Zu sehen ist eine sitzende Frau, mit einem Rotweinglas in der einen und Pillen in der anderen Hand
Pressemitteilungen 2023

Alkohol, Drogen, Medikamente – Sachsen: Beschäftigte im Bau- und Gastgewerbe besonders suchtgefährdet

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Dresden, 02. November 2023 – Die Gefahr einer Suchterkrankung ist für sächsische Beschäftigte im Bau- und Gastgewerbe besonders hoch. Das geht aus dem Morbiditäts- und Sozialatlas des Barmer Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg) hervor. Demnach lag die Rate für eine Suchterkrankung im Zusammenhang mit Alkohol, Drogen oder Medikamenten bei den Beschäftigte des Bereichs Bergbau, Energie- und Wasserversorgung, Entsorgung und Baugewerbe im Jahr 2021 bei 245 Fällen pro 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner (Bund: 168 Fälle). Dahinter folgen die Beschäftigten des Gastgewerbes mit 224 Fällen (Bund: 173 Fälle). Am geringsten ist das Risiko einer Abhängigkeit in Berufen für Erziehung und Unterricht mit rund 94 Fällen (Bund: 86 Fälle).

Monika Welfens, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Sachsen

Monika Welfens, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Sachsen

„In Sachsen liegen die Betroffenenraten überdurchschnittlich hoch. Allerdings ist Sucht keine Willens- oder Charakterschwäche, sondern eine chronische Krankheit, die jede und jeden treffen kann. Eine Chronifizierung kann aber verhindert werden, wenn Suchtkranke so früh wie möglich Hilfe bei Ärzten suchen. Beratung und Therapie können dann am ehesten greifen“, sagt Monika Welfens, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Sachsen.

Hohe Betroffenenrate in Sachsen – Erhebliche regionale Unterschiede 

Der Analyse der Barmer zufolge sind die branchenübergreifenden Raten von Suchterkrankungen regional sehr unterschiedlich. Während die Betroffenenrate im Jahr 2021 in ostdeutschen Ländern wie Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen, mit Werten von rund 244 und rund 226 im Vergleich zum Bundesschnitt von 183 Fällen pro 10.000 Einwohner, überdurchschnittlich hoch ist, fällt sie in Rheinland-Pfalz mit einem Wert von rund 154 eher niedrig aus. Auf Kreisebene treten in Sachsen Fälle besonders häufig in der Region Chemnitz mit einem Wert von 264 je 10.000 Einwohner auf, gefolgt von der Region Görlitz und Bautzen mit 256 und 255 je 10.000 Einwohner. Die geringste Zahl an Erkrankungen verzeichnet der Erzgebirgskreis mit einem Wert von 190 je 10.000 Einwohner. 

Grafik_Sachsen-Kreise_Alkohol-Drogen_Sucht

Grafik Sachsen Berufe_Alkohol-Dogen_Sucht

Abhängigkeit hat viele verschiedene Ursachen

Abhängigkeit habe viele Ursachen und Ausprägungen. In der Regel entstehe sie durch das Zusammenwirken verschiedener biologischer, psychologischer, psychotraumatologischer und sozialer Faktoren. Drogen- und Alkoholsucht wird häufiger bei Männern als bei Frauen diagnostiziert, scheint damit vor allem ein männliches Problem zu sein. „So kann beispielsweise der Pfad vom Feierabendbier in die Abhängigkeit kürzer sein, als sich viele Menschen eingestehen wollen“, sagt Welfens und empfiehlt, für einen gewissen Zeitraum beispielsweise ganz auf Alkohol zu verzichten. „Wer einen mehrwöchigen Alkoholverzicht als große Herausforderung empfindet, zeigt vielleicht schon erste Anzeichen einer Sucht und benötigt gegebenenfalls Hilfe“, so Welfens. Die Barmer kläre deshalb umfassend über Risiken von Suchtmitteln jedweder Art auf und informiere patientengerecht über Wege, von einer Sucht loszukommen, sagt Kassen-Chefin Welfens. Beispiele für solche Angebote seien etwa zertifizierte Gesundheitskurse zum Thema Sucht oder der Teledoktor, bei dem medizinische Expertinnen und Experten der Barmer Hilfesuchende telefonisch beraten. Auch einen 10 Fragen umfassenden Alkohol-Selbsttest zum persönlichen Konsumrisiko stehe auf der Homepage der Kasse.

Service für Redaktionen

Der Morbiditäts- und Sozialatlas des Barmer Instituts für Gesundheitssystemforschung kann hier abgerufen werden: Drogen-, Alkoholmissbrauch in Deutschland | Morbiditäts- und Sozialatlas - bifg 

Kontakt für die Presse:

Claudia Szymula
Pressesprecherin Barmer Sachsen
Telefon: 0800 333 004 152231
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