Massive Impflücken bei Gürtelrose in Hamburg
Nur 16,5 Prozent der über 60‑Jährigen sind gegen Gürtelrose geimpft – über 370.000 Menschen in Hamburg ohne Schutz
BARMER Arzneimittelreport zeigt: die Impfung wirkt (11,4 Erkrankungen pro 1.000 Ungeimpfte vs. 4,1 pro 1.000 Geimpfte)
Dr. Susanne Klein, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Hamburg: „Versicherte haben einen Anspruch auf die Leistung und sollten sie aktiv angeboten bekommen.“
Hamburg – 23. Februar 2026. Hamburg hat erheblichen Nachholbedarf beim Schutz gegen Gürtelrose (Herpes zoster). Laut aktuellem Arzneimittelreport des BARMER Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg) ist weniger als ein Sechstel der über 60-Jährigen in Hamburg vollständig gegen die schmerzhafte Viruserkrankung geimpft. Rund 372.000 ältere Menschen in der Hansestadt bleiben damit ungeschützt – obwohl die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung klar empfiehlt und die Krankenkassen die Kosten übernehmen. „Es ist unverständlich, dass so wenige Menschen den Schutz in Anspruch nehmen. Versicherte ab 60 Jahren haben einen Anspruch auf die Leistung und sollten sie kennen und auch aktiv angeboten bekommen“, fordert Dr. Susanne Klein, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Hamburg. Der BARMER Arzneimittelreport zeige deutlich, wie wirksam die Impfung ist: 2023 erkrankten 11,4 von 1.000 ungeimpften Versicherten, aber nur 4,1 von 1.000 geimpften Personen in Deutschland an einer Gürtelrose.
Impfquoten in Hamburg besonders niedrig
Für Hamburg weist der Arzneimittelreport besonders niedrige Impfquoten aus. Von rund 57.000 BARMER-Versicherten über 60 Jahren in der Stadt waren 2023 lediglich 16,5 Prozent vollständig geimpft. Insgesamt wurden bei den Versicherten der Kasse rund 9.000 Impfungen dokumentiert – zwei Drittel davon bei Frauen. Auch im Ländervergleich landet die Hansestadt auf den hinteren Plätzen. Niedriger sind die Impfquoten lediglich in Bayern (15,4 Prozent) und Baden-Württemberg (15,2 Prozent). Bundesweit liegt der Durchschnitt bei 21,3 Prozent. Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt mit 29,3 Prozent vollständig Geimpften in der Altersgruppe ab 60 Jahren. Dennoch entwickelt sich die Impfquote leicht positiv: Nach aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts ist sie in Hamburg gestiegen – von 3,3 Prozent im Jahr 2021 auf mittlerweile 20 Prozent im Jahr 2025.
Impfquoten variieren auffällig
Ebenfalls auffällig: die Impfquoten variieren stark zwischen den einzelnen Hausarztpraxen in Hamburg. Einige erreichen eine Impfquote von bis zu 60 Prozent, während andere nicht einmal ein Prozent der Anspruchsberechtigten impfen. Besonders auffällig ist, dass die zehn Prozent der Praxen mit den höchsten Impfquoten nur etwa 31 Prozent der Menschen erreichen, die Anspruch auf die Impfung hätten. Diese Unterschiede legen nahe, dass es in Hamburg noch deutliches Optimierungspotenzial bei der Impfaufklärung und den Impfangeboten gibt. „Es darf nicht vom Zufall abhängen, ob ein Patient die nötige Impfung erhält. Um eine flächendeckende Impfquote zu erreichen, braucht es ein koordiniertes Vorgehen aller Akteure im Gesundheitswesen“, betont Klein. Betrachtet wurden für die Analyse rund 120 Hausarztpraxen in Hamburg.
Elektronische Patientenakte als Chance
Die BARMER sieht die Hauptursache für die niedrigen Impfquoten nicht in einer grundsätzlichen Impfskepsis, sondern in fehlender systematischer Information und einem zu geringen Zugang zur Impfung. Eine deutliche Korrelation zwischen den Impfquoten für Gürtelrose und Grippe zeigt zusätzlich, dass hier erheblicher Verbesserungsbedarf besteht. Klein fordert daher, Versicherte besser zu informieren und die Impfung konsequenter anzubieten. Ein digitaler Erinnerungsmechanismus in der elektronischen Patientenakte (ePA) könnte dabei entscheidend helfen: „Ein solches System würde Ärztinnen und Ärzte automatisch auf ausstehende Impfungen hinweisen – ohne zusätzlichen Aufwand für die Praxis und ohne, dass ältere Patientinnen und Patienten eine App nutzen müssten“, erklärt Klein. Studien belegten, dass Erinnerungssysteme die Impfbereitschaft deutlich erhöhen. Die ePA sollte diese Funktion grundsätzlich bereitstellen können. Darüber hinaus schlägt die BARMER-Landesgeschäftsführerin vor, dass die Überprüfung des Impfstatus und die Beratung zu empfohlenen Impfungen fester Bestandteil des allgemeinen Gesundheits-Check-ups werden.
Gürtelrose: eine Erkrankung des Alters
Die gesundheitlichen Folgen einer Gürtelrose sind nicht zu unterschätzen. Das Tückische: Eine Gürtelrose hat keine Saison, wie beispielsweise die Grippe. Sie kann jederzeit ausbrechen. Insbesondere ältere Menschen in Hamburg sind betroffen. So erkranken 10,5 von 1.000 Versicherten in der Altersgruppe der über 60-Jährigen an einer Gürtelrose – fast doppelt so viele wie die 5,8 Betroffenen je 1.000 Versicherte in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen. Ab 80 Jahren verdoppelt sich das Risiko nahezu (11,9 je 1.000 Versicherte). Zudem sind ältere Menschen besonders anfällig für Komplikationen, die im Zusammenhang mit einer Gürtelrose entstehen können: In der Altersgruppe ab 80 Jahren tritt fast doppelt so häufig eine Gürtelrose mit Augenbeteiligung auf (0,7 Erkrankte je 1.000 Versicherte). Der sogenannte Zoster ophthalmicus kann sogar bis zum Erblinden führen. Ebenso sind langanhaltende Nervenschmerzen (postherpetische Neuralgie) bei älteren Menschen ab 80 Jahren deutlich häufiger (1,6 Betroffene je 1.000 Versicherte). „Eine Gürtelrose ist weit mehr als ein Hautausschlag – sie verursacht oft sehr starke Schmerzen und kann die Lebensqualität sowie die Psyche der Betroffenen massiv beeinträchtigen. Deshalb appelliere ich an alle über 60, die Impfung wahrzunehmen, um sowohl die akuten Symptome als auch schwerwiegende Folgen zu vermeiden“, so Susanne Klein.
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