Jeder dritte Erwachsene in Deutschland schläft schlecht. Das hat spürbare Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden. Der Verwaltungsrat treibt konkrete Lösungen voran.
Für besseren Schlaf: Was der Verwaltungsrat möglich macht
Redaktion:
Constanze Löffler (Autorin und Ärztin, Nerdpol – Redaktionsbüro für Medizin- und Wissenschaftsjournalismus)Schlaf ist weder notwendiges Übel noch Luxus für ruhigere Zeiten. Er ist eine biologische Notwendigkeit und die Grundlage für Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Wer dauerhaft zu wenig schläft, spürt das sofort – und langfristig: körperlich, psychisch und im Alltag.
„Schlaf“ ist ebenfalls ein Thema des Verwaltungsrats der Barmer. Ob Menschen nachts wirklich zur Ruhe kommen, hängt stark von den Bedingungen ab, unter denen sie leben und arbeiten, aber auch von ihren Gewohnheiten.
Fünf Mitglieder des Barmer Verwaltungsrats erklären, warum erholsamer Schlaf mehr ist als Privatsache und welche Rolle er für die Gesellschaft hat.
Bildschirme, Melatonin und die innere Uhr
Unser Schlaf-Wach-Rhythmus wird von der inneren Uhr gesteuert, einem Nervenzellknoten tief im Gehirn, der auf Lichtreize reagiert. Bei Dunkelheit gibt er der Zirbeldrüse das Signal, Melatonin auszuschütten. Das Hormon macht schläfrig und senkt die Körpertemperatur.
Abendliches Bildschirmlicht, besonders das blaue Spektrum von Smartphones und Laptops, unterdrückt genau diesen Prozess. Der Körper bleibt im Wachmodus, das Einschlafen verzögert sich, die Schlafqualität sinkt. Wer abends scrollt, signalisiert seinem Gehirn: Noch ist nicht Schluss.
Das Gute: Mit einfachen Ritualen lässt sich Einschlafproblemen gegensteuern. Digitale Gesundheitsangebote können hier Teil der Lösung sein, wenn sie klug eingesetzt werden. Nicht jede App ist gleich, aber gut gemachte Angebote wie die 7Mind-App helfen dabei, abends wirklich runterzukommen: mit Minimeditationen, Atemübungen und Entspannungstechniken, die den Körper in den Schlafmodus bringen.
Was im Körper passiert, während wir schlafen
Schlaf ist keine passive Pause. Er ist das wichtigste Regenerationsprogramm, das unser Körper kennt. Jede Nacht durchlaufen wir vier bis fünf Schlafzyklen von je zwei Stunden. Im Tiefschlaf speichert das Gehirn Gelerntes, schüttet Wachstumshormone aus und erneuert Zellen. Im REM-Schlaf verarbeitet es Emotionen, festigt Bewegungsabläufe und sortiert den Tag. Nebenbei tankt das Immunsystem auf.
Kein Wunder, dass dauerhaft schlechter Schlaf so viele Spuren hinterlässt: Wer jahrelang weniger als sechs Stunden schläft, hat laut einer Studie der Universität Warwick ein um 48 Prozent erhöhtes Herzinfarktrisiko und ein um 15 Prozent erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall. Dazu kommen gestörter Hormonhaushalt, mehr Hunger und ein steigendes Diabetesrisiko.
Die gute Nachricht: Eine einzelne schlechte Nacht macht unseren Körper nicht gleich kaputt. Verhindern lässt sich dauerhafter Schlafmangel mit einem stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus – auch am Wochenende. Kein Bildschirmlicht in der letzten Stunde vor dem Zubettgehen. Eine Abendroutine, die dem Körper sagt: Feierabend, jetzt wirklich. Solche kleinen Stellschrauben, die das Verhalten ändern wirken laut Studien bereits nach wenigen Wochen.
Schlaf und Arbeit: Ein unterschätzter Zusammenhang
Vier von fünf Beschäftigten schlafen schlecht. Das zeigen Erhebungen zur Schlafgesundheit in Deutschland. Besonders hart trifft es Menschen im Schichtdienst: Sie kommen im Schnitt auf deutlich weniger Schlaf als alle anderen.
Jährlich gehen in Deutschland dadurch rund 200.000 Arbeitstage verloren, was einer Wirtschaftsleistung von etwa 60 Milliarden Euro entspricht. Und das erfasst nur die Fehlzeiten. Wer zwar im Büro sitzt, aber erschöpft ist, taucht in dieser Rechnung nicht auf. Was das umgekehrt bedeutet, ist ebenso gut belegt: Ausgeruhte Beschäftigte machen weniger Fehler, sind konzentrierter und fallen seltener krankheitsbedingt aus.
Betriebliches Gesundheitsmanagement, das Schlaf ernst nimmt, zahlt sich also doppelt aus. Die Barmer unterstützt Unternehmen dabei mit konkreten BGM-Angeboten: von der betrieblichen Analyse über digitale Kurse zum Stressabbau bis hin zu Vor-Ort-Programmen.
Den eigenen Rhythmus zurückfinden
Ob jemand von Natur aus Frühaufsteher oder Nachteule ist, liegt in den Genen. Aber selbst wer seinen Rhythmus kennt, kommt in bestimmten Lebensphasen kaum dazu, ihn zu leben. Gerade zwischen Anfang zwanzig und Mitte vierzig kollidiert der eigene Biorhythmus mit dem, was das Umfeld braucht oder fordert: Karriereleiter, Kinderbetreuung, Hausbau. Einfache Hacks wie Meditationen oder die progressive Muskelentspannung können dann zum Life-Changer werden.
Der perfekte Schlafhythmus? Scheitert oft am echten Leben. Eine Abendroutine mit entspannenden Ritualen kann helfen.
Mindestens sieben Stunden Schlaf sollten das langfristige Ziel sein. Denn: In einer Langzeitstudie hatten die Menschen die längste Lebenserwartung, die im Schnitt sieben bis acht Stunden pro Nacht schliefen. Manchmal braucht es auch einfach einen Reset, um wieder in einen gesunden Schlafrhythmus zu finden.
Barmer Leistungen rund um Entspannung & Schlaf
Auf 106 Milliarden Euro jährlich allein in Deutschland beziffert eine aktuelle Studie im European Journal of Neurology die volkswirtschaftlichen Kosten von Schlafstörungen. Mit über 1.200 Euro pro Kopf landet Deutschland auf einem wenig schmeichelhaften vierten Platz unter 30 erforschten Hochlohnländern. Und das ist noch die konservative Schätzung: Wer zwar zur Arbeit erscheint, aber nur auf Sparflamme läuft, ist in dieser Rechnung noch gar nicht vollständig erfasst.
Der Barmer Verwaltungsrat hat deshalb gehandelt und unterstützt ein umfassendes Leistungsangebot für Versicherte rund um Entspannung und Schlaf. Ein Beispiel: Der kostenfreie 7-Tage-Meditationsguide. Der Guide hilft mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen Meditationen im Alltag zu etablieren.
Schlaf ist auch eine Frage der Rahmenbedingungen
Fünf Menschen, fünf Perspektiven – und ein gemeinsamer Nenner: Ob wir gut schlafen, hängt nicht nur von uns selbst ab. Es hängt davon ab, wie Arbeit organisiert ist, wie viel Zeit Familien haben, wie gut Prävention funktioniert. Schlaf ist damit weit mehr als eine Frage der Schlafhygiene. Er ist ein Spiegel dafür, wie eine Gesellschaft mit ihren Menschen umgeht.
Der Verwaltungsrat der Barmer hat dabei einen besonderen Blickwinkel: Er sitzt an beiden Enden des Tisches. Mit Versicherten, die nachts nicht abschalten können und auf Dauer krank werden. Und als Arbeitgeber, der weiß, was die Folgen von dauerhaftem Schlafmangel kosten. Der Verwaltungsrat der Barmer tritt an in der Überzeugung, dass sich beides nicht widerspricht, sondern dass gesunde Menschen und ein gesundes System zwei Seiten derselben Medaille sind.