Ein Staplerfahrer auf einem Stapler in einer Lagerhalle

Versicherung

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Mit Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld wirtschaftliche Krisen überstehen

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Inhaltsverzeichnis

Das Kurzarbeitergeld (KuG) hilft Ihrem Unternehmen dabei, durch wirtschaftliche Krisen zu kommen, ohne Mitarbeitende entlassen zu müssen. Für die Zeit der Kurzarbeit ersetzt es einen Teil des Entgelts für Ihre Beschäftigten. Aufgrund der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung den Zugang zu Kurzarbeitergeld vereinfacht. Auf dieser Seite erhalten Sie einen Überblick über die aktuellen Regelungen sowie die wichtigsten Informationen zum Thema Kurzarbeit. Wir sind für Sie da – gemeinsam meistern wir die Krise.

Was bedeutet Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld?

Kurzarbeit heißt, dass Sie die Arbeitszeit Ihrer Angestellten reduzieren können, wenn es zu wenig zu tun gibt. Auslöser dafür können unterschiedliche wirtschaftliche Gründe und Krisen sein, beispielsweise ausbleibende Aufträge, Lieferengpässe, Unwetter – oder aktuell das Coronavirus.

Fallen durch die Krise Einnahmen aus, steht die Frage im Raum, wie Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterbeschäftigen und pünktlich bezahlen sollen. Damit Sie Ihren Angestellten nicht kündigen müssen, springt der Staat ein – mit dem sogenannten Kurzarbeitergeld, das die Bundesagentur für Arbeit (BA) zahlt. Mit Kurz­arbeitergeld können Sie solche Krisen­zeiten wirt­schaftlich über­brücken. Ihre Beschäftigten arbeiten weniger Stunden als normalerweise ­vertraglich vereinbart und erhalten dafür Kurz­arbeitergeld. Die Agentur für Arbeit zahlt das Kurzarbeitergeld als teilweisen Ersatz des weggefallenen Nettoeinkommens. Sie als Arbeitgeber werden dadurch entlastet und können Ihr Personal auch bei Auftragsausfällen weiterbeschäftigen. Das Kurzarbeitergeld hilft also, Kündigungen zu vermeiden.

Wann können Betriebe Kurzarbeit anmelden?

Normalerweise muss mindestens ein Drittel der Belegschaft von Arbeitsausfall und Lohneinbußen betroffen sein, um Kurzarbeit anzumelden. Seit 1. März 2020 gilt: Auch wenn nur ein Zehntel der Beschäftigten wegen Arbeitsausfalls weniger verdient, können Sie bereits Kurzarbeit beantragen. Diese Regelung gilt bis Ende 2021.

Das ändert sich durch Corona: leichter und schneller zum Kurzarbeitergeld

Um Arbeitsplätze zu sichern, hat die Bundesregierung bereits zu Beginn der Corona-Krise im März 2020 den Zugang zum Kurzarbeitergeld erleichtert und zahlreiche Sonderregelungen eingeführt.

Das ist neu – die Änderungen auf einen Blick:

  • Es müssen nur noch zehn Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sein.
  • Auf den Aufbau von Minusstunden vor Beantragung der Kurzarbeit wird verzichtet.
  • Die Sozialversicherungsbeiträge werden dem Unternehmen vorübergehend voll erstattet.
  • Auch für Beschäftigte nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) kann Kurzarbeitergeld beantragt werden.

Nach Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit bezogen während des Lockdowns im März und April rund 6,7 Millionen Menschen in 527.000 Betrieben Kurzarbeitergeld. Betroffene Unternehmen konnten somit ihre Beschäftigten vor Kündigungen schützen. Aufgrund der noch nicht vorhersehbaren Entwicklung der Pandemie wurde im August 2020 eine Verlängerung der Maßnahmen bis Dezember 2021 beschlossen.

Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

Das Kurzarbeitergeld berechnet sich nach dem Nettoentgeltausfall. Es ersetzt grundsätzlich rund 60 Prozent des weggefallenen Nettoeinkommens einer beschäftigten Person. Lebt mindestens ein Kind mit im Haushalt, beträgt das Kurzarbeitergeld rund 67 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelts.

Während der Corona-Krise wird das Kurzarbeitergeld für Beschäftigte, deren Arbeitszeit um mehr als die Hälfte verringert wurde, gestaffelt erhöht:

Kurzarbeitsmonate 1-3:Ab dem 4. Monat in Kurzarbeit:Ab dem 7. Monat in Kurzarbeit:

60 Prozent des Netto-Entgelts
oder 67 Prozent für Beschäftigte mit mindestens einem Kind

70 Prozent des Netto-Entgelts
oder 77 Prozent für Beschäftigte mit mindestens einem Kind
80 Prozent des Netto-Entgelts
oder 87 Prozent für Beschäftigte mit mindestens einem Kind

Diese Corona-Aufstockung gibt es nun bis Ende 2021 für alle Beschäftigten, die bis März 2021 in Kurzarbeit gehen.

Wie lange gibt es Kurzarbeitergeld?

Normalerweise erhalten Ihre Beschäftigten das Kurzarbeitergeld bis zu einem Jahr. Aufgrund der Corona-Krise soll das Kurzarbeitergeld bis Ende Dezember 2021 gezahlt und damit auf 24 Monate verlängert werden. Die verlängerte Bezugsdauer gilt, wenn Sie bis zum 31.12.2021 Kurzarbeit in Ihrem Betrieb eingeführt haben.

Wie wird das Kurzarbeitergeld berechnet?

Als Arbeitgeber oder Arbeitgeberin müssen Sie das Kurzarbeitergeld sowie die darauf entfallenden Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung für Ihre Beschäftigten selbst berechnen und auszahlen. Die Bundesagentur für Arbeit erstattet anschließend das Kurzarbeitergeld sowie die Sozialversicherungsbeiträge an Sie zurück.

Kurzarbeitergeld richtig berechnen
Darauf sollten Sie achten: Gehen Sie bei der Berechnung des Kurzarbeitergeldes sehr sorgfältig vor. Schleichen sich Berechnungsfehler ein, müssen Sie zu viel gezahlte Beträge einschließlich der erstatteten Arbeitgeberbeiträge an die Bundesagentur für Arbeit zurückzahlen. Das zu viel gezahlte Kurzarbeitergeld können Sie sich nicht von den Beschäftigten zurückholen. Sie tragen also das wirtschaftliche Risiko für die richtige Berechnung.

Die Höhe des KuG berechnet sich nach folgender Formel:

                    Leistungssatz x Nettoentgeltdifferenz

Die Nettoentgeltdifferenz ist das während der Kurzarbeit wegfallende Nettoeinkommen eines Arbeitnehmers. Je nachdem, ob der/die Arbeitnehmer/in Kinder hat oder nicht, wird dieser errechnete Betrag entweder mit dem Leistungssatz von 60 Prozent (kein Kind) oder mit dem erhöhten Satz von 67 Prozent (mindestens ein Kind) multipliziert. Das Ergebnis entspricht der Höhe des Kurzarbeitergeldes.

Rechenbeispiel:

Eine beschäftigte Person mit einem Kind (Steuerklasse III) erhält infolge von Kurzarbeit ein Bruttoeinkommen von 1.840 Euro. Ohne Kurzarbeit hätte sie 2.460 Euro brutto verdient.

Berechnung Kurzarbeitergeld

Bisheriges Bruttoeinkommen (Soll-Entgelt)2.460,00 €
Bisheriges pauschaliertes Nettoentgelt*
1.907,84 €
Aktuelles Bruttoeinkommen (Ist-Entgelt)1.840,00 €
Aktuelles Pauschaliertes Nettoentgelt
1.472,00 €
Nettoentgeltdifferenz (Soll-Entgelt - Ist-Entgelt) 
435,84 €
Kurzarbeitergeld April 2020 (435,84 € x 67 %)
292,01 €

* Vom Bruttoeinkommen werden die Beiträge zur Sozialversicherung (Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung - pauschal 20 Prozent), die Lohnsteuer und der Solidaritätszuschlag abgezogen. Daraus ergibt sich das Leistungsentgelt, auch pauschaliertes Nettoentgelt genannt.

Welche Sozialversicherungsbeiträge werden fällig?

Die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Sozialversicherung verändert sich während der Kurzarbeit nicht. Die Höhe der Beiträge für die Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung werden jedoch dem Bruttoarbeitsentgelt der reduzierten Arbeitszeit angepasst. Diese müssen Sie und der/die Arbeitnehmer/in weiterhin anteilig leisten.

Auch das Kurzarbeitergeld unterliegt der Beitragspflicht. Hier werden ebenfalls Sozialversicherungsbeiträge fällig – allerdings auf Grundlage eines "fiktiven Arbeitsentgelts".

Normalerweise müssen Sie diese zusätzlichen Beiträge alleine tragen. Aufgrund der Corona-Krise werden Ihnen diese nun bis Ende 2021 von der Bundesagentur für Arbeit vollständig zurückgezahlt.

Unser Tipp für Arbeitgeber:
Werden die Beschäftigten während der Kurzarbeit weiterqualifiziert, bekommt das Unternehmen die Sozialbeiträge bis längstens Ende 2021 in voller Höhe erstattet.

So werden die Beiträge zur Sozialversicherung berechnet

Um die Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung von der Agentur für Arbeit zurückerstattet zu bekommen, müssen Sie diese zunächst berechnen und abführen. Der Berechnung wird ein "fiktives Arbeitsentgelt" zugrunde gelegt. Das bedeutet: Der fiktive Betrag ist die Differenz zwischen dem Bruttoarbeitsentgelt, das der Arbeitnehmer ohne Arbeitsausfall erzielt hätte (Soll-Entgelt) und dem Bruttoarbeitsentgelt, welches tatsächlich erzielt wurde (Ist-Entgelt). Auf diesen Betrag müssen Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden. Allerdings nicht in voller Höhe, sondern lediglich zu 80 Prozent.

Beiträge zur Arbeitslosenversicherung fallen übrigens nicht an. Auch der Beitragszuschlag zur Pflegeversicherung für Kinderlose wird aus dem Unterschiedsbetrag nicht berechnet. Die Beiträge aus dem fiktiven Entgelt sind allein vom Arbeitgeber bzw. der Arbeitgeberin zu tragen.

Ein Arbeitnehmer (30 Jahre, kinderlos) mit einem bisherigen Bruttoeinkommen von 3.500 Euro (Soll-Entgelt) erzielt in Kurzarbeit ein Bruttoarbeitsentgelt von 2.800 Euro (Ist-Entgelt). Der Unterschiedsbetrag zwischen Soll- und Ist-Entgelt liegt bei 700 Euro (3.500 – 2.800 Euro). 80 Prozent hiervon sind 560 Euro (fiktives Arbeitsentgelt).

Auf Basis des fiktiven Arbeitsentgelts von 560 Euro werden die Sozialversicherungsbeiträge folgendermaßen berechnet:

Berechnung Sozialversicherungsbeiträge

Krankenversicherung14,6 %81,76 €
Zusatzbeitrag1,5 %8,40 €
Pflegeversicherung3,05 %17,08 €
Rentenversicherung18,6 %104,16 €
Arbeitslosenversicherung2,4 %-
Sozialversicherungsbeiträge Arbeitgeber
211,40 €

Hinweis: Für die Bemessung der Umlagebeiträge zur U1, U2 und dem Insolvenzgeld ist nur das tatsächlich erzielte Bruttoarbeitsentgelt bis maximal zur Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung zugrunde zu legen.

Eine Arbeitnehmerin (30 Jahre, kinderlos) mit einem bisherigen Bruttoeinkommen von 6.000 Euro (Soll-Entgelt) erzielt in Kurzarbeit ein Bruttoarbeitsentgelt von 3.700 Euro (Ist-Entgelt). Der Unterschiedsbetrag zwischen Soll- und Ist-Entgelt beträgt 2.300 Euro (6.000 - 3.700 Euro). 80 Prozent davon sind 1.840 Euro (fiktives Arbeitsentgelt). In diesem Fall gilt: Das Ist-Entgelt und das fiktive Arbeitsentgelt übersteigen die Beitragsbemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung (4.837,50 Euro im Jahr 2021).

Damit sind lediglich 1.137,50 Euro (4.837,50 Euro - 3.700 Euro) des fiktiven Arbeitsentgelts beitragspflichtig in der Kranken- und Pflegeversicherung. In der Rentenversicherung wird die Beitragsbemessungsgrenze (West: 7.100 Euro / Ost: 6.700 Euro im Jahr 2021) nicht erreicht. Somit ist das fiktive Entgelt in voller Höhe beitragspflichtig.

So errechnen Sie demzufolge Ihre Sozialversicherungsbeiträge:

Berechnung Sozialversicherungsbeiträge

Krankenversicherung14,6 %166,08 €
Zusatzbeitrag1,5 %17,06 €
Pflegeversicherung3,05 %34,69 €
Rentenversicherung18,6 %342,24 €
Arbeitslosenversicherung2,4 %-
Sozialversicherungsbeiträge Arbeitgeber
560,07 €

Gut zu wissen: Bei der Jahresmeldung ist jeweils das Arbeitsentgelt zu übermitteln, aus dem tatsächlich Rentenversicherungsbeiträge entrichtet wurden (also das Ist-Entgelt + das fiktive Entgelt).


Ihr Weg zum Kurzarbeitergeld

  1. Kurzarbeit anzeigen
    Als erstes müssen Sie den Arbeitsausfall schriftlich bei der zuständigen Agentur für Arbeit melden. Zuständig dafür ist das Amt, das in dem Bezirk des Unternehmens-Sitzes liegt. Füllen Sie dafür das PDF zur Anzeige eines Arbeitsausfalls aus und schicken Sie es unterschrieben an die Bundesagentur für Arbeit zurück..
  2. Bewilligung der Anzeige
    Die Agentur für Arbeit prüft Ihre Anzeige. Hat sie festgestellt, dass Sie die Voraussetzungen erfüllen, können Sie jeden Monat Kurzarbeitergeld beantragen.
  3. Gehälter zahlen
    Sie zahlen jeden Monat sowohl das Arbeitsentgelt für geleistete Arbeitsstunden als auch das Kurzarbeitergeld an Ihre Beschäftigten aus.
  4. Antrag auf Erstattung stellen
    Bei Ihrer Agentur für Arbeit beantragen Sie dann monatlich die Erstattung des Kurzarbeitergeldes. Füllen Sie dafür den Kurz-Antrag und die Abrechnungsliste aus. Unterschreiben Sie die Dokumente und übermitteln Sie diese an Ihre Arbeitsagentur.
  5. Bewilligung des Antrags
    Die Agentur für Arbeit prüft Ihren Antrag. Hat sie festgestellt, dass Sie die Voraussetzungen erfüllen, wird das Kurzarbeitergeld rückwirkend für den vergangenen Monat an Sie ausgezahlt.

Unser Tipp:

Nutzen Sie den Digitalen Assistenten UDO zur Beantragung von Kurzarbeitergeld. Er führt Sie schrittweise und verständlich durch den Antragsprozess. UDO ist im Rahmen eines von der Bundesregierung unterstützten Hackathons entstanden.

Was gilt bei Krankheit und Kurzarbeit?

Wenn Beschäftigte krank werden, ist folgendes zu beachten: Tritt die Arbeitsunfähigkeit zu Beginn oder während der Kurzarbeit ein, übernimmt die Agentur für Arbeit die Entgeltfortzahlung – in Form des Kurzarbeitergelds. Das gilt auch, wenn der Arbeitsausfall am selben Tag wie die Kurzarbeit beginnt. Waren Arbeitnehmer bereits vor Beginn der Kurzarbeit arbeitsunfähig, rechnen Sie das sogenannte Kurzarbeiter-Krankengeld nicht mit der Agentur für Arbeit ab, sondern direkt mit der zuständigen Krankenkasse. Hierfür steht Ihnen eine einheitliche Abrechnungsliste für Krankengeld bei Kurzarbeit zur Verfügung.

Quellenangaben

Webcode: f004406 Letzte Aktualisierung: 29.09.2021
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