Unfälle und Verletzungen

So springen Kinder sicher auf dem Trampolin

Lesedauer unter 5 Minuten
Eine Mutter und ihr Sohn springen auf einem Trampolin im Garten

Autor

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Viele Kinder wünschen sich sehnlichst ein Trampolin – ein kleines im Kinderzimmer oder ein großes im Garten. In vielen deutschen Großstädten eröffnen zudem immer mehr Trampolinparks, in denen Kindergeburtstage gefeiert werden. Doch die Sportgeräte sind nicht ungefährlich. Mit diesen Regeln wird das Springen zum sicheren Vergnügen. 

Die Kinder lieben das Hüpfen, sich fallen lassen, Salto schlagen, in die Luft katapultiert zu werden. Auch aus sportlicher Sicht sind Trampoline eine tolle Sache: Koordination und Körperbeherrschung werden geschult, die kindliche Muskulatur wird gestärkt – ein guter Ausgleich also zum häufig bewegungsarmen Alltag.

Doch seit immer mehr Trampoline in den eigenen Gärten stehen, nehmen die Kinderunfälle zu. Dies beobachten Kinderchirurgen vor allem im Sommer. Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2016 ist das Trampolinspringen eine der häufigsten Ursachen für Unfälle zwischen dem ersten und sechsten Lebensjahr unter Beteiligung eines Sport- und Freizeitgeräts – also ähnlich gefährlich wie Fahrradfahren, Rollerfahren und Klettern.

Verletzungsrisiken für Kinder auf dem Trampolin

Viele Unfälle passieren, weil Kinder gemeinsam hüpfen. Dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie mit den Köpfen zusammenstoßen oder sich auf die Hände treten. Denn jedes Kind hat je nach Kraft, Größe und Gewicht einen anderen Sprungrhythmus. Das bedeutet: Während das eine Kind abspringt, landet das andere gerade auf der Trampolinoberfläche. Vor allem bei unterschiedlich alten und schweren Kindern kommt es dabei zu einem sogenannten Energietransfer: Das kleinere Kind wird durch die Wurfkraft regelrecht in die Luft katapultiert.

Auch bei einem Sturz wirken enorme Kräfte auf den Körper – leichte oder sogar schwere Verletzungen sind schnell passiert. Zwar verbieten die Sicherheitsvorgaben der Trampolinhersteller gerade bei kleineren Sprungtüchern die Benutzung durch mehrere Kinder zur gleichen Zeit, aber die Realität sieht oft anders aus. Die Kinder hüpfen gemeinsam, stoßen mit den Köpfen zusammen, schürfen sich die Haut auf oder treten einander. Ärzte berichten zudem von immer mehr jungen Patienten, die mit Verletzungen wie Knochenbrüchen, Gehirnerschütterungen, Prellungen, Verstauchungen und Platzwunden in die Arztpraxen oder Krankenhäuser kommen.

Doch man kann viel dafür tun, das Hüpfgerät so sicher wie möglich zu machen, ohne den Spaß daran zu verlieren.

10 Tipps um Verletzungen beim Trampolinspringen zu vermeiden

1. Das Trampolin fachgerecht aufbauen 

Kinder sind ungeduldig und wollen am liebsten sofort losspringen. Oft wird dann das Trampolin in aller Eile aufgestellt und der Untergrund nicht richtig geprüft. Eltern sollten sich Zeit nehmen, um das Sportgerät ordnungsgemäß zusammenzubauen, es mit Netzen zu sichern und die Sprungfedern mit Polstern zu schützen. Schon beim Kauf bietet eine EU-Norm für Spielzeugtrampoline (Nummer EN 71-14:2014) eine gewisse Sicherheit – es gibt sie aber erst seit 2015. Das zertifizierte Trampolin muss dann einige Forderungen erfüllen und zum Beispiel über ein Außennetz oder Polsterungen verfügen.

2. Das Trampolin auf ebenen Untergrund stellen und im Boden verankern

Unbedingt sollte das Trampolin auf einer ebenen Fläche stehen. Ideal ist eine glatte, feste Rasenfläche. Beton oder Straßenbelag bergen die Gefahr von harten Stürzen, sollte ein Kind doch einmal aus der Einstiegsöffnung herausfallen. Die Rasenfläche bietet zudem einen weiteren Vorteil: Man kann das Trampolin mit Erdankern im Boden befestigen, um es vor dem Umfallen durch Belastung oder Wind zu sichern. Bei guten Geräten gehören die Befestigungen zum Lieferumfang.

3. Den Einstieg des Trampolins sichern

Der Einstieg des Geräts ist eines der größten Unfallrisiken: Häufig wird das Netz am Eingang nicht richtig verschlossen und bleibt im Eifer des Gefechts offen. Die Kinder können herausfallen und auf den Boden stürzen. Daher sollte das Netz bei jeder Benutzung immer mit den vorgesehenen Vorrichtungen (Reißverschluss, Schnappverschlüsse) gut verschlossen werden. Achten Sie bei kleineren Kindern unbedingt darauf, dass diese erst loshüpfen, wenn Sie mit dem Verschließen des Eingangs fertig sind.

4. Vor der Benutzung das Trampolin abtrocknen

In der Nacht hat es geregnet oder der morgendliche Tau macht die Trampolinoberfläche glatt und rutschig. Wischen Sie daher den Boden morgens mit einem Handtuch ab, erst dann können die Kinder ohne Gefahr losturnen.

5. Schuhe vor dem Trampolinspringen ausziehen

Es steht zwar an jedem Trampolin geschrieben, doch für Kinder ist es oft ein lästiges Übel, das sie vom Springen abhält: Die Schuhe sollen ausgezogen werden, denn sie erhöhen die Unfallgefahr. Dies ist besonders wichtig, um harte Tritte und Sprunggelenksverletzungen zu vermeiden. Am besten barfuß oder in Socken springen. Das schont auch das Sprungtuch.

6. Sportkleidung anziehen

Ein Trampolin ist ein Sportgerät – daher sollte man sich auch so kleiden wie im Sportunterricht: bequeme Hosen, verschlossene Jacke, ein Pullover ohne Kapuze, keine Ketten und Ohrringe.

7. Das richtige Trampolin für jedes Alter

Es gibt kein festes Alter, ab wann Kinder auf ein Trampolin dürfen – allerdings ist erst ab circa dem vierten Lebensjahr die Halsmuskulatur stark genug, um kräftige Sprünge abzufedern. Auch die Gelenke sind vor dem vierten Lebensjahr noch instabil. Die koordinativen Fund motorischen Fähigkeiten entwickeln sich von Geburt an ständig weiter und profitieren von der Bewegung auf dem Trampolin. Für Kinder, die jünger als vier Jahre sind, ist es sinnvoll, die ersten Sprünge an der Hand der Eltern zu machen.

8. Kinder im Auge behalten

Eltern sollten das Kind beim Trampolinspringen beobachten – auch wenn die Sprösslinge eigentlich schon Trampolinprofis sind. Es kann immer etwas passieren, dann sollten Eltern schnell zur Stelle sein, um zu helfen. Und je länger der Springspaß andauert, auf umso verrücktere Ideen kommen die Kinder: Sie nehmen Spielzeug oder Bälle mit ins Trampolin, klettern am Netz hoch oder versuchen waghalsige Kunststücke. Da sollten Eltern schnell eingreifen.

9. Beim Trampolinspringen niemals essen und Kaugummi kauen

Gerade noch haben sich die Kinder ein Stück Brot vom Frühstückstisch stibitzt und schon springen sie munter auf dem Trampolin. Oder sie vergessen, den Kaugummi auszuspucken. Beides ist gefährlich: Wer beim Springen kaut, beißt sich leicht auf Zunge, Lippe oder Backe oder kann sich verschlucken. Im schlimmsten Fall gerät ein Stück in die Luftröhre und führt zu Atemnot.

10. Die technische Sicherheit des Trampolins regelmäßig prüfen

Viele Familien haben das Trampolin im Sommer gekauft und aufgestellt. Dann wird es kälter und ungemütlicher und keiner mag mehr springen. Ganz anders im nächsten Frühling – dann wollen die Kinder am liebsten sofort wieder loslegen. Oftmals sind jedoch im Winter durch Wind, Schnee und Regen Schäden entstanden. Netze und Abdeckungen sind verwittert, das Material ist spröde geworden und reißt leicht. Das erhöht die Verletzungsgefahr. Um Verletzungen und Unfällen vorzubeugen, sollten Eltern regelmäßig den Zustand des Trampolins überprüfen. Wer kann, sollte das Netz und die Sprungfederabdeckung abbauen und wintersicher verwahren. Eine Abdeckung schützt das Sprungtuch vor Witterungseinflüssen.

Wer all diese Sicherheitstipps beachtet, hat eine Menge für die Sicherheit der Kinder getan und kann sie unbesorgt springen lassen.

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Webcode: a006099 Letzte Aktualisierung: 02.12.2020
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