussetzung der Impfungen mit AstraZeneca fragen sich viele Menschen: Sollte ich mich impfen lassen? 

Laut COVIMO-Umfrage, die deutschlandweit alle drei bis vier Wochen etwa 1000 Personen aus der deutschsprachigen Bevölkerung ab 18 Jahren telefonisch befragt, ist die Bereitschaft der Befragten, sich mit einem mRNA-Impfstoff impfen zu lassen, deutlich höher als die Bereitschaft, sich mit dem Vektor-Impfstoff AstraZeneca impfen zu lassen. Dabei ist Vertrauen in die Sicherheit der wichtigste Faktor, um sich für eine Impfung zu entscheiden. Je größer das Vertrauen, umso höher ist die Impfbereitschaft und desto schneller endet die Pandemie.

Traditionell wägen viele Menschen Risiko und Nutzen einer Impfung genau ab, dies ist durchaus richtig und legitim. Die Menschen möchten gerade bei den neuen Impfstoffen, die bei der Corona-Impfung erstmals zum Einsatz kommen, verständlicherweise im Detail aufgeklärt werden.

Trotz einzelner Rückschläge mit sehr seltenen Nebenwirkungen ist die Geschichte der Impfungen aber eine Erfolgsgeschichte: Viele schwere und potentiell tödliche Krankheiten sind in Deutschland nicht mehr oder kaum noch aufgetreten, seit es eine Impfung dagegen gibt.

Die Entscheidung „Impfen – ja oder nein?“ ist eine sehr individuelle. Jeder muss sie für sich selbst treffen. Niemand wird dazu gezwungen, eine Impfpflicht besteht für fast keine Erkrankung. Einzige Ausnahme in Deutschland: Beim Besuch einer Bildungseinrichtung müssen Kinder eine Masernimpfung nachweisen.

Doch wie entscheidet man persönlich für sich selbst? Argumente von offizieller Stelle können die Überlegungen eventuell etwas erleichtern:

  • Die eigene Gesundheit: Die Ständige Impfkommission STIKO spricht eine Impfempfehlung für den SARS-CoV-2-Impfstoff aus. Das oberste Ziel dahinter: der Schutz der Menschen. Aktuelle Studien zeigen, dass die aktuellen Corona-Impfstoffe schwere COVID-19-Erkrankungen verhindern. Alle verfügbaren Impfstoffe haben laut RKI eine gute Wirksamkeit gegen COVID-19. Dennoch schützt der Impfstoff nicht immer vor einer Infektion - ein geimpfter Mensch, der mit SARS-CoV-2 in Berührung kommt, kann das Virus eventuell für eine kurze Zeit und in geringer Menge weitergegeben. Er ist aber nicht so stark und nur kurz infektiös. Außerdem erkrankt er selbst leichter und von kürzerer Dauer.
  • Ein Ende der Pandemie: Eine sogenannte Herdenimmunität ist nach Meinung verschiedener Experten erst erreicht, wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft oder durch eine Infektion mit dem Corona-Virus immun sind. Professor Dr. Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen setzte die Hürde noch etwas höher an: Er erklärte im Interview mit der Pharmazeutischen Zeitung im Januar 2021, dass durch Auftreten neuer Virusvarianten wie der britischen, brasilianischen und indischen Mutante nach bisher vorliegenden Daten 80 Prozent der Bevölkerung immun sein müssten, „um die weitere Ausbreitung im Sinne der Herdenimmunität zu verhindern.“ Erst dann könne die Pandemie zum Erliegen kommen.
  • Nutzen und Risiko: Um die Abwägung „Impfen – ja oder nein?“ zu beantworten, gibt die Ständige Impfkommission STIKO eine relativ einfache Formel vor: Wenn die Gefahr durch die Krankheit größer ist, als Nebenwirkungen oder Schäden durch die Impfung zu erleiden, sollte man über eine Impfung nachdenken. Neben der persönlichen Entscheidung spielt auch die gesellschaftliche eine Rolle: Eine Impfung trage sowohl zum individuellen Schutz als auch zur Eindämmung der Pandemie bei.

Dennoch bleibt die Überlegung eine ganz persönliche, individuelle, die jeder für sich selbst und eventuell in Absprache mit seiner Familie und Freunden treffen sollte. 

Auch Kinder ab zwölf Jahren können nun geimpft werden – die Entscheidung hierüber sollte nach ärztlicher Beratung getroffen werden.

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Webcode: a006227 Letzte Aktualisierung: 14.09.2021
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