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Raupe mit Risiko: Eichenprozessionsspinner macht Mensch das Leben schwer

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Wo er sich ausbreitet, werden Warnschilder aufgestellt, Waldwege gesperrt und Spiel- und Sportplätze abgeriegelt. Aus gutem Grund. Die Berührung mit dem Eichenprozessionsspinner kann zu heftigen Reaktionen auf der Haut, in den Augen und den Atemwegen führen. Jetzt im Mai schlüpfen die Larven und das Risiko unangenehmer Begegnungen steigt.

„Das tückische am Eichenprozessionsspinner ist, dass die Reaktionen erst verzögert auftreten, etwa in der Nacht oder am Morgen nach dem erfolgten Kontakt,“ sagt Dr. Ursula Marschall, Leitende Medizinerin bei der BARMER. Die Beschwerden werden dann oft nicht in Zusammenhang mit dem Eichprozessionsspinner gebracht. Dieser trägt je nach Larvenstadium bis zu einer halben Million giftige, spitze und mit Widerhaken versehene Brennhärchen, die in die menschliche Haut eindringen und auch in die Augen oder Atemwege gelangen können. Die betroffenen Hautstellen, meist an den Unterarmen, Hals oder Dekolleté, reagieren mit heftigem Juckreiz und einem roten Ausschlag unter Umständen auch mit Quaddeln, Bläschen und Knötchen. Auch die Augen reagieren mit Rötung, Schwellung und Juckreiz. Zudem kann sich die Bindehaut entzünden. Geraten die giftigen Härchen in die Atemwege, können sich Nase, Rachen und Bronchien entzünden. In schweren Fällen kann es laut der Expertin dann sogar zu Atemnot kommen.

Bei allergischer Reaktion Arztpraxis aufsuchen

„Wer den Verdacht hat, Opfer eines Eichenprozessionsspinners geworden zu sein, sollte schnellstmöglich unter die Dusche, die Kleidung wechseln und die Symptome vom Hausarzt beziehungsweise von der Hausärztin abklären lassen,“ rät Dr. Marschall. Je nach Krankheitsbild kann der Arzt Medikamente verordnen, die die Symptome lindern. Dazu gehören entzündungshemmende Kortisoncremes und eventuell Medikamente aus der Gruppe der Antihistaminika gegen den Juckreiz. In schwereren Fällen werden auch Kortisontabletten verordnet. Bei Atemnot werden Arzneimittel eingesetzt, die die Atemwege erweitern und die Atmung erleichtern. Nach wenigen Tagen bis hin zu zwei Wochen sollten die Beschwerden in der Regel überstanden sein.

Leere Nester bleiben gefährlich

Wenn die Raupen im August als Falter schlüpfen, leben sie nur noch ein bis zwei Tage und sind nicht mehr gefährlich. Aber die leeren Nester bleiben es. Denn die Larvenhäutchen und Gifthärchen verbleiben dort. Durch starken Wind können die Nester herunterfallen und Härchen über lange Strecken verbreitet werden. Da sie UV- und lichtresistent sind, können sie über Jahre hinweg gesundheitsschädlich bleiben. Wer bei sich im Garten Eichenprozessionsnester entdeckt, sollte sie daher von Baumpflegern oder professionellen Schädlingsbekämpfern entfernen lassen. Auf keinen Fall sollte der Versuch unternommen werden, sie selbst zu beseitigen. 

Klimawandel begünstigt Ausbreitung

Wer nun denkt, so etwas hat es früher doch nicht gegeben, hat recht, zumindest bei uns nicht. Beheimatet ist der Eichenprozessionsspinner ursprünglich in Südeuropa. Er braucht warmes und trockenes Wetter und milde Winter, die er überleben kann. Ein Falter-Weibchen legt 50 bis 200 Eier in den Baumkronen von Eichen ab, wo sie überwintern. Wenn die Eichenblätter sprießen, schlüpfen die Larven und ernähren sich überwiegend von diesen. Sie sind nachtaktiv und kriechen oft in langen Reihen die Eichenstämme entlang, ähnlich einer Prozession. Daher ihr Name. Sichtbar werden sie, wenn sie sich in Nestern verpuppen. Dann ist Vorsicht geboten.