Medikamente und Arzneimittel

Wirkung von Arzneimitteln: Was passiert, nachdem ich ein Medikament eingenommen habe?

Lesedauer unter 3 Minuten
Ein junger Vater hält sein Baby auf dem Arm und telefoniert mit einem Arzt per Video.

Autor/in

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)

Arzneimittel durchlaufen unseren Körper in einem Kreislauf. Damit sie ihren Weg durch den Organismus finden, müssen wir sie zunächst aufnehmen. Mit der Blutbahn gelangen sie an den Ort ihrer Bestimmung. Hinter diesem so einfach klingenden Prozess stecken komplexe Mechanismen, die eine ganze Wissenschaft beschäftigen. Ein Wunder, dass Medikamente überhaupt wirken.

Medikamente wirken, indem sie via Blutbahn in körperliche Prozesse eingreifen. Dieser Vorgang ist so komplex, dass sich damit eine ganze Wissenschaft beschäftigt: Die Pharmakokinetik (griechisch: pharmakon „Heilmittel, Gift, Zaubermittel“, griechisch: kinetikos „die Bewegung betreffend“) beschäftigt sich mit allen Vorgängen, denen ein Arzneistoff im Körper unterliegt. Dabei hat jedes Mittel ein sogenanntes therapeutisches Fenster, in dem seine Dosis hoch genug ist, um zu wirken, und niedrig genug, um Nebenwirkungen zu verhindern. Von der Einnahme bis zur Ausscheidung durchläuft jedes Medikament eine Art Kreislauf, den Fachleute mit LADME abkürzen:

L = Liberation (Freisetzung)
A = Absortion (Aufnahme in die Blutbahn)
D = Distribution (Verteilung im Körper)
M = Metabolism (Um- und Abbau im Körper/Verstoffwechselung)
E = Exkretion (Ausscheidung über die Nieren, die Gallenblase, den Darm oder die Lungen)

Freisetzung des Wirkstoffs

Je nachdem, in welcher Form wir Arzneistoffe zu uns nehmen, gelangen sie auf unterschiedlichen Wegen in die Blutbahn. Am häufigsten schlucken wir Medikamente. Manche dieser über den Mund und Magen-Darm-Trakt aufgenommenen Medikamente sollen wir auf nüchternen Magen nehmen. Würden wir gleichzeitig beim Schlucken dieser Mittel etwas essen, könnte sich die Substanz an die aufgenommene Nahrung binden. Dann würde sie unverändert ausgeschieden und bliebe wirkungslos. Andere Substanzen wiederum sollen wir explizit zum Essen einnehmen. Verdauungsmechanismen helfen dem Medikament dabei, seinen Wirkstoff freizusetzen oder es wird dadurch leichter in die Blutbahn aufgenommen.

Aufnahme von Wirkstoffen in die Blutbahn

Wirkstoffe, welche die Magensäure leicht zerlegen könnte, sind in der Regel mit einer säurefesten Hülle überzogen. Kapseln beispielsweise sind meist mit Gelatine umhüllt, die sich erst im Magen oder Darm auflöst und dann dort den Wirkstoff freigibt.

Der Darm ist der Hauptaufnahmeort vieler Wirkstoffe. Von dort gelangen sie über die Schleimhaut des Magen-Darms in die Blutbahn. Wirkstoffe aus Zäpfchen wiederum nehmen die Schleimhautzellen des Enddarms auf, solche aus Pflastern gelangen via Haut in unseren Blutkreislauf.

Der Wirkstoff tritt dabei aus der Schleimhaut oder den Hautschichten, in denen er eine hohe Konzentration hat, in die Blutbahn mit niedriger Konzentration über. Dafür durchwandern die Wirkstoffteilchen feine, zarte Wände, sogenannte Membranen, in den Gewebewänden und den Blutgefäßen. Kleine Moleküle durchdringen Membranen schneller als größere. Membranen sind zudem so aufgebaut, dass sie eher fettlösliche Wirkstoffe transportieren. Daneben gelangen Wirkstoffe über spezielle Transporter in die Blutbahn.

Mit dem gleichen Maß wie das Herz das Blut durch den Körper pumpt, wird auch der Wirkstoff durch den Körper gepumpt und im Gewebe verteilt.

Verteilung von Wirkstoffen im Körper

Wie und wo sich ein Wirkstoff verteilt, hängt ab von

seiner chemischen Struktur,
wie gut er sich löst und
wie gut er an Eiweiße im Blut und Gewebe bindet.

Daneben spielen auch die Durchblutung des Gewebes, der pH-Wert im Gewebe und die Durchlässigkeit von Membranen eine Rolle.

Eine spezielle Form der Verteilung ist der sogenannte enterohepatische Kreislauf: Der im Blut gelöste Wirkstoff gelangt von der Leber in die Galle und mit den Gallensäften zurück in den Darm. Aus dem Darminneren wird der Wirkstoff wieder in die Blutbahn aufgenommen. Dadurch kann er wiederholt zirkulieren und im Körper verweilen.

Um- und Abbau von Wirkstoffen im Körper

Im Körper unterliegt ein Arzneistoff unterschiedlichen biochemischen Um- und Abbauprozessen. Die meisten Arzneimittel verstoffwechselt die Leber. Hier wandeln Enzyme noch nicht wirksame in wirksame Medikamente oder aktive in inaktive Formen um. Eine zentrale Aufgabe übernimmt dabei spezielle Katalysatoren, die sogenannten Cytochrom-P450-Enzyme. Die Stoffwechselprozesse in der Leber verbessern häufig die Wasserlöslichkeit von Arzneimitteln, so dass die Nieren sie leichter ausscheiden können.

Ausscheidung von Wirkstoffen

Der Organismus entledigt sich der medikamentösen Reste auf verschiedenen Wegen, vorwiegend mit dem Urin über die Nieren und die Blase. Abgesehen von Narkosemitteln zum Einatmen wie Lachgas machen andere Ausscheidewege via Darm, Speichel, Schweiß, Muttermilch und Lungen nur einen geringen Anteil aus. 


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