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Alkoholkonsum und ungesunde Ernährung: Kommt die Prävention in Sachsen zu kurz?

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Gesundheit muss als verbindliches Ziel in allen Politikbereichen – Bildung, Arbeit, Wirtschaft, Ernährung und Umwelt – verankert werden. Dazu gehört eine konsequente Gesundheitsförderung in Kitas und Schulen, die früh Verantwortung für die eigene Gesundheit befördert und soziale Nachteile ausgleicht.

  • Bei 17 von 1.000 Einwohnern in Sachsen wurde Alkoholmissbrauch dokumentiert (+37 % über Bundesdurchschnitt).
  • Bei 85 von 1.000 Einwohnern in Sachsen wurde Adipositas dokumentiert (+12 % über Bundesdurchschnitt).
  • Beide Erkrankungsarten liegen in Sachsen deutlich über dem Bundesschnitt.
  • Sozioökonomische Faktoren wie Bildungsgrad und Einkommen beeinflussen Erkrankungsrisiken zusätzlich.
  • Dr. Claudia Beutmann fordert: „Prävention und Gesundheitsförderung muss als gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe in allen Politikfeldern verstanden werden, nicht nur im Gesundheitswesen.“

Dresden, 19. Februar 2026 – Angesichts der überdurchschnittlich hohen Zahlen beim Alkohol- und Übergewichtsrisiko stellt sich in Sachsen die Frage, ob Präventionsmaßnahmen in diesen Bereichen ausreichend greifen oder weiter gestärkt werden müssen. Denn Alkoholmissbrauch und Adipositas gehen nachweislich mit weiteren Erkrankungen einher, die oft parallel auftreten und sich gegenseitig verstärken können. So leiden Menschen mit diesen Erkrankungen beispielsweise vermehrt unter Bluthochdruck, Diabetes und Depressionen. Zu diesem Ergebnis kam das BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung (bifg). Für die Betroffenen bedeutet dies: Die Kombination von Krankheiten macht die Behandlung deutlich komplexer. Medikamente und Therapien müssen exakt aufeinander abgestimmt sein, um gegenseitige negative Effekte zu vermeiden. 

1 Dr. Claudia Beutmann, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Sachsen

Dr. Claudia Beutmann, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Sachsen

„Je mehr Erkrankungen zusammenkommen, desto intensiver und aufwendiger werden Behandlungsprozesse – mit spürbaren Belastungen für die Betroffenen, aber auch Folgen für das Gesundheitssystem insgesamt. Komplexere Krankheitsbilder führen zu mehr Arztkontakten, einem höheren Behandlungsbedarf und letztlich zu steigenden Gesundheitskosten. Um mehr gesunde Lebensjahre zu erreichen, müssen wir bereits bei den Kindern mit guter Prävention beginnen“, sagt Dr. Claudia Beutmann, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Sachsen. 

Im bundesweiten Vergleich weist Sachsen bei beiden Erkrankungsarten überdurchschnittlich hohe Betroffenenraten auf. Beim Alkoholmissbrauch liegt sie 37 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, bei Adipositas sind es zwölf Prozent mehr als im Bundesmittel. Deutlich sichtbar sind die Unterschiede auch mit Blick auf die soziale Lage der sächsischen Einwohner: Menschen mit niedriger Bildung und geringem Einkommen tragen ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko. In Sachsen leiden 93 Personen je 1.000 Einwohnern mit Hauptschulabschluss an Adipositas, bei einem Einkommen zwischen 15.000 und 20.000 Euro im Jahr sind es sogar 121 Personen pro 1.000 Einwohnern. Auch bei Alkoholmissbrauch liegt die Belastung in sozial benachteiligten Gruppen deutlich höher. 

„Prävention und Gesundheitsförderung sind eine Gemeinschaftsaufgabe vieler gesellschaftlicher Akteure. Ziel sollte es sein, dass Menschen in jeder Lebensphase zielgruppengerecht Zugang zu qualitätsgesicherten Gesundheitsinformationen haben und befähigt werden, diese kritisch zu bewerten, zu verstehen und für ihre Gesundheit sinnvoll zu nutzen. Um alle Bevölkerungsgruppen zu erreichen, sind Präventionsmaßnahmen in Kitas und Schulen zentral. Nur wenn Gesundheitskompetenz früh vermittelt und soziale Nachteile ausgeglichen werden, können langfristig Erkrankungen wirksam vermieden werden“, sagt Dr. Claudia Beutmann. Durch konsequente Verhaltensprävention von Kindesbeinen an, nachhaltige Strategien zur Stärkung der individuellen Gesundheitskompetenz sowie eine gesamtstaatlich verankerte Präventionsstrategie könne es gelingen, Erkrankungen wirksam vorzubeugen.
 

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Claudia Szymula
Pressesprecherin Barmer Sachsen
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