BARMER_PK_Plegereport_21022022
STANDORTinfo für Sachsen-Anhalt

Barmer-Pflegereport: Die Zukunft der Pflege in Sachsen-Anhalt

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Der Pflegenotstand in Sachsen-Anhalt wird nach neuesten Hochrechnungen der Barmer noch brisanter als angenommen. Bisherige Vorausberechnungen haben ausschließlich demografieabhängige Effekte berücksichtigt. Für die Analysen der Barmer wurden auch Einführungseffekte der Gesetzgebung hinzugezogen. Die Gesetzesänderungen im Pflegeweiterentwicklungs- (PfWG), Pflegeneuausrichtungs- (PNG) und den Pflegestärkungsgesetzen (PSG I - III) haben dafür gesorgt, dass mehr Menschen Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen können. Die Zahl der Anspruchsberechtigten steigt demnach über die Maße der demografischen Entwicklung. 

Mehr Pflegebedürftige als erwartet

Bis zum Jahr 2030 wird es laut Hochrechnungen der Barmer 174.000 Pflegebedürftige in Sachsen-Anhalt geben. Das sind 30.000 mehr als bisher angenommen. „Sachsen-Anhalt ist das Bundesland mit der ältesten Bevölkerung. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Nicht zuletzt fehlen uns junge Menschen, aus denen sich ein Berufsnachwuchs generieren ließe. Das wirkt sich seit Jahren auch auf die Altenpflege aus“, sagte Axel Wiedemann, Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen-Anhalt, bei der Vorstellung des Pflegereports Mitte Februar in Magdeburg.

Fachkräftemangel verschärft sich

Aus der steigenden Anzahl an Pflegebedürftigen ergibt sich ein deutlich höherer Bedarf an Pflegepersonal. Im Jahr 2030 werden nach Barmer-Hochrechnungen 39.000 Pflegekräfte benötigt. Das sind 1.000 mehr als bisher angenommen. Um dem seit Jahren bestehenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, müsse man unter anderem die Arbeitsbedingungen verbessern, die Ausbildung in den Fokus nehmen und aktiv für einen anspruchsvollen aber auch attraktiven Pflegeberuf werben. Christina Heinze, Schulleiterin und pädagogische Geschäftsführerin des Bildungszentrums für Gesundheitsberufe Magdeburg, betonte bei der Vorstellung des Barmer-Pflegereports: „Die Pflege bietet sehr viel Gestaltungsspielraum. Pflegekräfte können sich in vielfältigen Bereichen fort- und weiterbilden und Zusatzqualifikationen erlangen. Es gibt zahlreiche Aufstiegsmöglichkeiten auch ohne akademischen Abschluss, aber nur wenigen ist das bekannt.“

Klischees trüben das Berufsbild

In der öffentlichen Wahrnehmung dominiere noch immer eine falsche Vorstellung vom Beruf der Pflegefachkraft. Viele Menschen würden vor allem an die Unterstützung bei der Körperpflege und Nahrungsaufnahme denken. Dabei sei der Beruf der Pflegefachkraft sehr anspruchsvoll. Die Aufgaben würden neben der generellen Anforderung der Empathie, des Kümmerns und Helfens viele konkrete pflegerische Tätigkeiten beinhalten. Beispielhaft anzuführen, seien hier die Wundversorgung und Medikamentengabe. Zu den Klischees hinsichtlich des Arbeitsalltags kämen neben einer falschen Einschätzung der eigentlichen Tätigkeit negative Schlagzeilen über schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne, die auf den Großteil der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber der Pflegebranche nicht (mehr) zutreffen.

Pflege neu denken

„Vor dem Hintergrund des Personalmangels müssen Einrichtungen dringend mit Mitarbeitenden Hand in Hand gehen, um ein positives Branchenimage herzustellen“, erklärt Janine Koska, Vorständin New Work Hub und Leiterin der bundesweit agierenden PR-Agentur „eingebrand.“ Hiesige Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sollten vor allem herausheben, dass ein Beruf in der Pflege eine sinnstiftende und zukunftssichere Tätigkeit darstelle. Vor allem aber müssten sie eine moderne Unternehmenskultur schaffen, um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer langfristig an sich zu binden. Dazu gehöre unter anderem, Pflegekräfte an der Dienstplangestaltung teilhaben zu lassen, Prozesse transparent zu gestalten und Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen.

Den vollständigen Barmer-Pflegereport finden Sie hier: www.bifg.de/publikationen/reporte/pflegereport-2021

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