Eine Frau sitzt auf einer Holzstufe in einem Großraumbüro und schaut in die Kamera
Mitarbeitergesundheit

Wechseljahre im Job: Wie Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen unterstützen können

Lesedauer weniger als 7 Min

Redaktion:

Internetredaktion Barmer

Unterstützung wirkt positiv

Wer die Gesundheit von Frauen in den Wechseljahren stärkt, sichert Arbeitsfähigkeit und Teamstärke.

Offenheit schafft Vertrauen

Kommunikation ohne Tabus und gezielte Schulungen fördern ein gesundes Miteinander.

Jeder Beitrag zahlt sich aus

Klimatisierte Räume, Rückzugsorte oder flexible Pausenregelungen entlasten schnell und direkt.

Die Wechseljahre betreffen viele Frauen mitten im Berufsleben und fallen häufig in eine Phase großer beruflicher und privater Verantwortung. Für Unternehmen können die damit verbundenen Beschwerden spürbare Auswirkungen auf Motivation, Produktivität und Bindung von Fachkräften haben. Wer das Thema offen adressiert und Beschäftigte unterstützt, stärkt Gesundheit, Zufriedenheit und langfristige Unternehmenstreue.

Was bedeuten die Wechseljahre für Frauen im Berufsleben?

Für Frauen im Berufsleben können die Wechseljahre eine anspruchsvolle Phase sein, da körperliche und psychische Veränderungen wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.

In Deutschland leben laut Statista mehr als 11 Millionen Frauen zwischen 40 und 59 Jahren. Diese Gruppe von Frauen ist potenziell von den Wechseljahren betroffen. Rund 80 Prozent dieser Altersgruppe sind erwerbstätig und bringen umfangreiche Kenntnisse und langjährige Praxiserfahrung mit.

Angesichts des Fachkräftemangels wird die langfristige Bindung dieser Mitarbeiterinnen für Unternehmen zunehmend strategisch wichtig. Besonders in Branchen mit hohem Frauenanteil, etwa im Bildungs-, Gesundheits- und Pflegesektor oder im Dienstleistungsbereich, ist das der Fall.

Sind Menopause und Wechseljahre das Gleiche?

Im Alltag werden beide Begriffe oft synonym verwendet. Medizinisch gibt es jedoch Unterschiede:

  • Menopause: Die Menopause beginnt mit dem Zeitpunkt der letzten Menstruation, die durch das Ausbleiben der Blutung über zwölf Monate festgestellt wird.
  • Wechseljahre (Klimakterium): Der gesamte Übergangsprozess, also die Zeit vor der Menopause (Perimenopause) und danach (Postmenopause).

Für Arbeitgeber ist entscheidend: Symptome können viele Jahre vor und nach der Menopause auftreten.

Welche Auswirkungen haben die Wechseljahre im Arbeitsalltag?

Berufstätige Frau mit Kopfschmerzen lehnt gegen eine Glasscheibe im Büro

Die wissenschaftliche Befragung MenoSupport der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (2023) verdeutlicht die Relevanz für Unternehmen:

  • Nahezu alle Frauen erleben Symptome: Die Befragung zeigt, dass fast alle der rund 2.000 Teilnehmerinnen Beschwerden in den Wechseljahren haben.
  • Zwei Drittel fühlen sich im Job eingeschränkt: Die Symptome wirken sich spürbar auf die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden im Berufsalltag aus.
  • Beschwerden sind häufig vielfältig: Erschöpfung, Schlafstörungen, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen sowie Gelenk- und Muskelschmerzen treten besonders häufig auf.
  • Ein Drittel reduziert Arbeitszeit oder fällt aus: Viele Frauen nehmen Krankschreibungen, unbezahlten Urlaub oder reduzieren ihre Arbeitszeit aufgrund der Beschwerden.
  • Wenig Information und Unterstützung im Unternehmen: Nur 1 % nutzt das berufliche Umfeld als Informationsquelle über die Symptome und Auswirkungen der Wechseljahre.
  • 60 % wünschen sich Unterstützung vom Arbeitgeber: Mehr als die Hälfte der Befragten fordert explizit Angebote und Hilfen im Unternehmen.

Die Ergebnisse sind keine nationale Besonderheit. Auch internationale Studien zeigen vergleichbare Belastungen:

Laut einer Erhebung des britischen House of Commons (2021) berichten 72 Prozent der befragten Frauen von eingeschränkter Konzentrationsfähigkeit, 70 Prozent von erhöhter Stressbelastung und 67 Prozent von einem sinkenden Selbstbewusstsein.

Eine US-Studie der Society for Women’s Health Research (2024) verdeutlicht die beruflichen Konsequenzen: Jede vierte Frau verzichtet aufgrund von Beschwerden auf eine Beförderung. Jede dritte reduziert ihre Arbeitszeit und zwei von fünf Befragten ziehen sogar einen Arbeitsplatzwechsel in Betracht.

Diese Ergebnisse machen deutlich: Wechseljahresbeschwerden sind weit verbreitet, haben unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit und werden im betrieblichen Kontext bislang kaum adressiert.




Warum sollten Arbeitgeber das Thema Wechseljahre ernst nehmen?

Beschäftigte in den Wechseljahren bringen wertvolles Fachwissen und Erfahrung in ihre Unternehmen ein. Gleichzeitig sind sie besonders anfällig für Belastungen. Ohne passende Unterstützung drohen:

  • Leistungseinbußen
  • Höhere Fehlzeiten
  • Frühzeitiger Ausstieg aus dem Erwerbsleben

Nach Berechnungen der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) führen Wechseljahressymptome in Deutschland zu rund 40 Millionen Fehltagen pro Jahr. Das entspricht volkswirtschaftlichen Kosten von rund 9,4 Milliarden Euro. Vorzeitiger Ruhestand, reduzierte Arbeitszeit und ausgeschlagene Beförderungen wurden bei der Schätzung nicht berücksichtigt.

Auch die Politik nimmt das Thema zunehmend in den Blick. Im Bundestag wurde im Oktober 2024 ein Antrag für eine nationale Menopausen-Strategie eingebracht. Ziel ist es, die Wechseljahre stärker im betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) zu verankern und Unternehmen zu motivieren, passende Rahmenbedingungen für betroffene Beschäftigte zu schaffen. Dass das Thema inzwischen im Koalitionsvertrag genannt wird, verdeutlicht seine gesellschaftliche Bedeutung.

Sind Wechseljahresbeschwerden ein Grund für eine Krankschreibung?

Ja, wenn die Beschwerden die Arbeitsfähigkeit einschränken, kann der Arzt eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigen. Typische Gründe sind starke Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Erschöpfung. Es gibt jedoch keinen speziellen Anspruch allein wegen der Wechseljahre/Menopause eine Krankschreibung zu erhalten – die Entscheidung erfolgt individuell.

Warum sind die Wechseljahre im beruflichen Kontext ein Tabuthema?

Die Menopause wird am Arbeitsplatz oft verschwiegen. Laut der MenoSupport-Studie sprechen mehr als die Hälfte der betroffenen Frauen nicht mit Vorgesetzten oder mitarbeitenden Personen über ihre Beschwerden. Gründe dafür sind Scham, fehlendes Wissen und die Sorge, als weniger leistungsfähig wahrgenommen zu werden.

Viele Unternehmen haben bislang keine Strukturen geschaffen, die speziell das Thema Frauengesundheit unterstützen. Während Rückengesundheit oder Burnout im BGM etabliert sind, gilt die Menopause noch als privates Thema.

Für Betriebe bedeutet das: Ohne offenes Ansprechen können Mitarbeitende sich allein gelassen fühlen, was das Vertrauen in das Unternehmen beeinträchtigt. Ein sensibler Umgang signalisiert Wertschätzung und schafft Vertrauen, was die Bindung und das Wohlbefinden der Beschäftigten stärkt.

Wie können Unternehmen Frauen in den Wechseljahren unterstützen?

Nicht jede Maßnahme muss aufwendig sein. Oft genügt es, wenn Betriebe das Thema sichtbar machen, Wissen vermitteln und flexible Rahmenbedingungen schaffen.

Der Barmer-Leitfaden Menopause@work zeigt ausführlich, wie Unternehmen gezielte Unterstützungsmaßnahmen entwickeln können. Die dort genannten Maßnahmen sichern die Arbeitsfähigkeit und Motivation der betroffenen Beschäftigten und erhalten gleichzeitig ihre wertvolle Erfahrung im Unternehmen. Die praxisnahen Ansätze lassen sich auch in kleinen und mittleren Unternehmen umsetzen.

Ein offener Umgang beginnt mit Information. Schulungen für Führungskräfte und HR, Informationsmaterialien für Teams oder interne Workshops helfen, Vorurteile abzubauen und Wissen über Symptome und Bedürfnisse zu vermitteln. Einige Unternehmen integrieren Menopause-Guides oder digitale Lernmodule fest in ihr betriebliches Gesundheitsmanagement. So entstehen ein gemeinsames Verständnis und eine Kultur, in der das Thema nicht tabuisiert wird.
Schon kleine Veränderungen im Arbeitsumfeld können Wechseljahresbeschwerden spürbar lindern. Dazu zählen steuerbare Raumtemperaturen, Zugang zu kühlem Trinkwasser, flexible Kleiderregelungen oder Rückzugsmöglichkeiten für kurze Pausen. In manchen Unternehmen stehen Ruheräume zur Verfügung, die auch von Mitarbeitenden mit anderen gesundheitlichen Einschränkungen genutzt werden können. Diese Maßnahmen sind oft mit geringem Aufwand verbunden, entfalten aber eine große Wirkung für das Wohlbefinden.
Symptome wie Schlafstörungen oder Hitzewallungen treten häufig tageszeitabhängig auf. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder die Möglichkeit zur Reduktion von Schichtarbeit können die Belastung deutlich verringern. Studien zeigen, dass dadurch nicht nur Fehlzeiten sinken, sondern auch Motivation und Zufriedenheit steigen. Unternehmen, die solche Modelle anbieten, stärken die Selbstbestimmung und das Vertrauen ihrer Beschäftigten.
Betriebliche Gesundheitsprogramme lassen sich gezielt auf die Bedürfnisse von Frauen in der Menopause zuschneiden. Dazu gehören beispielsweise Bewegungs- und Entspannungsangebote, Stressmanagement-Kurse oder auch Ernährungsberatung. Kooperationen mit Krankenkassen oder externen Beratungsstellen bieten zusätzliche Expertise und erleichtern die Umsetzung. Wichtig ist, dass die Angebote einfach zugänglich sind und nicht stigmatisierend wirken.
Ein entscheidender Faktor ist die Haltung im Unternehmen. Wer signalisiert, dass die Menopause kein Tabuthema ist, schafft Vertrauen. Führungskräfte können durch Empathie und offene Kommunikation dazu beitragen, dass betroffene Beschäftigte ihre Bedürfnisse äußern, ohne Nachteile befürchten zu müssen. Schulungen helfen, Berührungsängste abzubauen und ein unterstützendes Klima zu schaffen. Internationale Beispiele wie die „Menopause Cafés“ in Großbritannien zeigen, wie leicht zugängliche Gesprächsformate den Austausch fördern und eine wertschätzende Atmosphäre schaffen.
Damit Maßnahmen nicht nur punktuell wirken, sondern langfristig zur Gesundheitsförderung beitragen, sollte die Menopause strukturell im BGM verankert werden. Das gelingt am besten durch die Integration in bestehende Programme, etwa zu Resilienz, Schlaf oder Stressbewältigung. Angebote sollten generationenübergreifend gestaltet sein, um Stigmatisierung zu vermeiden und Akzeptanz zu fördern.

Unternehmen müssen das Thema nicht allein stemmen: Kooperationen mit Krankenkassen, Fachgesellschaften oder spezialisierten Beratungsstellen bieten Zugang zu fundierten Materialien, Fachpersonen und erprobten Konzepten. Die Barmer stellt beispielsweise Leitfäden, Schulungsformate und Praxisbeispiele zur Verfügung, die direkt in die BGM-Strategie integriert werden können.

Ein nachhaltiger Umgang mit der Menopause gelingt außerdem nur, wenn das Thema auch in Leitbildern, Gesundheitsstrategien und Diversity-Konzepten sichtbar wird, als Teil einer modernen, mitarbeiterorientierten Unternehmenskultur.

Eine Geschäftsfrau mit Tablet in einem modernen Büro

Mit dem Barmer-BGM-Team Frauengesundheit fördern

Gestalten Sie Ihr individuelles, betriebliches Gesundheitsprogramm mit besonderem Fokus auf die Belange von Frauen.

  • Reduzieren Sie Fehlzeiten durch Angebote, die zyklusbedingte Beschwerden, mentale Belastungen und Wechseljahre berücksichtigen
  • Fördern Sie eine offene Kommunikation und Wertschätzung für mehr Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen
  • Erhöhen Sie Ihre Attraktivität als moderner Arbeitgeber, der Gleichstellung und individuelle Bedürfnisse ernst nimmt