Sepsis: Vergiftetes Blut

In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 150.000 Menschen an einer Sepsis, mehr als ein Drittel der Betroffenen stirbt an der gefährlichen Infektionskrankheit. Und wer überlebt, leidet meist lebenslänglich an schwerwiegenden Folgen. Ein frühes Erkennen der Symptome kann Leben retten, doch leider ist es nicht immer so leicht, diese zu erkennen.

Eine Sepsis wird im Volksmund als Blutvergiftung bezeichnet. Allerdings ist dieser Begriff ziemlich irreführend, denn mit einer Vergiftung hat die Sepsis eigentlich nichts zu tun. Der Körper reagiert vielmehr mit einer schweren, das Blut überschwemmenden Entzündung auf eine Infektion. Dabei kann eine Schnittverletzung mit eitriger Wunde ebenso zu einer Sepsis führen wie eine Verbrennung oder Lungenentzündung. Auslöser sind in den meisten Fällen Bakterien, seltener Viren sowie Pilze oder Einzeller. Schafft es der Körper dann nicht mehr aus eigener Kraft, die Erreger zu bekämpfen, kommt es zu einer Blutvergiftung. Die überschießende Reaktion des Immunsystems führt dazu, dass im Extremfall Organe geschädigt werden und ihre Funktion verlieren, beispielsweise fällt die komplette Nierenfunktion aus und es kommt zu einer Schockreaktion im Körper.

Kampf gegen die Zeit

„Eine Blutvergiftung ist immer ein Notfall. Ohne rechtzeitige Behandlung bricht bei einer schweren Sepsis das gesamte Immunsystem zusammen. Deshalb sollte auch bei dem geringsten Verdacht unbedingt sofort ein Arzt kontaktiert werden“, warnt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer. Allerdings sind ausgerechnet die ersten Anzeichen oftmals nicht so leicht als bedrohliche Sepsis zu erkennen. Erste Symptome können beispielsweise eine schnelle, flache Atmung, ein niedriger Blutdruck und ein beeinträchtigtes Bewusstsein sein. Der Gesundheitszustand kann sich zudem schnell erheblich verschlechtern. „In vielen Fällen muss eine Blutvergiftung auf einer Intensivstation behandelt werden“, so Marschall. Die Therapie zielt auf die Bekämpfung der Infektion mit erregerspezifischen Antibiotika. Zudem werden Kreislauf und Stoffwechsel stabilisiert. Die Organfunktionen müssen häufig durch medizinische Geräte unterstützt werden. Dazu gehört beispielsweise eine vorübergehende Blutwäsche (Dialyse), aber auch die künstliche Beatmung. Wenn sich ein Entzündungsherd im Körper befindet, muss dieser in einigen Fällen auch operativ entfernt werden. Doch leider ist der ursprüngliche Infektionsherd nicht immer aufzuspüren. 

Vor allem Menschen mit einem geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel durch chronische Krankheiten, haben ein erhöhtes Risiko für eine Sepsis. Aber auch Säuglinge und alte Menschen zählen zur Risikogruppe. Einige Ärzte empfehlen eine vorbeugende Impfung gegen Pneumokokken und Meningokokken. Sie können bei einem erhöhten Risiko sinnvoll sein. Dazu sollten sich Betroffene individuell von ihrem Arzt beraten lassen.

Das Leben danach

Etwa 60.000 Menschen sterben im Jahr an einer Sepsis. Damit gehört sie zu einer der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Haben Patienten eine Sepsis überstanden, kämpfen sie unter Umständen noch Wochen oder Monate, manchmal sogar ein Leben lang mit möglichen Folgen wie beispielsweise Muskelschwäche, Bewegungsstörungen oder Nervenschäden. Alltägliche Fähigkeiten, wie Gehen oder Sprechen, müssen teilweise wieder neu erlernt werden. „Eine schwere Erkrankung wie eine Sepsis bedeutet nicht nur für den Körper Stress. Oftmals leidet auch die Psyche“, so Marschall. Betroffene können nach einer überstandenen Sepsis unter Alpträumen oder sogar Depressionen leiden. Eine Anlaufstelle für diese Menschen sind Ärzte, Psychologen, aber auch Selbsthilfegruppen. Sie beraten die Betroffenen und ihre Angehörigen.

Wie erkennt man eine Sepsis?
Auch wenn die Symptome vielfältig sind, können folgende Anzeichen auf eine Sepsis hindeuten:
• Bewusstseinsveränderung: Der Betroffene wirkt desorientiert, verwirrt, unruhig oder schläfrig
• Beschleunigte Atmung: Die Atmung ist schnell und flach
• Niedriger Blutdruck: Der systolische Blutdruck (der "obere" oder "erste" Wert bei der Blutdruckmessung) liegt bei 100mmHg oder tiefer
• Schneller Herzschlag: Häufig ist der Puls beschleunigt
• Fieber oder verminderte Temperatur: Die Körpertemperatur liegt eventuell über 38 Grad Celsius, oft begleitet von Schüttelfrost. Es kann aber auch eine verminderte Temperatur vorkommen mit weniger als 36 Grad Celsius
• Entgegen der verbreiteten Annahme stimmt es nicht, dass ein roter Strich auf der Haut auf eine Sepsis hindeutet. Dieses Symptom deutet auf eine Entzündung der Lymphgefäße hin. Es ist also kein eindeutiges Zeichen für eine Sepsis, sondern ein Hinweis auf eine örtliche Entzündung. 
Entzündung. 


 

Webcode dieser Seite: p015904 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 17.09.2020
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