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Cozy Cardio: Herz-Kreislauf-Training ohne Anstrengung – geht das?

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Ohne Schweiß kein Preis. Glaubt man den Versprechungen von Cozy Cardio, dann gilt dieser Grundsatz nicht mehr. Denn dieser neue Fitness-Trend setzt auf Gemütlichkeit statt auf Anstrengung. Doch stärkt Cozy Cardio tatsächlich unser Herz-Kreislauf-System?

Wie Cozy Cardio funktioniert, machen Influencer und Influencerinnen auf Tiktok und Instagram vor. Zunächst geht es darum, eine Wohlfühlatmosphäre herzustellen zum Beispiel mit Kerzen oder Räucherstäbchen. Welche Übungen durchgeführt und wie oft sie wiederholt werden, ist bei Cozy Cardio nicht entscheidend. Wichtig ist vielmehr, dass sich die Bewegung gut anfühlt und einen Ausgleich zum stressigen Alltag schafft. Sehr beliebt ist ein gemächliches Gehen auf einem Ergometer. Gerne darf dabei eine Folge der Lieblingsserie geschaut werden. Aber auch Tanzen zur Lieblingsmusik oder ein Spaziergang mit Podcast im Ohr fällt unter Cozy Cardio. Bewusst wird bei diesem Fitnesstrend darauf verzichtet, an die eigenen Grenzen zu stoßen oder bestimmte Trainingsziele zu erreichen. Und genau hier setzt die Kritik an Cozy Cardio an.

Mehr Cozy als Cardio

„Wer sein Herz-Kreislauf-System wirklich stärken möchte, braucht dazu schon ein Training mit gewisser Belastungsintensität. Dazu müssen große Muskelgruppen durch kontinuierliche oder intervallartige Belastung so lange gereizt werden, bis eine erhöhte Herz- und Atemfrequenz erreicht ist, sonst bleibt eine nachhaltige Wirkung aus“, erklärt Katharina Steinbach, Sportwissenschaftlerin bei der BARMER. Ohne Schweiß und hohem Puls geht es also nicht. Steinbach stört sich vor allem am Namen des Fitness-Trends: „Der Begriff Cardio ist irreführend, denn mit einem kardiovaskulären Training hat dieser Fitness-Trend nichts zu tun.“ Trotzdem möchte die Sportwissenschaftlerin Cozy Cardio nicht vollkommen verteufeln: „Die meisten von uns bewegen sich zu wenig im Alltag und verbringen viel zu viel Zeit im Sitzen. Bewegung ist wichtig, selbst wenn man kein Cardio-Training vollzieht. Und während des Fernsehens auf einem Ergometer zu laufen ist allemal besser als auf dem Sofa zu fläzen.“

Je mehr Bewegung im Alltag, desto besser

Für Menschen, die sich bisher wenig bewegt haben, ist Cozy Cardio also kein schlechter Anfang. Wichtig ist, dass jeder die Sportart findet, die zu ihm oder ihr passt, sei es im Fitness-Studio, auf dem Sportplatz oder zu Hause auf der Yogamatte, egal ob allein oder im Team. Auch kleine zusätzliche Bewegungseinheiten im Alltag haben nachweislich einen gesundheitlichen Effekt. Mal eine Haltestelle früher aussteigen und den Rest des Weges zu Fuß gehen, oder die Treppe statt des Fahrstuhls nehmen, diese Kleinigkeiten sind mindestens genauso wirksam wie Cozy Cardio.
 

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