- Was bedeuten die Wechseljahre für Frauen im Berufsleben?
- Sind Menopause und Wechseljahre das Gleiche?
- Welche Auswirkungen haben die Wechseljahre im Arbeitsalltag?
- Warum sollten Arbeitgeber das Thema Wechseljahre ernst nehmen?
- Sind Wechseljahresbeschwerden ein Grund für eine Krankschreibung?
- Warum sind die Wechseljahre im beruflichen Kontext ein Tabuthema?
- Wie können Unternehmen Frauen in den Wechseljahren unterstützen?
- Mit dem Barmer-BGM-Team Frauengesundheit fördern
Die Wechseljahre betreffen viele Frauen mitten im Berufsleben und fallen häufig in eine Phase großer beruflicher und privater Verantwortung. Für Unternehmen können die damit verbundenen Beschwerden spürbare Auswirkungen auf Motivation, Produktivität und Bindung von Fachkräften haben. Wer das Thema offen adressiert und Beschäftigte unterstützt, stärkt Gesundheit, Zufriedenheit und langfristige Unternehmenstreue.
Was bedeuten die Wechseljahre für Frauen im Berufsleben?
Für Frauen im Berufsleben können die Wechseljahre eine anspruchsvolle Phase sein, da körperliche und psychische Veränderungen wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
In Deutschland leben laut Statista mehr als 11 Millionen Frauen zwischen 40 und 59 Jahren. Diese Gruppe von Frauen ist potenziell von den Wechseljahren betroffen. Rund 80 Prozent dieser Altersgruppe sind erwerbstätig und bringen umfangreiche Kenntnisse und langjährige Praxiserfahrung mit.
Angesichts des Fachkräftemangels wird die langfristige Bindung dieser Mitarbeiterinnen für Unternehmen zunehmend strategisch wichtig. Besonders in Branchen mit hohem Frauenanteil, etwa im Bildungs-, Gesundheits- und Pflegesektor oder im Dienstleistungsbereich, ist das der Fall.
Sind Menopause und Wechseljahre das Gleiche?
Im Alltag werden beide Begriffe oft synonym verwendet. Medizinisch gibt es jedoch Unterschiede:
- Menopause: Die Menopause beginnt mit dem Zeitpunkt der letzten Menstruation, die durch das Ausbleiben der Blutung über zwölf Monate festgestellt wird.
- Wechseljahre (Klimakterium): Der gesamte Übergangsprozess, also die Zeit vor der Menopause (Perimenopause) und danach (Postmenopause).
Für Arbeitgeber ist entscheidend: Symptome können viele Jahre vor und nach der Menopause auftreten.
Welche Auswirkungen haben die Wechseljahre im Arbeitsalltag?
Die wissenschaftliche Befragung MenoSupport der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (2023) verdeutlicht die Relevanz für Unternehmen:
- Nahezu alle Frauen erleben Symptome: Die Befragung zeigt, dass fast alle der rund 2.000 Teilnehmerinnen Beschwerden in den Wechseljahren haben.
- Zwei Drittel fühlen sich im Job eingeschränkt: Die Symptome wirken sich spürbar auf die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden im Berufsalltag aus.
- Beschwerden sind häufig vielfältig: Erschöpfung, Schlafstörungen, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen sowie Gelenk- und Muskelschmerzen treten besonders häufig auf.
- Ein Drittel reduziert Arbeitszeit oder fällt aus: Viele Frauen nehmen Krankschreibungen, unbezahlten Urlaub oder reduzieren ihre Arbeitszeit aufgrund der Beschwerden.
- Wenig Information und Unterstützung im Unternehmen: Nur 1 % nutzt das berufliche Umfeld als Informationsquelle über die Symptome und Auswirkungen der Wechseljahre.
- 60 % wünschen sich Unterstützung vom Arbeitgeber: Mehr als die Hälfte der Befragten fordert explizit Angebote und Hilfen im Unternehmen.
Die Ergebnisse sind keine nationale Besonderheit. Auch internationale Studien zeigen vergleichbare Belastungen:
Laut einer Erhebung des britischen House of Commons (2021) berichten 72 Prozent der befragten Frauen von eingeschränkter Konzentrationsfähigkeit, 70 Prozent von erhöhter Stressbelastung und 67 Prozent von einem sinkenden Selbstbewusstsein.
Eine US-Studie der Society for Women’s Health Research (2024) verdeutlicht die beruflichen Konsequenzen: Jede vierte Frau verzichtet aufgrund von Beschwerden auf eine Beförderung. Jede dritte reduziert ihre Arbeitszeit und zwei von fünf Befragten ziehen sogar einen Arbeitsplatzwechsel in Betracht.
Diese Ergebnisse machen deutlich: Wechseljahresbeschwerden sind weit verbreitet, haben unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit und werden im betrieblichen Kontext bislang kaum adressiert.