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FSME-Impfung: vor der Frühsommer-Meningoenzephalitis schützen

Lesedauer unter 10 Minuten
Ein kleiner Junge mit Fernglas auf einer Wiese

Autor

Birgit Frohn, Diplom-Biologin

Qualitätssicherung

Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine infektiöse Erkrankung, die durch das FSME-Virus verursacht wird. Das FSME-Virus wird – wie die Borreliose – durch einen Stich von Zecken übertragen. Ihre Namen hat die FSME erhalten, weil sie vor allem im Frühjahr und Sommer auftritt. Die Krankheit kann in verschiedenen Stadien verlaufen. Es erkrankt zwar nicht jeder, der mit den FSME-Viren infiziert wurde, doch sollte sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen zur Vorsorge gegen eine FSME-Erkrankung die gut verträglichen Impfstoffe genutzt werden. Im schlimmsten Fall kann eine Infektion mit FSME-Viren zu einer Entzündung der Hirnhäute, des gesamten Gehirns und des Rückenmarks führen.

Wie kann man sich mit FSME anstecken?

Das FSME-Virus wird von infizierten Zecken auf Menschen übertragen. Die Erreger befinden sich im Speichel der Tiere. Nach dem Zeckenbiss oder Zeckenstich gehen diese sofort in die Wunde über und verteilen sich von dort im gesamten Körper. Die Zecke gleich nach dem Stich zu entfernen, schützt nicht  vor der Ansteckung mit den FSME-Viren. Allerdings dient ein schnelles Entfernen der Vorsorge und reduziert die sogenannte Virenlast. Das heißt, es können nicht so viele der Erreger in den Körper gelangen.

Eine Übertragung der Viren von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Entsprechend sind an FSME erkrankte Personen auch nicht ansteckend.

Rohmilch kann riskant sein

Es sind einige seltene Fälle von FSME bekannt, bei denen Rohmilch von Kühen oder Ziegen, die mit den Viren infiziert waren, der Auslöser der Erkrankung war.

Wo liegen FSME-Risikogebiete?

Das Risiko, sich mit den FSME-Viren anzustecken, ist nicht überall gleich groß. Denn nur in ganz bestimmten Regionen sind Zecken mit den Erregern infiziert. Sie werden als FSME-Risikogebiete bezeichnet.

In Deutschland handelt es sich dabei vor allem um Regionen im Süden: Zahlreiche Landkreise sind in Baden-Württemberg, Bayern, im südlichen Hessen und im südöstlichen Thüringen sowie in Sachsen betroffen. Doch auch in Mittelhessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland gibt es ausgewiesene FSME-Risikogebiete. Diese werden übrigens jährlich vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin neu eingestuft. Auf der Website des Robert Koch-Instituts erfahren Sie, ob Ihre Region auch dazu gehört.

Wer in einem Risikogebiet lebt, dorthin reisen möchte oder sich in der Freizeit häufig dort aufhält, sollte zur Vorsorge sich selbst und seine Kinder mit einer Impfung schützen. Aktuell stehen dafür zwei Impfstoffe zur Verfügung.

Was sind Symptome bei FSME?

Die Inkubationszeit, also die Zeitspanne von der Infektion mit den FSME-Viren bis zum Auftreten der ersten Krankheitszeichen, ist unterschiedlich. Sie beträgt gewöhnlich sieben bis 14 Tage. In Einzelfällen kann sie bis zu 28 Tagen dauern. Ist die FSME-Erkrankung dann ausgebrochen, verläuft sie üblicherweise in zwei Stadien.

Stadium 1: Etwa eine Woche nach dem Zeckenstich kann sich die Erkrankung durch grippeähnliche Symptome wie Fieber, Glieder- und Kopfschmerzen zeigen. Bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten ist die FSME damit auch bereits überstanden.

Stadium 2: Die FSME-Viren können das zentrale Nervensystem befallen. Dies geschieht nur bei einigen der Patienten. Bei etwa 70 bis 95 Prozent verläuft die Erkrankung ohne jegliche Krankheitssymptome oder das zweite Stadium bleibt aus. Bricht die Erkrankung dagegen aus, kann es zu einer Hirnhautentzündung, auch Meningitis genannt, kommen. Diese geht mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen und vielfach auch mit einem steifen Nacken (Halsstarre) einher.

Bei einem sehr schweren Verlauf der Erkrankung kommt es zusätzlich zu einer Entzündung des Rückenmarks und des gesamten Gehirns. Es sind dann nicht nur die Hirnhäute, sondern das ganze Gehirn und die Nervenwurzeln von der Infektion betroffen. Neben den erwähnten Beschwerden der Hirnhautentzündung können nun psychische Veränderungen sowie Störungen von Bewusstsein und Sprache auftreten. Mitunter führt die schwere Form auch zu Lähmungen bestimmter Körperbereiche.

Was sind mögliche Folgeerkrankungen einer FSME-Infektion?

Bei schweren Verläufen der FSME-Infektion besteht die Gefahr von bleibenden neurologischen Ausfällen. Diese zeigen sich in der Regel in Form von Paresen (Lähmungen), aber auch von Anfallsleiden oder lange andauernden Kopfschmerzen.

Diese Beschwerden können oft noch Monate nach der Erkrankung fortbestehen. Häufig kommt es jedoch selbst nach schweren Verläufen zur völligen Heilung. Das Risiko einen schweren Verlauf zu erleiden, haben vor allem Erwachsene. Bei Kindern verläuft eine FSME-Infektion in der Regel milder. Bei etwa einem Prozent der Patienten mit einer Beteiligung des zentralen Nervensystems führt die Erkrankung zum Tode.

Wie wird FSME diagnostiziert?

Nach einem Zeckenstich muss insbesondere an eine Borreliose gedacht werden. Darüber hinaus können die Symptome einer FSME auch anderen bakteriellen Infektionen, beispielsweise durch Meningokokken, ähneln und müssen gesondert abgeklärt werden. Die genaue Abklärung erfolgt durch Laboruntersuchungen. Dabei wird im Blutserum oder in der Rückenmarksflüssigkeit, dem Liquor, nach FSME-spezifischen Antikörpern gesucht. Diese Antikörper bildet das Immunsystem bei einer Infektion mit FSME-Viren.

Im ersten Stadium der Erkrankung ist auch ein Nachweis der Viren über deren Erbgut aus dem Blut des Erkrankten möglich. Dies geschieht mittels spezieller genmedizinischer Verfahren. Allerdings kann ein negativer Befund eine Infektion mit FSME-Viren nicht vollständig ausschließen – das Nachweisverfahren ist also nicht hundertprozentig sicher.

Zu beachten ist auch, dass Impfungen gegen Gelbfieber und Japanische Enzephalitis zu falsch positiven Ergebnissen führen können. Die Viren, die diese Erkrankungen auslösen können, gehören auch zu den Flaviviren. Die Antikörper, die aufgrund der Impfung gebildet wurden, können im Labortest eine Zeckeninfektion vortäuschen.

Es besteht Meldepflicht
Die FSME gehört zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Jeder Patient und Verdachtsfall muss vom behandelnden Arzt namentlich an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden.

Wie wird eine FSME-Erkrankung behandelt?

Eine FSME kann nicht ursächlich behandelt werden, denn die Viren können nicht mit Medikamenten oder anderen Maßnahmen bekämpft werden. Die Therapie beschränkt sich deshalb auf die Linderung der Symptome. Entsprechend bekommen die Patienten fiebersenkende und schmerzstillende Medikamente verordnet.

Wie kann ich mich gegen FSME schützen?

Zur Vorsorge gegen eine FSME-Infektion, gilt es das Risiko von einer Zecken gestochen zu werden, zu vermeiden. Dazu ist es wichtig zu wissen, dass sich die kleinen stichfreudigen Tiere bevorzugt in hohem Gras und im Gebüsch aufhalten. Die Vorstellung, dass sich Zecken vom Baum fallen lassen, ist nicht korrekt. Bei Wanderungen und Spaziergängen, die durch Strauchwerk oder hohes Gras führen, etwa beim Beerensuchen, sollte man sich also entsprechend gegen Zecken schützen. Das gelingt durch Kleidung, die möglichst viel Körperoberfläche bedeckt, wie lange Hosen und langärmelige Hemden. Auch wenn Kinder es lieben, barfuß herumzutollen, ist festes Schuhwerk wichtig, damit die Zecken nicht an den Füßen stechen können. Auch Abwehrmittel gegen Insekten bieten einen gewissen Schutz. Allerdings lässt die Wirkung nach etwa zwei Stunden nach. Hinzu kommt, dass nicht alle Abwehrmittel gegen Insekten für Kinder geeignet sind.

Zecken entfernen – aber richtig
Bei einem Zeckenbefall muss die Zecke umgehend entfernt werden. Dabei sollten möglichst alle Teile der Zecke beseitigt werden, um eine Entzündung zu vermeiden. Hierzu greift man die Zecke mit einer Pinzette oder einem speziellen Instrument zur Zeckenentfernung nahe der Hautoberfläche, also an ihren Mundwerkzeugen (niemals am vollgesogenen Körper), und zieht sie langsam und gerade aus der Haut. Die Zecke sollte dabei möglichst nicht gedreht werden. Auf keinen Fall darf sie vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden, was leider immer noch oft empfohlen wird. Denn das würde das Tier unnötig reizen und könnte dazu führen, dass es seinen Speichel und somit mögliche Infektionserreger abgibt. Nach der Entfernung der Zecke muss die Wunde desinfiziert werden.

Unser Tipp: Minimieren Sie das Risiko, indem Sie bei Aufenthalten in der freien Natur immer eine Pinzette oder eine Zeckenzange dabei haben. So können Sie sich und Ihre Kinder zusätzlich gut schützen.

Eine Untersuchung der Zecke auf Krankheitserreger wird in Fachkreisen als wenig sinnvoll eingestuft. War die Zecke infiziert, kann nicht automatisch auf eine Infektion des gestochenen Patienten geschlossen werden.

Abgesehen vom Vermeiden von Zeckenstichen bietet die FSME-Impfung, häufig auch Zeckenimpfung genannt, die beste Möglichkeit, sich vor einer Erkrankung zu schützen. In Deutschland stehen dafür zwei Impfstoffe zur Verfügung.

Welche Empfehlungen gibt es für die FSME-Impfung?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Bewohnern – Kindern, Erwachsenen oder Senioren – von FSME-Risikogebieten und Personen, die in ein solches reisen und dort mit Zecken in Kontakt kommen könnten, sich gegen FSME impfen zu lassen.

Zu welcher Jahreszeit sollte die FSME-Impfung erfolgen?

Das Risiko, sich mit FSME-Viren zu infizieren ist im Frühjahr und Sommer höher als in den kalten Jahreszeiten. Die FSME kann aber auch im Herbst und in warmen Wintern auftreten. Wer sich daher in einem Risikogebiet in freier Natur aufhalten möchte, sollte ganzjährig an eine Impfung denken. Eine Vorsorge ist vor allem dann wichtig, wenn bisher noch keine Grundimmunisierung vorgenommen wurde oder eine Auffrischimpfung ansteht.

Wie häufig muss die FSME-Impfung gegeben werden?

Für einen kompletten Impfschutz sind für die Grundimmunisierung drei Impfungen erforderlich.

In welchen Abständen werden die FSME-Impfungen vorgenommen?

Die zweite Impfung ist je nach Impfstoff ein bis drei Monate nach der ersten und die dritte fünf- bis zwölf bzw. neun bis zwölf Monate nach der zweiten Impfung erforderlich. Um die Impfreihe abzuschließen, muss je nach Hersteller also ein Zeitraum von mindestens sechs Monaten eingeplant werden. Der Impfschutz beginnt frühestens zwei Wochen nach der zweiten Impfung. Es besteht dann bei 98 Prozent der Geimpften ein Impfschutz, der allerdings nur etwa ein Jahr anhält. Nach der dritten Impfung sind einzelne Auffrischimpfungen in Abständen zwischen drei und fünf Jahren erforderlich.

Möglich ist auch eine Schnellimmunisierung. Für die Grundimmunisierung werden dabei alle drei Impfungen innerhalb von drei Wochen verabreicht. Es ist dann allerdings notwendig, bereits nach einem Jahr aufzufrischen.

Wie lange hält die FSME-Impfung?

Wer sich gerne in der Natur aufhält, möchte wissen, wie lange der Impfschutz anhält und welche Abstände zwischen den Auffrischimpfungen notwendig sind.

  • Nach einer kompletten Grundimmunisierung ist man – je nach Lebensalter – zunächst für drei Jahre geschützt.
  • Alle, die sich weiterhin in Risikogebieten aufhalten, können ihren Impfschutz mit einer Auffrischimpfung für weitere drei bis fünf Jahre verlängern.

Wann sollte man die FSME-Impfung auffrischen?

Drei Jahre nach der ersten Grundimmunisierung ist die erste Auffrischimpfung notwendig. Je nach Lebensalter und verwendetem Impfstoff werden dann nach jeweils drei bis fünf Jahren weitere Auffrischimpfungen verabreicht. Ab einem Lebensalter von 60 Jahren wird grundsätzlich eine Auffrischimpfung alle drei Jahre empfohlen. Ausnahme: Wenn die Grundimmunisierung nach einem Schnellschema innerhalb von drei Wochen vorgenommen wurde. Dann ist die erste Auffrischimpfung bereits nach einem Jahr notwendig. 

Ab wann ist eine FSME-Impfung bei Babys möglich?

Für Babys gibt es keine FSME-Impfung. Sie können am besten mit leichter Baumwollkleidung geschützt werden. Der Kinderwagen sollte mit einem Mosquitonetz abgedeckt und nicht durch hohes Gras geschoben werden.
Kleinkinder können ab einem Jahr geimpft werden.

Was muss man nach einer FSME-Impfung beachten?

Die FSME-Impfung ist allgemein gut verträglich. Möglich sind, wie bei vielen anderen Impfungen auch, Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. In den ersten vier Tagen können Symptome wie bei einer Erkältung oder einem leichten Magen-Darm-Infekt auftreten. Fieber, Kopf-, Muskel- sowie Gelenkschmerzen, Unwohlsein oder Magen-Darm-Beschwerden können sich bemerkbar machen. Die Beschwerden halten in der Regel nicht lange an und verursachen auch keine Folgeschäden. Schwere Nebenwirkungen sind äußerst selten.

Warum bietet eine FSME-Impfung keinen Schutz gegen Borreliose? 
Achtung: Die FSME-Impfung schützt nicht gegen Borreliose, die ebenfalls von Zecken übertragen wird. Bei der Borreliose handelt es sich um eine bakterielle Infektion, die insbesondere das Nervensystem und die Gelenke betreffen kann.

Was kostet die FSME-Impfung und wer bezahlt sie?

Wenn Sie sich in einem FSME-Risikogebiet aufhalten, können Sie sich kostenlos bei Ihrem Arzt oder zum Beispiel auch beim Gesundheitsamt impfen lassen. Die Kosten hierfür trägt die Barmer. Wenn Sie eine Reise planen, beraten wir Sie gerne über die Möglichkeit, sich, Ihre Kinder und die ganze Familie gegen FSME impfen zu lassen. Die Barmer übernimmt auch hier 100 Prozent der Kosten für Ihre Reise-Schutzimpfungen. Dies gilt sowohl für Auslandsreisen als auch für Reisen innerhalb Deutschlands. Alle, die am Bonusprogramm teilnehmen, können zusätzlich Bonuspunkte sammeln.

Ihre Barmer-Vorteile für die FSME-Impfung

  • Die Barmer übernimmt die Kosten der FSME-Impfung bei Personen, die sich in Risikogebieten aufhalten. Dies schließt Reisen innerhalb Deutschlands ein.
  • Ein optimaler Impfschutz wird mit drei Impfungen erreicht. Selbstverständlich trägt die Barmer die Kosten für die komplette Impfserie.
  • Barmer-Versicherte erhalten bei Reisen in gefährdete Gebiete im Ausland eine FSME-Impfung als Satzungsleistung.
  • Reisen Versicherte aus Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Schleswig-Holstein ins Ausland, kann die Satzungsleistung über die Versichertenkarte abgerechnet und der Impfstoff auf Kassenrezept verordnet werden.
  • Die Barmer übernimmt auch die Kosten für die Auffrischimpfungen, wenn Sie sich in einem gefährdeten Gebiet aufhalten oder eine Reise dorthin planen.

Mit dem Impfplaner im digitalen Gesundheitsmanager der Barmer haben Sie zusätzlich die Möglichkeit, alle Impftermine – auch für Ihre Urlaubsreise – im Blick zu behalten.

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Quellenangaben

Webcode: a000049 Letzte Aktualisierung: 07.01.2020
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