Multitasking: Junger Mann arbeitet, hört Musik und schaut gleichzeitig auf sein Handy
Gesund in Schule, Studium und Job

Multitasking: Produktivitäts-Hack oder echter Energie-Killer?

Lesedauer weniger als 6 Min
Redaktion:
Elina Fütterer (Medical Writer, Content Fleet GmbH)
Qualitätssicherung:
Viktoria Vida (Psychologin, Master of Science)

Multitasking: Der Quick-Check

Karussell mit 3 Elementen
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Multitasking = aktiviertes Nervensystem

Bei echtem Multitasking kann dein Körper in den Stressmodus übergehen, dein Herzschlag und Blutdruck können nach oben schießen. Dauerhafter Stress kann sich in Kopf- oder Rückenschmerzen äußern.
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Multitasking = Fake-Produktivität

Bei anspruchsvollen Aufgaben ist Multitasking eine Täuschung, etwa wenn du eine E-Mail schreibst und gleichzeitig Podcast hörst. Dein Gehirn switcht blitzschnell zwischen den Tasks hin und her.
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Multitasking = Stress fürs Hirn

Dauernd deine Tasks zu jonglieren, macht vergesslich. Wer ständig mehrere Dinge parallel erledigt, zeigt teilweise schlechtere Leistungen beim Arbeits- und Langzeitgedächtnis als Leute, die es nur selten tun. 

Lernvideo läuft, nebenbei ist der Gruppenchat offen und parallel lädst du noch schnell eine Story hoch. Mit Multitasking bist du eben produktiv, oder? Geht so. Dein Gehirn kommt da oft nicht ganz mit.

Was bedeutet Multitasking?

Multitasking heißt, dass du mehrere Aufgaben im selben Zeitraum erledigst. Zwischen geöffnetem Skript, fünf Browser-Tabs und einer schnell verschickten Sprachnachricht kann sich dein Nachmittag schnell nach echter Höchstleistung anfühlen.

Doch was sich wie effizientes Arbeiten anfühlt, bringt bei anspruchsvollen Aufgaben häufig sogar eine schlechtere Leistung mit sich. 

Was steckt hinter dem Multitasking-Mythos?

Die Wissenschaft sagt klar: Multitasking ohne Limit gibt es nicht. Wenn du lernst oder arbeitest, kann dein Gehirn nur sehr begrenzt zwei anspruchsvolle Aufgaben gleichzeitig steuern. Stattdessen wechselt dein Gehirn zwischen den Tasks hin und her oder teilt seine begrenzte Kapazität zwischen ihnen auf. 

Multitasking funktioniert besonders gut auf Autopilot, etwa wenn du beim Putzen oder Dehnen nach dem Sport einen Podcast hörst, weil eine der Tätigkeiten kaum Aufmerksamkeit braucht.

Seit Jahrzehnten zeigt die Forschung, dass sich zwei anspruchsvolle Aufgaben häufig gegenseitig beeinträchtigen. Dieser permanente Wechsel beansprucht die Aufmerksamkeit und kann die Leistung senken.

  • Selbst wer länger dieselben zwei Abläufe trainiert, wird dadurch nicht grundsätzlich multitaskingfähig. 
  • Der Trainingseffekt steckt vor allem in der Routine. Unser Gehirn lernt zwar die einzelnen Handgriffe auswendig, entwickelt aber keine magische Fähigkeit zum Multitasking. 
  • Genau das kann das Ganze im Alltag gefährlich machen, zum Beispiel beim Radfahren mit Kopfhörern im dichten Stadtverkehr.

Fun Fact: Viele Menschen überschätzen ihre eigene Fähigkeit zum Multitasking deutlich.

Was passiert in deinem Körper beim Multitasking?

Multitasking ist schädlich für deinen Fokus und fordert deinen ganzen Körper: Es sorgt für Stress im Arbeitsalltag, bringt Denkprozesse durcheinander und beeinträchtigt dein Gedächtnis.

So reagieren Gehirn und Gedächtnis

Du liest fürs Referat, checkst eine Nachricht. Und weißt Sekunden später nicht mehr, was im Text stand? Keine Sorge, dein Gehirn ist nicht kaputt. Aber dein Denken kommt ins Schwitzen, denn der Kopf ist nicht für Dauer-Switching gemacht:

  • Teamwork: Ein Hirnareal entscheidet nonstop, was wichtig ist, während ein anderes die Informationen verarbeitet. Das Team muss ununterbrochen diskutieren.
  • Der Türsteher-Effekt: Es gibt Kontrollnetzwerke in deinem Gehirn, die darüber entscheiden, welche Infos Speicherplatz bekommen. Kommt zu viel auf einmal bei diesen Türstehern an, sind sie überfordert und es passieren leichter Fehler.
  • Lücken im Arbeitsgedächtnis: Wenn du zu viele Bälle gleichzeitig jonglierst, kann leichter einer verloren gehen

Die Folge: Wenn du ständig zwischen Screens, Tabs und analogen To-dos springst, verlernst du mit der Zeit sogar, dich voll und ganz auf eine einzige Sache zu konzentrieren.

Junger Mann sitzt auf einem Teppich und arbeitet an einem Laptop

Immer alles gleichzeitig? Digitales Multitasking kann ein echter Energiefresser sein. Mit weniger Ablenkung fällt konzentriertes Arbeiten leichter.

So sorgt Multitasking für Stress

Multitasking kann deinen Körper messbar in Stress versetzen. Deine Herzfrequenz und dein Blutdruck können steigen. Wird dieser Zustand dauerhaft, drohen Folgen wie Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen. 

Übrigens: Für das Klischee, dass Frauen besser im Multitasking sind als Männer, gibt es keine überzeugenden Belege.

Welche Fakten sprechen gegen Multitasking?

Besonders bei anspruchsvollen Aufgaben wie Lernen oder Gedächtnistraining stößt dein Gehirn mit Multitasking schnell an seine Grenzen:

  • Switching: Dein Gehirn springt nur zwischen den Aufgaben hin und her, statt sie wirklich gleichzeitig zu bearbeiten.
  • Geteilte Power: Statt 100 Prozent Fokus bekommt jede Aufgabe nur einen Teil deiner Aufmerksamkeit.
  • Null Zeitersparnis: Parallel kann es sogar länger dauern als nacheinander.
  • Lern-Killer: Wer beim Lerntreff oder in der Vorlesung nebenbei surft, versteht nicht nur weniger, sondern lenkt auch die Leute um sich herum ab.

Wie holst du dir mehr Fokus zurück?

Serie nebenbei, beim Lernen parallel durch Insta scrollen. Digitales Multitasking gehört mittlerweile zu unserem Alltag. Mit diesen Tipps steigerst du deine Konzentration wieder:

  • One Thing at a Time: Egal ob in der Uni oder im Homeoffice: Erledige Aufgaben nacheinander. Das nimmt dir eine Menge Stress ab.
  • Ablenkung blocken: Handy weg, Benachrichtigungen aus, Flugmodus an. Ein Digital Detox kann genau das Richtige für dich sein.
  • Pomodoro-Technik: 25 Minuten volle Konzentration auf eine Sache, dann 5 Minuten Pause machen.

Ist Multitasking Booster oder Energiefresser?

Parallel zu lernen, zu chatten und zu streamen fühlt sich nach Action an. Das ständige Hin- und Herspringen hilft aber nicht dabei, schneller fertig zu werden. Es kostet dich sogar mehr Zeit und Nerven.

Echter Fokus ist deine Superkraft. Wenn du eine Sache nach der anderen anpackst, kann dir das dabei helfen, leichter in deinen Flow zu finden, dir Dinge besser zu merken und deine To-dos womöglich schneller zu erledigen. Gönn dir also ruhig öfter mal Singletasking: Handy stummschalten, eine Aufgabe durchziehen und danach entspannt deine Freizeit genießen.
 

Multitasking: Häufige Fragen und Antworten

Damit ist gemeint, dass du verschiedene Aufgaben zur gleichen Zeit erledigst. Das kann zum Beispiel sein, wenn du gleichzeitig lernst, Nachrichten checkst und nebenbei noch Musik hörst. Was sich nach produktivem Arbeiten anfühlt, entpuppt sich allerdings als Trugschluss. In Wirklichkeit wechselt dein Kopf nur blitzschnell zwischen den verschiedenen Tätigkeiten hin und her, statt sie wirklich parallel zu bearbeiten.
Dein Kopf gerät beim Jonglieren mehrerer Aufgaben ziemlich ins Schwitzen. Verschiedene Hirnbereiche müssen ständig miteinander verhandeln, welche Information gerade wichtig ist und verarbeitet werden soll. Der Bereich hinter deiner Stirn funktioniert dabei wie ein überforderter Türsteher, der bei zu viel Andrang einfach dichtmacht. Die permanente Belastung kann es deinem Arbeitsgedächtnis erschweren, Informationen zu behalten.
Nein, ganz im Gegenteil. Der ständige Wechsel zwischen verschiedenen Tätigkeiten überfordert deine Aufmerksamkeitsnetzwerke und schwächt dein Gedächtnis. Wer häufig mehrere Dinge parallel macht, hat öfter Aussetzer beim Erinnern als Menschen, die Aufgaben nacheinander abarbeiten. 
Das nennt sich Singletasking und bedeutet, eine Aufgabe nach der anderen anzugehen, anstatt alles auf einmal erledigen zu wollen. Das klingt vielleicht erst mal nicht besonders spannend, ist aber genau die Arbeitsweise, für die dein Kopf gemacht ist. Du arbeitest entspannter, erzielst bessere Ergebnisse und kommst schneller voran.
Nein, nicht wirklich. Wenn es um anspruchsvolle Denkaufgaben geht, kann dein Kopf nicht zwei Prozesse gleichzeitig steuern. Nur bei Tätigkeiten auf Autopilot funktioniert es, etwa wenn du beim Putzen einen Podcast hörst, weil eine Sache kaum Konzentration erfordert. Selbst monatelanges Training macht dich nicht grundsätzlich multitaskingfähig: Du lernst nur die konkreten Handgriffe auswendig, entwickelst aber keine magische Superkraft.
Das permanente Hin- und Herspringen zwischen Aufgaben kostet massiv Energie und verschlechtert deine Leistung bei den beteiligten Tätigkeiten. Jede Aufgabe bekommt nur einen Bruchteil deiner Konzentration ab, statt die volle Power. Am Ende brauchst du meist sogar länger, als wenn du alles nacheinander erledigt hättest.

Die Forschung kommt seit den 1960er-Jahren durchgehend zum selben Ergebnis: Wir erledigen zwei Aufgaben fast nie zeitgleich. Stattdessen springt unsere Aufmerksamkeit häufig hin und her, was die Leistung bei beiden Tätigkeiten spürbar senkt. In der Psychologie wird das auch Switch Costs genannt. Das ist ein feststehender Fachbegriff, mit dem sich der Zeit- und Genauigkeitsverlust beim Springen zwischen Aufgaben messen lässt.

Aus neurowissenschaftlicher Sicht stößt das Gehirn beim Multitasking schnell an seine Kapazitätsgrenzen. Die Netzwerke für Aufmerksamkeitssteuerung und Kontrolle stellen sich dabei immer wieder auf ein neues Aufgabenziel ein. Studien zeigen zudem: Die meisten Menschen überschätzen ihre eigene Multitasking-Fähigkeit deutlich.

Weiterführende Informationen

Literatur

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