Der demografische Wandel stellt immer mehr Beschäftigte vor die Herausforderung, Beruf und Pflege vereinbaren zu müssen. Unternehmen haben verschiedene rechtliche und freiwillige Möglichkeiten, ihre Angestellten zu unterstützen. Als Arbeitgeber profitieren Sie so von motivierten und gesunden Mitarbeitenden.
Warum wird das Thema Pflege für Betriebe immer wichtiger?
Aktuelle Studien wie der Barmer Pflegereport zeigen, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in den kommenden Jahren weiter deutlich steigen wird. Für berufstätige Menschen bedeutet es eine zunehmende Doppelbelastung – Arbeit und Pflege unter einen Hut zu bringen. Gleichzeitig verschärft der Fachkräftemangel im Pflegebereich die Situation, denn nicht alle Pflegebedürftigen können durch stationäre Einrichtungen oder ambulante Dienste versorgt werden. Immer häufiger übernehmen Angehörige diese Aufgabe.
Für Arbeitgeber wird das Thema daher immer wichtiger. Fehlende Vereinbarkeit von Beruf und Pflege führt nachweislich zu höheren Fehlzeiten, sinkender Produktivität und steigender Fluktuation. Wer hier frühzeitig handelt, sichert nicht nur die Leistungsfähigkeit seines Teams, sondern positioniert sich als attraktiver und verantwortungsbewusster Arbeitgeber.
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Wie können Unternehmen pflegende Beschäftigte entlasten?
Arbeitgeber sollten das Thema Pflege als festen Bestandteil ihrer Personalstrategie etablieren. Hierzu zählt etwa, die Bedürfnisse der Mitarbeitenden zu ermitteln und beispielsweise flexible Arbeitsmodelle anzubieten. Der erste Schritt besteht darin, ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen – durch Informationsveranstaltungen, Schulungen und den offenen Austausch innerhalb des Betriebs. Eine enge Zusammenarbeit mit der Personalabteilung und dem BGM ist hierbei essenziell, um passende Maßnahmen zu entwickeln.
5 Maßnahmen, um die Vereinbarkeit von Pflege und Arbeit zu verbessern
Es gibt zahlreiche konkrete Maßnahmen, die Arbeitgeber ergreifen können, um ihre Mitarbeiter zu entlasten. Dazu gehören:
- Flexible Arbeitszeitmodelle: Gleitzeit, Teilzeit oder Homeoffice ermöglichen es pflegenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ihre Arbeitszeit besser an ihre Pflegebedürfnisse anzupassen.
- Pflegezeit und Familienpflegezeit: Arbeitgeber sollten die gesetzlichen Möglichkeiten, wie die Pflegezeit oder die Familienpflegezeit, aktiv kommunizieren und anbieten.
- Kurzzeitige Arbeitsverhinderung: Pflegende Angehörige können einmal im Kalenderjahr für einen Zeitraum von bis zu 10 Arbeitstagen von der Arbeit freigestellt werden.
- Pflegeberatung: Externe oder interne Pflegeberatungen können Beschäftigten helfen, die Pflege ihrer Angehörigen zu organisieren und Unterstützungsmöglichkeiten zu nutzen.
- Finanzielle Unterstützung: Manche Unternehmen bieten finanzielle Hilfen oder Zuschüsse für Pflegeaufgaben an, z. B. durch Unterstützung bei der Vermittlung von Pflegeleistungen.
Welche gesetzlichen Möglichkeiten gibt es für Mitarbeitende?
Der Gesetzgeber bietet verschiedene Möglichkeiten, um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu erleichtern. Zu den wichtigsten gehören:
Pflegezeitgesetz (PflegeZG)
Die Pflegezeit ermöglicht es Mitarbeitenden, sich für bis zu sechs Monate vollständig oder teilweise von der Arbeit freistellen zu lassen, um Angehörige zu pflegen. Während dieser Zeit haben Arbeitnehmende einen Kündigungsschutz.
Familienpflegezeitgesetz (FPfZG)
Im Rahmen der Familienpflegezeit können Arbeitnehmende bis zu 24 Monate in Teilzeit arbeiten, um die Pflege eines Angehörigen sicherzustellen. Auch hier gilt ein erweiterter Kündigungsschutz.
Pflegeunterstützungsgeld
Dieses Geld können Mitarbeitende bei der Pflegekasse beantragen, wenn sie sich für eine kurzzeitige Arbeitsverhinderung von der Arbeit freistellen lassen müssen, um die Pflege Angehöriger zu organisieren. Es wird jährlich für bis zu zehn Arbeitstage gewährt.
So können Sie pflegende Beschäftigte erfolgreich unterstützen
Welche Voraussetzungen und Fristen gelten für die Pflegezeit oder Freistellung von der Arbeit? Erfahren Sie im Online-Seminar, wie sie pflegende Angehörige im Berufsalltag wirkungsvoll entlasten.
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So können Unternehmen und Beschäftigte profitieren
Eine offene und unterstützende Unternehmenskultur ist oftmals der Schlüssel, um Mitarbeitende mit Pflegeverantwortung optimal zu begleiten. Wenn pflegende Angehörige sich sicher fühlen, offen über ihre Pflegeaufgaben sprechen können und wissen, dass ihr Arbeitgeber Lösungen bietet, um Beruf und Pflege in Einklang zu bringen, steigt auch die Zufriedenheit und Bindung an das Unternehmen. Zudem trägt eine wertschätzende Kultur dazu bei, dass Sie bei Mitarbeitenden Stress und Überforderung reduzieren und deren Produktivität erhöhen.
Eine zentrale Rolle bei der Vereinbarkeit von Pflege und Arbeit spielt auch das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Es unterstützt Mitarbeitende dabei, sowohl physisch als auch psychisch gesund zu bleiben. Dazu gehört, Pflegeaufgaben zu erkennen und entsprechende Hilfestellungen zu bieten, wie etwa Schulungen zum Umgang mit Stress oder spezifische Pflegeberatung. Ein gut aufgestelltes BGM hilft außerdem, Belastungen zu minimieren und präventiv tätig zu werden.
So unterstützt Sie die Barmer beim Thema Pflege
Die Barmer bietet pflegenden Angehörigen und ihren Arbeitgebern verschiedene Unterstützungsangebote. Dazu gehören:
Pflegekurse: Die Barmer bietet kostenlose Pflegekurse für Angehörige an. So sind diese für die Anforderungen in der alltäglichen Pflege besser vorbereitet.
Onlineberatung: Das Portal Barmer Pflegecoach bietet Beschäftigten alltagsnahe Tipps und hilfreiche Informationen rund um die Pflege im häuslichen Umfeld.
Einrichtungssuche: Über den Barmer Pflegelotsen finden Mitarbeitende Pflegeheime, ambulante Pflege- und Betreuungsdienste, Sozialstationen und Einrichtungen zur Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege in ganz Deutschland.
Psychologische Unterstützung: Mit dem Zentrum ÜBERLEBEN bietet die Barmer das kostenfreie psychologisch gestützte Beratungsangebot an.
Die Vereinbarkeit von Arbeit und Pflege ist also ein zunehmend wichtiges Thema für Arbeitgeber, um Mitarbeitenden langfristig zu binden und deren Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Mit einer offenen Unternehmenskultur, einer proaktiven Personalstrategie und der Unterstützung durch das Betriebliche Gesundheitsmanagement können Unternehmen die Belastungen pflegender Beschäftigter gezielt reduzieren. Flexible Arbeitszeitmodelle, gesetzliche Freistellungsmöglichkeiten und Angebote der Krankenkassen bieten zudem konkrete Unterstützung, um Pflege und Beruf erfolgreich miteinander zu vereinbaren.