Gelenkschmerzen, Fieberschübe, Schüttelfrost. Davon möchte niemand auf einer Reise überrascht werden. Die Rede ist vom Chikungunyafieber. Wie andere Tropenerkrankungen auch wird das Virus von Stechmücken übertragen. Und weil sich diese zunehmend auch in Europa niederlassen, wächst die Sorge, dass das Chikungunyafieber auch hierzulande häufiger auftreten wird.
Die Symptome haben dem Virus seinen Namen gegeben. „Chikungunya heißt in einer Lokalsprache Tansanias ‚der gekrümmt Gehende‘. Denn mit der Infektion können so starke Gelenk- und Gliederschmerzen auftreten, dass die Betroffenen kaum mehr aufrecht gehen können“, erklärt Dr. Ursula Marschall, Leitende Medizinerin bei der BARMER. Zu den weiteren Symptomen gehört rasch ansteigendes und hohes Fieber, Kopfschmerzen und Erschöpfung. Auch ein mäßig juckender Hautauschlag, sowie Magen-Darm-Beschwerden sind möglich. „Die Behandlung richtet sich nach den Symptomen. Denn ein Medikament, das gezielt gegen das Chikungunya-Virus wirkt, gibt es nicht,“ sagt Marschall. Der Krankheitsverlauf kann unterschiedlich stark sein. Den meisten Patientinnen und Patienten geht es nach ein bis zwei Wochen wieder gut. In einigen Fällen zieht sich die Genesung über Monate hinweg. Aber auch asymptomatische Verläufe, bei denen die Infizierten keinerlei Beschwerden bemerken, sind möglich. Nach überstandener Krankheit besteht eine lebenslange Immunität.
Jetzt gibt es Impfstoffe
Das Chikungunya-Virus kommt in tropischen und subtropischen Regionen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas vor. Es wird von tagaktiven Stechmücken, wie zum Beispiel der Asiatischen Tigermücke, übertragen, die sich kleine Wasseransammlungen als Brutplatz suchen. „Die gute Nachricht für Reisende, seit vergangenem Jahr gibt zwei Impfstoffe gegen das Chikungunya-Virus“, so die Medizinerin. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat eine Empfehlung für den Lebendimpfstoff Ixchiq und den Totimpfstoff Vimkunva ausgesprochen. Eine einmalige Verabreichung des jeweiligen Impfstoffs mindestens zwei Wochen vor Reiseantritt reicht, damit der Organismus Antikörper aufbaut. Wer in die Risikogebiete reist, sollte sich zusätzlich mit Moskitonetz und Mückensprays vor Mücken schützen, denn diese über tragen auch andere Erkrankungen wie zum Beispiel das Dengue oder auch das Gelbfieber.
Erste Ausbrüche in Spanien, Italien und Frankreich
Laut Robert Koch-Institut kam es im Jahr 2024 weltweit zu rund 620.000 Chikungunya-Erkrankungen mit 213 Todesfällen. Reisende erkranken insgesamt selten an Chikungunya. Bei deutschen Reiserückkehrern wurden 42 Fälle im Jahr 2024 festgestellt. Allerdings gab es in den vergangenen Jahren vermehrt Ausbrüche in Spanien, Italien und Frankreich. Der Klimawandel begünstigt offenbar, dass sich die Stechmücken bis nach Europa ausbreiten. Forscher des Centre for Ecology & Hydrology im britischen Wallingford haben nun vorhandene Daten analysiert, um herauszufinden, welche Mindesttemperaturen für eine Virusübertragung durch Asiatische Tigermücken bestehen müssen. Demnach ist eine Übertragung in einem Bereich von etwa 14 Grad bis 32 Grad Celsius möglich, die optimale Temperatur liegt bei etwa 26 Grad Celsius. Eine Verbreitung sei damit in weiten Teilen Europas vor allem zwischen Juli und August möglich, in südlichen Regionen sogar von Mai bis November. Deutschland wird in der Studie Gebieten mit mittlerem Risiko zugerechnet.