Eine Frau im Homeoffice sitzt vor einem Ventilator.

Hitzeschutz am Arbeitsplatz: So bleiben Beschäftigte geschützt und produktiv

Lesedauer weniger als 6 Min
Redaktion:
Internetredaktion Barmer
Karussell mit 3 Elementen
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Vorausschauend handeln

Ab 30 °C sollten konkrete Maßnahmen umgesetzt werden, um Gesundheit, Sicherheit und Leistungsfähigkeit zu erhalten.
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Maßnahmen kombinieren

Verbessern Sie das Raumklima, stellen Sie ausreichend Trinkwasser bereit und ermöglichen Sie flexible Arbeitszeiten.
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Hitzeschutzplan erstellen

Klare Verantwortlichkeiten, Schutzmaßnahmen und Abläufe für Hitzewellen sorgen für mehr Planungssicherheit im Betrieb.

Hitzeperioden und Hitzewellen stellen Unternehmen zunehmend vor Herausforderungen, denn hohe Temperaturen belasten nicht nur die Gesundheit von Beschäftigten, sondern können auch Konzentration, Leistungsfähigkeit und Arbeitssicherheit beeinträchtigen. Als Arbeitgeber sind Sie verpflichtet, die Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden zu schützen. Gleichzeitig können geeignete Maßnahmen dazu beitragen, Arbeitsausfälle zu vermeiden und den Arbeitsalltag auch an heißen Tagen produktiv zu gestalten.

Warum Hitzeschutz für Unternehmen wichtig ist

Steigen die Temperaturen im Sommer stark an, bedeutet das eine erhebliche Belastung für den menschlichen Körper. Während vermehrtes Schwitzen meist noch harmlos ist, können hohe Temperaturen insbesondere für Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen zu einem Gesundheitsrisiko werden.

Besonders belastend sind Tätigkeiten:

  • im Freien
  • in schlecht gekühlten Innenräumen
  • mit Arbeits- oder Schutzkleidung
  • bei körperlich anstrengender Arbeit

Langanhaltende Temperaturen von über 30 Grad können dazu führen, dass Konzentration und Leistungsfähigkeit nachlassen. Gleichzeitig steigen Müdigkeit, Fehleranfälligkeit, Unfallrisiken und psychische Belastungen.

Für Unternehmen bedeutet das: Hitzeschutz ist nicht nur eine Frage der Fürsorge, sondern auch ein wichtiger Faktor für einen sicheren und leistungsfähigen Betrieb.

Welche Pflichten haben Arbeitgeber beim Hitzeschutz?

Arbeitgeber sind grundsätzlich verpflichtet, Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu gewährleisten. Das gilt auch bei extremen Temperaturen und Hitzewellen.

Wichtige Orientierung bieten:

Ab wann müssen Arbeitgeber handeln?

RaumtemperaturMaßnahmen
Ab 26 °CSchutzmaßnahmen sollten geprüft werden
Ab 30 °CSchutzmaßnahmen sind erforderlich
Über 35 °CArbeitsräume gelten ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen als ungeeignet

Hitzeschutz im Unternehmen: 8 wirksame Maßnahmen

Damit Hitzeschutz nicht erst während einer Hitzewelle beginnt, empfiehlt sich ein systematisches Vorgehen.

1. Hitzeaktionsplan erstellen

Ein Hitzeaktionsplan schafft klare Abläufe für heiße Tage und Hitzewellen.

Mögliche Bestandteile:

  • flexible Arbeitszeiten
  • Verlagerung belastender Tätigkeiten in die Morgenstunden
  • Klimaanlagen oder Ventilatoren
  • Trinkwasserversorgung
  • geeignete Schutzkleidung
  • Schulungen und Informationen zum Hitzeschutz

Ein strukturierter Hitzeschutzplan sorgt dafür, dass Maßnahmen rechtzeitig und einheitlich umgesetzt werden.

2. Raumklima verbessern

Innenräume können sich im Sommer schnell aufheizen.

Hilfreiche Maßnahmen sind:

  • Rollos oder Jalousien
  • Sonnenschutzfolien an Fenstern
  • Klimaanlagen
  • Ventilatoren
  • Pflanzen als natürliche Schattenspender

Wichtig ist zudem die regelmäßige Wartung vorhandener Klimatisierungssysteme.

3. Kühle Pausenräume bereitstellen

Beschäftigte benötigen Möglichkeiten, sich von der Hitzebelastung zu erholen.

Besonders in größeren Betrieben oder auf Baustellen sollten Pausenräume:

  • räumlich von den Arbeitsbereichen getrennt sein
  • möglichst gekühlt werden
  • gut belüftet sein

So können Mitarbeitende während der Pausen ihre Körpertemperatur wirksam senken.

4. Arbeitszeiten flexibilisieren

Flexible Arbeitszeiten können die Belastung deutlich reduzieren.

Mögliche Lösungen:

  • Gleitzeitmodelle
  • früherer Arbeitsbeginn
  • spätere Arbeitszeiten am Abend
  • Verlagerung belastender Tätigkeiten in kühlere Tageszeiten

Dadurch lassen sich besonders heiße Stunden vermeiden.

5. Frühzeitig informieren und warnen

Beschäftigte sollten die Risiken von Hitze kennen und wissen, welche Schutzmaßnahmen vorgesehen sind.

Empfehlenswert sind:

  • regelmäßige Informationen
  • Schulungen zum Verhalten bei Hitze
  • verständliche Notfallpläne
  • frühzeitige Kommunikation bei angekündigten Hitzewellen

Amtliche Wetterwarnungen können dabei helfen, rechtzeitig Vorsorgemaßnahmen einzuleiten.

6. Dresscode anpassen

Leichte und luftige Kleidung kann die Belastung durch Hitze reduzieren.

Prüfen Sie deshalb, ob an heißen Tagen:

  • strengere Kleidervorgaben gelockert werden können
  • atmungsaktive Materialien möglich sind
  • weniger eng anliegende Kleidung getragen werden darf

So lässt sich die Wärmeabgabe des Körpers unterstützen.

7. Ausreichend Getränke bereitstellen

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gehört zu den wichtigsten Maßnahmen bei Hitze.

Arbeitgeber sollten:

  • Trinkwasser bereitstellen
  • Wasserspender anbieten
  • regelmäßig an das Trinken erinnern

Geeignet sind insbesondere:

  • stilles Wasser
  • ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees
  • verdünnte Saftschorlen

Als Orientierung gelten mindestens zwei Liter Flüssigkeit über den Arbeitstag verteilt.

8. Notfallplan und Erste Hilfe vorbereiten

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen können hitzebedingte Gesundheitsprobleme auftreten.

Besonders wichtig ist deshalb ein klar geregeltes Vorgehen bei Notfällen.

Gefährdet sind vor allem:

  • Beschäftigte im Freien
  • Personen mit körperlich anstrengender Tätigkeit
    Schwangere
  • chronisch Erkrankte

Wann besteht bei Hitze akuter Handlungsbedarf?

Kreislaufprobleme
Kreislaufprobleme sind eine indirekte Reaktion des Körpers. Durch die hohen Temperaturen weiten sich die Gefäße und das Herz pumpt das Blut vermehrt in die Haut. Für die inneren Organe bleibt weniger Blut und Sauerstoff übrig. Schwindel, Übelkeit, Schweißausbrüche, Augenflimmern und sogar Ohnmacht können die Folge sein. Helfen können ein feuchtes Handtuch oder Kühlung mit einem Ventilator.  

Hitzekrämpfe
Auch Muskelkrämpfe können ein Anzeichen von Hitze sein. Hitzekrämpfe werden durch intensives Schwitzen, einen Flüssigkeitsmangel und daraus resultierenden Salzverlust verursacht. Betroffene Personen sollten deswegen an einen kühlen Ort gebracht werden, ausruhen und mit salzhaltigen Getränken unterstützt werden.

Hitzeerschöpfung
Dabei handelt es sich um einen Zustand, der durch Dehydrierung und Überhitzung entsteht und Symptome wie Schwäche, Übelkeit und Schwindel umfasst. Betroffene Personen sollten ebenfalls in den Schatten oder eine kühle Umgebung gebracht werden. Die Füße können leicht hochgelagert und enge Kleidung gelockert werden. Getränke sollten nur in kleinen Mengen angeboten werden. Bei Bewusstlosigkeit müssen sofort Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet werden und ärztliche Hilfe geholt werden.

Hitzschlag
Ein Hitzschlag ist eine schwerwiegende Erkrankung, bei der die Körpertemperatur auf über 40 Grad Celsius ansteigt und die lebensbedrohlich sein kann. In diesem Fall muss sofort der Notruf abgesetzt werden. Die betroffene Person wird an einen kühlen Ort gebracht und die Kleidung entfernt. Der Körper ist mit kaltem Wasser abzukühlen, z. B. durch feuchte Tücher. Bei Bewusstlosigkeit sind ebenfalls Sofortmaßnahmen durch Ersthelfer notwendig.

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Hitzeschutz bei Arbeiten im Freien

Beschäftigte im Freien sind zusätzlich direkter Sonneneinstrahlung und starker UV-Strahlung ausgesetzt.

Sonnenschutz am Arbeitsplatz

Um Beschäftigte zu schützen, sollten Sie deswegen auf umfassende Sonnenschutzmaßnahmen setzen.

Geeignete Maßnahmen sind:

  • leichte, helle und UV-abweisende Kleidung
  • Hüte mit breiter Krempe oder Nackenschutz
  • Sonnenbrillen mit vollständigem UV-Schutz
  • Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor

Hitzeschutz für Beschäftigte im Freien

Zusätzlich sollten Unternehmen:

  • ausreichend Wasser bereitstellen
  • regelmäßiges Trinken fördern
  • Arbeitszeiten anpassen
  • Schattenplätze schaffen
  • Pausen verlängern oder häufiger ermöglichen

Vor allem die frühen Morgenstunden und späteren Nachmittagsstunden sind häufig weniger belastend.

Ausfallgeld an Hitzetagen für Dachdecker

Für Dachdecker besteht die Möglichkeit, in den Sommermonaten witterungsbedingtes Ausfallgeld zu erhalten.

Das Sommer-Ausfallgeld:

  • beträgt derzeit 75 Prozent des Stundenlohns
  • wird für maximal 53 Stunden gezahlt
  • kann durch eine Pauschalerstattung der Sozialbeiträge ergänzt werden

Hitzeschutz im Homeoffice

Auch bei mobiler Arbeit kann Hitze die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.

Mobile Arbeit

Beschäftigte sind grundsätzlich selbst für den Hitzeschutz im Homeoffice verantwortlich.

Arbeitgeber können dennoch unterstützen, indem sie:

  • praktische Tipps für ein angenehmes Arbeitsumfeld bereitstellen
  • flexible Arbeitszeiten ermöglichen
  • die Verlagerung der Arbeitszeit in kühlere Tageszeiten fördern

Telearbeit

Für Telearbeitsplätze gelten grundsätzlich dieselben gesetzlichen Anforderungen wie im Betrieb.

Dazu gehört insbesondere die Berücksichtigung möglicher Gesundheitsrisiken im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung.

Die Regelungen beziehen sich in der Praxis jedoch überwiegend auf die bereitgestellten Arbeitsmittel und nicht konkret auf die Raumtemperatur im häuslichen Umfeld.

Mit der Barmer zum Thema Hitze am Arbeitsplatz informieren

Um Ihr Unternehmen für die nächste Hitzewelle vorzubereiten, sollten Sie Ihre Beschäftigten über gesundheitsförderliches Verhalten bei Hitze aufklären. Die Barmer unterstützt Sie dabei mit Maßnahmen, die sich im Arbeitsalltag praktisch umsetzen lassen.

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Häufige Fragen zum Hitzeschutz am Arbeitsplatz

Schutzmaßnahmen sollten ab 26 Grad Celsius geprüft werden. Ab 30 Grad Celsius sind Schutzmaßnahmen erforderlich.
Bei Temperaturen über 35 Grad Celsius gilt ein Arbeitsraum ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen als ungeeignet.

Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:

  • Trinkwasserversorgung
  • flexible Arbeitszeiten
  • Sonnenschutz
  • Kühlung von Arbeits- und Pausenbereichen
  • Information und Sensibilisierung der Beschäftigten
Ja. Hier kommen zusätzlich Maßnahmen zum Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung und UV-Strahlung hinzu.
Ein Hitzeaktionsplan bündelt organisatorische, technische und kommunikative Maßnahmen und hilft Unternehmen, auf Hitzewellen vorbereitet zu sein.

So bereiten Sie Ihr Unternehmen auf die nächste Hitzewelle vor

Wer frühzeitig plant, schützt nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten. Unternehmen schaffen damit auch die Grundlage für sichere Abläufe, geringere Belastungen und eine möglichst stabile Leistungsfähigkeit während heißer Sommermonate.

Ein strukturierter Hitzeschutzplan, klare Verantwortlichkeiten und rechtzeitig umgesetzte Maßnahmen helfen dabei, Herausforderungen durch Hitze wirksam zu bewältigen.

Weiterführende Literatur: