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Hodenkrebs (Hodenkarzinom)

Lesedauer unter 7 Minuten
Stilisierte Darstellung von Hodenkrebs

Autor/in

Philipp Lutz (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Jährlich erkranken in Deutschland rund 4.000 Männer an einem sogenannten Hodenkarzinom . Bei Männern im Alter zwischen 25 und 45 Jahren gilt Hodenkrebs als die häufigste Tumorneuerkrankung. Auf die Gesamtheit der Krebsneuerkrankungen gesehen, gehört Hodenkrebs mit einem Anteil von nur etwa 1,6 Prozent allerdings zu den eher seltenen Tumoren. Insgesamt lässt sich Hodenkrebs gut behandeln – selbst in einem fortgeschrittenen Stadium: 96 Prozent der erkrankten Männer können geheilt werden . In den meisten Fällen ist nur ein Hoden betroffen.

Hodenkrebs ist der Oberbegriff für unterschiedliche Krebsarten, die aus den verschiedenen Arten von Zellen im Hoden entstehen können. Gut neun von zehn Hodentumoren gehen von den sogenannten Keimzellen aus, die den männlichen Samen produzieren. Sie werden zusammenfassend als Keimzelltumoren oder germinale Tumoren bezeichnet (= entartetes Keimzellgewebe). Keimzelltumoren können wiederum unterschiedlich beschaffen sein: Bestehen sie aus nur einer Gewebeart, bezeichnen Ärzte sie als Seminom, sind sie aus verschiedenen Gewebearten aufgebaut, nennen Ärzte sie Nicht-Seminom. Die Unterscheidung zwischen Seminome und Nicht-Seminome ist für die unterschiedliche Behandlung von Bedeutung.

Die übrigen Fälle von Hodenkrebs entstehen auf der Basis von Zellen des Stützgewebes – den testosteronproduzierenden Leydig-Zellen beziehungsweise den Sertoli-Zellen, die die Keimzellen ernähren – sowie als Metastasen anderer bösartiger Tumoren des Körpers.

Symptome: Wie erkennt man Hodenkrebs?

Hodenkrebs macht sich in der Regel dadurch bemerkbar, dass sich im Hoden ein meist schmerzloser, harter Knoten ertasten lässt oder der Hoden hart wird und angeschwollen ist. Auch ein Ziehen beziehungsweise ein Spannungs- oder Schweregefühl in den Hoden oder in der Leistengegend kann auf Hodenkrebs hinweisen. Dieses Schweregefühl kann durch den Tumor selbst oder durch eine Flüssigkeitsansammlung im Hodensack bedingt sein. Begleitend können weitere Symptome wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Gewichtsabnahme oder Rückenschmerzen auftreten.

Urologen raten allen Jungen und Männern zwischen 14 und 45 Jahren zu einer Selbstuntersuchung, bei der sie einmal im Monat ihre Hoden abtasten und betrachten. Am besten geht die Selbstuntersuchung der Hoden im Stehen unter der warmen Dusche, sodass die Haut des Hodens entspannt ist:

  • Legen Sie die Handfläche der leicht geöffneten Hand von unten an den Hodensack. Tasten Sie von dort die Hoden vorsichtig ab, indem Sie die Handfläche leicht auf und ab bewegen. Fühlt sich einer der Hoden schwerer oder größer an?
  • Anschließend rollen Sie die Hoden einzeln zwischen Daumen sowie Zeige- und Mittelfinger hin und her. Achten Sie auf Unebenheiten, Verhärtungen oder Knoten.
  • Abschließend ist es ratsam, den Hodensack im Spiegel zu betrachten. Haben sich die Größe, Form oder das Aussehen verändert?

Wichtiger Hinweis: Beim Abtasten können Sie oben auf den Hoden auch den etwas weicheren Nebenhoden fühlen. Die Nebenhoden werden leicht mit Auffälligkeiten verwechselt.

Bei den oben beschriebenen auffälligen Veränderungen sollten Sie einen Urologen aufsuchen und diese abklären lassen.

Ursachen von Hodenkrebs

Experten wissen momentan noch nicht, welche genauen Ursachen die Hodentumore haben. Mögliche Risikofaktoren für die Entwicklung eines Hodenkrebses können jedoch sein:

  • Hodenhochstand: Darunter versteht man eine Fehllage der Hoden. Das heißt: Mindestens ein Hoden befindet sich nicht in seiner natürlichen Lage im Hodensack, sondern im Leistenkanal oder im unteren Bauchraum. Normalerweise ist es so, dass bei einem männlichen Embryo die Hoden im Bauchraum – in der Nierengegend – entstehen. Erst im Laufe der weiteren Entwicklung des Ungeborenen wandern sie hinunter und über den Leistenkanal in den Hodensack hinein. Wenn die Hoden bis zur Geburt nicht im Hodensack angekommen sind, besteht ein Hodenhochstand;
  • Frühere Hodenkrebserkrankung: ein bereits überstandener Tumor erhöht das Risiko für erneuten Hodenkrebs;
  • Vererbung: Männer, bei denen engste Verwandte an Hodenkrebs erkrankt sind, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Hodenkrebs;
  • Unfruchtbarkeit: Eine mögliche Ursache für Unfruchtbarkeit ist eine gestörte Spermienreifung im Hoden. Diese gestörte Spermienreifung kann durch veränderte, sogenannte prämaligne Vorläuferzellen entstehen. Die prämalignen Vorläuferzellen sind auch ein Risiko für Hodenkrebs. Nicht die Unfruchtbarkeit selbst, sondern die prämalignen Veränderungen können also zu Hodenkrebs führen.
  • TIN-Zellen: Die sogenannte Testikuläre intraepitheliale Neoplasie ist eine Zellveränderung im Hoden. Diese TIN-Zellen kann man schon Jahre, bevor ein Hodenkrebs festgestellt wird, unterm Mikroskop nachweisen. Da sie sich ebenfalls aus Keimzellen entwickeln, gelten sie als Vorstufe der Keimzelltumoren.

Diagnose von Hodenkrebs

Bei einem Verdacht auf Hodenkrebs tastet der Urologe zunächst beide Hoden sorgfältig ab, um mögliche Knoten oder Verhärtungen aufzuspüren. Danach kann eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) eine mögliche Gewebeveränderung im Hoden anzeigen, allerdings nicht, ob diese Veränderung gut- oder bösartig ist. Eine Blutuntersuchung, bei der sogenannte Tumormarker bestimmt werden, ergänzt die Diagnostik. Als Tumormarker bezeichnet man Stoffe, die die Tumorzellen selbst bilden. Hierbei handelt es sich um Proteine und Enzyme, die bei einer Hodenkrebserkrankung vermehrt im Blut zirkulieren können. Aber nicht alle Krebspatienten haben erhöhte Tumormarker. Wenn die Tumormarker aber in erhöhtem Maße vorliegen, kann daraus oft schon die Art des Hodentumors abgeleitet werden. Auch für die weitere Verlaufsbeobachtung sind Tumormarker im Blut wichtig.

Eine Gewebeprobe (Biopsie) kann einen Hodenkrebs eindeutig bestätigen oder ausschließen. Hierbei wird unter Narkose ein Schnitt in der Leiste der betroffenen Körperseite gemacht. Eine Probe des Tumorgewebes kann noch während der Operation an einen Pathologen geschickt werden.

Eine Computertomographie (CT) und eine Kernspintomographie (MRT) klären ab, ob Metastasen in anderen Bereichen des Körpers vorliegen oder ob Lymphknoten vergrößert sind. Häufig kommt hierbei Kontrastmittel zum Einsatz.

Therapien bei Hodenkrebs

Bei Hodenkrebs gibt es folgende Behandlungsmethoden:

  • Operation,
  • Strahlentherapie,
  • Chemotherapie,
  • Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie.

Die operative Entfernung des tumorbefallenen Hodens ist in der Regel der erste Behandlungsschritt. Wenn hierbei der gesamte erkrankte Hoden zusammen mit dem Nebenhoden und dem Samenstrang entfernt wird, spricht man von dem Orchiektomie-Verfahren. Eine Prothese in Form eines Silikonkissens kann den fehlenden Hoden ersetzen und in den Hodensack eingesetzt werden.

Die weiteren Therapiemethoden sind unterschiedlich, je nachdem, welche Art des Hodentumors vorliegt – Seminom oder Nicht-Seminom – und wie weit die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits fortgeschritten ist.

Behandlung von Seminomen: Nach der Operation kann die sogenannte „wait-and-see“-Strategie zum Tragen kommen. Darunter versteht man ein Abwarten und genaues Beobachten der Situation durch regelmäßige Kontrollen. Das heißt: Eine weitere Therapie erfolgt erst einmal nicht. Dieses Verfahren kann dann zum Einsatz kommen, wenn kein Lymphknotenbefall oder eine Ausbreitung in andere Organe festgestellt wird. Allerdings ist bekannt, dass trotz unauffälliger Diagnostik circa 20 Prozent der Patienten im hinteren Bauchraum kleinste befallene Lymphknoten haben. Hier kommt es dann zu Lymphknotenmetastasen, wenn sich keine Therapie nach der Operation anschließt. Bis zu einer Größe der befallenen Lymphknoten von 2 cm ist es aber kein Nachteil, wenn die Lymphknoten entfernt werden, wenn man sie auf diese Weise sicher als „befallen“ erkennen kann. Wenn sich der Patient nach der Operation jedoch für eine sofortige Behandlung entscheidet, kann entweder eine Bestrahlung im hinteren Bauchraum entlang der Bachschlagader möglich sein oder es erfolgt eine Chemotherapie, die auch ambulant durchgeführt werden kann. Auch ist eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie möglich. Die Heilungschancen liegen bei fast 100 Prozent.

Behandlung von Nicht-Seminomen: Auch hier kann man die „wait-and-see“-Strategie einsetzen. Diese Strategie sollte jedoch nicht durchgeführt werden, wenn bereits Tumorzellen in die Hodengefäße eingedrungen sind. Dann liegt das Risiko für Metastasen bei circa 50 Prozent. In der Regel wird nach der Operation eine Chemotherapie empfohlen. Auch können Lymphknoten im hinteren Bauchraum vorbeugend entfernt werden (Retroperitoneale Lymphadenektomie).

Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit

Wird ein Hoden entfernt, bleibt die Zeugungsfähigkeit durch den verbleibenden Hoden in der Regel erhalten. Allerdings kann die Zeugungsfähigkeit durch die Chemo- und / oder Strahlentherapie eingeschränkt werden. Auch der Hodenkrebs selbst kann Auswirkungen auf die Spermienqualität und -produktion haben. Bei einem Kinderwunsch besteht die Möglichkeit, einer sogenannten Kryokonservierung. Dabei wird vor der Behandlung eine Samenspende gemacht und das eigene Sperma in einer Samenbank tiefgefroren und für eine spätere künstliche Befruchtung konserviert. Sollten zu wenige Spermien im Ejakulat vorhanden sein, können diese auch durch einen kleineren operativen Eingriff am Hoden gewonnen und eingefroren werden.

Viele Patienten haben Angst, dass sie durch die Behandlung auch kein sexuelles Verlangen (Libido) mehr empfinden. Da die meisten Patienten aber nur einen einseitigen Hodenkrebs haben, muss auch nur der erkrankte Hoden entfernt werden. Der andere Hoden bildet auch nach der Operation das Geschlechtshormon Testosteron weiterhin in ausreichender Menge. In der Regel können dadurch Libido und Sexualität aufrechterhalten werden.

Sollten beide Hoden entfernt werden müssen, verringert sich das sexuelle Verlangen und die Erektionsfähigkeit, denn das Geschlechtshormon Testosteron kann nicht mehr produziert werden. Auch in diesem Fall bleibt ein Kinderwunsch durch eine Kryokonservierung vor der Operation realisierbar. Eine dauerhafte Testosteron-Ersatztherapie nach dem operativen Eingriff sorgt dafür, dass sich auch der Testosteronspiegel und das sexuelle Verlangen wieder normalisiert.

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Webcode: a005954 Letzte Aktualisierung: 19.11.2020
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