Wer nach einer langen Pause wieder mit dem Training beginnen möchte, sich unsicher ist, ob sportliche Belastungen zu groß sind, oder aber sein Trainingsplan nach medizinischen Anhaltspunkten ausrichten will, kann sich einer sportmedizinischen Untersuchung unterziehen. Wie läuft eine solche Untersuchung ab und welche Auskünfte geben die Ergebnisse?
Es gibt immer einen Grund, Sport zu treiben. Schließlich sind seine gesundheitlichen Effekte unschlagbar. Sport beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor und stärkt den Muskel-Skelett-Apparat, er ist gut für unser Immunsystem und verbessert unser psychisches Gleichgewicht. Doch für manche Personen ist es ratsam, einen Arzt oder eine Ärztin zu konsultieren, bevor Gewichte gestemmt oder die Laufschuhe geschnürt werden. „Viele Freizeitsportler überschätzen sich, wenn sie nach langer Zeit wieder ins Training einsteigen. Wer mit 14 Jahren Torjäger in der C-Jugend gewesen ist, sollte nicht automatisch davon ausgehen, dass er mit 40 Jahren noch genauso fit ist“, sagt Katharina Steinbach, Sportwissenschaftlerin bei der BARMER. Auch wer Sport zu Therapiezwecken betreiben möchte, um zum Beispiel den Bluthochdruck oder Diabetes in Griff zu bekommen oder überschüssige Pfunde loszuwerden, sollte vorher ärztlichen Rat einholen. Denn sonst sind die gesundheitlichen Risiken durch Überlastung zu hoch. Hilfreich ist hier eine sportmedizinische Untersuchung. Sportmedizinerinnen und -mediziner kontrollieren nicht nur Fitness und Belastbarkeit, sondern beraten auch zu Training und Sportarten. Insofern können sich sportmedizinische Untersuchungen auch für Freizeitsportler lohnen, die effektiver trainieren oder bestimmte Ziele erreichen wollen.
Vom EKG bis zur Laktatbestimmung
Wie die meisten Arztbesuche beginnt eine sportmedizinische Untersuchung mit einer Anamnese und der Erhebung des Ganzkörperstatus. Zur Feststellung der körperlichen Leistungsfähigkeit werden dann in der Regel ein Belastungs-EKG, eine Lungenfunktionsprüfung und eine Laktatbestimmung vorgenommen. Bei der Laktatbestimmung wird unter Belastungsphasen ein Tropfen Blut am Ohrläppchen abgenommen und parallel die Herzfrequenz gemessen. Laktat entsteht im Muskel als Nebenprodukt der Energiegewinnung, wenn die Sauerstoffzufuhr hierfür nicht mehr ausreicht. Die Laktatkonzentration im Blut und die Herzfrequenz lassen genaue Rückschlüsse auf die Belastungsintensität zu. Im Profisport wird mit dieser Laktatdiagnostik die individuelle Ausdauerleistungsfähigkeit beurteilt, die die Intensität des Trainings festgelegt und die Leistungsentwicklung beobachtet. Aber natürlich können auch Freizeitsportler die Ergebnisse nutzen, um ihren persönlichen Trainingsplan zu optimieren.
Keine Kassenleistung aber häufig bezuschusst
Eine Sportmedizinische Untersuchung ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Das heißt, Patientinnen und Patienten müssen sie aus eigener Tasche bezahlen. Viele gesetzlichen Krankenkassen belohnen ihre Versicherten aber für gesundheitsfördernde Aktivitäten und bezuschussen eine Sportmedizinische Untersuchung im Rahmen ihrer Bonusprogramme. Es lohnt sich also bei der Krankenkasse nachzufragen. Wichtig ist, dass die Untersuchung von einer zugelassenen Vertragsärztin oder einem zugelassenen Vertragsarzt mit der Zusatzbezeichnung „Sportmedizin“ durchgeführt wird.