In Zeiten von Social Media bekommen wir täglich neue Hautpflege-Tipps und vermeintliche „Hacks“ zu lesen. Doch nicht alles, was viral geht, ist auch gesund oder evidenzbasiert. Viele Mythen rund um die Hautpflege werden dort ungeprüft verbreitet und können im schlimmsten Fall mehr schaden als nutzen. Dieser Artikel räumt mit den Mythen auf.
Der Frühling naht und damit auch die Frage nach dem richtigen Sonnenschutz. Hierbei kursieren besonders viele Irrtümer. So liest man etwa immer wieder, dass ein „bisschen Sonnenbrand“ harmlos sei, dass bei schlechtem Wetter kein Sonnenschutz nötig wäre oder dass Schatten allein vor Sonnenbrand schützen würde. „All diese Annahmen entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage und gefährden langfristig die Hautgesundheit, da UV-Strahlung zu Hautalterung und Hautkrebs beitragen kann. Ein korrekt gewählter Lichtschutzpassend zum tagesaktuellen UV-Index ist daher essenziell. Auch an bewölkten Tagen oder im Schatten“, betont Dr. Utta Petzold, Dermatologin bei der BARMER. Der UV-Index als Wert für die Sonnenintensität kann in vielen Wetter-Apps oder online beim Deutschen Wetterdienst abgerufen werden.
Auch teure Pflegeprodukte können schädlich sein
Ebenso verbreitet ist der Mythos, dass teure Produkte automatisch bessere Ergebnisse liefern. „Viele Influencer hypen Marken und ‚Wundermittel‘, doch die Wirksamkeit hängt nicht vom Preis ab, sondern von der richtigen Zusammensetzung und Anwendung der Inhaltsstoffe“, so Petzold. Wissenschaftliche Hautpflege verfolge klare Ziele. Die Hautbarriere schützen, Feuchtigkeit bewahren und Irritationen vorbeugen. Selbst teure Cremes können bei falscher Anwendung zu Irritationen führen. Dieses Problem verschweigen Social Media-Trends häufig.
Vorsicht vor vermeintlich unbedenklichen Cremes
Ein weiterer verbreiteter Mythos ist, dass natürliche Inhaltsstoffe per se „besser“ oder harmloser seien. Dieser Glaube beruht häufig auf der Idee, dass „chemiefrei“ gleich gesund bedeutet. Tatsächlich ist alles ein chemischer Stoff, sogar Wasser, und einige natürliche Substanzen können Allergien oder Hautreizungen auslösen, wenn sie nicht passend gewählt werden.
Bloß nicht zu viel des Guten
Mythen entstehen auch um die Häufigkeit und Komplexität von Pflegeroutinen. Auf Plattformen wie TikTok sehen viele Nutzerinnen und Nutzer überkomplizierte Abläufe und glauben, sie müssten täglich ein Dutzend Produkte auftragen. Forschende sehen darin nicht nur eine Überforderung, sondern auch ein potenzielles Risiko. „Zu viele Wirkstoffe gleichzeitig können die Hautbarriere angreifen und beispielsweise Irritationen auslösen“, warnt die BARMER-Dermatologin. Sollten sogar Allergien entstehen, ist es schwieriger, den Auslöser zu finden.
… aber auch nicht zu wenig
Ein weiterer viraler Trend ist das sogenannte „Non-Bathing“ oder auch radikale Minimalismus-Pflege, bei dem auf Wasser und Reinigung verzichtet wird. Dermatologen warnen jedoch davor, da Umweltbelastungen, Schmutz und Bakterien auf der Haut verbleiben und langfristig die Hautgesundheit gefährden können. „Zwei bis dreimal pro Woche zu duschen ist sinnvoll, wobei es reicht, Haare, Achseln und Füße einzuschäumen. Es empfiehlt sich eine einfache, regelmäßige Reinigung kombiniert mit gezieltem Schutz, etwa durch Sonnencreme oder eine Feuchtigkeitscreme, je nach Hauttyp“, so Petzold.
Problem Social Media
Schließlich spielt auch die psychologische Wirkung von Social Media eine Rolle. Influencer-Posts vermitteln oft ein Schönheitsideal, das über optimierte Hautgesundheit hinausgeht und Gefühle von Unzulänglichkeit verstärken kann. Studien zeigen, dass teils irreführende TikTok-Hautpflegevideos nicht nur teuer und ineffektiv, sondern auch potenziell gesundheitsschädlich sind. Besonders empfänglich sind dafür Jugendliche, die den Empfehlungen unkritisch folgen.