Während der Corona-Pandemie erhielten Unternehmen eine Erstattung von 50% der Sozialversicherungsbeiträge, wenn Mitarbeitende während der Kurzarbeit an beruflichen Weiterbildungen teilnahmen (Gesetz zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung). Voraussetzung war: Die Maßnahme dauerte mindestens 120 Stunden und erfüllte die Bedingungen der aktiven Arbeitsförderung (Prüfung durch die lokale Arbeitsagentur nötig). Alternativ galten die Vorgaben der §§ 2,2a Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz erfüllt sein. Diese Sonderregelung endete am 31.7.2024.
Reform der Weiterbildungsförderung seit 1.4.2024
Die Förderung nach § 82 SGB III wurde überarbeitet: Es gibt nun feste Fördersätze, weniger Förderkombinationen und pauschalierte Zuschüsse. Das vereinfacht das Antragsverfahren.
Qualifizierungsgeld (§§82a SGB III, 82b SGB III)
Beschäftigte können Qualifizierungsgeld erhalten, wenn strukturelle Veränderungen viele Arbeitsplätze bedrohen und eine Betriebsvereinbarung oder ein Haustarifvertrag vorliegt. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt, abhängig von den Voraussetzungen, 60 bzw. 67 Prozent des Nettoentgelts; die Weiterbildungskosten trägt das Unternehmen. Durch das Wachstumschancengesetz wurde das Qualifizierungsgeld nach § 3 Nr. 2 EStG steuerfrei gestellt.
Zuschüsse und Beratung
Informationen über aktuelle Zuschüssen finden Sie auf der Website der Bundesarbeitsagentur.
Hinweis: Vor jeder Weiterbildung ist die Eignung beim zuständigen Arbeitsamt zu prüfen. Die Förderfähigkeit kann von der Betriebsgröße, den Hinzuverdiensten oder von der Anerkennung der Maßnahme abhängen.
Ausbildungsgarantie (seit 1.4.2024)
Mit demselben Gesetz wurde auch eine sogenannte Ausbildungsgarantie eingeführt. Junge Menschen, die sich noch nicht für einen Berufsweg entschieden haben, können ein gefördertes Berufsorientierungspraktikum nach § 48a SGB III absolvieren.
Seit 1.4.2024 gibt es für Auszubildende einen Mobilitätszuschuss für Fahrt- oder Heimfahrten, wenn die Ausbildung nicht am Wohnort möglich ist.
Änderungen seit 1.8.2024
Für schwer vermittelbare Jugendliche ist nach § 76 SGB III eine außerbetriebliche Berufsausbildung möglich. Die Pauschalen für die Ausbildungsträger wurden erhöht und teils verlängert.
Neuerungen 2025 und Ausblick 2026
2025 hat umfangreiche Änderungen in der Weiterbildung und Umschulung gebracht:
- Reform des Aufstiegs-BAföG: Die maximale Förderung für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren steigt auf 18.000?Euro. Bei erfolgreichem Abschluss werden 60 Prozent des Darlehens erlassen. Teilzeit-Weiterbildungen werden stärker gefördert.
- Bildungsgutscheine: Seit 1.1.2025 sind ausschließlich die Agenturen für Arbeit für Beratung, Bewilligung und Finanzierung der beruflichen Weiterbildung zuständig – auch für Bürgergeld-Berechtigte. Jobcenter übernehmen diese Aufgaben nicht mehr.
- Weiterbildungsgesetz: Die „Ausbildungsgarantie“, Mobilitätshilfen, der Rechtsanspruch auf außerbetriebliche Ausbildung und frühzeitige Berufsorientierung sind umfassend in Kraft getreten.
- Vereinfachte Förderung: Feste Fördersätze und angehobene Zuschüsse, besonders für kleine und mittlere Betriebe. Der Bezug auf Vorbedingungen wie „Strukturwandel“ oder Engpassberufe ist entfallen.
- Verlängerte Kurzarbeitergeld-Bezugsdauer: Bis zu 24 Monate möglich – zunächst befristet bis Ende 2025. Wird diese nicht weiter verlängert, gilt ab 1.1.2026 die reguläre Bezugsdauer von maximal 12 Monaten für das Kurzarbeitergeld (bisher kein neues Bundesgesetz oder Verordnungsentwurf!)
- Digitalisierung: Die neue Jobcenter-App ermöglicht seit Januar 2025 mobile Antragstellung, Dokumenteneinreichung und Terminvereinbarung.
- Redaktionelle Überarbeitung: Die Fachlichen Weisungen zur Weiterbildung wurden 2025 deutlich klarer und praxisnäher gefasst.
Ausblick auf 2026
Die Reformen werden fortlaufend evaluiert. Ziel bleibt es, Zugang und Attraktivität der Weiterbildungsförderung weiter zu verbessern. Je nach Arbeitsmarktentwicklung sind weitere Anpassungen, insbesondere bei Förderhöhen, Zielgruppen und digitalen Serviceangeboten, angekündigt. Bildungsträger und Unternehmen sollten die Entwicklung aufmerksam verfolgen und ihre Prozesse anpassen.