Sozialversicherungsrecht

Übergangsbereich

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Laut § 20 Absatz 2 SGB IV gilt der Übergangsbereich für den Entgeltbereich von 450,01 Euro bis 1.300,00 Euro. Im Übergangsbereich gelten Besonderheiten für die Ermittlung der beitragspflichtigen Einnahmen und der Verteilung der Beitragslast. Arbeitnehmende haben lediglich einen reduzierten Beitragsanteil zu zahlen. Die vom Unternehmen zu tragenden Umlagen U1 und U2 sowie die Insolvenzgeldumlage sind aus der reduzierten beitragspflichtigen Einnahme zu berechnen.

Zu diesem Zweck wird bei der Beitragsberechnung von einem fiktiv ermittelten Arbeitsentgelt ausgegangen, welches nach folgender Formel berechnet wird:

F x 450 + ((1.300 / 1.300 - 450) - (450 / 1.300 - 450) x F) x (AE - 450)

Faktor F für 2022 = 0,7509 (Bei einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag ab 1.1.2022 in Höhe von 1,3 %. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag wird bis zum 1.11. und der Faktor F bis zum 31.12. eines Jahres vom Gesetzgeber für das Folgejahr festgelegt.

Vereinfachte Formel:
Beitragspflichtige Einnahme = 1,1318765 x AE – 171,4394118

Auch wenn die beitragspflichtigen Einnahmen in der Gleitzone liegen, ist der eventuell Kinderzuschlag zur Pflegeversicherung in Höhe von 0,35 % allein vom Arbeitnehmer bzw. der Arbeitnehmerin zu tragen. Eine Beteiligung des Unternehmens findet nicht statt. Diese Beiträge werden durch die Firma vom Arbeitsentgelt einbehalten und an die Einzugsstelle abgeführt.

Geplante Änderungen zum 01.10.2022

Zum 01.10.2022 soll die Grenze für Beschäftigungen im Übergangsbereich von 1.300 Euro auf 1.600 Euro angehoben werden. Die Untergrenze von mehr als 450 Euro soll auf mehr als 520 Euro angehoben werden. Künftig sollen dann Beschäftigungen mit einem regelmäßigen monatlichen Arbeitsentgelt von 520,01 bis 1.600,00 Euro im Übergangsbereich liegen. Der Regierungsentwurf ist verabschiedet, allerdings ist das Gesetz noch nicht verkündet.

Symbol eines Buchs mit einer Leuchte und dem Wort Praxistipp

Beitragsberechnung im Übergangsbereich

Beschäftigungen mit einem monatlichen Arbeitsentgelt ab 450,01 Euro bis 1.300,00 Euro sind grundsätzlich versicherungspflichtig. Beschäftigte haben jedoch nicht sofort die vollen Beiträge zur Sozialversicherung zu entrichten.

Diese steigen jedoch mit dem Einkommen linear an.

Der Übergangsbereich gilt nicht für

  • zur Berufsausbildung Beschäftigte (Auszubildende, Praktikant/innen in einem vorgeschriebenen Vor- oder Nachpraktikum),
  • Personen, deren Arbeitsentgelt aufgrund stufenweiser Wiedereingliederung bei Arbeitsunfähigkeit reduziert wurde,
  • Personen, die ein fiktives Arbeitsentgelt erhalten (zum Beispiel Behinderte),
  • Personen mit vermindertem Arbeitsentgelt bei Kurzarbeit oder schlechtem Wetter,
  • geringfügig entlohnte Beschäftigte, die nur aufgrund des Verzichts auf die Rentenversicherungsfreiheit in der RV versicherungspflichtig sind.

Das Unternehmen zahlt seinen Anteil der Beiträge zur Sozialversicherung, wie für versicherungspflichtige Beschäftigte, aus dem tatsächlichen Arbeitsentgelt. Die Beschäftigten zahlen verminderte Beiträge.

Übergangsbereichsberechnung bei mehreren Beschäftigungen

Müssen zum Beispiel mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen zusammengerechnet werden und erreichen diese ein Gesamtarbeitsentgelt von mehr als 450,00 Euro, aber nicht mehr als 1.300 Euro, ist die Übergangsbereichsregelung anzuwenden. Die Formel zur Ermittlung des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts bei mehreren Beschäftigungen lautet:

GAE = Gesamtarbeitsentgelt
EAE = Einzelarbeitsentgelt
[F x 450 + ([1300 : (1300 – 450)] – [450 : (1300 – 450)] x F) x (GAE– 450)] x (EAE: GAE)

Ist eine Beschäftigung für sich allein betrachtet versicherungspflichtig, bleibt die erste geringfügig entlohnte Beschäftigung versicherungsfrei und wird bei der Übergangsbereichsregelung nicht berücksichtigt. Für die anderen Beschäftigungen gilt die Übergangsbereichsregelung, wenn das Gesamtarbeitsentgelt dieser anderen Beschäftigungen zusammen 1.300,00 Euro nicht übersteigt.

Übergangsbereichsberechnung bei mehreren Beschäftigungen in Teilmonaten

Das Übergangsbereichsentgelt bei Mehrfachbeschäftigten in Teilmonaten wird durch eine Hochrechnung auf den vollen Kalendermonat ermittelt.

Bei Mehrfachbeschäftigten ist der Übergangsbereich nur anzuwenden, wenn das insgesamt erzielte Arbeitsentgelt aller versicherungspflichtigen Beschäftigungen innerhalb des Übergangsbereichsrahmens liegt.

Für die Berechnung des beitragspflichtigen Übergangsbereichsentgelts muss jeder der beteiligten Unternehmen das bei ihm erzielte Entgelt ins Verhältnis zum Gesamtarbeitsentgelt setzen. Es erfolgt also eine anteilmäßige Aufteilung auf der Grundlage des Gesamtarbeitsentgelts. Beginnt oder endet eine der Beschäftigungen im Übergangsbereich allerdings im Laufe eines Kalendermonats, ist die jeweilige beitragspflichtige Einnahme ausgehend von einer monatlichen beitragspflichtigen Einnahme zu ermitteln.

Das für den Teilmonat gezahlte Gesamtarbeitsentgelt ist zunächst auf den vollen Kalendermonat hochzurechnen. Aus dem hochgerechneten Gesamtarbeitsentgelt wird nach der Übergangsbereichsformel das „fiktive monatliche“ beitragspflichtige Arbeitsentgelt ermittelt. Anschließend ist das fiktive monatliche Arbeitsentgelt auf die entsprechenden beitragspflichtigen Sozialversicherungstage zu reduzieren. Das anteilige beitragspflichtige Arbeitsentgelt ergibt sich dann für das jeweilige Unternehmen aus dem Verhältnis der jeweiligen Arbeitsentgelte zum Gesamtarbeitsentgelt.

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