Eine niedergeschlagene junge Frau liegt mit dem Smartphone in der Hand auf dem Bett. Sie ist Opfer von Cybermobbing geworden.
Pressemitteilung der Barmer Thüringen

Starker Anstieg von Essstörungen bei jungen Thüringerinnen

Lesedauer weniger als 3 Min

Erfurt, 22. Dezember 2025 – Während sich viele Menschen auf das gemeinsame Festessen an Weihnachten freuen, macht die Barmer auf einen gefährlichen Trend aufmerksam. Fragwürdige Social-Media-Phänomene wie „Skinny Tok“ setzen insbesondere junge Frauen unter enormen Druck, extrem schlank zu sein. Auch wenn ein direkter Zusammenhang mit Abrechnungsdaten nicht nachweisbar ist: Aktuelle Barmer-Auswertungen zeigen einen massiven Anstieg von Essstörungen in der Altersgruppe der 12- bis 29-Jährigen. 

Demnach ist die Rate der Betroffenen in Thüringen binnen fünf Jahren um fast 40 Prozent angestiegen. Im Jahr 2018 waren im Schnitt 10 von 1.000 jungen Thüringerinnen wegen einer Essstörung in Behandlung. Im Jahr 2023 lag die Rate bereits bei 14 von 1.000. 

Robert Büssow, Landesgeschäftsführer der Barmer Thüringen. Foto: Kai Eisentraut

Robert Büssow, Landesgeschäftsführer der Barmer Thüringen. Foto: Kai Eisentraut

„Die bevorstehenden Feiertage sind traditionell eine Zeit des bewussten Genusses und kein Anlass für gefährliche Selbstoptimierung. Familien sollten aufmerksam auf mögliche Anzeichen einer Essstörung bei Angehörigen achten und im Zweifel frühzeitig Hilfe suchen“, sagt Robert Büssow, Landesgeschäftsführer der Barmer Thüringen.

Typische Warnsignale können sein:

  • auffällige Gewichtsveränderungen in kurzer Zeit,
  • häufiges Reden über Kalorien, Diäten oder „Schlankheitsziele“,
  • Vermeiden gemeinsamer Mahlzeiten oder heimliches Essen.

Wohlbefinden steigern durch Digital Detox

„Die auf Netzwerken wie Instagram und Tiktok ausgespielten Inhalte vermeintlich ‚schöner‘ dünner Models und Influencerinnen müssen sehr kritisch gesehen werden, da sie einen immensen sozialen Druck ausüben können“, so Büssow weiter. Es sei wichtig, verantwortungsvoll und skeptisch mit den Inhalten umzugehen, damit sich bei jungen Menschen keine krankhaften Selbstbilder und psychischen Leiden entwickeln. 

Wenn die Beschäftigung mit bestimmten Influencerinnen nicht guttue, sei es ratsam, ihnen konsequent zu entfolgen. Auch der zumindest zeitweilige Verzicht auf Social Media, das sogenannte Digital Detox, könne beitragen, das Wohlbefinden zu steigern.

Jena am stärksten, Sonneberg am wenigsten betroffen

Innerhalb Thüringens sind Essstörungen bei jungen Frauen zwischen 12 und 29 Jahren am stärksten in Jena verbreitet. In der Saalestadt liegt die Betroffenenrate bei 22,8 von 1.000. Es folgen der Unstrut-Hainich-Kreis (20,0 von 1.000) und das Weimarer Land (19,8 von 1.000). Die geringste Rate gibt es den Auswertungen zufolge im Kreis Sonneberg, wo bei 6,2 von 1.000 jungen Frauen eine Essstörung diagnostiziert wurden. Auch im Kreis Hildburghausen (7,7 von 1.000) und im Kreis Nordhausen (7,6 von 1.000) fallen die Werte vergleichsweise niedrig aus. Der bundesweite Schnitt liegt mit 14 von 1.000 auf dem Niveau des Thüringer Mittelwerts.

Verschiedene Arten von Essstörungen

Man unterscheidet zwischen drei Hauptformen der Essstörung. Bei der Anorexia nervosa handelt es sich in der Regel um untergewichtige Patientinnen und Patienten, wobei der Gewichtsverlust mit Absicht herbeigeführt bzw. aufrechterhalten wird. Betroffene beschäftigen sich in der Regel viel mit den Themen Essen und gesunde Ernährung. Die Erkrankung geht häufig mit einem erhöhten Aktivitätslevel bis hin zum Sportzwang einher. 

Bei der Bulimia nervosa leiden Betroffene unter Essanfällen unterschiedlichen Ausmaßes mit anschließenden kompensatorischen Maßnahmen wie Erbrechen, Abführen oder intensive Sporteinheiten, um die aufgenommenen Kalorien wieder loszuwerden. Nicht selten geht der Bulimie eine Anorexie voraus. 

Eine weitere Form ist die Binge-Eating-Störung, bei der Betroffene ebenfalls Essanfälle haben, diese jedoch nicht kompensieren, wodurch es im Krankheitsverlauf meist zum Übergewicht kommt.

Kontakt für die Presse:

Patrick Krug
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