Coronavirus

Individuelle Entscheidung zur Corona-Impfung – sollte man sich impfen lassen?

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Frau trägt nach einer Impfung ein Pflaster

Autor

Internetredaktion Barmer

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin & Allergologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Seit Ende Dezember sind die Impfungen gegen SARS-CoV-2 in Deutschland angelaufen. Noch haben nicht alle Menschen ein Impfangebot erhalten. Zudem verunsicherten einige Nebenwirkungen bei einzelnen Vakzinen die Menschen. Daher überlegen viele, ob sie sich impfen lassen sollen und ob sie jeden Impfstoff nehmen würden, wenn sie die Chance auf einen Impftermin haben. Bei diesen Überlegungen spielen individuelle Umstände eine große Rolle: Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen, persönliche Erlebnisse, der Wunsch, Risikopatienten im Umfeld zu schützen oder nach einem baldigen Ende der Pandemie. Einige wichtige Fragen und Antworten basierend auf wissenschaftlichen Fakten, die die Entscheidung hoffentlich etwas erleichtern: 

Sollte man sich gegen COVID-19 impfen lassen?

Seit einigen Monaten werden verschiedene Impfstoffe in Impfzentren und vielen Arztpraxen verabreicht, darunter der mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer sowie die Vektor-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson. Bei allen Impfstoffen sind zwei Impfungen im Abstand von 6 bis 12 Wochen nötig, lediglich bei dem Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson genügt eine Spritze.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO werden zudem derzeit einige Dutzend weitere Impfstoffe am Menschen getestet, mehr als 150 Impfstoffe befinden sich in vorklinischen Studien. Es wird also bald noch eine viel größere Auswahl geben. Doch noch immer stehen die Vakzine nicht in so großen Mengen bereit, dass sich jeder, der möchte, auch impfen lassen kann, auch wenn die Impfreihenfolge zum 07. Juni bundesweit aufgehoben wurde.

Viele Menschen sind nach negativen Schlagzeilen, die vor allem den Impfstoff von AstraZeneca betrafen, verunsichert. Nach einer Häufung von Sinusvenenthrombosen, mehreren Todesfällen sowie einer zeitweisen Aussetzung der Impfungen mit AstraZeneca fragen sich viele Menschen: Sollte ich mich impfen lassen? Und würde ich auch alle Impfstoffe nehmen?

Laut COVIMO-Umfrage, die deutschlandweit alle drei bis vier Wochen etwa 1000 Personen aus der deutschsprachigen Bevölkerung ab 18 Jahren telefonisch befragt, ist die Bereitschaft der Befragten, sich mit einem mRNA-Impfstoff impfen zu lassen, deutlich höher als die Bereitschaft, sich mit dem Vektor-Impfstoff AstraZeneca impfen zu lassen. Dabei ist Vertrauen in die Sicherheit der wichtigste Faktor, um sich für eine Impfung zu entscheiden. Je größer das Vertrauen, umso höher ist die Impfbereitschaft und desto schneller endet die Pandemie. Dennoch hält sich die Impfbereitschaft der Deutschen weiterhin auf einem konstant hohen Niveau: 67,8 Prozent der Studienteilnehmer gaben in der COVIMO-Studie an, dass sie sich „auf jeden Fall impfen“ lassen wollen.

Traditionell wägen viele Menschen Risiko und Nutzen einer Impfung genau ab, dies ist durchaus richtig und legitim. Die Menschen möchten gerade bei den neuen Impfstoffen, die bei der Corona-Impfung erstmals zum Einsatz kommen, verständlicherweise im Detail aufgeklärt werden.

Trotz einzelner Rückschläge mit sehr seltenen Nebenwirkungen ist die Geschichte der Impfungen aber eine Erfolgsgeschichte: Viele schwere und potentiell tödliche Krankheiten sind in Deutschland nicht mehr oder kaum noch aufgetreten, seit es eine Impfung dagegen gibt.

Die Entscheidung „Impfen – ja oder nein?“ ist eine sehr individuelle. Jeder muss sie für sich selbst treffen. Niemand wird dazu gezwungen, eine Impfpflicht besteht für fast keine Erkrankung. Einzige Ausnahme in Deutschland: Beim Besuch einer Bildungseinrichtung müssen Kinder eine Masernimpfung nachweisen.

Doch wie entscheidet man persönlich für sich selbst? Argumente von offizieller Stelle können die Überlegungen eventuell etwas erleichtern:

  • Die eigene Gesundheit: Die Ständige Impfkommission STIKO spricht eine Impfempfehlung für den SARS-CoV-2-Impfstoff aus. Das oberste Ziel dahinter: der Schutz der Menschen. Aktuelle Studien zeigen, dass die aktuellen Corona-Impfstoffe schwere COVID-19-Erkrankungen verhindern. Alle verfügbaren Impfstoffe haben laut RKI eine gute Wirksamkeit gegen COVID-19. Dennoch schützt der Impfstoff nicht immer vor einer Infektion - ein geimpfter Mensch, der mit SARS-CoV-2 in Berührung kommt, kann das Virus eventuell für eine kurze Zeit und in geringer Menge weitergegeben. Er ist aber nicht so stark und nur kurz infektiös. Außerdem erkrankt er selbst leichter und von kürzerer Dauer.
  • Ein Ende der Pandemie: Eine sogenannte Herdenimmunität ist nach Meinung verschiedener Experten erst erreicht, wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft oder durch eine Infektion mit dem Corona-Virus immun sind. Professor Dr. Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen setzte die Hürde noch etwas höher an: Er erklärte im Interview mit der Pharmazeutischen Zeitung im Januar 2021, dass durch Auftreten neuer Virusvarianten wie der britischen, brasilianischen und indischen Mutante nach bisher vorliegenden Daten 80 Prozent der Bevölkerung immun sein müssten, „um die weitere Ausbreitung im Sinne der Herdenimmunität zu verhindern.“ Erst dann könne die Pandemie zum Erliegen kommen.
  • Nutzen und Risiko: Um die Abwägung „Impfen – ja oder nein?“ zu beantworten, gibt die Ständige Impfkommission STIKO eine relativ einfache Formel vor: Wenn die Gefahr durch die Krankheit größer ist, als Nebenwirkungen oder Schäden durch die Impfung zu erleiden, sollte man über eine Impfung nachdenken. Neben der persönlichen Entscheidung spielt auch die gesellschaftliche eine Rolle: Eine Impfung trage sowohl zum individuellen Schutz als auch zur Eindämmung der Pandemie bei.

Dennoch bleibt die Überlegung eine ganz persönliche, individuelle, die jeder für sich selbst und eventuell in Absprache mit seiner Familie und Freunden treffen sollte. 

Auch Kinder ab zwölf Jahren können nun geimpft werden – die Entscheidung hierüber sollte nach ärztlicher Beratung getroffen werden.

Welche Risikogruppen sollten über eine Impfung gegen das Coronavirus nachdenken?

Da nicht genügend Impfstoff für alle zur Verfügung steht, wurden vorrangig Personen geimpft, die entweder ein besonders hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Verlauf von COVID-19 haben – zum Beispiel Menschen über 80, 70 beziehungsweise 60 Jahren, Menschen mit Vorerkrankungen (Krebs, Autoimmunerkrankungen, Asthma, COPD, Diabetes mellitus, psychische Erkrankungen) – sowie Menschen, die aufgrund ihrer Berufstätigkeit ein besonders hohes Risiko haben, sich mit SARS-CoV-2 anzustecken oder die in ihrem Job Kontakt zu Menschen haben, die besonders durch COVID-19 gefährdet sind. Diese Einschätzungen wurden von der STIKO unter Berücksichtigung der gemeinsam mit dem Deutschen Ethikrat und der Leopoldina erarbeiteten Kriterien herausgegeben. Menschen, die zu einer der Priorisierungsgruppen 1 bis 3, also mit höchster Priorität bis hoher Priorität gehören, erhielten als erste die Möglichkeit, sich impfen zu lassen.

Nun wurde die Priorisierung aufgehoben - jeder kann sich impfen lassen, wenn genug Impfstoff verfügbar ist.

Wie sicher sind die Corona-Impfstoffe?

Impfstoffe werden immer sehr genau von den zuständigen Behörden und den Regulatoren geprüft, bevor sie in Deutschland zugelassen werden. Nur wenn ein Impfstoff alle drei Phasen des klinischen Studienprogramms erfolgreich bestanden hat, kann die Zulassung eingereicht werden. Bei dem Impfstoff gegen SARS-CoV-2 wurden diese drei Phasen nicht gekürzt, sondern die Gegebenheiten um die Entwicklung und Zulassung angepasst. Wird der Impfstoff schließlich geimpft, werden Meldungen zu Nebenwirkungen streng überprüft und die Herstellung des Impfstoffs überwacht.

Beim Impfstoff von AstraZeneca kam es zu einer Häufung von solch sehr seltenen Nebenwirkungen – einer Sinusvenenthrombose. Die Symptome traten 4 bis 16 Tage nach der Impfung auf. Diese schweren, teilweise tödlichen Nebenwirkungen trafen vor allem Frauen unter 55 Jahren – doch sie wurden auch bei Männern und Älteren beobachtet.

Die Impfung wurde daher vorübergehend völlig gestoppt. Nach mehreren Beratungen mit externen Experten hat die Ständige Impfkommission STIKO mehrheitlich entschieden, den AstraZeneca-Impfstoff nur noch für Personen im Alter ab 60 Jahren zu empfehlen. Wer jünger ist, kann sich auf Wunsch und nach einem ausführlichen Aufklärungsgespräch mit AstraZeneca impfen lassen.

Können Nebenwirkungen ausgeschlossen werden?

Nein, jeder Impfstoff kann Nebenwirkungen haben – und auch sehr selten schwere so wie es auch beim Impfstoff von AstraZeneca passiert ist. Wenn man diese jedoch kennt, kann man abwägen, für wen der Impfstoff geeignet ist. Nebenwirkungen werden immer im Rahmen des Prüf- und Zulassungsverfahrens erfasst – aber auch nach der Zulassung kann sie jeder Bürger selbst beim Bundesministerium für Arzneimittel und Medizinprodukte melden: Die Informationen gehen direkt an die zuständigen Behörden, die Daten sind wichtige Quellen bei der Weiterentwicklung von Medikamenten und Impfungen. Auch über die Smartphone-App„SafeVac2.0“ des Paul-Ehrlich-Instituts kann jeder Rückmeldung geben, ob er die Impfung gut vertragen hat oder Nebenwirkungen spürte. Je mehr Menschen an solchen Angeboten teilnehmen, umso besser die Erkenntnisse über die Impfung.

Es entsteht so ein genaues Bild, wann und in welchem Ausmaß Nebenwirkungen auftreten. Und je mehr Menschen geimpft werden, umso mehr Beobachtungen sind möglich, schon allein aufgrund der höheren Patientenzahl.

Infografik: Welche Impfreaktion gibt es beim Corona-Impfstoff von Pfizer-BioNTech?

Infografik: Welche Impfreaktion gibt es beim Corona-Impfstoff von Pfizer-BioNTech?


Beim SARS-CoV-2-Impfstoff von BioNTech/Pfizer waren es vor allem Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopfweh, Muskelschmerzen, Schüttelfrost, Gliederschmerzen und Fieber. In wenigen Fällen kam es zu einem allergischen Schock, hervorgerufen durch die weiteren Inhaltsstoffe der Impfung wie beispielsweise Polyethylenglykol. Diese Nebenwirkungen sind sehr selten. Laut Informationen des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) wurden etwa elf Fälle auf 1 Million verimpfter Dosen gemeldet. Aber auch alle später auftretenden Nebenwirkungen und Komplikationen werden sorgfältig dokumentiert und daraufhin geprüft, ob sie mit der Impfung oder anderen bereits vorliegenden Grunderkrankungen zusammenhängen. Einige Menschen starben nach einer COVID-19-Impfung mit BioNTech/Pfizer. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts war die Impfung jedoch nicht die Ursache, sondern eventuell das höhere Alter der Geimpften. Es gab also keinen direkten Zusammenhang. Die Wissenschaftler des Instituts stellten fest: „Das bedeutet, dass die beobachtete Fallzahl die erwartete nicht signifikant übersteigt.“

Bei der Impfung mit den Vektorimpfstoffen von AstraZeneca und Johnson& Johnson gab es zudem eine Häufung von seltenen Nebenwirkungen durch eine Sinusvenenthrombose. Daraufhin wurde die Impfempfehlung angepasst.

Wie sollte man reagieren, wenn man schwerere Nebenwirkungen nach einer Impfung bemerkt?

Die STIKO empfiehlt, dass man umgehend zu Arzt geht, wenn nach einer Impfung starke Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Beinschwellungen, anhaltende Bauchschmerzen, neurologische Symptome oder punktförmige Hautblutungen auftreten. Die Ärztin oder der Arzt sollte dann auf Anzeichen und Symptome einer Thromboembolie in Kombination mit einer Thrombopenie achten – vor allem in der Zeit später als drei Tage nach einer Impfung mit einem der beiden Vektorimpfstoffe von AstraZeneca oder Johnson&Johnson.

Warum wurde der Corona-Impfstoff so schnell zugelassen?

Normalerweise dauert die Zulassung eines Impfstoffes 7 bis sogar 30 Jahre. Beim Corona-Impfstoff war es nur knapp ein Jahr. Es ging deshalb so schnell, weil verschiedene günstige Faktoren zusammenkamen.

Muss man die Impfung gegen COVID-19 bezahlen?

Nein, die Kosten für den Impfstoff übernimmt der Bund, für den Betrieb der Impfzentren kommen die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen auf.

Welche Kriterien sprechen gegen eine Impfung?

Wie bei allen Impfungen gilt: Nur wenn man sich fit und gesund fühlt, sollte man zur Impfung gehen. Da eine Impfung das Immunsystem herausfordert, sollte man diese nicht geben, wenn der Körper schon durch eine Erkältung belastet ist. Auch Menschen, die gerade gegen eine Entzündung im Körper kämpfen – zum Beispiel Schilddrüsen- oder Zahnentzündung – sollten erst einmal noch abwarten, bis diese überstanden ist. Zwei verschiedene Impfungen, zum Beispiel gegen Grippe und Corona, sollten nicht zeitgleich verabreicht werden. Wer jedoch gesund ist, wird die Impfung mit hoher Wahrscheinlichkeit gut vertragen. Es kam bisher zu vorübergehenden leichten bis mittleren Impfreaktionen wie Müdigkeit, Fieber oder Schmerzen an der Einstichstelle. Schwere Nebenwirkungen waren sehr selten.

Das Robert Koch-Institut listet jedoch einige Krankheiten auf, bei denen man genauer abwägen sollte, ob man sich impfen lässt – am besten immer in Austausch mit dem behandelnden Arzt.

  • Krebspatienten haben laut Robert Koch-Institut ein höheres Risiko für einen schweren Infektionsverlauf. Dies ist je nach Krebsart, eigener Konstitution und Erkrankungsfortschritt unterschiedlich. Genaue Informationen, wie Krebspatienten auf die Impfung reagieren, sind noch nicht bekannt – auch wie eine Impfung mit einer Chemotherapie oder mit Immun-Checkpoint-Hemmern verträglich ist. Experten vermuten, dass die Wirksamkeit der Impfung geringer ausfallen könnte. Daten fehlen jedoch noch. Der Grund hierfür ist, dass unter den Testpersonen in den Zulassungsstudien keine Menschen mit Krebserkrankungen waren. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie DGHO rät daher, die Entscheidung gemeinsam mit dem Onkologen zu treffen. Steht eine Chemotherapie an, sollte der Patient mindestens zwei Wochen vorher geimpft werden.
  • Bei Multipler Sklerose empfiehlt das Krankheitsbezogene Kompetenznetzwerk Multiple Sklerose KKNMS eine Impfung gegen SARS-CoV-2. Auch bei ihnen besteht das Risiko von leichten Impfreaktionen wie Müdigkeit, Kopfweh und Fieber. Zudem könnte der Impfstoff schlechter wirken, wenn die Patienten eine immununterdrückende Therapie durchlaufen. Auch hier gilt: Am besten mit dem Arzt besprechen und individuell entscheiden.
  • Die Deutsche Herzstiftung rät Menschen mit Herzkreislauferkrankungen wie Herzinsuffizienz, Arrhythmien oder der koronaren Herzkrankheit unbedingt zur Impfung. Der Nutzen einer Impfung soll mögliche Impfreaktionen überwiegen. Nehmen die Patienten Blutverdünner, sollten sie vor der Impfung mit ihrem Arzt sprechen und die medikamentöse Therapie eventuell kurzfristig umstellen.
  • Bei Menschen, die ein vermindertes Immunsystem haben, zum Beispiel, weil sie Immunsuppressiva einnehmen, kann die Wirkung einer Impfung vermindert sein – das weiß man aus der Erfahrung mit anderen Impfungen. Welche Wirkung der Impfstoff dann im Einzelfall zeigt, hängt von der Erkrankung, den Medikamenten, der Dosis und dem Alter ab. In den Zulassungsstudien zur COVID-19-Impfung waren jedoch keine Menschen mit Immundefizienz eingeschlossen, daher gibt es hier noch keine verlässlichen Daten. Trotzdem soll der Nutzen einer Impfung das Risiko für Menschen mit einer Immunschwäche überwiegen. Kurz vor der Impfung sollten die Patienten besonders wenig Immunsuppressiva im Blut haben – also die Impfung am besten zwischen zwei Medikamenteneinnahmen bekommen.
  • Eine wichtige Einschränkung gibt es bei Patienten mit einer Gerinnungsstörung und Menschen, die Gerinnungshemmer einnehmen, um einem Schlaganfall oder Herzinfarkt vorzubeugen: Die Impfungen sollten mit einer sehr feinen Nadel injiziert werden und die Einstichstelle zwei Minuten lang fest gedrückt werden. Besonders wenn sich diese Patienten in einem Impfzentrum impfen lassen, ist es hilfreich, wenn sie die Unterlagen und das Medikament der gerinnungshemmenden Therapie zur Impfung mitnehmen und vorzeigen.
  • Die STIKO empfiehlt derzeit keine generelle Impfung in der Schwangerschaft. Sollte die werdende Mutter jedoch aufgrund von Vorerkrankungen ein hohes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf haben, sind die Risiken in Einzelfällen mit dem Gynäkologen abzuwägen. Bemerkt eine Frau ihre Schwangerschaft erst nach einer COVID-19-Impfung, ist dies keinesfalls ein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch.
  • Frauen mit Kinderwunsch können sich gegen COVID-19 impfen lassen. Alle Impfstoffe wurden an Erwachsenen – auch an Frauen mit Kinderwunsch – getestet und für sicher befunden. Fehlinformationen, die derzeit kursieren, dass Impfungen die Fruchtbarkeit beinträchtigen, sind falsch. Wäre dies der Fall, würde auch eine Infektion mit SARS-CoV-2 unfruchtbar machen. Darauf gibt es keinerlei Hinweise. Da in der Regel zwei Impfungen notwendig sind und eine Impfung in der Schwangerschaft noch nicht empfohlen wird, können Frauen mit Kinderwunsch auf Nummer sichergehen, wenn sie die Zeitspanne zwischen den Impfterminen plus zwei Wochen einplanen. Falls sie auf die Impfung mit Fieber, Müdigkeit oder Unwohlsein reagieren, können die Symptome innerhalb der zwei Wochen gut abklingen und überlagern sich nicht mit möglichen Schwangerschaftsbeschwerden.

Sollte man sich auch als Allergiker impfen lassen?

In Großbritannien kam es nach einer Impfung mit dem Comirnaty-Impfstoff von BioNTech/Pfizer bei zwei Menschen im Januar 2021 zu einem schweren allergischen Schock. Daher zog das Land seine Impfempfehlung für Allergiker zurück. Vermutlich reagierten die Patienten auf einen der Hilfsstoffe im Impfstoff – wahrscheinlich auf Polyethylenglykol (PEG). Dieser Stoff gehört zu den vier Lipid-Nanopartikeln, die eine Fetthülle um die veränderte Viren-mRNA bilden.

Allergiker waren nach Meldung dieser Vorfälle verunsichert und überlegten, ob sie sich impfen lassen sollten. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat zusammen mit Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) ein Flussdiagramm entwickelt, um Ärzten einen Leitfaden an die Hand zu geben für die Impfung bei Personen, die an einer Allergie leiden. Beispielsweise dürfen Personen, die gegenüber Inhaltsstoffen eines mRNA-Impfstoffs wie PEG allergisch reagieren, nur mit einer der Alternativen geimpft werden.

Auch bei Menschen, die bereits einmal einen allergischen Schock aufgrund eines anderen Auslösers erlitten haben, können sich von ihrem Arzt oder ihrer Ärztin beraten lassen, ob eine Impfung möglich ist.

Sollte man sich impfen lassen, wenn man schon infiziert war?

Drei Millionen Menschen haben bereits eine Corona-Infektion hinter sich. Zudem gibt es eine hohe Dunkelziffer – viele weitere Deutsche vermuten, dass sie infiziert gewesen sein könnten. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass Menschen, die bereits eine Infektion durchgemacht haben, zumindest vorübergehend über einen gewissen Schutz vor einer Erkrankung verfügen. Daher sollten sie sich vorerst nicht impfen lassen – laut STIKO frühestens sechs Monate nach der Infektion. Infiziert man sich nach der ersten Impfung, sollte man ebenfalls sechs Monate lang bis zur zweiten Impfung warten.

Andererseits schadet eine Impfung auch nicht: Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass eine Impfung nach einer überstandenen Infektion gefährlich sein könnte. In klinischen Studien wurde sie ebenso gut vertragen wie von Nicht-Infizierten. Vereinzelt wurden etwas ausgeprägtere Impfreaktionen beobachtet – aber auch leichtere. Die Impfung ist also für diejenigen, die eine Corona-Infektion wissentlich durchgemacht haben, nach sechs Monaten gleichermaßen möglich. Dann genügt laut STIKO eine Impfdosis.

 

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Webcode: a006227 Letzte Aktualisierung: 07.06.2021
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