Psychologie des Fastens: Das gute Gefühl des bewussten Verzichts

Fasten, das ist für viele nach wie vor nur ein anderes Wort für Diät. Dabei geht es in der bevorstehenden Fastenzeit vom 10. Februar bis zum 26. März um weit mehr als um das Weglassen bestimmter Nahrungsmittel. Denn der bewusste Verzicht ist für viele Fastende ein Gewinn – etwa an Zeit und Ruhe, vor allem aber an innerem Gleichgewicht.

Der Aschermittwoch ist nicht nur das Ende der Karnevalszeit, er läutet auch die 40-tägige Fastenzeit der Christen ein. Längst geht es dabei nicht mehr ausschließlich um den Verzicht bestimmter Lebensmittel und Alkohol. Heute nutzen viele Menschen die sieben Wochen bis Ostern, um sich eine Auszeit von anderen ungesunden Gewohnheiten zu nehmen. "Zu viel Fernsehen, zu viel Computer- und Smartphone-Nutzung, zu wenig Bewegung, zu viele Süßigkeiten, zu wenig Schlaf – in der Regel wissen wir sehr genau, was uns in unserem Leben nicht gut tut. Der Alltagstrott lässt uns dennoch daran festhalten. Die Fastenzeit ist, auch für nicht-religiöse Menschen, eine gute Gelegenheit mal auszuprobieren, wie man bewusst die gewohnten Verhaltensmuster ändert, um später eine neu gewonnene Zufriedenheit zu erreichen", erklärt Andra Jakob-Pannier, Psychologin bei der Barmer GEK.

Raus aus der Komfortzone

Ob man während der 40 Tage nun auf das Auto, die Zigaretten, das Glas Wein am Abend, Fleisch, das Smartphone oder den Fernseher verzichtet – das Weglassen bedeutet zunächst einmal: Schluss mit der Bequemlichkeit und raus aus der Komfortzone. Je nach Gewohnheit können dabei anfangs tatsächlich so etwas wie Entzugserscheinungen auftreten. "Wer seinen Medienkonsum von hundert auf null drosselt, wird in den ersten Tagen vielleicht eine innere Unruhe oder auch Langeweile spüren. Doch schon bald erkennt derjenige, wie viel Zeit er plötzlich für Dinge hat, die sonst immer zu kurz kommen", so Jakob-Pannier.

Gestärktes Selbstbewusstsein

Nicht nur die neu gewonnenen Freiheiten lösen ein gutes Gefühl beim Fastenden aus. Auch die Erkenntnis, dass er oder sie wieder mehr Kontrolle über das eigene Leben gewonnen hat, stärkt das Selbstbewusstsein, auch für die Zeit nach dem Fastenende. "Wer einmal erfahren hat, wozu er imstande ist, traut sich auch auf anderen Gebieten mehr zu", weiß die Expertin.

Tipp: In Bezug auf die Ernährung ist Fasten ein sehr sensibles Thema. Zwar spricht nichts gegen den Verzicht auf Süßigkeiten und Alkohol. Strenges Fasten, bei dem beispielsweise ganz auf feste Nahrung verzichtet wird, ist dagegen aus medizinischer Sicht nicht für jeden geeignet. Ein solches Fastenprogramm sollte deshalb nur unter ärztlicher Begleitung durchgeführt werden.

Webcode dieser Seite: p005107 Autor: Barmer Erstellt am: 14.01.2016 Letzte Aktualisierung am: 15.12.2016
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