Lustloses Mädchen bei Hausaufgaben
STANDORTinfo für Sachsen

Versorgungsforschung

Lesedauer unter 4 Minuten

Im Rahmen ihrer Versorgungsforschung schaut die Barmer regelmäßig auf das Versorgungsgeschehen im ambulanten und stationären Bereich.  Das Barmer Institut für Gesundheitssystemforschung (bifg) ist das wissenschaftliche Institut der Kasse. Als Kompetenzzentrum für Versorgungs- und Gesundheitssystemforschung untersucht es insbesondere Fragen der Gesundheitsversorgung, der Finanzierung und der Versicherungssysteme.

1. Arztreport 2021 – Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen in Sachsen

Das Bild zeigt das Deckblatt des Barmer Arztreports 2021.

Hilfsangebote für junge Menschen mit seelischen Überlastungserscheinungen

Reaktionen auf schwere Belastungen, Angststörungen und Depressionen, sind eigentlich keine Erkrankungen, die man auf den ersten Blick mit jungen Menschen in Verbindung bringt. Und doch leiden immer mehr Kinder und Jugendliche in Sachsen so sehr darunter, dass sie psychotherapeutisch behandelt werden müssen. Innerhalb von elf Jahren hat sich die Zahl der jungen Patientinnen und Patienten im Freistaat mehr als verdoppelt. Das geht aus dem aktuellen Barmer Arztreport hervor. Demnach benötigten im Jahr 2019 rund 36.000 sächsische Kinder und Jugendliche psychotherapeutische Hilfe, 143 Prozent mehr als im Jahr 2009.

Portrait Fabian Magerl neben Text Zitat


Die Corona-Pandemie samt strikter Kontaktbeschränkungen hat dabei die Situation noch verschärft. Allein im ersten Halbjahr 2020 stieg die Zahl der sächsischen Heranwachsenden bis einschließlich 24 Jahren mit Psychotherapie gegenüber 2019 um fast sechs Prozent. Psychische Probleme können für Kinder und Jugendliche ernste Folgen haben. Damit aus kranken Kindern keine kranken Erwachsene werden, ist es wichtig, frühzeitig auf die Alarmsignale zu achten. Aufklärung, Wissensvermittlung sowie bekannte und gut erreichbare Hilfsangebote für die Heranwachsenden selbst, Ihre Eltern, Freunde, aber auch pädagogische Fachkräfte spielen hier eine entscheidende Rolle.

Mehr zum Thema sowie Statements von:

  • Cornelia Metge, Niedergelassene Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus Zschopau, Vorsitzende des OPK-Ausschusses der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten
  • Prof. Dr. Susanne Knappe, Technische Universität Dresden, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Projektleitung im Rahmen „Netzwerk für Suizidprävention in Dresden“ (NeSuD) an Dresdner Schulen und Psychologische Psychotherapeutin  

finden Sie hier: Pressemappe zum Barmer Arztreport 2021 Sachsen,

Der vollständige Barmer Arztreport 2021 zum Herunterladen: www.barmer.de/p009012 

Durch die Barmer geförderte Hilfsangebote 

Den Ausbau von gut nutzbaren Angeboten zur Prävention und Gesundheitsförderung treibt auch die Barmer beständig voran. So fördert die Barmer seit 2010 das Online Portal FIDEO („Fighting Depression Online“) des Diskussionsforums Depression e.V. für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 25 Jahren mit Depressionen. Ebenfalls gefördert durch die Kasse wird in Sachsen das Schulprogramm „MindMatters“, ein umfassendes Präventionsprogramm für alle Schularten, in dem auch Aspekte, wie Umgang mit Stress, Mobbing, Trauer sowie psychische Auffälligkeiten und Störungen mit den Heranwachsenden thematisiert werden. Über das Weiterbildungsportal des Sächsischen Landesamtes für Schule und Bildung (LaSuB) haben im Freistaat alle Lehrerinnen und Lehrer Zugang zu dem kostenfreien Fortbildungsangebot, das in Kooperation mit der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V. (SLfG) durchgeführt wird. Weiterhin unterstützt die Barmer das Online-Angebot krisenchat.de für Menschen bis 25 Jahren. Bei psychischen Problemen, etwa durch Cybermobbing, können sie sich unkompliziert und anonym an geschulte Psychologinnen und Psychologen wenden. Die Vernetzung von medizinischen und psychologischen Experten treibt die Barmer mit ihrem Kinder- und Jugend-Programm (KJP) voran, bei dem derzeit fast rund 15.000 Kinder und Jugendliche in Sachsen eingeschrieben sind. Das KJP beinhaltet mehrere Extra- Vorsorgeuntersuchungen. Die teilnehmenden Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte achten gezielt auf psychische Auffälligkeiten der jungen Menschen.

2. Zahnreport 2021– Kreidezähne bei Kindern

Ein Junge sitzt beim Zahnarzt auf dem Stuhl und schaut in einen Spiegel. Der Arzt zeigt und erklärt ihm etwas.
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10.300 Kinder in Sachsen haben Kreidezähne - Sind Antibiotika eine Ursache für die Erkrankung?

Die Zähne sind verfärbt und fleckig, sie sind oft schmerzempfindlich und so weich, dass sie schließlich bröckeln. Die Rede ist von Kreidezähnen, im Fachjargon: Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) des Zahnschmelzes. In Sachsen sind 5,6 Prozent der Sechs- bis 10-Jährigen betroffen, so der Barmer-Zahnreport 2021. Sachsenweit hochgerechnet wären das etwa 10.300 Jungen und Mädchen, etwa jedes 20. Kind in diesem Alter. Kreidezähne sind nach Karies die bedeutendste Zahnerkrankung bei Kindern. Tatsächlich dürften noch viel mehr Menschen betroffen sein. Denn Kreidezähne sind irreversibel. Sie kommen auch bei Älteren vor.

Infografik Ländervergleich Anteil der Kinder mit MIH im Jahr 2019

Prof. Dr. Christian Hirsch, Direktor der Poliklinik für Kinderzahnheilkunde und Primärprophylaxe des Universitätsklinikums Leipzig, beschreibt die Problematik so: „Stark betroffene Kinder leiden oft sehr unter der Zahnschädigung. Sie haben Schwierigkeiten beim Essen, Schmerzen bei der Zahnreinigung. Außerdem wirken sich die farb- und formveränderten Zähne nicht förderlich auf das psychische und soziale Wohlbefinden der Kinder aus. Neben den physischen Schmerzen leidet also auch die Kinderseele.“ Die klinischen Auswirkungen der MIH und deren Therapiemöglichkeiten in der Zahnarztpraxis sind wichtige Forschungsschwerpunkte in seiner Klinik.

Bei Kreidezähnen ist die Mineralisation des Zahnschmelzes gestört. Deshalb baut sich dieser nicht richtig auf und der Zahn wird bröselig. Über die Ursachen wird viel diskutiert. In der aktuellen Barmer Studie ist es gelungen, einen Zusammenhang zwischen einer MIH-Erkrankung und der Gabe von Antibiotika, die etwa bei Atem- oder Harnwegsinfekten zum Einsatz kommen, nachzuweisen. 

Portrait Fabian Magerl neben Text Zitat


In der Regel würden die Kreidezähne in den Zahnarztpraxen bei Kindern ab einem Alter von sechs Jahren diagnostiziert. Dabei sind die bleibenden Zähne bereits vor ihrem Durchbruch geschädigt. Die Ernährung habe damit auf die Entstehung von Kreidezähnen eher keinen Einfluss. Auch regelmäßiges Zähneputzen könne Kreidezähne nicht verhindern, da die Zähne bereits geschädigt durchbrechen.

Weitere Informationen

Pressemappe zum Barmer Zahnreport Sachsen

Zahnvorsorge Kinder: www.barmer.de/a000110

Kreidezähne: www.barmer.de/a006550

Barmer Zahnreport 2021: www.barmer.de/a006549

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