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Jedes 6. Kind wiegt zu viel: Das tut der Verwaltungsrat dagegen

Lesedauer weniger als 6 Min

Redaktion:

Kathrin Schwarze-Reiter (Medizinjournalistin, Nerdpol – Redaktionsbüro für Medizin- und Wissenschaftsjournalismus)

3 Gründe, warum der Verwaltungsrat Ernährung zur Priorität macht

Karussell mit 3 Elementen
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Weil Gewohnheiten früh entstehen

Ernährungsgewohnheiten entstehen früh, in Familie, Kita und Grundschule. Wer von Anfang an lernt, gesund zu essen, trägt dieses Wissen oft ein Leben lang mit sich – und bleibt häufiger gesund. 
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Weil Ernährungswissen oft fehlt

Nur etwa jeder Zehnte fühlt sich im Umgang mit gesunder Ernährung wirklich sicher – um das zu ändern, unterstützt der BARMER Verwaltungsrat die Initiativen „Ich kann kochen“ und Familienküche.
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Weil Prävention Millionen erreicht

Seit 2015 hat die Initiative „Ich kann kochen!" von BARMER und Sarah Wiener Stiftung über 1,8 Millionen Kinder erreicht und mehr als 36.000 pädagogische Fachkräfte ausgebildet.

Jedes sechste Kind in Deutschland ist übergewichtig. Nur jede zehnte Person fühlt sich bei gesunder Ernährung wirklich sicher. Und trotzdem: 91 Prozent der Eltern wollen ihren Kindern Ernährungskompetenz vermitteln. Die Lücke zwischen Wollen und Wissen ist groß. Der Barmer Verwaltungsrat arbeitet daran, sie zu schließen.

Die wahren Gründe hinter ungesunder Ernährung

Eigentlich sollte Essen das Einfachste der Welt sein: Hunger haben, etwas zubereiten, essen, satt sein. Doch für viele Familien in Deutschland ist die tägliche Ernährung ein Stressfaktor.

Die Gründe dafür sind vielfältig und hängen eng miteinander zusammen. 

  • An erster Stelle: die Zeit. Beide Elternteile arbeiten, die Kinder kommen erschöpft aus der Schule, der Nachmittag ist vollgepackt mit Sport, Hausaufgaben, Terminen. Wer soll da noch frisch kochen? Fertigprodukte, Lieferdienste und die Tiefkühlabteilung des Supermarkts bieten schnelle Lösungen. Sie sind bequem und erschwinglich, aber meistens alles andere als nahrhaft und gesund.
  • Zweiter Grund ist das Wissen. Laut aktuellen Befragungen fühlen sich nur etwa ein Zehntel aller Menschen wirklich sicher im Umgang mit gesunder Ernährung. Wie viel Zucker steckt eigentlich in einem Fruchtjoghurt? Was bedeutet „vollwertig"? Welche Fette sind gut, welche schaden eher? Die Ernährungswissenschaft liefert ständig neue Erkenntnisse und erzeugt damit auch neue Verunsicherung. Hinzu kommen widersprüchliche Botschaften aus sozialen Medien, Werbung und gut gemeinten Ratschlägen aus dem Bekanntenkreis.
  • Dritter Grund: die Gewohnheiten. Was Menschen essen, ist zutiefst kulturell und emotional aufgeladen. Wer als Kind keine abwechslungsreiche Küche kennengelernt hat, wird sie als Erwachsener selten noch entdecken. Ernährungsmuster werden früh geprägt: in der Familie, im Kindergarten, in der Schule. Und sie sind, einmal etabliert, schwer zu verändern.

Das Ergebnis ist paradox: In einem der reichsten Länder der Welt mit einem der vielfältigsten Lebensmittelangebote überhaupt ernähren sich viele Menschen – und besonders viele Kinder – schlechter als nötig.
 

Die stille Epidemie: Adipositas bei Kindern

Die Folgen sind längst messbar. Übergewicht und Adipositas bei Kindern sind in Deutschland keine Randerscheinung mehr. Sie sind ein ernstes Gesellschaftsproblem. Nach Daten des Robert Koch-Instituts ist etwa jedes sechste Kind in Deutschland übergewichtig, rund sechs Prozent sind adipös. Hinter diesen Zahlen stecken individuelle Schicksale: Kinder, die auf dem Schulhof gehänselt werden. Kinder, die sich in ihrem Körper nicht mehr wohlfühlen. Kinder, bei denen schon früh Blutdruck und Blutzucker aus dem Ruder geraten.

Adipositas im Kindesalter ist kein vorübergehendes Problem, das sich „verwächst". Studien zeigen, dass übergewichtige Kinder mit hoher Wahrscheinlichkeit auch als Erwachsene übergewichtig bleiben – mit allen gesundheitlichen Konsequenzen: Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkprobleme, psychische Belastungen. Die Weichen werden früh gestellt.

Und die soziale Dimension macht das Problem noch drängender: Übergewicht ist in Deutschland ungleich verteilt. Kinder aus einkommensschwächeren Haushalten, aus Familien mit Migrationshintergrund oder aus strukturschwachen Regionen sind deutlich häufiger betroffen. Hier spielt nicht nur die Ernährung eine Rolle, sondern auch Stress, beengte Wohnverhältnisse, mangelnder Zugang zu Bewegung und – wieder – fehlendes Wissen.
 

Deshalb handelt der Verwaltungsrat der Barmer

Wer Krankheiten verhindern will, muss früh ansetzen. Das klingt simpel, ist im deutschen Gesundheitssystem aber noch längst nicht überall gelebte Realität. Prävention kostet Geld und ihr Nutzen zeigt sich mitunter erst Jahre oder Jahrzehnte später. Das macht sie politisch unbequem.

Umso wichtiger ist ein Gremium, das diesen langen Atem hat: der Verwaltungsrat der Barmer. Als oberstes Selbstverwaltungsorgan der Krankenkasse gestaltet er die strategische Ausrichtung und hat sich klar positioniert: Prävention ist kein nice to have, sondern Kernauftrag. Gesundheitsförderung beginnt nicht in der Arztpraxis, sondern direkt in der Lebenswelt der Menschen.

Sylvi Krisch, Vorsitzende des Verwaltungsrats der Barmer, hat das Thema Ernährung selbst auf die Agenda gesetzt. Die Berlinerin, selbst Mutter, weiß: Gute Absichten allein reichen nicht.

Dass hinter dieser Verantwortung auch medizinische Evidenz steht, betont Dr. Elke Schöne-Plaumann, Fachärztin für Allgemein- und Sozialmedizin und Mitglied im Barmer Verwaltungsrat.

„Ich kann kochen!": Schneiden, rühren, probieren

Seit 2015 setzt die Barmer gemeinsam mit der Sarah Wiener Stiftung diesen Ansatz in die Praxis um – mit der Initiative „Ich kann kochen!", der größten bundesweiten Ernährungsinitiative für Kinder.

Die Zahlen sprechen für sich:

  • Über 1,8 Millionen Kinder wurden bislang erreicht.
  • Mehr als 36.000 pädagogische Fachkräfte wurden als „Genussbotschafter" ausgebildet.
  • Das Programm wird in Kitas und Grundschulen im gesamten Bundesgebiet umgesetzt.

Das Konzept ist bewusst nicht wie ein Frontalunterricht in der Schule gestaltet. Im Mittelpunkt stehen das Erleben und Mitmachen: Kinder entdecken Lebensmittel mit allen Sinnen, schneiden, rühren, probieren und entwickeln dabei ganz nebenbei ein Gespür für Geschmack, Zutaten und den eigenen Körper. Verbote gibt es nicht. Stattdessen: Neugier, Freude und das Erfolgserlebnis, selbst etwas zubereitet zu haben.

Wenn Kinder beim Kochen mitmachen, essen sie mehr Obst und Gemüse und probieren eher Neues aus.

Wenn Kinder beim Kochen mitmachen, essen sie mehr Obst und Gemüse und probieren eher Neues aus.

Kinder lernen anders als Erwachsene. Sie brauchen keine Ernährungspyramiden und keine Kalorientabellen. Sie brauchen das direkte Erleben. Wenn ein Kind selbst eine Möhre schält, riecht und isst, die es kurz vorher noch abgelehnt hätte, dann entwickelt sich ein anderes Verhältnis zu Nahrung.

Die Familienküche: Praktische Hilfe für den Alltag

Nicht alle Kinder haben das Glück, in einer Kita oder Schule mit engagierten Genussbotschafterinnen und -botschaftern zu lernen. Und nicht alle Eltern haben die Zeit, sich ausgiebig mit gesunder Ernährung zu befassen. Für genau diese Realität hat die Barmer die Familienküche mitentwickelt: ein digitales Angebot, das nicht überfordert, sondern ermutigt.

Ein kleiner Junge isst Rohkost-Gemüse

Selbst entdeckt, selbst probiert: Kinder können früh Freude an gesunder Ernährung entwickeln.

Was steckt drin?

  • Einfache Rezepte, die auch dann gelingen, wenn man nur 20 Minuten Zeit hat
  • Schritt-für-Schritt-Videos, die keine Vorkenntnisse voraussetzen
  • Wochenpläne und Einkaufslisten, die den Alltag strukturieren
  • Tipps für „picky eaters", also für Kinder, die zum Beispiel partout kein Gemüse essen wollen 

Die Botschaft dahinter: Gesund essen muss nicht kompliziert sein. Und es gibt Hilfe, um eine gesunde Ernährung zu lernen.

Ernährungskompetenz ist eine Frage der Gerechtigkeit

Am Ende ist Ernährungskompetenz keine rein medizinische Frage. Sie ist auch eine Frage der Chancengerechtigkeit. Kinder aus einkommensschwächeren Haushalten haben seltener die Möglichkeit, abwechslungsreiches, frisch gekochtes Essen kennenzulernen. Sie wachsen häufiger mit Fertigprodukten auf, haben seltener Zugang zu Kochkursen, und ihre Eltern stehen unter einem zeitlichen Druck, der wenig Raum für ausgedehnte Mahlzeiten lässt. Außerdem müssen sie aus Kostengründen sogar die ein oder andere Mahlzeit auslassen.

Der Verwaltungsrat der Barmer setzt auf eine klare Linie: Prävention ist kein Selbstzweck. Sie ist eine Investition: in Gesundheit, in Chancen, in eine Gesellschaft, in der es weniger darauf ankommt, in welcher Familie man aufgewachsen ist.

Weiterführende Informationen

Quellen