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Toxoplasmose: Ursachen, Symptome und Therapie

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Redaktion:

Ulrike Schnyder (Medical Writer, Content Fleet GmbH)

Qualitätssicherung:

Dr. rer. nat. Clara Neuhaus (Molekularbiologin, Content Fleet GmbH)

Toxoplasmose ist eine weitverbreitete Infektionskrankheit, die durch Parasiten ausgelöst wird. Die meisten Toxoplasmose-Infektionen sind jedoch harmlos und bleiben unbemerkt. Gefährlich und behandlungsbedürftig ist eine Infektion dagegen für Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Was es zu beachten gilt und wie sich mit einfachen Maßnahmen einer Toxoplasmose-Ansteckung vorbeugen lässt.

Auf einen Blick

  • Symptome: Eine Toxoplasmose verläuft bei den meisten Menschen ohne Beschwerden. Manche Menschen bemerken grippeähnliche Symptome wie Fieber und geschwollene Lymphknoten. Bei seltenen schweren Verläufen kann es zu Entzündungen der Augen und des Gehirns kommen.
  • Ursachen: Der Parasit Toxoplasma gondii verursacht die Erkrankung. Seine Eier können über rohes oder unzureichend gegartes Fleisch, ungewaschenes Obst und Gemüse, aber auch über den Kontakt mit Katzenkot, Gartenerde und Spielplatzsand übertragen werden.
  • Verlauf: In der Regel verläuft die Toxoplasmose harmlos. Gefährlich ist eine Infektion jedoch für Schwangere und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Wer sich einmal infiziert hat, ist in der Regel ein Leben lang immun.
  • Diagnose: Die Diagnose erfolgt meist durch einen Bluttest. Bei Schwangeren können zusätzlich Fruchtwasser und Nabelschnurblut untersucht werden.
  • Therapie: Bei schweren Verläufen wird eine Kombinationstherapie mit Antibiotika und speziellen Medikamenten angewendet.
  • Vorbeugung: Gründliche Hygiene beim Umgang mit Lebensmitteln und Katzen sowie das vollständige Durchgaren von Fleisch senken das Ansteckungsrisiko deutlich. Auch Achtsamkeit bei der Gartenarbeit und auf dem Spielplatz sind hilfreich.

Was ist Toxoplasmose?

Toxoplasmose ist eine weitverbreitete Infektionskrankheit, die von Tieren auf Menschen übertragen wird – Fachleute sprechen dabei von einer sogenannten Zoonose. Auslöser sind Parasiten, genauer gesagt Toxoplasmen, Toxoplasma gondii genannt. Diese winzigen Erreger können viele Säugetiere und Vögel infizieren, Hauptwirte sind jedoch Katzen. Auch Menschen können sich mit Toxoplasmose anstecken, bei ihnen verläuft die Infektion in den meisten Fällen symptomlos und ist harmlos. Anschließend besteht eine Immunität gegenüber Toxoplasmen. Für immungeschwächte Menschen sowie Schwangere und ihre ungeborenen Kinder kann eine Toxoplasmose aber sehr gefährlich werden.

Eine stehende schwangere Frau streichelt sanft über ihren Bauch

Schwangere sollten sich besonders vor Toxoplasmose schützen, weil die Infektion auch auf das ungeborene Kind übergehen kann.

Was sind Übertragungswege der Toxoplasmose?

Menschen können sich auf verschiedene Wege mit dem Toxoplasmose-Erreger infizieren. Und zwar durch:

Kontaminiertes und nicht ausreichend gegartes Fleisch: Die Toxoplasmose-Erreger können in kontaminiertem Fleisch im Kühlschrank überleben und überstehen eine Zeit lang auch Temperaturen bis 50 Grad Celsius. Der Verzehr von rohen und nicht durchgegarten Fleischprodukten birgt also das Risiko, sich mit Toxoplasmose anzustecken. 

Kontakt zu infizierten Katzen und Katzenkot: Sehr enger Kontakt zu einer akut infizierten Katze kann zu einer Ansteckung führen, wenn sie gerade Oozysten ausscheidet. Vor allem ihr Kot ist dann gefährlich, eine Infektion beim Reinigen der Katzentoilette daher möglich. Dennoch ist keine Panik wegen des Haustiers angebracht: Um sich mit Toxoplasmose anzustecken, müssen die Sporozoiten über den Mund aufgenommen werden, eine Ansteckung über die Haut ist ausgeschlossen. Zudem haben Wohnungskatzen, die nicht mit rohem Fleisch gefüttert werden, ein sehr niedriges Risiko, selbst Toxoplasmose zu bekommen und zu übertragen.

Rohes, ungewaschenes Obst und Gemüse: Die Sporozoiten der Toxoplasmose können in Erde lange ansteckend bleiben und auch an Obst und Gemüse wie Erdbeeren, Karotten und Salat haften. 

Gartenarbeit: Staub, Erde und Sand mit Toxoplasmose-Sporozoiten können beim Gärtnern in den Mund gelangen.

Infektion im Mutterleib: Steckt sich eine Schwangere zum ersten Mal mit Toxoplasmose an, kann sie die Erkrankung auf ihr ungeborenes Kind übertragen. Je später in der Schwangerschaft die Infektion auftritt, desto wahrscheinlicher ist die Übertragung der Toxoplasmose auf das Ungeborene – jedoch sinkt mit der Schwangerschaftsdauer auch die Gefahr für eine schwere Erkrankung. 

Mit Toxoplasmose infizierte Menschen sind in der Regel nicht ansteckend, die Krankheit ist also nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Auch stillende Mütter müssen nicht befürchten, ihre Babys über die Muttermilch anzustecken.

Auf seinem Weg durch die Wirtsorganismen durchläuft der Toxoplasmose-Erreger verschiedene Entwicklungsstufen. Die Parasiten vermehren sich im Darm infizierter Katzen. Die Tiere scheiden sogenannte Oozysten, eine Art von Eiern, mit dem Kot aus. Daraus entwickeln sich ansteckende Sporozoiten, die lange Zeit außerhalb eines Lebewesens existieren können. In feuchter Erde beispielsweise überleben Toxoplasma-Sporozoiten bis zu 18 Monate. Von dort können sie sich durch Wind und Regen verbreiten und andere Tiere infizieren, die die Sporozoiten mit dem Maul oder Schnabel aufnehmen. So können sich beispielsweise Schafe, Schweine, Geflügel und Wildtiere über kontaminiertes Trinkwasser und Futter anstecken – oder auch darüber, dass sie infizierte Kleintiere wie Mäuse fressen. Der Erreger setzt sich vor allem in Gehirn und Muskulatur fest.

Welche Beschwerden treten auf und für wen ist eine Infektion gefährlich?

Zwischen Ansteckung und dem Ausbruch (Inkubationszeit) einer Toxoplasmose liegen zumeist zwei bis drei Wochen. Die Symptome einer Toxoplasmose hängen vom Zeitpunkt der Erstinfektion und der Abwehrkraft der betroffenen Person ab.

Kinder und Erwachsene mit einem normal funktionierenden Immunsystem spüren die Infektion meist nicht. Bei etwa acht bis neun von zehn Betroffenen bleiben jegliche Symptome aus. Ein kleiner Teil der mit Toxoplasmose Infizierten entwickelt grippeähnliche Symptome mit Fieber sowie Entzündungen und Schwellungen der Lymphknoten vor allem im Kopf- und Halsbereich – was mehrere Wochen lang anhalten kann. In sehr seltenen Fällen führt eine Toxoplasmose zu einer Entzündung der Netzhaut des Auges, die eine Erblindung zur Folge haben kann, zu einer Gehirnentzündung (Enzephalitis), zu Hautausschlag, zu Entzündungen in Gelenken, zu einer Lungenentzündung, zu Organschwellungen oder zu einer Herzmuskelentzündung.

Für Menschen mit einem geschwächten oder durch Medikamente unterdrückten Immunsystem kann Toxoplasmose sehr gefährlich werden. Zu den möglichen Folgen gehören eine Infektion des Lungengewebes (Pneumonie) sowie eine Gehirnentzündung. Die Entzündung des Gehirns kann zu Krampfanfällen, Wesensveränderungen und Konzentrations- und Gedächtnisstörungen führen und über die akute Infektion hinaus bestehen bleiben. Besonders gefährdet sind Patientinnen und Patienten nach einer Transplantation oder mit einer HIV-Infektion.

Wichtig: Ist eine erste Infektion mit Toxoplasmose überstanden, bleiben die Erreger in nicht aktiver Form ein Leben lang im Körper. Das ist für Menschen mit einem gesunden Immunsystem kein Problem. Doch bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem können die Erreger auch wieder aktiv werden und die Erkrankung kann erneut aufflammen.

Schwangere sollten sich besonders vor Toxoplasmose schützen, da sie die Infektion auf das Ungeborene übertragen können. Das kann zu einer Fehlgeburt führen, schwere Schäden an den Augen oder einen Wasserkopf (Hydrozephalus) mit Gehirnschädigung verursachen. Die meisten der infizierten Ungeborenen kommen jedoch augenscheinlich gesund auf die Welt, können dann aber eine Trinkschwäche, Krampfanfälle und Bewegungsstörungen entwickeln. Ebenso können Sehstörungen noch nach Monaten oder Jahren auftreten.

Wie häufig kommt Toxoplasmose bei Menschen vor?

Ungefähr die Hälfte aller Menschen in Deutschland hat oder hatte schon einmal Toxoplasmose. Je älter wir sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir die Erkrankung durchgemacht haben.

Bei Neugeborenen werden zwischen fünf und 23 Fälle von Toxoplasmose pro Jahr registriert. Allerdings werden viele Infektionen anfangs gar nicht bemerkt, sondern fallen erst Monate bis Jahre nach der Geburt auf. Fachleute vermuten deshalb, dass die tatsächliche Anzahl der Toxoplasmose-Infektionen bei Neugeborenen wesentlich höher liegt.

Eine Hand streichelt das Gesicht einer schlafenden, getigerten Katze auf dem Sofa.

Katzen können Toxoplasmose übertragen – aber keinen Grund zur Angst: Ansteckend sind sie meist nur bei einer erstmaligen Infektion.

Wie lässt sich Toxoplasmose vorbeugen?

Um einer Ansteckung mit Toxoplasmose aus dem Weg zu gehen, hilft es, gewisse Risikofaktoren zu minimieren. Das ist besonders für Schwangere und Menschen mit geschwächtem oder unterdrücktem Immunsystem relevant.

Lebensmittel richtig verarbeiten: Um sicherzugehen, dass frisches Fleisch und Fleischprodukte frei von Toxoplasmose-Erregern sind, sollten sie bei minus 21 Grad eingefroren oder für 20 Minuten auf mindestens 50 Grad (Kerntemperatur) erhitzt werden. Rohes Obst und Gemüse sollten vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden. Und natürlich gilt: Nach dem Berühren von rohem Fleisch und ungewaschenen pflanzlichen Lebensmitteln ist es ratsam, sich die Hände mit Seife zu waschen.

Umgang mit Katzen anpassen: Katzen können zwar Toxoplasmose übertragen, dennoch sollte niemand deshalb Angst vor ihnen haben. Die Tiere sind in der Regel nur ansteckend, wenn sie sich selbst zum ersten Mal infiziert haben. Danach sind sie meist immun. Katzen können sich mit Toxoplasmose anstecken, wenn sie Rohfleisch oder infizierte Nagetiere fressen. Das heißt, bei Wohnungskatzen, die ausschließlich Trocken- oder Dosenfutter bekommen, ist die Ansteckungswahrscheinlichkeit sehr gering.

Doch auch Freigänger dürfen noch gestreichelt werden. Es ist unwahrscheinlich, dass die Toxoplasmen im Fell hängen. Sicherheitshalber sollten besonders Schwangere sich jedoch nach dem Kuscheln die Hände waschen. Ebenfalls nach der Reinigung des Katzenklos, die am besten mit Handschuhen erfolgt. Es empfiehlt sich auch, das Katzenklo täglich von Hinterlassenschaften zu befreien. So können etwaige Toxoplasmose-Oozysten im Katzenkot gar nicht erst zu ansteckenden Sporozoiten werden, denn das dauert mindestens einen Tag. 

Achtsam sein bei der Gartenarbeit und auf Kinderspielplätzen: Toxoplasmose-Oozysten können in Gartenerde vorkommen. Daher bietet es sich an, beim Gärtnern Handschuhe zu tragen. Wer ganz sicher gegen will, kann dabei noch einen Mundschutz benutzen. Und da Katzen gern Sandspielkästen als Toilette benutzen, sollte die Sandkiste im heimischen Garten abgedeckt werden, wenn sie gerade nicht benutzt wird.

Wie wird eine Toxoplasmose festgestellt?

Besteht der Verdacht auf eine Infektion mit Toxoplasma gondii, schließen Ärztinnen und Ärzte zunächst andere Erkrankungen aus, die ähnliche Symptome hervorrufen. Zudem untersuchen sie die Augen auf typische Veränderungen und Entzündungen. In der Regel entnehmen Medizinerinnen und Mediziner auch eine Blutprobe, in der im Labor nach bestimmten Immuneiweißen gesucht wird, den sogenannten Antikörpern. Ihre Zusammensetzung im Blut gibt Hinweise darauf, ob es bereits früher einen Kontakt mit Toxoplasmen gab, ob eine Infektion gerade abklingt oder akut ist. Zusätzlich ist es möglich, das Erbgut der Toxoplasmose-Erreger in Körperflüssigkeiten und Gewebeproben nachzuweisen.

Erhärtet sich durch die Blutuntersuchung der Verdacht, dass sich eine Schwangere mit Toxoplasmose angesteckt hat, können unter gewissen Voraussetzungen zusätzlich das Fruchtwasser und das Nabelschnurblut untersucht werden. Das zeigt, ob sich das Ungeborene bereits angesteckt hat. Schwere durch Toxoplasmose ausgelöste Veränderungen lassen sich beim ungeborenen Kind zudem schon im Ultraschall darstellen. Eine Toxoplasmose-Infektion des Kindes während der Schwangerschaft (oder zum Zeitpunkt der Geburt) ist nach dem deutschen Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.
 
 

Wie lässt sich Toxoplasmose behandeln?

Verläuft eine Toxoplasmose-Infektion unbemerkt ohne oder mit nur leichten Symptomen, ist keine Behandlung notwendig. Anders ist es bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem und bei Betroffenen mit schwerwiegenden Symptomen: In der Regel kommen zwei Wirkstoffe zur Therapie der Toxoplasmose zum Einsatz, die den Stoffwechsel der Parasiten behindern, darunter ein Antibiotikum (manche Antibiotika wirken auch gegen Toxoplasmose-Erreger). Zusätzlich verschreiben Ärztinnen und Ärzte Folinsäure, um etwaige Nebenwirkungen der Medikamente abzumildern. Folinsäure ist eine spezielle Form des Vitamins Folsäure und hilft, Knochenmarkschäden beim Ungeborenen vorzubeugen.

Die Behandlung der Toxoplasmose dauert mindestens vier bis sechs Wochen. Bei Schwangeren bis zur 16. Woche wird zunächst nur ein Antibiotikum eingesetzt, dann auf die Kombinationstherapie gewechselt. Eine erfolgreiche Behandlung der werdenden Mutter kommt auch dem Kind zugute: Die Therapie kann das Übertragungsrisiko von Mutter auf Baby reduzieren – oder, wenn es sich dennoch infiziert, die Symptome abschwächen.

Literatur

Weiterführende Informationen

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