Berichte von den Sitzungen des Verwaltungsrats und wichtigen Veranstaltungen
GKV-Finanzreform: Kurzfristig sparen, dann strukturell reformieren
Barmer-Verwaltungsrat kritisiert aktuelle populistische Diskussionen über Leistungskürzungen zur Rettung der Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).
Statt Patientinnen und Patienten zusätzlich zu belasten, müssen in einem ersten Schritt alle Leistungserbringer ihren Beitrag zur Konsolidierung der GKV-Finanzen leisten.
Milliardenschwere versicherungsfremde Leistungen gehören gesamtgesellschaftlich auskömmlich finanziert. Die finanzielle Überforderung der Beitragszahlenden muss ein Ende haben.
Mittel-, bis langfristig können nur tiefgreifende Strukturreformen gemeinsam mit einer fairen Gesamtfinanzierung durch Kassen und Bund zum Erhalt einer stabilen, leistungsfähigen und bezahlbaren Gesundheitsversorgung beitragen.
„Um die finanzielle Stabilität der Gesetzlichen Krankenversicherung kurzfristig zu sichern, erwarten wir einen spürbaren Sparbeitrag aller Leistungserbringer. Die Gesetzliche Krankenversicherung leidet nicht unter zu geringen Einnahmen, sondern unter chronischen Ausgabensteigerungen“, erklärt Sylvi Krisch, Vorsitzende des Barmer-Verwaltungsrats.
Angesichts der bevorstehenden Vorstellung des ersten Berichts der FinanzKommission Gesundheit zur kurzfristigen Konsolidierung der GKV-Finanzen fordert der Barmer-Verwaltungsrat ein zeitnah wirkendes Sparpaket, das alle Leistungserbringer betrifft. „Die gesetzliche Krankenversicherung leidet nicht unter zu geringen Einnahmen, sondern unter chronischen Ausgabensteigerungen. Populistische Debatten über höhere Zuzahlungen oder Leistungskürzungen zulasten der Versicherten gehen klar am Kernproblem vorbei. Wir brauchen als erstes einen spürbaren Sparbeitrag der Leistungserbringer, um die davon galoppierenden Ausgaben kurzfristig in den Griff zu kriegen. Im Laufe des Jahres müssen dann Vorschläge für tiefgreifende Strukturreformen diskutiert werden“, erklärt Sylvi Krisch, Vorsitzende des Barmer-Verwaltungsrats.
Strukturreformen für die GKV
Um die finanzielle Stabilität der gesetzlichen Krankenversicherung dauerhaft zu sichern seien tiefgreifende Veränderungen im Gesundheitswesen nötig, um Ausgaben und Einnahmen auf lange Sicht wieder in ein Gleichgewicht zu bringen und zugleich die Versorgungsqualität zu verbessern, betont Krisch. Über viele Jahre hinweg stiegen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung fast doppelt so stark wie die Einnahmen – ohne dass die Gesundheitsversorgung in Deutschland qualitativ besser sei als in vergleichbaren Industrienationen. „Reformen in allen Leistungsbereichen für mehr Effizienz sind das eine. Sie müssen aber dringend mit einem spürbaren Qualitätssprung in der medizinischen Versorgung einhergehen“, so Krisch.
Etablierung eines Primärversorgungssystems erforderlich
„Es gilt, Strukturen zu etablieren, die Patientinnen und Patienten geordnet und priorisiert nach Dringlichkeit, Schwere und therapeutischen Möglichkeiten in die jeweils passende Versorgung führen“, so Sylvi Krisch, Vorsitzende des BarmerVerwaltungsrats. Voraussetzung hierfür ist der Aufbau eines leistungsfähigen Primärversorgungssystems, in dem die verschiedenen medizinischen Berufsgruppen enger zusammenarbeiten. Hausund Fachärzte müssen zukünftig weit stärker mit anderen Berufsgruppen wie Pflegekräften, Community Health Nurses, Advanced Nurse Practitioners und Physician Assistants kooperieren und sich mit anderen Leistungserbringern im System vernetzen. Ein gut organisiertes Primärversorgungssystem nutzt die Kompetenzen verschiedener Berufe und entlastet die anderen Versorgungsebenen.
Vom Primärversorgungssystem profitiert auch der stationäre Sektor
Ein gut organisiertes Primärversorgungssystem kommt auch den nachgelagerten Versorgungsebenen zugute, insbesondere dem Krankenhaussektor. Dort bedarf es weiterer Strukturreformen hin zu weniger, dafür jedoch leistungsfähigen Kliniken. Vor diesem Hintergrund darf die Notfallreform mit einem funktionierenden, standardisierten Ersteinschätzungssystem nicht länger aufgeschoben werden. Dieses ist sowohl für die Koordination von Notfällen als auch von Akutfällen unverzichtbar.
Faire Finanzierung versicherungsfremder Leistungen
Neben mehr Effizienz und Qualität brauche es einen fairen und verlässlichen finanziellen Ausgleich für die milliardenschweren versicherungsfremden Leistungen, die bislang überproportional von den Beitragszahlenden getragen würden. Dazu zählt unter anderem die Finanzierung der Krankenversicherung für Bürgergeldempfangende, für die die GKV sachfremd rund zehn Milliarden Euro pro Jahr aufwenden muss, weil der Finanzierungsanteil des Bundes nur rund ein Drittel der Gesamtausgaben deckt. „Diese Aufgaben müssen in Zukunft ausnahmslos gesamtgesellschaftlich geschultert werden“, fordert Krisch.
Digitale Gesundheitsangebote – Wertvolle Mehrwerte für Barmer-Versicherte
Der Verwaltungsrat der Barmer bewertet digitale Gesundheitsangebote grundsätzlich positiv und sieht sie als wichtigen Bestandteil moderner Versichertenservices. Die Barmer bietet ihren Versicherten ein breites Spektrum an kostenfreien digitalen Gesundheitsangeboten, die über die App „Meine Barmer“ oder spezielle Partnerplattformen zugänglich sind. Highlights sind die 7Mind-App (Meditation), Gymondo (Fitness), Kurse von GLÜCKSMAMA für junge Mütter, die Videosprechstunde sowie ein Bonusprogramm, das gesunde Aktivitäten finanziell belohnt.
Ethische Herausforderungen bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen
Die Barmer übernimmt bei der Digitalisierung und beim Einsatz Künstlicher Intelligenz ganz bewusst Verantwortung - weit über gesetzliche Vorgaben hinaus. Der technologische Fortschritt der vergangenen Jahre ist enorm. Auch im Gesundheitswesen: Menschen buchen Arzttermine per App und verwalten ihre Gesundheitsdaten digital. Herzschrittmacher senden Herzdaten automatisch an die behandelnde Praxis. Künstliche Intelligenz unterstützt bei Diagnosen und erkennt Risiken frühzeitig. Mit den Vorteilen, die diese neuen Technologien bieten, wachsen auch die Herausforderungen, insbesondere ethischer Art. KI-Systeme treffen Entscheidungen, deren Grundlage nicht immer transparent ist. Verzerrte Datensätze können zu diskriminierenden Ergebnissen führen. Der Verwaltungsrat einer der größten Krankenkassen Deutschlands setzt sich deshalb für eine verantwortungsvolle Nutzung neuer Technologien ein. Die Barmer gestaltet Veränderung aktiv mit und arbeitet an einer Digitalisierung, die zur Gesundheit aller Menschen beiträgt und niemanden außen vorlässt. Die Barmer stärkt die digitale Souveränität ihrer Versicherten, fördert die KI- und Digitalkompetenz ihrer Mitarbeitenden und prüft neue Anwendungen auf ihren Nutzen und ihre Fairness. Sie übernimmt damit Verantwortung – für die Versicherten, die Mitarbeitenden und ein gesundes Leben in einer digitalisierten Welt.
Unterstützung durch den Barmer Pflegekompass
Der Barmer-Verwaltungsrat sieht den Pflegekompass als wichtiges Instrument, um Versicherte und ihre Angehörigen besser durch das komplexe System der Pflegeleistungen zu führen. Mit dem Barmer Kompass besitzt die Barmer ein Alleinstellungsmerkmal in Sachen Transparenz: Er macht bei Leistungsprozessen die Kommunikation mit der Krankenkasse, den aktuellen Bearbeitungsstatus und die Entscheidungen einsehbar und verständlich.
Der Barmer Pflegekompass unterstützt Pflegebedürftige und deren Angehörige in der Pflege. Er ist seit Dezember 2024 als digitales Format abrufbar über die App Meine Barmer.
Er liefert Transparenz über die Pflegeleistungen:
- So besteht jederzeit die Möglichkeit, den Bearbeitungsstand von Anträgen zu sichten.
- Der Pflegekompass gibt einen Überblick über regelmäßige, laufende Zahlungen.
- Versicherte erhalten Übersicht über ein vorhandenes Pflegebudget.
- Der Pflegekompass wird stetig nach den Kundenbedürfnissen weiterentwickelt.
Bereits in den Jahren zuvor hatte die Barmer den Kompass sukzessive erweitert. Damit werden persönliche Geschäftsstellenbesuche, Anrufe oder herkömmlicher Briefverkehr zunehmend hinfällig. Der Barmer Kompass ist Bestandteil des persönlichen Mitgliederbereichs Meine Barmer auf der Website barmer.de sowie im Hauptmenü der Barmer-App. Er steht allen Versicherten exklusiv zur Verfügung.