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Verwaltungsrat kompakt: 10 Fragen, 10 Antworten

Lesedauer weniger als 4 Min

Redaktion:

Constanze Löffler (Autorin und Ärztin, Nerdpol – Redaktionsbüro für Medizin- und Wissenschaftsjournalismus)

Wussten Sie schon, dass eine Krankenkasse nicht vom Vorstand allein geleitet wird? Ein Verwaltungsrat aus ehrenamtlichen Mitgliedern vertritt die Interessen der Versicherten und gestaltet aktiv mit. Wie viel Macht hat er tatsächlich und wer sitzt eigentlich im Verwaltungsrat der Barmer? Wie können Sie auf Entscheidungen Einfluss nehmen? Antworten auf zehn Fragen rund um den Verwaltungsrat.

Frage 1: Warum ist der Verwaltungsrat für Versicherte wichtig?

Der Verwaltungsrat ist das wichtigste Entscheidungsgremium der Barmer. Er besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Versicherten und der Arbeitgeber, schließlich zahlen beide jeweils zur Hälfte die Krankenkassenbeiträge. 

Gemeinsam entscheiden sie zum Beispiel über den Haushalt der Barmer, über neue Leistungen oder über strategische Fragen: Wie sollte sich die Barmer auf lange Sicht aufstellen? Das klingt abstrakt, hat aber ganz konkrete Folgen: Mit Rückenwind vom Verwaltungsrat können Barmer Mitglieder zum Beispiel von 100 Prozent Kostenübernahme für Reiseschutzimpfungen profitieren und bis zu 200 Euro jährlich mit dem Barmer Bonus kassieren.

Frage 2: Wer sitzt im Verwaltungsrat der Barmer?

Hier sitzen weder Politiker noch Managerinnen hinter irgendwelchen verschlossenen Türen, sondern gewählte Vertreterinnen und Vertreter der Versicherten und Arbeitgeber: Menschen, die neben ihrem Job ehrenamtlich Verantwortung für eine der größten Krankenkassen hierzulande tragen.

Frage 3: Aus welchen Lebens- und Berufsbereichen kommen die Mitglieder?

Die Mitglieder kommen aus ganz unterschiedlichen Berufen, Regionen und Altersgruppen: von der jungen Mutter bis zum Rentner, vom Gewerkschafter bis zur Personalchefin, vom Sozialarbeiter bis zur Ärztin. Genau diese Mischung ist gewollt. Denn gute Entscheidungen entstehen dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen.

Frage 4: Warum sollte ich bei den Sozialwahlen abstimmen?

Weil die Sozialwahlen der einzige Moment sind, in dem Versicherte direkt Einfluss darauf haben, wer im Verwaltungsrat sitzt. Wer hier gewählt wird, entscheidet später über Haushalt, Leistungen und die Ausrichtung der Barmer. Nicht jede Entscheidung ist frei verhandelbar. Aber die Haltung, mit der Spielräume genutzt werden, macht einen Unterschied. Nicht wählen heißt: andere entscheiden lassen. Die nächste Sozialwahl findet 2029 statt.

Frage 5: Wo kann ich mich informieren, wer meine Interessen vertritt?

Vor den Sozialwahlen stellen sich die Listen öffentlich vor und werben für sich. So wird deutlich, welche Themen ihnen wichtig sind und wofür sie stehen. Niemand muss Experte sein, um sich ein Bild zu machen. Oft hilft schon die Frage: Welche Themen sprechen mich an und wer bringt dafür Erfahrung mit? Das ist eine gute Grundlage für eine bewusste Entscheidung.

Frage 6: Wie viel Macht hat der Verwaltungsrat wirklich?

Der Verwaltungsrat kann nicht alles, aber er kann mehr, als viele denken. Er beschließt den Haushalt, entscheidet über zusätzliche Leistungen und kontrolliert den Vorstand. Gleichzeitig ist er an Gesetze gebunden. Viele Rahmenbedingungen sind vorgegeben. Der Gestaltungsspielraum liegt darin, Prioritäten zu setzen: Welche Leistungen werden ausgebaut? Wo wird investiert? Und wie wird mit begrenzten Mitteln umgegangen?

Frage 7: Wie repräsentativ ist der Verwaltungsrat für alle Versicherten?

Natürlich bildet der Verwaltungsrat die Gesellschaft nicht eins zu eins ab. Er vereint jedoch verschiedene Lebens- und Berufserfahrungen. Diese Vielfalt soll sicherstellen, dass Entscheidungen praxisnah bleiben und die Interessen der Versicherten im Blick behalten. Ohne Selbstverwaltung gäbe es diese Nähe nicht. Und Entscheidungen wären vermutlich weiter weg von der Lebensrealität der Versicherten.

Frage 8: Woher weiß der Verwaltungsrat, wo es für Versicherte konkret hakt?

Über verschiedene Wege kommen die Probleme der Versicherten in den Verwaltungsrat: Zum einen über Umfragen, Auswertungen und Berichte. Zum anderen über konkrete Fälle: etwa aus Widerspruchsverfahren, Rückmeldungen von Versicherten und nicht zuletzt das Wissen der Mitglieder aus ihrem eigenen Alltag. Beides ist wichtig. Zahlen zeigen, wo es klemmt, Einzelfälle, wo Entscheidungen im Alltag wirklich ankommen oder leider nicht. Der Verwaltungsrat ist dafür da, um das zu ändern.

Frage 9: Warum engagieren sich Menschen ehrenamtlich im Verwaltungsrat?

Die Motive sind unterschiedlich. Manche wollen mitgestalten, andere etwas zurückgeben, wieder andere Missstände beheben.

Frage 10: Ist der Verwaltungsrat heute nicht eher ein Auslaufmodell?

In einem komplexen Gesundheitssystem ist Selbstverwaltung wichtiger denn je. Nicht alle Entscheidungen sollten zentral oder politisch getroffen werden. Der Verwaltungsrat bringt die Perspektive der Versicherten, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ein – nah an der Praxis und mit Blick auf den Alltag. Das ist kein Auslaufmodell, sondern die Möglichkeit, Demokratie auch im Gesundheitssystem lebendig zu halten.

Fazit: Was ist mir wichtig – und wer entscheidet darüber?

Der Verwaltungsrat arbeitet meist im Hintergrund. Seine Entscheidungen sind dagegen für alle Barmer Versicherten spürbar. Sie betreffen Leistungen, Beiträge und die Ausrichtung der Barmer. Wer mitbestimmen will, sollte wissen, dass es dieses Gremium gibt und dass die eigene Stimme bei den Sozialwahlen zählt. Selbstverwaltung klingt trocken. In der Praxis geht es um sehr konkrete Fragen: Was ist uns wichtig und wer entscheidet darüber?