Eine junge Kellnerin serviert einen Salat
Minijobs

Midijobs und Übergangsbereich

Lesedauer unter 3 Minuten

Autor

  • Internetredaktion Barmer

Qualitätssicherung

  • Andreas Disam (Barmer)

Midijobs bieten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer Vorteile. Im Gegensatz zu einem Minijob ist ein Midijob allerdings sozialversicherungspflichtig. Die Beiträge für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sind reduziert – bei vollem Rentenanspruch. Das macht die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge für Arbeitgeber insgesamt aber aufwendiger.

Was ist ein Midijob?

Ein Midijob ist ein Arbeitsverhältnis, bei dem die Beschäftigten mehr als 450 Euro und weniger als 1.300 Euro monatlich verdienen. Er befindet sich im Übergangsbereich. Dieser Bereich hieß bis Ende Juni 2019 "Gleitzone", die monatliche Verdienstobergrenze lag bei 850 Euro. Seit Juli 2019 wird sie „Übergangsbereich“ genannt und der monatliche Maximalverdienst wurde auf 1.300 Euro ausgeweitet.

Anders als bei Minijobs gilt bei dieser Beschäftigungsform grundsätzlich Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Arbeitskräfte mit einem Midijob zahlen jedoch einen geringeren Beitragssatz als reguläre Arbeitnehmer. Im Übergangsbereich steigen die Beiträge der Midijobber linear bis zum Abgabenniveau von rund 20 Prozent des Einkommens an. Als Arbeitgeber haben Sie allerdings die vollen Beitragssätze in allen Bereichen der Sozialversicherung zu leisten.

Gut zu wissen:

Die Midijob-Regelung gilt nicht für alle Arbeitskräfte. Ausgenommen sind Auszubildende und Studierende in dualen Studiengängen sowie Praktikanten und Teilnehmende an Freiwilligendiensten. Bei Kurzarbeit oder Wiedereingliederungsmaßnahmen gelten die Regelungen ebenfalls nicht.

Welche Voraussetzungen gelten für Midijobs?

Regelmäßiger monatlicher Verdienst ist entscheidend

Ob Sie eine Beschäftigung als Midijob melden können, ist vom regelmäßigen Arbeitsentgelt eines Monats abhängig. Schwankt der Monatsverdienst, ist das jährliche Arbeitsentgelt zu ermitteln und durch zwölf zu teilen. Dieser Wert muss mindestens 450,01 Euro betragen. Auf das Jahr gerechnet liegt die Obergrenze für den Midijob bei einem Arbeitsentgelt von 15.600 Euro. Auch Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld sind dabei zu berücksichtigen.

Monatliche Verdienstgrenze bei mehreren Beschäftigungen beachten

Sollte ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin mehrere Jobs haben, müssen die Gehälter aller versicherungspflichtigen Anstellungen addiert werden. Die Gesamtsumme entscheidet, ob ein Midijob möglich ist. Das ist dann der Fall, wenn das durchschnittliche monatliche Gehalt 1.300 Euro nicht übersteigt.

Wie werden die Beiträge im Übergangsbereich berechnet?

Während der Arbeitgeberbeitrag sich im Übergangsbereich nach dem vollen Entgelt richtet, muss für die Berechnung des Arbeitnehmeranteils in den einzelnen Versicherungszweigen ein vermindertes Gehalt zu Grunde gelegt werden.

Dieser reduzierte Verdienst wird ermittelt, indem der Faktor F (der frühere "Gleitzonenfaktor") und das tatsächliche Bruttoentgelt in die Berechnungsformel für den Übergangsbereich eingesetzt werden. Der Faktor F ergibt sich aus dem Gesamtsozialversicherungsbeitrag und beträgt 0,7509 (ab 1. Januar 2022). Für das Jahr 2022 gilt demnach folgende vereinfachte Formel zur Ermittlung der beitragspflichtigen Einnahmen.

Formel zur Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge für Arbeitnehmer und -nehmerinnen:

Reduzierte beitragspflichtige Einnahme  = 1,1318765 x Arbeitsentgelt - 171,4394118

Beispiel:

Ein Midijobber verdient monatlich 650,00 Euro
Berechnung: 1,1318765 x 650 Euro – 171,4394118
Reduzierte beitragspflichtige Einnahme: 564,28 Euro

Tipp:

Nutzen Sie zur Berechnung der Beiträge innerhalb des Übergangsbereichs unseren Sozialversicherungs-Rechner

Was ist beim Melde- und Beitragsverfahren im Übergangsbereich zu beachten?

Bei Midijobs ist die Abwicklung des Melde- und Beitragsverfahrens anders geregelt als bei geringfügigen Beschäftigungen. Hier ist nicht die Minijob-Zentrale zuständig, sondern die jeweilige Krankenkasse der Beschäftigten. Die Kasse ist die Einzugsstelle für die Sozialabgaben des Midijobs.

Unternehmen müssen Midijobber regulär anmelden und sind verpflichtet, beide Arbeitsentgelte – also das erzielte und das beitragspflichtige Entgelt – zu melden.

Wenn Beschäftigte in den Übergangsbereich ein- oder austreten, brauchen Personalverantwortliche nicht jedes Mal eine Meldung zu erstatten. Stattdessen genügt ein entsprechendes Kennzeichen in der nächsten anstehenden Entgeltmeldung.

Das bisherige Kennzeichen "Gleitzone" in den DEÜV-Meldungen heißt seit dem 01. Juli 2019 "Midijob". Bei der Erstellung von Entgeltmeldungen müssen folgende Schlüsselzahlen beachtet werden:

  • 0 = kein Arbeitsentgelt innerhalb der Grenzen des § 20 Abs. 2 SGB IV
  • 1 = Arbeitsentgelt durchgehend innerhalb der Grenzen des § 20 Abs. 2 SGB IV
  • 2 = Arbeitsentgelt sowohl innerhalb als auch außerhalb der Grenzen des § 20 Abs. 2 SGB IV

Wie wird ein Midijob versteuert?

Anders als Minijobs, für die es Sonderregeln bei der Steuer gibt, sind Midijobs sowohl für Unternehmen als auch für Arbeitnehmer steuerpflichtig und es gilt die individuelle Steuerklasse.

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