Unfälle und Verletzungen

Die PECH-Regel: Erste Hilfe bei Sportverletzungen

Lesedauer unter 4 Minuten
Junger Mann stützt humpelnde junge Frau, die sich beim Sport verletzt hat

Autor/in

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)

Wer das Pech hat, sich beim Sport zu verletzen, dem hilft eines: die PECH-Regel – Pause, Eis, Compression, Hochlagern. Dieser Ablauf von Selbsthilfemaßnahmen lindert akute Schmerzen und verhindert schlimmere Folgen.

Ob auf dem Fußballfeld, der Joggingrunde oder dem Tennisplatz – ein kurzer Moment reicht und schon ist es passiert: das Knie verdreht, der Fuß verstaucht, die Schulter verrenkt oder der Ellbogen gezerrt. Auch das sorgfältigste Aufwärmen und das gründlichste Krafttraining können nicht jede Sportverletzung verhindern. Treffen kann es jeden – und fast jeden Körperteil.

Bei schweren Verletzungen ist eine schnelle Reaktion gefordert. In einem ersten Schritt geht es nach Stürzen auf den Kopf, bei offenen Wunden oder Knochenbrüchen darum, die sogenannten Vitalfunktionen zu prüfen: Atmet der Betroffene? Ist der Puls ok und der Kreislauf stabil? Gibt es größere Blutungen? Können Sie weder Atmung noch Puls feststellen, müssen Sie sofort mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Atmet der Verletzte regelmäßig, ist aber bewusstlos, sollten Sie ihn in die stabile Seitenlage bringen und immer wieder den Herzschlag überprüfen. Bei größeren Blutungen ist ein Druckverband notwendig. Ist der Verletzte grundsätzlich stabil, aber an einem Körperteil schwer verletzt, stellen Sie die betroffene Partie ruhig. In jedem dieser Szenarien aber gilt: Der Rettungsdienst (112) muss unverzüglich gerufen werden.

Lässt der Schmerz nicht nach, ist das Training zu stoppen

Meist verlaufen Sportverletzungen jedoch weniger dramatisch. Denn besonders oft sind Sehnen, Gelenke, Bänder und Muskeln lädiert. Zu dem Schrecken gesellen sich dann Schmerzen, Schwellungen und Blutergüsse. Wenn Sie selbst betroffen und die Anzeichen weniger deutlich sind, sollten Sie auf Ihr Gefühl hören: Tut es sehr weh? Ist ein Gelenk instabil? Können Sie noch auftreten? Sind Sie zum Beispiel beim Laufen umgeknickt, sollten Sie sich zum Test sehr vorsichtig weiterbewegen. Verlangsamen Sie dafür das Tempo und beobachten Sie, ob der Schmerz nachlässt. Ist das nicht der Fall und sind Sie vielleicht sogar zu einer Schrittveränderung gezwungen, sollten Sie das Training sofort beenden und die verletzte Partie versorgen.

Verletzt? Wenden Sie die vier Schritte der PECH-Regel an

Auf das Pech einer Verletzung folgt das PECH-Schema, mit dem die Unfallfolgen eingedämmt werden sollen: Pause, Eis, Compression und Hochlagern. Diese vier Schritte beschleunigen im Idealfall die Heilung und sollten bei fast allen "klassischen" Sportverletzungen zum Einsatz kommen, also beispielsweise Blutergüssen, Bänderrissen, Muskelzerrungen oder Verrenkungen.

1. Pause

Wer sich beim Sport verletzt hat, für den ist erstmal Pause angesagt. Halten Sie den betroffenen Körperteil ruhig und vermeiden Sie weitere Bewegungen. Sie könnten den Schaden sonst noch verschlimmern.

2. Eis

Um zu verhindern, dass das Gewebe stark anschwillt, sollte die verletzte Stelle sofort gekühlt werden. Denn Kälte verengt die Gefäße und sorgt dafür, dass das Gewebe weniger durchblutet wird. Damit Kühlpads und Co. ausufernde Blutergüsse verhindern können, reicht es nicht diese nur kurz auf die schmerzende Stelle zu legen. Auch Kühlsprays lindern nur die ersten Schmerzen. Kühlen Sie stattdessen kontinuierlich 15 Minuten lang, machen Sie dann eine Viertelstunde Pause und wiederholen Sie diesen Rhythmus bis zu 24 Stunden lang. Weil sonst Gefäße und Gewebe Schaden nehmen, sollte das Kühlpad allerdings nur aus dem Kühlschrank und nicht aus dem Eisfach kommen. Nicht direkt auf die Haut legen, sondern vorher in ein Tuch wickeln. Gut zu wissen: Bei einem Muskelkrampf ist Kälte kontraproduktiv. Dehnung und Wärme sind die besten Mittel, um die Muskulatur zu entspannen.

3. Compression

Ein Verband mit einer elastischen Binde sorgt nicht nur dafür, dass das Kühlpad an der richtigen Stelle bleibt. Er hilft mit seinem Druck außerdem, Blutungen und Schwellungen zu verringern beziehungsweise betroffene Gelenke zu stützen. Wichtig: Legen Sie den Verband nicht zu straff an, sonst kann es zu Gefühlsstörungen und Gewebeschäden kommen.

4. Hochlagern

Ist der verletzte Körperteil versorgt, sollte er im letzten Schritt hochgelagert werden. So wird die Blutzufuhr verringert, die Gewebeflüssigkeit besser abtransportiert und die Schwellung reduziert.

Nach zwei Tagen ist mancher wieder auf den Beinen

Die Akutphase einer Verletzung endet nach circa zwei Tagen, danach kann die verletzte Region wieder vorsichtig belastet werden – wenn Sie das grüne Licht Ihres Arztes haben. Denn eigentlich müsste es "PECHA" heißen, mit A wie Arztbesuch als fünften Schritt. Denn selbst wenn es "nur" um einen umgeknickten Knöchel geht, sollte ein Arzt immer abklären, wie harmlos oder kompliziert eine Sportverletzung ist. Auch wenn das Gelenk kaum anschwillt oder kein Bluterguss entsteht, kann der Schaden schwerwiegender sein als es den Anschein hat. Der Besuch einer Praxis ist vor allem dann angesagt, wenn die gleichen Probleme immer wieder auftreten, der Schmerz nicht nur beim Sport, sondern auch im Alltag zu spüren ist, und die Verletzung mit Schwellungen und Blutergüssen einhergeht. Ein Allgemeinarzt, Orthopäde, Unfallchirurg oder Sportmediziner schließt außerdem eventuelle Begleitverletzungen – zum Beispiel am Knochen oder dem Knorpel – aus und verordnet die entsprechende Therapie. 

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