Presse-Newsletter – Gesundheit im Blick

Essverhalten in emotionalen Zeiten: Wie Gefühle und Ernährung zusammenhängen

Lesedauer weniger als 3 Min

Unser Essverhalten ist weit mehr als nur eine Reaktion auf den Energiebedarf des Körpers. Wir essen nicht nur, wenn der Magen knurrt. Häufig greifen wir auch dann zu Nahrung, wenn wir nicht wirklich hungrig sind. Das kann passieren bei Stress, Frust oder Langeweile. Dieses Verhalten wird als emotionales Essen bezeichnet.

Emotionen können unser Essverhalten stark beeinflussen. Negative Gefühle wie Stress, Überforderung, Einsamkeit oder Kummer gehören zu den häufigsten Auslösern für emotionales Essen. „In solchen Momenten essen Menschen oft unbewusst und bevorzugen besonders zucker- und fetthaltige, energiereiche Lebensmittel wie Schokolade, Chips oder Pizza. Dieser Genuss, auch ‚Comfort Food‘ genannt, wirkt schnell belohnend, weil er im Gehirn das Belohnungssystem aktiviert und Glückshormone wie Dopamin und Serotonin freisetzt, die kurzfristig für Wohlgefühl sorgen“, sagt Andrea Jakob-Pannier, Psychologin bei der BARMER. Neben Stress können auch positive Emotionen Einfluss auf unser Essverhalten haben. Beispielsweise wird in sozialen Situationen oder bei Feiern oft mehr gegessen, weil Essen positiv besetzt ist. „Die Forschung zeigt, dass sowohl positive als auch negative Emotionen die Nahrungsaufnahme beeinflussen können, wobei negative Emotionen häufig zu einem gesteigerten Verlangen nach herzhaften oder süßen Speisen führen, die vermeintlich Geborgenheit, Nostalgie und Kindheitserinnerungen auslösen können“, so Jakob-Pannier.

Was emotionales Essen ausmacht

Emotionaler „Hunger“ unterscheidet sich von körperlichem Hunger. Er tritt oft plötzlich auf, verlangt nach sofortiger Befriedigung und geht meist mit einem Verlangen nach spezifischen, oft süßen oder fettreichen Lebensmitteln einher. Dieses Verhalten geschieht häufig unbewusst und kann zu einem Teufelskreis werden. Wer aus emotionalen Gründen isst, fühlt sich danach nicht wirklich gesättigt. Das kann wiederum negative Gefühle verstärken. „Studien zeigen, dass dieser Mechanismus nicht nur kurzfristige Nahrungsauswahl beeinflusst, sondern langfristig das Risiko für ungesundes Essverhalten und Übergewicht erhöht. Emotionales Essen hängt mit Stress, depressiven Verstimmungen und anderen emotionalen Belastungen zusammen. Wenn es häufig vorkommt, kann es auch zu gesundheitlichen Problemen beitragen“, warnt die BARMER-Expertin.

Warum emotionales Essen entsteht

Der Zusammenhang zwischen Gefühlen und Essen hat auch tief verwurzelte psychologische und biologische Hintergründe. Schon im Säuglingsalter lernen Menschen, Essen mit positiven Gefühlen wie Geborgenheit zu verknüpfen. Das ist etwa der Fall, wenn beim Stillen Zuneigung erlebt wird. „Diese früh erlernte Verbindung kann im Erwachsenenalter dazu führen, dass wir auch in emotional belastenden Situationen Nahrungsaufnahme als ‚Trost‘ oder Belohnung nutzen“, erklärt die BARMER-Psychologin. Zudem kann emotionales Essen als eine kurzfristige Bewältigungsstrategie gesehen werden, um unangenehme Gefühle für eine kurze Zeit zu regulieren. Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle zu erkennen oder zu verarbeiten, greifen dann häufiger spontan zu hoch kalorischen Nahrungsmitteln, um sich besser zu fühlen oder unangenehme Zustände zu überbrücken. Im Nachhinein verursacht das dann häufig Schuld- und Schamgefühle.

Wege zu einem bewussteren Umgang

Ein erster Schritt, um emotionalem Essen vorzubeugen, ist das Erkennen der eigenen Auslöser. Hilfreich kann ein Ernährungstagebuch sein, in dem nicht nur Mahlzeiten und Zwischendurch-Snacks, sondern auch Gefühlszustände festgehalten werden. So lassen sich Muster erkennen und bewusster reflektieren, ob die aktuelle Nahrungsaufnahme durch körperlichen oder durch emotionalen Hunger motiviert ist. Auch alternative Strategien zur Stressbewältigung helfen, den Drang nach emotionalem Essen zu reduzieren. Entspannungsübungen, Spaziergänge an der frischen Luft, Meditation oder einfache Atemtechniken können helfen, negative Gefühle direkt anzugehen, statt sie durch Essen kompensieren zu wollen. Bei länger anhaltenden Problemen mit ungesundem Ernährungsverhalten empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung.
 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren