Krankmeldungen führen zu Ausfällen, verursachen zusätzliche Kosten und erschweren die Planung im Unternehmen. Zu den häufigsten Gründen für Arbeitsunfähigkeit zählen Atemwegs‑ und Rückenerkrankungen sowie psychische Belastungen. Der Barmer Gesundheitsreport zeigt weshalb, wie oft und wie lange Beschäftigte im vergangenen Jahr krankgeschrieben waren – eine wichtige Datenbasis, um Fehlzeiten im Unternehmen zu reduzieren.
Krankheitsbedingte Ausfälle wirken sich direkt auf Produktivität, Kosten und die tägliche Einsatzplanung aus. Daher ist die Entwicklung von Fehlzeiten ein wichtiger Faktor für funktionierende Teams und stabile Abläufe.
Als arbeitsunfähig gelten Beschäftigte, wenn sie ihre konkrete Tätigkeit krankheitsbedingt nicht ausüben können. Entscheidend ist dabei immer der jeweilige Job: Ob jemand arbeitsunfähig ist, hängt davon ab, welche körperlichen oder mentalen Anforderungen die Arbeit stellt, nicht allein von der Diagnose.
Welche Krankheiten verursachen die meisten Fehlzeiten?
Der Barmer Gesundheitsreport wertet jedes Jahr die Krankmeldungen von Erwerbspersonen aus, die bei der Barmer versichert waren. Er gibt Aufschluss über häufige Gründe für Arbeitsunfähigkeiten, informiert über die durchschnittliche Erkrankungsdauer und den Krankenstand nach Geschlecht, Alter, Bundesland und Berufszweig.
Psychische Erkrankungen verursachen mit 21,9 Prozent den größten Anteil der krankheitsbedingten Fehlzeiten – vor Atemwegs‑ sowie Muskel‑ und Skeletterkrankungen.
Barmer Gesundheitsreport 2026
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Psychische Erkrankungen: Weniger Fälle, aber die längsten Fehlzeiten
Psychische Erkrankungen spielen bei der Arbeitsunfähigkeit eine besondere Rolle. Sie verursachen deutlich weniger Krankmeldungen als Atemwegs‑ oder Muskel‑Skelett‑Erkrankungen, führen jedoch mit Abstand zu den längsten Ausfallzeiten. Im Jahr 2025 entfiel mehr als ein Fünftel aller krankheitsbedingten Fehltage auf psychische und Verhaltensstörungen. Damit lagen sie erneut auf Rang eins aller Krankheitsarten.
Auffällig ist vor allem die lange Dauer einzelner Krankschreibungen: Während viele Erkrankungen mit vergleichsweise kurzen Ausfällen verbunden sind, dauern Arbeitsunfähigkeiten aufgrund psychischer Erkrankungen im Durchschnitt rund 40 Tage pro Fall. Rechnerisch war im Jahr 2025 jede Erwerbsperson in Deutschland allein wegen psychischer Störungen im Durchschnitt rund 4,8 Tage arbeitsunfähig. Damit übersteigen die Fehlzeiten dieser Krankheitsgruppe inzwischen sowohl die der Atemwegs‑ als auch die der Muskel‑Skelett‑Erkrankungen deutlich.
Für Unternehmen sind psychische Erkrankungen deshalb besonders herausfordernd: Sie führen selten zu kurzfristigem Personalausfall, sondern zu langanhaltenden Abwesenheiten, die Planung, Führung und Wiedereingliederung erheblich erschweren. Gleichzeitig nehmen psychische Belastungen in vielen Arbeitswelten zu – etwa durch hohe Arbeitsdichte, Fachkräftemangel oder permanente Erreichbarkeit – und entwickeln sich damit zunehmend zu einem strukturellen Thema für HR und BGM.
Atemwegserkrankungen: Der häufigste Grund für kurzzeitige Arbeitsausfälle
Erkrankungen der Atemwege sind für die meisten Krankmeldungen im Arbeitsalltag verantwortlich. Hierzu zählen vor allem Erkältungen, grippale Infekte und akute Infektionen der oberen Atemwege. Auch im Jahr 2025 lagen sie erneut an der Spitze der gemeldeten Arbeitsunfähigkeitsfälle. Bezogen auf alle Erwerbspersonen entfielen die meisten AU‑Fälle je 100 Versicherungsjahre auf diese Krankheitsgruppe.
Charakteristisch für Atemwegserkrankungen ist ihre hohe Fallzahl bei vergleichsweise kurzer Dauer. Die einzelnen Krankschreibungen dauern im Durchschnitt deutlich kürzer als etwa bei psychischen oder Muskel‑Skelett‑Erkrankungen. Nach den außergewöhnlich starken Infektionswellen der Vorjahre sind die Fehlzeiten durch Atemwegserkrankungen 2025 zwar leicht zurückgegangen, bewegen sich insgesamt aber weiterhin auf einem hohen Niveau. Im Jahr 2025 lag ihr Anteil an allen krankheitsbedingten Fehltagen bundesweit auf Rang zwei hinter den psychischen Erkrankungen.
Muskel‑ und Skeletterkrankungen: Einer der größten Treiber langer Fehlzeiten
Muskel‑ und Skeletterkrankungen gehören weiterhin zu den wichtigsten Auslösern für Arbeitsunfähigkeit. Zwar lösen sie deutlich weniger Krankmeldungen aus als Atemwegserkrankungen, verursachen aber überdurchschnittlich lange Ausfallzeiten und haben damit erhebliche Auswirkungen auf Betriebe. Im Jahr 2025 entfiel bundesweit rund ein Sechstel aller krankheitsbedingten Fehltage auf Erkrankungen des Muskel‑Skelett‑Systems. Typisch sind vor allem Rückenbeschwerden, Gelenkprobleme sowie Schulter‑ und Bandscheibenerkrankungen. Diese Diagnosen führen häufig zu längeren Krankschreibungen und belasten Teams und Vertretungsregelungen besonders stark. Im Vergleich zu vielen anderen Krankheitsarten liegt die durchschnittliche Dauer einer Arbeitsunfähigkeit hier deutlich höher.
Auffällig ist zudem der enge Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen: Beschäftigte in körperlich belastenden Tätigkeiten, etwa im Baugewerbe, in der Logistik, im Gesundheits‑ und Sozialwesen oder in der Produktion, sind deutlich häufiger betroffen als Beschäftigte in überwiegend sitzenden oder wissensbasierten Tätigkeiten. Entsprechend zeigen Branchen und Berufsgruppen mit hoher körperlicher Beanspruchung auch höhere Fehlzeiten durch Muskel‑ und Skeletterkrankungen.
Körperlich belastende Berufe verzeichnen deutlich höhere Fehlzeiten (über 29 Tage je Person) – während Beschäftigte in Büro‑, Verwaltungs‑ und wissensbasierten Berufen im Schnitt bei rund 16 Fehltagen liegen.
Unterschiede nach Berufsgruppen: Im interaktiven Berufsatlas zum Report können Sie über verschiedene Filterfunktionen gezielt nach Gesundheitsdaten recherchieren und beispielsweise auswerten, welche Berufsgruppen von welchen Erkrankungen betroffen sind. Der Gesundheitsreport ist somit ein gutes Instrument, um Ableitungen für gezielte Präventionsmaßnahmen in Ihrem Unternehmen zu treffen.
Wo können Unternehmen ansetzen, um Arbeitsunfähigkeit zu reduzieren?
Arbeitsunfähigkeiten entstehen selten spontan. Sie entwickeln sich aufgrund zu hoher Belastungen über einen längeren Zeitraum – sowohl körperlich wie auch psychisch. Daher unterstützt Sie die Betriebliche Gesundheitsförderung dabei, Risiken für Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und die Gesundheit und Leistungsfähigkeit Ihrer Beschäftigten zu stärken und stabilisieren.
Ein nachhaltiges und strukturiertes Gesundheitsmanagement kann Belastungen am Arbeitsplatz reduzieren und somit Ausfallzeiten senken und Planungssicherheiten erhöhen. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel aus belastbaren Daten, klaren Strukturen und einer gesundheitsbewussten Führungskultur. Fehlzeiten- und Gesundheitsdaten helfen Ihnen, den Handlungsbedarf im Unternehmen zu identifizieren. Führungskräfte spielen eine entscheidende Rolle, da Sie die Arbeitsbedingungen prägen und aufgrund ihrer Nähe zu den Beschäftigten, Belastungen frühzeitig erkennen können. Zudem beeinflussen sie, wie offen im Team über die eigene Gesundheit gesprochen wird.
Im Rahmen eines strukturierten Gesundheitsmanagement ist die Zielgruppe der jungen Beschäftigten differenziert zu betrachten. Sie bringen oftmals andere Erwartungen, Belastungen und Gesundheitsrisiken mit – etwa beim Einstieg ins Berufsleben, dem damit verbundenen Leistungsdruck oder Unsicherheiten aufgrund des Übergangs. Diese Faktoren können sich schon früh auf die Gesundheit auswirken und sollten daher von Anfang an mit bedarfsgerechten Angeboten berücksichtigt werden: Eine Investition in langfristige Beschäftigungsfähigkeit, für Mensch und Unternehmen.
Wie die Barmer Unternehmen beim Umgang mit Arbeitsunfähigkeit unterstützt
Die Barmer unterstützt Unternehmen bei der Einordnung ihrer Situation und bei der Entwicklung passender Ansätze. Dazu gehören Beratung, Informationen und Angebote rund um Prävention, Gesundheitsförderung und Betriebliches Gesundheitsmanagement. Ziel ist es, individuelle Lösungen zu ermöglichen – je nach Branche, Betriebsgröße und Belegschaftsstruktur.
Der Unternehmensreport Gesundheit liefert Ihnen beispielsweise belastbare Gesundheitsdaten für bessere Entscheidungen. Er zeigt, welche Erkrankungen zu Arbeitsunfähigkeit führen, wie häufig sie auftreten und wie lange Beschäftigte fehlen. Für Unternehmen schafft das Orientierung ohne Einzelfälle zu überbewerten oder Trends falsch einzuschätzen.
Was Unternehmen jetzt tun können – 5 sinnvolle Schritte
Das können Sie als Unternehmen tun, um die Gesundheit Ihrer Beschäftigten gezielt zu stärken:
1. Fehlzeiten systematisch analysieren: Prüfen Sie regelmäßig, wo Fehlzeiten gehäuft auftreten und welche Erkrankungen besonders lange Ausfälle verursachen.
2. Schwerpunkte priorisieren: Leiten Sie aus den Daten gezielt Handlungsfelder ab – zum Beispiel Arbeitsplatzgestaltung, Entlastung körperlich belasteter Tätigkeiten oder psychische Prävention.
3. Führungskräfte einbinden: Unterstützen Sie Führungskräfte dabei, Belastungen frühzeitig zu erkennen und gesundheitsorientiert zu führen.
4. Maßnahmen regelmäßig überprüfen: Kontrollieren Sie, ob eingeleitete Maßnahmen wirken, und passen Sie diese bei Bedarf an.
5. Frühzeitig Beratung nutzen: Holen Sie sich externe Unterstützung, wenn Fehlzeiten steigen, Ausfälle länger dauern oder Unsicherheit beim weiteren Vorgehen besteht – bevor Arbeitsunfähigkeit zur Dauerbelastung wird.
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