Presse-Newsletter – Gesundheit im Blick

Schmerz und Versteifung – Was steckt hinter der Frozen Shoulder?

Lesedauer weniger als 4 Min

Zunächst kommen Schmerzen, dann lassen sich die Arme nur noch sehr eingeschränkt bewegen. Rund zwei bis fünf Prozent der Menschen in Deutschland leiden im Lauf ihres Lebens an einer Frozen Shoulder. Was sind die Ursachen dieser Erkrankung und wie wird sie behandelt?

Ein Hoch auf unsere Schultern. Sie sind ein Wunderwerk. Zahlreiche Muskeln, Bänder, Sehnen, Schleimbeutel und Knochen arbeiten auf sehr engem Raum zusammen und ermöglichen uns vielseitige Armbewegungen in alle Richtungen. „Gerade weil unsere Schulter ein so komplexes Konstrukt ist, können Beschwerden verschiedene Ursachen haben“, sagt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der BARMER.

Schulterbeschwerden können viele Ursachen haben

Eine Nacht in ungünstiger Schlafposition ist noch eine vergleichsweise harmlose Ursache für Schulterbeschwerden, die im besten Fall bald von alleine wieder abklingen. Wie alle Gelenke können die Schultern auch von Arthrose, also einem Gelenkverschleiß, betroffen sein. Häufig ist es auch die Muskulatur um die Schulter herum, die sogenannte Rotatorenmanschette, die Schmerzen verursacht, zum Beispiel wenn Sehnenfasern ganz oder teilweise reißen oder mit Kalk eingelagert sind. Diese Umstände können alters- oder verletzungsbedingt auftreten.

So erkennen Orthopäden eine Frozen Shoulder

„Trotz der vielen Arten von Schulterbeschwerden, erkennen erfahrene Orthopäden eine Frozen Shoulder meist schnell“, sagt Marschall. Mediziner unterscheiden zwischen der primären Schultersteife, die ohne Vorerkrankungen auftritt, und der sekundäre Schultersteife, bei der Verletzungen oder Operationen in der Vergangenheit eine Rolle spielen. „Typisch vor allem für die primäre Schultersteife ist, dass die Bewegung der Schulter in wirklich alle Richtungen eingeschränkt ist.“ Das gelte sowohl für aktive Bewegungen als auf für passive, also wenn der Arm von einer anderen Person geführt wird. Um andere Ursachen wie Sehnenrisse oder Arthrose auszuschließen, kann außerdem ein MRT durchgeführt werden. Auch am Verlauf der Symptome lässt sich eine Frozen Shoulder erkennen.

Krankheitsverlauf in drei Phasen

Der Krankheitsverlauf der Forzen Shoulder lässt sich in drei Phasen einteilen. Die Einfrierphase beginnt mit leichten Schmerzen, die stärker werden und dann auch im Ruhezustand und nachts auftreten. Wenn die Schulter immer unbeweglicher wird, ist die Gefrorene Phase eingetreten „Bei manchen Patienten ist die Bewegungsfähigkeit so stark eingeschränkt, dass selbst alltägliche Verrichtungen, wie Anziehen oder Haare kämmen zur Herausforderung werden“, sagt Marschall. Die Schmerzen seien in dieser Phase allerdings nicht mehr so stark. Die gute Nachricht ist, dass eine Frozen Shoulder in der so genannten Auftauphase von alleine heilt. Die Symptome bilden sich dann zurück und die Schulter wird allmählich wieder beweglich. Allerding kann es Monate bis Jahre dauern, bis diese Phase eintritt. Betroffene wünschen sich daher eine effektive Behandlung.

Kortison gegen Schmerzen, Physiotherapie gegen Versteifung

„Erstes Mittel der Wahl gegen starke Schmerzen ist Kortison“, sagt Marschall. Statt Tabletten zu verordnen, verabreichen viele Ärztinnen und Ärzte das Kortison als Spritze direkt ins Gelenk. So bleibt die Anwendung regional begrenzt. Diese Spritzen eignen sich für die Behandlung akuter Schmerzen. Für eine längerfristige Therapie sind die Nebenwirkungen zu groß. Besonders effektiv ist die Kombination von Kortison und Physiotherapie, die längerfristig angewandt werden kann. Mit Dehnungs- und Kräftigungsübungen sollen Muskulatur gestärkt und Beweglichkeit verbessert werden. Andere gängige Methoden sind Elektro-, Laser und Stoßwellentherapien. Nur in Ausnahefällen wägen Ärzte ab, ob eine Operation sinnvoll ist, um Verwachsungen und Verdickungen an der Gelenkkapsel zu beseitigen.

Lässt sich eine Frozen Shoulder vorbeugen?

Als Ursache für eine Frozen Shoulder gelten Entzündungen in der Gelenkkapsel, die dazu führen, dass diese verdickt und verhärtet und so Schmerzen und Versteifungen auslöst. Meist ist nur eine Schulter betroffen. Fachleute schätzen, dass zwei bis fünf Prozent der Menschen im Lauf ihres Lebens an einer Frozen Shoulder leiden. Bei Diabetes-Patienten ist sogar jeder Fünfte bis Zehnte betroffen. Am häufigsten tritt sie zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf. Frauen sind etwas häufiger in Behandlung als Männer. Ansonsten kann die Wissenschaft keine Aussagen über bestimmte Risikogruppen oder Präventionsmaßnahmen treffen. „Die meisten Betroffenen werden von der Erkrankung überrascht, weil sie ohne Vorzeichen kommt“, sagt Marschall. Gezielte Präventionsmaßnahmen gibt es bei der Frozen Shoulder nicht. Aber allgemein gilt: Mit möglichst viel Bewegung im Alltag und angemessener sportlicher Betätigung bleibt die Beweglichkeit von Gelenken am besten erhalten. 
 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Schulterschmerzen

Kategorie Gesundheit

Gelenkverletzungen

Kategorie Gesundheit

Arthrose

Kategorie Gesundheit