Barmer GEK Arzneimittelreport 2012

Warum gibt es so große Geschlechterunterschiede in der Arzneimittelversorgung? Frauen bekommen etwa zwei- bis dreimal mehr Psychopharmaka als Männer. Erklären Rollenklischees oder häufigere Migräneattacken die hohe Verordnungsrate?

Apothekerin mit Kundin schauen sich Rezept an

Frauen, so der Report, bekommen mehr Arzneimittel verordnet: Auf 100 Frauen entfielen durchschnittlich 937 Verordnungen im Jahr. Damit liegen sie 22,3 Prozent über den Männern, die je 100 auf 763 Verordnungen kamen (Durchschnitt: 864). Bei den Arzneimittelkosten liegen die Geschlechter näher beieinander: Auf 100 Männer entfielen im letzten Jahr 41.100 Euro, auf 100 Frauen 44.900 Euro (+9,3 Prozent).

Gegenüber früheren Jahren fällt auf, dass die Verordnungsmengen nicht mehr grundsätzlich bei Frauen höher sind. So liegen Männer im höheren Alter bei den Tagesdosierungen mittlerweile deutlich vorne. 2011 bekamen sie durchschnittlich 486 Dosierungen, Frauen 540. Noch vor zehn Jahren fiel dieses Verhältnis deutlicher zu Lasten der Frauen aus: 441 Tagesdosierungen gegenüber 295 bei Männern.

AMNOG nicht aufweichen

Insgesamt gab die Barmer GEK rund 3,9 Milliarden Euro für Arzneimittel aus. Hinzu kommen noch rund 400 Millionen Euro für Rezepturen und importierte Arzneimittel. Neue, teure Spezialpräparate gegen Rheuma, Multiple Sklerose oder Krebs machen knapp drei Prozent der Verordnungen, aber rund 32 Prozent der Kosten aus (knapp 1,3 Mrd. Euro). Knapp 2,1 Milliarden Euro bzw. rund 52 Prozent der Ausgaben entfallen auf patentgeschützte Arzneimittel. Der Ausgabenanteil patentfreier Altoriginale liegt mit rund 550 Millionen Euro bei 13,9 Prozent, der von Nachahmerprodukten mit rund 1,4 Milliarden bei 34,1 Prozent.

Dr. Rolf Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, hebt die gebremste Ausgabendynamik im Arzneimittelmarkt 2011 hervor und ergänzt: "Das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz AMNOG ist wahrscheinlich das beste Gesundheitsgesetz der schwarz-gelben Regierung in dieser Legislatur! Die Nutzenbewertung trennt die Spreu vom Weizen." Allerdings dürfe das Gesetz jetzt nicht wieder aufgeweicht werden. Die frühe Nutzenbewertung sowie direkte Preisverhandlungen für neue Arzneimittel müssten entschlossen verteidigt werden. "Die Kassen haben das größte Interesse, dass neue Medikamente mit einem wirklichen Mehrwert für Patienten rasch in die Regelversorgung gelangen."

Webcode dieser Seite: p004938 Autor: Barmer Erstellt am: 15.12.2016 Letzte Aktualisierung am: 15.12.2016
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