Rötet sich die Haut nur kurz oder steckt mehr dahinter? Gerade im Winter reagieren viele Menschen mit Juckreiz und Ausschlag. Doch wann ist das harmlos und wann ein Warnsignal für eine ernstzunehmende Hauterkrankung wie Neurodermitis? Dieser Artikel hilft, die Unterschiede einzuordnen.
Vielen kennen das. Die Haut spannt, juckt, rötet sich oder schuppt, besonders in der kalten Jahreszeit. Doch nicht jeder Hautausschlag ist gleich eine Erkrankung der Haut. Gleichzeitig sollten manche Hautveränderungen aber durchaus ernst genommen werden. Wie also lässt sich unterscheiden, ob es sich um eine harmlose Reaktion oder um eine behandlungsbedürftige Hauterkrankung handelt?
Was ist ein „einfacher“ Hautausschlag?
Ein Hautausschlag ist zunächst eine sicht- oder spürbare Reaktion der Haut auf äußere oder innere Reize. Typische Auslöser sind Kälte, trockene Heizungsluft, neue Pflegeprodukte, Waschmittel, Stress oder Infekte. „Die Haut ist unser größtes Schutzorgan und reagiert sehr sensibel auf Veränderungen ihrer Umgebung. Vor allem im Winter verliert sie viel Feuchtigkeit und ihre Barrierefunktion wird geschwächt“, erklärt Dr. Utta Petzold, Dermatologin der BARMER. Solche Reaktionen sind meist zeitlich begrenzt, verbessern sich durch rückfettende Pflege und verschwinden oft von selbst, sobald der Auslöser wegfällt.
Wann spricht man von einer Hauterkrankung?
Von einer Hauterkrankung sprechen Ärztinnen und Ärzte, wenn die Symptome wiederholt auftreten, länger anhalten oder sich verschlimmern. Häufig kommen starker Juckreiz, nässende Stellen, Krustenbildung oder schmerzhafte Risse hinzu. „Ein wichtiges Warnsignal ist, wenn Betroffene immer wieder an denselben Hautstellen Probleme entwickeln oder sich der Ausschlag trotz Pflege nicht bessert“, so Petzold.
Beispiel Neurodermitis: Häufig, aber nicht immer die Ursache
Gerade im Winter ist Neurodermitis (atopische Dermatitis) ein großes Thema. Kälte und trockene Luft wirken hier als starke Trigger. Dabei ist nicht jeder juckende Ausschlag während der kalten Jahreszeit automatisch eine Neurodermitis. Typisch dafür sind ein sehr trockener Hautzustand, quälender Juckreiz, schubweiser Verlauf und oft betroffene Beugen von Armen und Knien. „Auch die genetische Disposition kann ein Hinweis sein“, betont die Expertin. „Wenn Neurodermitis, Asthma oder Heuschnupfen in der Familie vorkommen, steigt das Risiko deutlich,“ so Petzold.
Weitere Beispiele für Hauterkrankungen
Neben der Neurodermitis gibt es zahlreiche weitere Hauterkrankungen, die sich zunächst wie ein gewöhnlicher Ausschlag anfühlen können. Eine Kontaktdermatitis entsteht etwa durch den direkten Kontakt mit reizenden oder allergieauslösenden Stoffen wie Nickel, Duft- oder Konservierungsstoffen und zeigt sich häufig genau an der Berührungsstelle. Die Psoriasis, auch Schuppenflechte genannt, ist dagegen eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die durch klar abgegrenzte, gerötete Hautareale mit silbrig-weißen Schuppen auffällt. Die Rosazea betrifft vor allem das Gesicht und äußert sich durch anhaltende Rötungen, sichtbare Äderchen sowie entzündliche Knötchen oder Pusteln; Hitze, Kälte, Alkohol oder Stress können die Symptome verstärken. Pilzinfektionen der Haut erkennt man oft an scharf begrenzten, sich langsam ausbreitenden Veränderungen, die unbehandelt meist nicht von selbst abheilen.
Wann sollte man handeln?
„Nicht jede Hautveränderung erfordert sofort ärztliche Abklärung, doch es gibt klare Warnzeichen. Hält ein Hautausschlag länger als zwei Wochen an oder verschlechtert sich trotz Pflege, sollte fachlicher Rat eingeholt werden“, so Dr. Utta Petzold. Auch starker Juckreiz, der den Schlaf beeinträchtigt, nässende oder schmerzhafte Stellen sowie begleitende Symptome wie Fieber sind ernst zu nehmen. Besonders bei Kindern und Säuglingen ist Vorsicht geboten. Hier empfiehlt sich eine frühzeitige dermatologische Abklärung, um mögliche Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.