Sie kennen es vielleicht auch: Der Tag beginnt mit einer E-Mail, die Sie nicht beantworten wollen. Auf dem Weg zur Arbeit stockt der Verkehr. Dann kommen schon die ersten Benachrichtigungen rein. Warum fühlen sich manche Tage so anstrengend an? Und warum reagiert der eine darauf mit Gelassenheit und die andere fühlt sich schnell überfordert? Je besser Sie Ihre eigenen Stressfaktoren kennen, desto gezielter können Sie gelassen bleiben.
Stressoren & Stressauslöser: Was uns täglich stresst und wie wir es erkennen
Redaktion:
BarmerQualitätssicherung:
- Andrea Jakob-Pannier (Diplom-Sozialpädagogin/ Psychologin/ Psychoonkologin, Barmer),
- Marie-Victoria Assel (Psychologin, Barmer)
Was sind Stressoren? – Kurz erklärt
Stressoren sind Ereignisse oder Anforderungen, die unseren Körper in Alarmbereitschaft versetzen. Sie können von außen kommen, wie Zeitdruck, Lärm oder Konflikte oder aus uns selbst heraus entstehen.
Stressoren = Auslöser für Stressreaktionen, also Situationen, Reize oder innere Anforderungen, die unser System herausfordern.
Ob ein Ereignis Stress erzeugt, hängt davon ab, wie wir es bewerten: Ist es gefährlich, unangenehm, überfordernd oder unkontrollierbar? Wenn ja, reagiert unser Körper mit einer Stressreaktion.
Warum Stress bei jedem anders wirkt
Was den einen stresst, lässt den anderen kalt.
Beispiel:
Für eine ist eine Präsentation vor Kunden aufregend, aber spannend. Für den anderen bedeutet sie Lampenfieber, Herzrasen und Druck.
Das liegt daran, dass Stressoren nicht nur die Situation an sich sind, sondern die persönliche Bewertung der Situation.
Stressoren im Alltag: So werden sie unterschieden
Stressoren lassen sich vereinfacht in vier große Kategorien einteilen:
Äußere Stressauslöser
Das ist der Stress, der von außen kommt, also Dinge, die wir oft nicht unmittelbar kontrollieren können:
✔ Lärm
✔ Klima oder Hitze
✔ Verkehrsstau auf dem Arbeitsweg
✔ Wartezeiten
✔ Sorgen um Finanzen
✔ Schmerzen oder Krankheit
Diese äußeren Auslöser werden häufig als unangenehm oder bedrohlich empfunden.
Innere Stressauslöser
Diese Stressoren entstehen aus uns selbst heraus.
Es sind keine äußeren Reize, sondern innere Denk-, Gefühls- oder Erwartungsmuster:
✔ hohe Erwartungen an sich selbst
✔ unzufriedene Ziele
✔ Perfektionismus
✔ innere Unsicherheit
Innere Stressoren können besonders trickreich sein, weil sie oft unbemerkt wirken und lange „unter der Oberfläche“ bleiben.
Psychisch-mentale Stressoren
Diese Stressoren haben mit den Anforderungen an unser Denken und Fühlen zu tun:
✔ Über- oder Unterforderung
✔ Unklare Zielvorgaben
✔ Leistungs- und Zeitdruck
✔ Konkurrenzdruck
Gerade im Job oder im Studium können diese Stressauslöser allgegenwärtig sein.
Soziale Stressoren
Stressoren können auch aus dem sozialen Umfeld stammen:
✔ Mobbing am Arbeitsplatz
✔ negatives Betriebsklima
✔ belastende Arbeitszeiten
✔ Konflikte in der Partnerschaft oder Familie
✔ Pflege von Angehörigen
Gerade anhaltende soziale Belastungen wirken wie Dauerstress und können sich auf Körper und Psyche auswirken.
Stressoren im Alltag leicht erkennen
Stressoren sind:
- äußere Stressauslöser: Umwelt, Lärm, Termine, Anforderungslagen
- innere Stressauslöser: Erwartungen, Gedankenkreise, Angst vor Fehlern
- psychisch-mentale Stressoren: Leistungs- und Zeitdruck
- soziale Stressoren: Konflikte, Beziehungen, Rollenanforderungen
Wenn Sie diese vier Gruppen kennen, können Sie gezielter reflektieren, was Sie wirklich stresst.
Warum wir heute mehr Stress empfinden
Viele Menschen erleben im Alltag immer mehr Anforderungen und immer weniger Zeit.
Das kann dazu führen, dass wir uns dauerhaft unter Spannung fühlen, auch wenn keine konkrete „Gefahr“ im klassischen Sinn vorliegt.
Beispiele aus dem modernen Alltag:
- Zu viele Aufgaben, zu wenig Zeit
- Leistungsdruck im Job
- Ungerechte Bezahlung oder fehlende Anerkennung
- Pendelwege mit Stau oder Zugausfällen
- Homeoffice-Situation ohne klare Grenzen
- Fehlender Schlaf bei Schichtarbeit
- Konflikte zwischen Karriere und Familienpflichten
Solche Stressoren sind häufig nicht einmal „groß“, aber sie wiederholen sich so oft, dass unser System in Daueralarm kommt.
Stressoren erkennen: 3 kurze Check-Fragen
Fühle ich mich nach bestimmten Situationen körperlich angespannt?
Habe ich häufig das Gefühl, „nie zur Ruhe zu kommen“?
Erlebe ich innere Unruhe auch ohne akute Bedrohung?
Wenn Sie diese Fragen mit „ja“ beantworten, kann es helfen, Ihre Stressoren bewusst zu identifizieren und anzugehen.
Was Sie aktiv tun können
Stressoren bewusst machen
Beobachten, wann Sie Stress empfindest:
- Auf dem Weg zur Arbeit
- Im Job
- Bei Konflikten in der Familie
- Bei inneren Drucksituationen
Stressoren zu kennen ist der erste Schritt, um gelassener zu werden.
Balance schaffen
Einige Stressoren lassen sich reduzieren:
- Prioritäten setzen
- Zeit für Pausen schaffen
- Aufgaben in kleine Schritte aufteilen
- Kommunikation verbessern
- Klare Grenzen zwischen Arbeit & Freizeit ziehen
Auch einfache Verhaltensänderungen können dazu beitragen, den Druck zu reduzieren.
Häufige Fragen und Antworten zu Stressoren
Literatur
- MentalHelp.net (Abruf 29.09.2020): Types of Stressors (Eustress versus Distress)
- Bolger, N. and DeLongis, A. (1989): Effects of Daily Stress on Negative Mood. Journal of Personality and Social Psychology, 57 (5): 808-818
- Koffer, R. E., et al. (2016): Stressor Diversity: Introduction and Empirical Integration into the Daily Stress Model. Psychological Aging, 31(4): 301-320.
Weiterführende Informationen
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Abruf 25.08.2020): Stress und Stressbewältigung