Das Bild zeigt zwei Hände mit blauen Handschuhen bei einer Blutabnahme.
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Blutarmut in Deutschland – Das muss nicht sein!

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Fremdes Blut kann Leben retten, unter Umständen auch das eigene. Doch es fehlt an regelmäßigen Spenderinnen und Spendern, um den stetig wachsenden Bedarf an Konserven zu decken. Einen Ausweg könnte ein medizinisches Behandlungskonzept bieten.

Es kann so schnell gehen. Ein Verkehrsunfall oder auch eine schwere Erkrankung versetzen Menschen plötzlich in die Lage, eine Bluttransfusion zu benötigen. Nur mit Blutkonserven können Betroffene dann überleben. Und auch viele medizinische Eingriffe, etwa Operationen oder Krebstherapien, sind heutzutage nur möglich, wenn ausreichend Blut zur Verfügung steht. Der Weltblutspendetag am 14. Juni soll deshalb jährlich auf die Relevanz der Blutspende aufmerksam machen. Dabei gibt es innovative Methoden, Transfusionen künftig besser zu steuern. Helfen kann das sogenannte Patient Blood Management.

Was ist das Patient Blood Management?

Das Patient Blood Management (PBM) wurde ins Leben gerufen, da sich weltweit ein Blutengpass abzeichnet. Bereits seit 2011 fordert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen bewussteren Einsatz von Blut. Hintergrund ist, dass immer mehr ältere Patientinnen und Patienten immer weniger potenziellen Spenderinnen und Spendern gegenüberstehen. Eine Alternative zur Bluttransfusion bietet dabei das Patient Blood Management.

„Blutarmut (Anämie) bei einer Operation erhöht die Wahrscheinlichkeit zu weiteren Komplikationen und das Risiko der Krankenhaussterblichkeit. Häufig ist das Blutvolumen schon vor einer Operation zu gering. Bei längeren Klinikaufenthalten können Verluste während bzw. nach der Operation und Blutentnahmen für diagnostische Zwecke das Volumen weiter belasten“, erklärt Dr. Ursula Marschall, Leitende Medizinerin bei der Barmer. Zum Ausgleich wird häufig auf Fremdblutkonserven zurückgegriffen, die vor allem aus Spenden gewonnen werden. Vor allem für Millionen Menschen mit Blutarmut in Deutschland, die eine planbare Operationen vor sich haben, bietet das PBM einen Ausweg aus diesem Dilemma. So sollen die Risiken und Nebenwirkungen einer Transfusion vermieden werden.


Wie funktioniert das Patient Blood Management?

Das Patient Blood Management fußt im Wesentlichen auf drei Säulen:

Eine frühe Diagnose und Therapie einer eventuellen vorhandenen Blutarmut vor verschiebbaren Operationen mit hohem Transfusionsrisiko.

Dies bedeutet, dass rechtzeitig vor einer geplanten Operation gezielt nach einer eventuellen bestehenden Blutarmut gesucht wird. Dies geht durch Laboruntersuchungen im Blut, die auch die Hausärztin oder der Hausarzt durchführen kann.

Minimierung des Blutverlustes während der Operation durch bestimmte OP-Techniken oder Einsatz von spezieller Geräte wie z.B. dem Cell-Saver.

Durch den Einsatz des sogenannten Cell-Savers wird das Blut, dass während der Operation entsteht, aufgesaugt, gereinigt und im Anschluss der Patientin oder dem Patienten wieder zurückgeführt. So erhält sie bzw. er das eigene Blut wieder zurück, dass zuvor während der OP verloren wurde. Die Transfusion von Fremdblut kann somit minimiert werden.

Vor jeder Transfusion muss sorgfältig geprüft werden, ob die Bluttransfusion wirklich erforderlich ist. Hier helfen festgelegte Standardwerte, an denen sich Ärzte orientieren können..

In anderen Ländern wie den Niederlanden wird das PBM bereits in vielen Kliniken umgesetzt. Hierzulande wird es bisher aber nur in wenigen Kliniken angewendet – weshalb nach wie vor bei vielen Operationen auf Bluttransfusionen zurückgegriffen wird.

Warum sollten Menschen Blut spenden?
Das wichtigste Argument für Blutspenden ist, dass Patientinnen und Patienten darauf angewiesen sind. Somit kann die Spende nicht nur helfen, sondern sogar Leben retten. Allein mit einer einzigen Vollblutspende kann bis zu drei Patientinnen und Patienten geholfen werden. „Nach der Blutspende werden die einzelnen Bestandteile in Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Thrombozyten (Blutplättchen) und Blutplasma aufgeteilt. Da die drei Blutbeutel bei unterschiedlichen Patientinnen und Patienten eingesetzt werden können, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die eigene Spende zur Rettung von Leben beiträgt, sehr hoch“, erklärt Dr. Ursula Marschall, Leitende Medizinerin bei der Barmer. Blut spenden fördert zudem auch die eigene Gesundheit. Denn laut Studien des Instituts für Transfusionsmedizin an der Berliner Charité kann eine Spende den eigenen Blutdruck senken. Ein positiver Effekt sei demnach bereits nach der ersten Entnahme festzustellen, bei regelmäßigen Spenden verstärke sich dieser sogar.

Was ist der Weltblutspendetag?
Am 14. Juni 2004 wurde in der Bundesrepublik Deutschland erstmals der Weltblutspendertag ausgerufen. Er wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften ins Leben gerufen. Der Weltblutspendetag soll jedes Jahr auf die Bedeutung der Blutspende und das damit verbundene soziale Engagement von Blutspenderinnen und Blutspendern aufmerksam machen – und neue Spenderinnen und Spender motivieren. Das Datum wurde ausgewählt, da an diesem Tag im Jahr 1868 Karl Landsteiner geboren wurde. Er entdeckte zu seiner Zeit die verschiedenen Blutgruppen und stellte 1901 fest, dass die Blutübertragung von unterschiedlichen Blutgruppen zu einer Verklumpung des Blutes führen kann. Für diese wissenschaftliche Leistung erhielt er im Jahr 1930 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.

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