Presse-Newsletter – Gesundheit im Blick

Massagepistolen – wirklich sinnvoll oder eher gefährlich?

Lesedauer weniger als 3 Min

Massagepistolen gehören inzwischen für viele Menschen zur Standardausrüstung. Die handlichen Geräte versprechen schnellere Regeneration nach dem Sport, weniger Muskelkater und gelockerte Faszien. Besonders auf Social Media werden die vibrierenden Geräte als Wundermittel gegen Verspannungen und Schmerzen beworben.

Massagepistolen arbeiten mit schnellen, stoßartigen, sogenannten perkussiven Bewegungen. Der Aufsatz bewegt sich mit hoher Geschwindigkeit vor und zurück und erzeugt so Druck- und Vibrationsreize im Gewebe. Ziel ist es, Muskeln zu lockern, die Durchblutung anzuregen und Spannungen zu reduzieren. „Solche Anwendungen können tatsächlich kurzfristig als angenehm empfunden werden und bei leichten muskulären Beschwerden entspannend wirken. Vor allem im Sportbereich werden Massagepistolen deshalb häufig zur Regeneration eingesetzt“, so Katharina Steinbach, Sportwissenschaftlerin bei der BARMER.

Was sagt die Wissenschaft?

Tatsächlich gibt es einige wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Vibrationsmassagen die Beweglichkeit kurzfristig verbessern können. „Einige kleinere Studien zeigen zudem, dass sich Muskeln nach Belastungen lockerer anfühlen und die subjektive Wahrnehmung von Muskelkater sinken kann“, so Steinbach. Es gibt Untersuchungen, bei denen eine verbesserte Flexibilität nach der Anwendung beobachtet wurde. Doch die BARMER-Expertin betont: „Die Effekte sind meist kurzfristig und die wissenschaftliche Datenlage insgesamt noch begrenzt. Massagepistolen ersetzen keine medizinische Behandlung und auch keine physiotherapeutische Therapie.“ Die Geräte können zwar entspannend wirken, sie beseitigen aber weder die Ursache chronischer Schmerzen noch heilen sie Verletzungen. „Wer beispielsweise dauerhaft unter Rücken-, Schulter- oder Nackenschmerzen leidet, sollte die Beschwerden ärztlich abklären lassen, statt ausschließlich auf Selbstmassage zu setzen“, rät Steinbach.

Weitere Risiken

Hinzu kommt, dass Massagepistolen nicht völlig ungefährlich sind, wenn sie falsch oder zu intensiv angewandt werden. Besonders empfindliche Bereiche wie Hals, Wirbelsäule, Gelenke oder Knochen sollten möglichst ausgespart werden. „Dort verlaufen wichtige Nervenbahnen und Blutgefäße, die durch starke Vibrationen gereizt werden können. Auch auf entzündetem Gewebe, offenen Wunden oder akuten Verletzungen haben Massagepistolen nichts verloren“, so die Sportwissenschaftlerin.

Vorsicht bei Vorerkrankungen

Ein weiterer Risikofaktor ist die Anwendungsdauer. „Viele Nutzerinnen und Nutzer behandeln dieselbe Körperstelle deutlich zu lange oder mit zu hoher Intensität. Dadurch kann das Gewebe überreizt werden“, erklärt Steinbach. Besonders vorsichtig sollten Menschen mit Vorerkrankungen sein. Die Expertin warnt: „Wer unter Osteoporose, Thrombosen, Durchblutungsstörungen, Diabetes mit Nervenschäden oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leidet, sollte vor der Nutzung ärztlichen Rat einholen. Gleiches gilt für Schwangere oder Personen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen.“ Durch die intensive Massage können leichter Blutergüsse oder Gewebeschäden entstehen. Auch bei Muskelkater ist Vorsicht geboten. „Viele Menschen greifen gerade dann zur Massagepistole, um die Schmerzen schneller loszuwerden. Stark beanspruchte oder bereits verletzte Muskeln sollten aber nicht zusätzlich intensiv bearbeitet werden. Zu viel Druck kann die gereizten Muskelfasern weiter belasten und die Beschwerden sogar verstärken“, sagt Steinbach.

Richtige Anwendung

Wer eine Massagepistole nutzen möchte, sollte mit niedriger Intensität beginnen und maximal ein bis zwei Minuten pro Muskelgruppe behandeln. Die Pistole sollte ständig in Bewegung bleiben und niemals lange auf einer Stelle verharren. Eine Massage darf als intensiv empfunden werden, sollte aber niemals starke Schmerzen verursachen. Sinnvoll können Massagepistolen vor allem für gesunde Menschen sein, die leichte Verspannungen lösen oder ihre Muskulatur nach dem Sport lockern möchten. Sie können das subjektive Wohlbefinden verbessern und kurzfristig entspannend wirken. Unrealistische Erwartungen sind jedoch fehl am Platz. Wer unsicher ist oder unter anhaltenden Schmerzen leidet, sollte ärztlichen oder physiotherapeutischen Rat einholen.
 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren