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Information und Beratung zu Behandlungsfehlern

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Inhaltsverzeichnis

Wenn Sie das Gefühl haben, von Ihrem Arzt falsch behandelt worden zu sein, vertrauen Sie auf Ihre Barmer: Wir unterstützen Sie bei der Prüfung eines möglichen Behandlungsfehlers mit ausführlichen Informationen und individueller Beratung.

Was ist ein Behandlungsfehler?


Ärzte sind dazu verpflichtet, Behandlungen nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft durchzuführen. Sie schulden ihren Patienten keinen Erfolg (die Heilung), sondern das ernsthafte und sorgfältige Bemühen darum.

Erfolgen Aufklärung, Diagnose und Therapie aber nicht angemessen, sorgfältig, richtig oder zeitgerecht, kann ein ärztliches Versäumnis vorliegen.

Von einem Behandlungsfehler spricht man, wenn zum Beispiel

  • die Aufklärung vor einem Eingriff unzureichend war,
  • eine Operation nicht fachgerecht durchgeführt,
  • auf eine Komplikation nicht zeit- und sachgerecht reagiert,
  • eine notwendige Behandlung verspätet oder gar nicht durchgeführt oder
  • ein falsches Medikament verordnet wurde.

Wenn einem Arzt ein Behandlungsfehler nachgewiesen wird, haftet er für den entstandenen Schaden. In den meisten Fällen tritt die Haftpflichtversicherung des Arztes für den Schaden ein.

Was können Sie tun, wenn Sie vermuten, dass ein Behandlungsfehler vorliegt?

Zunächst können Sie das Gespräch mit dem behandelnden Arzt suchen. So lassen sich häufig bereits erste Probleme oder Missverständnisse aus der Welt schaffen.

Zudem können Sie Ihre Patientenakte einsehen und Kopien erstellen oder erstellen lassen. Das ist sinnvoll, wenn Sie sich dazu entschließen, die Behandlung begutachten zu lassen oder einen Rechtsanwalt zu beauftragen. Denn als Patient müssen Sie in der Regel den vermuteten Behandlungsfehler nachweisen. Eine möglichst lückenlose Dokumentation ist dabei hilfreich. Auch Rechnungen und Belege sollten Sie sammeln und aufbewahren.

Damit nichts in Vergessenheit gerät, sollten Sie zusätzlich ein Gedächtnisprotokoll erstellen. Dabei können Sie sich an den folgenden Fragen orientieren:

  • Was ist passiert? Wie ist die Behandlung abgelaufen?
  • Gegen wen richtet sich der Vorwurf?
  • Wegen welcher Beschwerden haben Sie den Arzt aufgesucht?
  • Welchen Gesundheitsschaden führen Sie auf den vermuteten Behandlungsfehler zurück?
  • Wo fanden im Laufe der Krankengeschichte weitere Behandlungen statt (Ärzte, Krankenhäuser etc.)?
  • Wurden Sie über die Behandlung und ihre Risiken aufgeklärt?

Wie helfen wir Ihnen?

Die Barmer steht Ihnen mit einem kompetenten Beratungsteam, das sich auf die Bearbeitung von Fällen bei vermuteten Behandlungsfehlern spezialisiert hat, hilfreich zur Seite. Durch individuelle Beratung und umfassende Informationen unterstützen wir Sie dabei, den Sachverhalt aufzuklären.

Die Spezialisten am Behandlungsfehler-Telefon erreichen Sie über unseren Telefonservice unter 0800 3331010 (Montag bis Freitag von 7 bis 20 Uhr; Anrufe aus den deutschen Fest- und Mobilfunknetzen sind für Sie kostenfrei).

Wie geht es weiter?

Ob ein Behandlungsfehler vorliegt, lässt sich oft nur schwer feststellen und muss im Einzelfall durch ein medizinisches Gutachten geklärt werden. Über die Ärztekammern oder den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) haben Sie die Möglichkeit, ein solches Gutachten erstellen zu lassen. Die Barmer steht Ihnen bei der Beantragung gerne zur Seite. Fällt die Wahl auf ein Gutachten des MDK, beantragt die Barmer dieses für Sie.

Bei der Prüfung eines möglichen Behandlungsfehlers können Sie zudem in jedem Verfahrensstadium einen Rechtsanwalt einschalten. Oftmals haben ärztliche Versäumnisse weitreichende Folgen für Ihre Gesundheit. Auch finanzielle Einbußen, beispielsweise wegen einer längeren Arbeitsunfähigkeit, sind möglich. Ein Fachanwalt für Medizinrecht kann Ihnen helfen, rechtliche Möglichkeiten auszuloten und vertritt Sie bei zivilrechtlichen Verfahren.

Wer erstellt ein medizinisches Gutachten?

Schlichtungsstellen und Gutachterkommissionen der Ärztekammern

Sie können den Sachverhalt durch einen Antrag bei der Schlichtungsstelle beziehungsweise Gutachterkommission der zuständigen Ärztekammer klären lassen. Diese erstellt anhand Ihrer medizinischen Behandlungsunterlagen ein Gutachten. Die Beschaffung der Krankenunterlagen erfolgt durch die Schlichtungsstelle. Welche Schlichtungsstelle für Ihren Antrag zuständig ist, richtet sich nach dem Ort der Praxis beziehungsweise des Krankenhauses, wo die vermutetet fehlerhafte Behandlung stattgefunden hat. Die Begutachtung kann durchschnittlich bis zu zwölf Monate dauern. Über die Bundesärztekammer erhalten Sie weitere Informationen.

Haben Sie bereits einen Antrag gestellt oder liegt Ihnen ein Gutachten der Schlichtungsstelle vor? Dann rufen Sie bitte ebenfalls unsere Spezialisten an. Diese erreichen Sie über unseren Telefonservice unter 0800 3331010 (Montag bis Freitag von 7 bis 20 Uhr; Anrufe aus den deutschen Fest- und Mobilfunknetzen sind für Sie kostenfrei).

Medizinischer Dienst der Krankenversicherung

Eine weitere Möglichkeit, bei einem begründeten Verdacht auf einen Behandlungsfehler ein Gutachten erstellen zu lassen, besteht über den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Ebenso wie bei der Schlichtungsstelle, erfolgt auch hier die Begutachtung anhand Ihrer medizinischen Behandlungsunterlagen. Überlassen Sie uns hierzu bitte Ihre medizinischen Behandlungsunterlagen. Als Patient haben Sie gegenüber Ärzten und Krankenhäusern einen gesetzlichen Anspruch darauf, Ihre vollständige Akte auf Nachfrage unverzüglich einzusehen. Bei dem für Sie kostenlosen Verfahren stellt die Barmer einen Auftrag an den MDK. Erfahrungsgemäß kann die Erstellung des Gutachtens acht Monate in Anspruch nehmen.

Was sollten Sie noch wissen?

Sie sind unzufrieden mit einer ärztlichen Behandlung in einer Praxis oder im Krankenhaus und möchten sich beschweren? Dann wenden Sie sich bitte an die zuständige Ärztekammer beziehungsweise die Beschwerdestelle im Krankenhaus.

Die Ärztekammer prüft, ob ein Verstoß gegen das Berufsrecht vorliegt und eine berufsrechtliche Maßnahme erforderlich ist. Bitte beachten Sie, dass es hier um die Wahrung der Berufsehre der beschuldigten Ärzte und nicht um die Wahrung Ihrer Interessen geht. Schadenersatzansprüche können auf diesem Weg nicht geltend gemacht werden.

Grundsätzlich trägt der Patient die Beweislast. Das heißt: Sie müssen nachweisen, dass der Arzt den Behandlungsfehler und den eingetretenen Schaden verursacht hat. Hierbei kann ein Gutachten durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung oder durch die Schlichtungsstellen der Ärztekammer helfen.

Beweiserleichterung kann vor allem dann eintreten, wenn sich aufgrund einer lückenhaften Dokumentationspflicht nicht nachvollziehen lässt, ob die Behandlung standardgerecht war.

Auch wenn eine Ärztin oder ein Arzt gegen bewährte Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse im groben Maße verstoßen hat (grober Behandlungsfehler), kehrt sich die Beweislast um. Dann muss die ärztliche Seite beweisen, dass der gesundheitliche Schaden auch ohne den Behandlungsfehler eingetreten wäre.

Die Überprüfung eines vermuteten Behandlungsfehlers findet anhand Ihrer medizinischen Behandlungsunterlagen statt. Eine körperliche Untersuchung wird grundsätzlich nicht durchgeführt. Daher ist es wichtig, dass Sie sich bei gesundheitlichen Beschwerden in ärztliche Behandlung begeben. Zudem steht Ihnen der Barmer Teledoktor unter 0800 3333 500 (24 Stunden täglich und an 7 Tagen in der Woche; Anrufe aus den deutschen Fest- und Mobilfunknetzen sind für Sie kostenfrei) in Fragen rund um Gesundheit, Medikamente und Therapie zur Verfügung.

Aufgrund eines Behandlungsfehlers kann ein Patient materielle und/oder immaterielle Schäden erleiden. Der materielle Schaden, beispielsweise durch Behandlungskosten oder Verdienstausfall, muss für einen Schadensersatz exakt beziffert und nachgewiesen werden. Der immaterielle Schaden bezeichnet alle Beeinträchtigungen, die nicht finanzieller Art sind (beispielsweise gravierende Einschränkungen im alltäglichen Leben oder geminderte berufliche Aussichten aufgrund der Schädigung). Diese sind nicht immer exakt nachweis- und bezifferbar. Hierfür wird gegebenenfalls ein Schmerzensgeld festgelegt.

Persönliche Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld können nur von Ihnen selbst geltend gemacht werden. Die Unterstützung durch einen Fachanwalt für Medizinrecht ist dabei sinnvoll.

Die Verjährungsfrist für Schadensersatzansprüche beträgt drei Jahre. Grundsätzlich beginnt die Frist bei Ansprüchen aus Behandlungsfehlern mit dem Ende des Jahres, in dem der Patient Kenntnis von dem Behandlungsfehler und dem Verursacher erhält.

Bei der Versorgung mit einem Zahnersatz (Krone, Brücke etc.) kann aus den verschiedensten Gründen einmal etwas nicht erfolgreich verlaufen. Trotz aller Bemühungen des Zahnarztes können Beschwerden beim Patienten auftreten. Ein mangelhafter Zahnersatz stellt allerdings keinen Behandlungsfehler dar.

Bestehen die Beschwerden trotz Nachbesserung oder eventueller Neuanfertigung von Zahnersatz weiterhin, und/oder übernimmt Ihr Zahnarzt keine weiteren Anpassungen bzw. Reparaturen, wenden Sie sich bitte an Ihre Geschäftsstelle der Barmer.

Eventuell lassen wir Ihren Zahnersatz durch einen zahnärztlichen Gutachter der regionalen Kassenzahnärztlichen Vereinigung prüfen. Werden Mängel festgestellt, nehmen Sie erneut Kontakt zu Ihrem Zahnarzt auf, um ihm die Chance zur Nachbesserung zu geben.

Gegebenenfalls kann diese auch durch eine Neuanfertigung erfolgen. Anderenfalls laufen Sie Gefahr, eventuelle Ansprüche – zum Beispiel auf Schadenersatz – zu verlieren.

Erwägen Sie, die Behandlung von sich aus abzubrechen, sollte dies in jedem Fall gut überdacht werden. Ein Abbruch kann zum Beispiel berechtigt sein, wenn der Zahnarzt die notwendigen weiteren Maßnahmen ablehnt oder Ihr Zahnersatz wegen einer schlechten Planung oder Ausführung unbrauchbar (Feststellung durch den Gutachter) und das Vertrauensverhältnis grundlegend gestört ist. Beachten Sie aber, dass dies nur Anhaltspunkte sind. Nach der Rechtsprechung kommt es immer auf die Prüfung des Einzelfalls an.

 

Webcode: a000026 Letzte Aktualisierung: 04.11.2019
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