Frau sitzt mit Arbeitsutensilien und Kopfschmerzen auf dem Wohnzimmerfussboden
Stress

Stressoren & Stressauslöser: Was uns täglich stresst und wie wir es erkennen

Lesedauer weniger als 4 Min

Redaktion:

Barmer

Qualitätssicherung:

  • Andrea Jakob-Pannier (Diplom-Sozialpädagogin/ Psychologin/ Psychoonkologin, Barmer),
  • Marie-Victoria Assel (Psychologin, Barmer)

Sie kennen es vielleicht auch: Der Tag beginnt mit einer E-Mail, die Sie nicht beantworten wollen. Auf dem Weg zur Arbeit stockt der Verkehr. Dann kommen schon die ersten Benachrichtigungen rein. Warum fühlen sich manche Tage so anstrengend an? Und warum reagiert der eine darauf mit Gelassenheit und die andere fühlt sich schnell überfordert? Je besser Sie Ihre eigenen Stressfaktoren kennen, desto gezielter können Sie gelassen bleiben.

Was sind Stressoren? – Kurz erklärt

Stressoren sind Ereignisse oder Anforderungen, die unseren Körper in Alarmbereitschaft versetzen. Sie können von außen kommen, wie Zeitdruck, Lärm oder Konflikte oder aus uns selbst heraus entstehen

Stressoren = Auslöser für Stressreaktionen, also Situationen, Reize oder innere Anforderungen, die unser System herausfordern.

Ob ein Ereignis Stress erzeugt, hängt davon ab, wie wir es bewerten: Ist es gefährlich, unangenehm, überfordernd oder unkontrollierbar? Wenn ja, reagiert unser Körper mit einer Stressreaktion.

Warum Stress bei jedem anders wirkt

Was den einen stresst, lässt den anderen kalt.

Beispiel:
Für eine ist eine Präsentation vor Kunden aufregend, aber spannend. Für den anderen bedeutet sie Lampenfieber, Herzrasen und Druck.

Das liegt daran, dass Stressoren nicht nur die Situation an sich sind, sondern die persönliche Bewertung der Situation.

Stressoren im Alltag: So werden sie unterschieden

Stressoren lassen sich vereinfacht in vier große Kategorien einteilen:

Äußere Stressauslöser

Das ist der Stress, der von außen kommt, also Dinge, die wir oft nicht unmittelbar kontrollieren können:

✔ Lärm
✔ Klima oder Hitze
✔ Verkehrsstau auf dem Arbeitsweg
✔ Wartezeiten
✔ Sorgen um Finanzen
✔ Schmerzen oder Krankheit

Diese äußeren Auslöser werden häufig als unangenehm oder bedrohlich empfunden.

Innere Stressauslöser

Diese Stressoren entstehen aus uns selbst heraus.
Es sind keine äußeren Reize, sondern innere Denk-, Gefühls- oder Erwartungsmuster:

✔ hohe Erwartungen an sich selbst
✔ unzufriedene Ziele
Perfektionismus
✔ innere Unsicherheit

Innere Stressoren können besonders trickreich sein, weil sie oft unbemerkt wirken und lange „unter der Oberfläche“ bleiben.

Psychisch-mentale Stressoren

Diese Stressoren haben mit den Anforderungen an unser Denken und Fühlen zu tun:

✔ Über- oder Unterforderung
✔ Unklare Zielvorgaben
Leistungs- und Zeitdruck
✔ Konkurrenzdruck

Gerade im Job oder im Studium können diese Stressauslöser allgegenwärtig sein.

Soziale Stressoren

Stressoren können auch aus dem sozialen Umfeld stammen:

Mobbing am Arbeitsplatz
✔ negatives Betriebsklima
✔ belastende Arbeitszeiten
✔ Konflikte in der Partnerschaft oder Familie
✔ Pflege von Angehörigen

Gerade anhaltende soziale Belastungen wirken wie Dauerstress und können sich auf Körper und Psyche auswirken.

Stressoren im Alltag leicht erkennen

Stressoren sind:

  • äußere Stressauslöser: Umwelt, Lärm, Termine, Anforderungslagen
  • innere Stressauslöser: Erwartungen, Gedankenkreise, Angst vor Fehlern
  • psychisch-mentale Stressoren: Leistungs- und Zeitdruck
  • soziale Stressoren: Konflikte, Beziehungen, Rollenanforderungen

Wenn Sie diese vier Gruppen kennen, können Sie gezielter reflektieren, was Sie wirklich stresst.

Warum wir heute mehr Stress empfinden

Viele Menschen erleben im Alltag immer mehr Anforderungen und immer weniger Zeit.
Das kann dazu führen, dass wir uns dauerhaft unter Spannung fühlen, auch wenn keine konkrete „Gefahr“ im klassischen Sinn vorliegt.

Beispiele aus dem modernen Alltag:

  • Zu viele Aufgaben, zu wenig Zeit
  • Leistungsdruck im Job
  • Ungerechte Bezahlung oder fehlende Anerkennung
  • Pendelwege mit Stau oder Zugausfällen
  • Homeoffice-Situation ohne klare Grenzen
  • Fehlender Schlaf bei Schichtarbeit
  • Konflikte zwischen Karriere und Familienpflichten

Solche Stressoren sind häufig nicht einmal „groß“, aber sie wiederholen sich so oft, dass unser System in Daueralarm kommt.

Stressoren erkennen: 3 kurze Check-Fragen

Fühle ich mich nach bestimmten Situationen körperlich angespannt?
Habe ich häufig das Gefühl, „nie zur Ruhe zu kommen“?
Erlebe ich innere Unruhe auch ohne akute Bedrohung?

Wenn Sie diese Fragen mit „ja“ beantworten, kann es helfen, Ihre Stressoren bewusst zu identifizieren und anzugehen.

Was Sie aktiv tun können

Stressoren bewusst machen

Beobachten, wann Sie Stress empfindest:

  • Auf dem Weg zur Arbeit
  • Im Job
  • Bei Konflikten in der Familie
  • Bei inneren Drucksituationen

Stressoren zu kennen ist der erste Schritt, um gelassener zu werden.

Balance schaffen

Einige Stressoren lassen sich reduzieren:

  • Prioritäten setzen
  • Zeit für Pausen schaffen
  • Aufgaben in kleine Schritte aufteilen
  • Kommunikation verbessern
  • Klare Grenzen zwischen Arbeit & Freizeit ziehen

Auch einfache Verhaltensänderungen können dazu beitragen, den Druck zu reduzieren.

Häufige Fragen und Antworten zu Stressoren

Stressoren sind äußere oder innere Auslöser, die eine Stressreaktion im Körper hervorrufen.
Stress kann durch Alltagssituationen, innere Erwartungen, psychische Belastungen und soziale Konflikte entstehen.
Achten Sie auf körperliche Reaktionen, wiederkehrende unangenehme Situationen und innere Spannung.

Literatur

  • MentalHelp.net (Abruf 29.09.2020): Types of Stressors (Eustress versus Distress)
  • Bolger, N. and DeLongis, A. (1989): Effects of Daily Stress on Negative Mood. Journal of Personality and Social Psychology, 57 (5): 808-818
  • Koffer, R. E., et al. (2016): Stressor Diversity: Introduction and Empirical Integration into the Daily Stress Model. Psychological Aging, 31(4): 301-320.

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