Ob auf TikTok, Instagram oder YouTube. Gesundheitstipps sind nur einen Klick entfernt. Doch nicht jede Empfehlung ist seriös oder medizinisch sinnvoll. Wie sich verlässliche Informationen von gefährlichen Halbwahrheiten unterscheiden lassen und worauf Verbraucher achten sollten, zeigt dieser Ratgeber.
Ein kurzer Videoclip verspricht schnelle Hilfe gegen Kopfschmerzen. Eine Influencerin schwört auf hoch dosierte Vitamine. Ein vermeintlicher Arzt empfiehlt ein pflanzliches Präparat gegen Bluthochdruck. Gesundheitsinformationen verbreiten sich in sozialen Netzwerken rasant. Doch nicht alles, was überzeugend klingt oder millionenfach angesehen wurde, ist auch medizinisch korrekt. Im schlimmsten Fall können falsche Empfehlungen sogar gesundheitliche Folgen haben. „Viele Menschen informieren sich heute zuerst im Internet und erst danach in der Arztpraxis oder Apotheke. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Entscheidend ist jedoch, die Qualität der Informationen richtig einordnen zu können“, sagt Dr. André Breddemann, Apotheker und Leiter der Abteilung Arzneimittel bei der BARMER.
Nicht jede Empfehlung passt zu jedem Menschen
Medikamente wirken niemals nach dem Prinzip einer Patentlösung. Alter, Vorerkrankungen, Allergien oder andere Arzneimittel können entscheidend dafür sein, ob ein Präparat geeignet ist oder nicht. Was der einen Person geholfen hat, kann bei einer anderen wirkungslos sein oder sogar schaden. Gerade kurze Videos vermitteln häufig den Eindruck, dass es für jedes gesundheitliche Problem eine einfache Lösung gibt. Die individuelle Situation bleibt dabei meist unberücksichtigt. „Gesundheit ist immer individuell. Deshalb können allgemeine Empfehlungen aus sozialen Netzwerken niemals eine persönliche Beratung ersetzen“, erklärt Dr. Breddemann.
Vorsicht bei Wundermitteln und Heilversprechen
Besondere Skepsis ist angebracht, wenn Produkte als wahre Alleskönner präsentiert werden. Formulierungen wie „heilt garantiert“, „wirkt sofort“, „die Pharmaindustrie will nicht, dass Sie das wissen“ oder „100 Prozent natürlich und ohne Nebenwirkungen“ sollten Konsumenten misstrauisch machen. Auch Nahrungsergänzungsmittel werden häufig mit Versprechen beworben, die wissenschaftlich nicht ausreichend belegt sind. Manche Präparate enthalten zudem Wirkstoffe in Dosierungen, die Wechselwirkungen mit Medikamenten verursachen können.
Wer steckt hinter dem Gesundheitstipp?
Ein professionell produziertes Video sagt nichts über die fachliche Kompetenz der Person aus. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick. Hilfreiche Fragen beim Zuschauenden können lauten…
• Ist die Person tatsächlich medizinisch ausgebildet?
• Werden Quellen im Beitrag oder den Shownotes genannt?
• Werden Nutzen und Risiken gleichermaßen erklärt?
Kann eine dieser Fragen nicht mit Ja beantwortet werden, oder steht Werbung und Verkaufsabsicht klar erkennbar im Vordergrund, lohnt sich eine zweite Meinung.
Seriöse Informationen finden
Verlässliche Gesundheitsinformationen stammen in der Regel von öffentlichen Einrichtungen, medizinischen Fachgesellschaften, Krankenkassen oder wissenschaftlich arbeitenden Institutionen. Auch die persönliche Beratung in der Apotheke bleibt eine wichtige Anlaufstelle, wenn Unsicherheiten bestehen oder Fragen zu Arzneimitteln auftauchen. Gerade bei rezeptfreien Medikamenten kann eine kurze Rückfrage helfen, unnötige Risiken zu vermeiden. Das gilt besonders dann, wenn bereits andere Arzneimittel eingenommen werden oder chronische Erkrankungen bestehen. „Eine gute Gesundheitsinformation macht keine Angst und verspricht keine Wunder. Sie informiert sachlich, erklärt Chancen und Grenzen einer Behandlung und empfiehlt bei Unsicherheiten den persönlichen Rat von medizinischem Fachpersonal“, fasst Dr. André Breddemann zusammen. So gilt auch im digitalen Zeitalter eine einfache Regel. Je spektakulärer ein Gesundheitstipp klingt, desto genauer sollte man ihn prüfen. Denn bei Arzneimitteln zählt nicht die Zahl der Klicks, sondern die Qualität der Informationen.