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Kaugummi, Pflaster, Ingwer: Was hilft gegen die Reisekrankheit?

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Ob während der Autofahrt auf kurviger Straße, im Boot auf unruhiger See oder im Flugzeug über den Wolken, nicht immer verläuft der Start in den Urlaub problemlos und kann von Übelkeit begleitet werden. Was sich hinter der Reisekrankheit verbirgt, und welche Arzneimittel helfen, erklärt dieser Ratgeber.

Eigentlich ist die Reisekrankheit keine Krankheit, sondern die Reaktion des Organismus auf das Schaukeln und Wackeln bei kurvenreichen Autofahrten, hohem Seegang oder Turbulenzen im Flugzeug. Diese Reize werden im Innenohr aufgenommen und verarbeitet. Dort liegt unser Gleichgewichtssinn. Die Reize stimmen aber nicht mit dem überein, was unser Auge als Sinnesorgan aufnimmt. Das Auge kann die schnell vorüberziehenden Gegenstände bei einer Autofahrt nicht fixieren oder ist mit Lesen oder Filmschauen bereits ausgelastet. Diese scheinbar widersprüchlichen Sinneseindrücke verarbeitet unser Gehirn als Gefahr und aktiviert das Brechzentrum. Die Reisekrankheit wird auch als Bewegungsschwindel oder Kinetose bezeichnet.

Auf diese Vorboten sollten Sie achten

Kindern wird auf Reisen deutlich häufiger schlecht, da ihre Sinnesorgane empfindlicher sind. Es gibt Vorboten, auf die Eltern achten sollten. Werden Kinder auffallend ruhig, teilnahmslos und blass, sollte eine Pause eingelegt werden. Andere Frühsymptome sind kalter Schweißausbruch und ein flaues Gefühl im Magen. Wer von sich oder seinen Kindern weiß, dass eine Neigung zur Reisekrankheit besteht, kann sich in der Apotheke beraten lassen. Auch für Kinder gib es geeignete Präparate gegen den unerwünschten Reisebegleiter Übelkeit.

Kaugummikauen gegen Übelkeit

„Ein für Kinder geeignetes Wirkstoffpräparat ist Dimenhydrinat. Es unterbindet den Brechreiz und ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich zum Beispiel als Tablette, Kaugummi, Sirup oder Zäpfchen“, sagt Dr. André Breddemann, Apotheker bei der BARMER. Dimenhydrinat sollte 30 bis 60 Minuten vor Reisebeginn eingenommen werden. Der Vorteil des Kaugummis besteht darin, dass das Kauen den Brechreiz zusätzlich abschwächt. Ein etwa fünfminütiges Kauen reicht bereits aus, um den enthaltenen Wirkstoff freizusetzen. Eine Nebenwirkung von Dimenhydrinat ist Müdigkeit. Wer also selbst Auto fährt, sollte auf dieses Präparat verzichten. Wobei Fahrerinnen und Fahrer von der Reisekrankheit meist verschont bleiben, weil sie beim Fahren die gefühlten Bewegungen auch optisch registrieren.

Manche Reisemedikamente haben starke Nebenwirkungen

Auch Antihistaminika werden häufig gegen Übelkeit eingenommen. Wegen ihrer Nebenwirkungen sind sie jedoch nicht für jeden geeignet. „Wer an Asthma, Epilepsie oder an einer Leberfunktionsstörung leidet, sollte besser die Finger von Antihistaminika lassen“, sagt Breddemann. Einen anderen Wirkungsmechanismus hat das Medikament Scopolamin, das nur mit Rezept erhältlich ist. Es verringert Schwindel und Übelkeit indem es das Gleichgewichtsorgan im Innenohr beruhigt. Scopolamin wird vor allem bei Schiffsreisen als Pflaster verordnet. Fünf bis sechs Stunden vor Reiseantritt aufgeklebt, wirkt es etwa drei Tage. 

Alleskönner Ingwer, aber nicht als Tee

Wer pflanzliche Produkte bevorzugt, kann es auch mit Ingwer-Präparaten versuchen. Die Inhaltsstoffe der Ingwerpflanze, die Gingerole, mindern Übelkeit und Brechreiz ebenfalls. Ingwerpräparate wurden an Seeleuten erfolgreich getestet. Bei Ingwertee blieb die gewünschte Wirkung allerdings aus. Gute Erfahrung haben manche Betroffene mit Akupressur-Armbändern gemacht. Diese üben einen sanften Druck auf bestimmte Punkte am Handgelenk aus. Wissenschaftlich nachgewiesen wurde die Wirkung von Akupressur-Armbändern bisher nicht.

 

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